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Lecker – Pawlowsche Hunde lassen grüßen: Da läuft einem das Wasser im Munde zusammen. „Fitness à la Carte“ ist ein besonderes Buch über Sportlerernährung. Da findet man eben nicht die üblichen Rezepte von Nudeln mit irgendeiner Tomatensoße. Hier gibt es ganz neue, ungewöhnliche Geschmacksrichtungen zu entdecken. |
Stéphane Franke – jeder kennt noch den hageren Langstreckler, der in den 90er Jahren für manche Überraschung sorgte (zweimal Bronze bei EM über 10.000m, Marathon-Bestzeit 2:11). Sein Name klingt französisch: Stimmt, seine Mutter ist Französin. Vermutlich hat er daher die Liebe zur feinen Küche. In seinem Buch „Fitness à la Carte“ vermittelt er die Lust daran, besondere Gerichte auszuprobieren. Es geht nicht darum, schnell und einfach satt zu werden. Kochen und Essen ist Kultur. Und wenn man schon sein Leben umstellt und nun auf den Körper hört, gehören Laufen und Kochen eben zusammen. Das Buch ist nämlich auch ein Laufbuch. Mit attraktiven Fotos wird Appetit auf Bewegung und auf gutes Essen gemacht. Beides erhöht Lebensqualität.
Beispiele für Rezepte (die Sternekoch Frank Rosin zusammengestellt und verfeinert hat): Gemüsemuffins auf geschmortem Chicoree, Kürbisschaum-Suppe mit Apfel, Kohlrabi mit Dattel-Risotto – Immer sind es Details, die das Rezept aufwerten. Nicht immer hat man alle Zutaten im Haus. Da gibt es ungewohnte Gewürze und Beilagen. Aber das macht eben das Kochen spannend. So wie sich die Muskeln an das Lauftraining gewöhnen müssen, sollten wir auch unseren Geschmacksnerven immer mal neue Reize setzen.
Die Lieblingsgerichte von Sportstars – von Heike Drechslers „Lauchgelee“ bis Herminator Maiers „Gugelhupf“ – sind ebenfalls eher unbekannt. Einige süße Rezepte sind zwar kalorienreich, aber es gehört auch dazu, sich mal etwas zu gönnen, wie beispielsweise die Zitronentarte oder der Kirschen-Grießpudding (Leibspeise von Sven Ottke).
Gelesen und beschrieben von Birgit Schillinger
Fitness à la Carte
von Stéphane Franke
264 Seiten. 19,95 Euro
Weropress Verlag Pfaffenweiler - ISBN 3937588094
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Tolle Fotos! Das macht Lust loszulaufenAuch das Buch „Laufen – meine Geheimnisse für mehr Spaß und Erfolg!“ von Stéphane Franke ist optisch sehr ansprechend gestaltet. Der Weltklasse-Läufer hält sich nach seinem Rücktritt vom Leistungssport inzwischen mit Joggen und Walken fit. Die Freude am Sport ohne Stress möchte er allen Lesern mitgeben. |
Er war damals einer der ersten, die mit Pulsmesser ihr Training verbessern wollten. Als „Technikfreak“ wurde er belächelt. Heute sieht er das lockerer. Und dennoch sollte auch für Nicht-Leistungssportler Input und Output des Trainings optimiert sein. So bietet er Trainingspläne für verschiedene Leistungsstufen, verschiedene Streckenlängen (10km und Marathon) und Zeitbudgets an. Laufen soll Spaß machen und nicht in Verpflichtung ausarten. Eigentlich weiß es jeder erfahrene Läufer: Wenn die Einheiten sinnvoll dosiert sind – auch mit Pausen -, dann kommt der Erfolg und die Freude automatisch. Also weg vom läuferischen Einerlei! Ein schönes Geschenk für Läufer und solche, die es werden wollen.
Gelesen und beschrieben von Birgit Schillinger
Laufen – meine Geheimnisse für mehr Spaß und Erfolg!
von Stéphane Franke
216 Seiten. 19,95 Euro
Weropress Verlag Pfaffenweiler - ISBN 3937588132.
Bücher zum Thema Marathon gibt es viel. Ein Laufbuch der ganz anderen Art kommt aus dem Verlag Die Werkstatt.
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Hier gibt es keine Trainingspläne, keine Tempotabellen, Laufanalysen oder Stretchingübungen. Im Vordergrund stehen die Lust am Laufen und die Lust am Lesen. In 42,195 Kapiteln beschreibt das Autorenteam die Entwicklung des Marathons vom einsamen Kriegsboten Pheidippides bis zu den Weltrekorden von Paul und Paula, die zusammen mit 30 000 anderen Läufern auf der Strecke waren. Natürlich werden die Heroen des Langlaufes gewürdigt, von Abebe Bikila bis Emil Zatopek. |
Streckenbeschreibungen der berühmtesten Läufe in Boston, New York und Berlin fehlen genau so wenig wie ein Ausflug in die Ultramarathonszene mit dem Rennsteig, Biel und dem Marathon des Sables.
Doch dass es hier nicht um ein trockenes Sachbuch geht, verraten schon die Überschriften der einzelnen Kapitel: „vom Waldschrat zum Cityhopper“, „als die Enten laufen lernten“ (satirischer Titel zum Kapitel Frauenlanglauf), „vom Elend eines Laufrekonvaleszenten“, „Nike, adidas und der Krieg der Schuhe“ und besonders schön: „Ohne mich! Warum ich niemals einen Marathon laufen werde!“.
Äußerst umfangreich, aber immer mit einem Augenzwinkern, werden alle Facetten des Marathonlaufes belichtet. Hier kommen alle Liebhaber des langen Laufens auf ihre Kosten. Aber auch für Leseratten, die sich für Sport interessieren, aber noch nicht die Laufschuhe geschnürt haben, ist hier viel Lesespaß garantiert. Und so mancher mag ihr vielleicht erliegen, der Faszination Marathonlauf.
Fazit: unbedingt lesenswert!
Gelesen und beschrieben von Ronald Vetter
Marathon
von Harald Krämer, Klaus Zobel und Werner Irro
Verlag Die Werkstatt
ISBN 3-89533-464-2
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Die Alltagstauglichkeit ist noch nicht auf Herz und Nieren geprüft. Doch eins lässt sich schon jetzt sagen, diese CD ist eine Innovation und klasse gemacht. Vielleicht werden wir schon in fünf Jahren darüber lächeln, zu rasant ist die Entwicklung im multimedialen Bereich. Die CD-Rom lässt sich auch gut verschenken, als nette Anregung zum Sporttreiben. Dieter Baumann verspricht jedenfalls mit seinem interaktiven Lauftrainer zu einem neuen Lebensgefühl zu verhelfen! In der LAUFREPORT Redaktion wurde die CD installiert und begutachtet. Zu den niedergeschriebenen Eindrücken vom interaktiven Lauftraining mit Baumann klick HIER |
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Hier spalten sich die Gemüter. Schon bei der Fernsehsendung über die Aktion „Von Null auf 42“ gab es geteilte Meinungen. Die erfahrenen Läufer fanden das Ganze unmöglich, die Nicht-Läufer waren begeistert. Die einen sahen den Versuch als gescheitert an, weil einige Teilnehmer nur mit gesundheitlichen Problemen durchliefen, andere bejubelten den 100-prozentigen Erfolg, denn alle Starter kamen ins Ziel – wie auch immer. |
Nun also ein Buch zum Film. Man lernt die sieben Testpersonen näher kennen, entdeckt darin sicher persönliche Züge oder typische Eigenschaften von Möchte-Gern-Läufern aus dem Bekanntenkreis. Man gewinnt den Eindruck, dass die Kandidaten unter den 17.000 Bewerbern vor allem aus dramaturgischen Gesichtspunkten ausgewählt wurden: möglichst verschiedene Charaktere, die Potential für Erfolg und Dramatik beinhalten.
Der Erfolg dieser Fernsehdokumentation gibt den Initiatoren Recht. Die Sendung wurde bereits mehrfach wiederholt, es gibt Nachfolge-Aktionen vom SWR und Südwest-Fernsehen, bei denen sich inzwischen einige tausend bisherige Nicht-Sportler auf einen Marathon vorbereiten.
Auch wenn es dann doch kein Marathon wird: Diese Aktion hat Menschen zum Laufen gebracht. Ein Buchkapitel heißt daher auch: „Was wäre, wenn die Deutschen ein Volk von Läufern wären?“ Da kann ja niemand etwas ernstlich dagegen haben!
Auch in unserem Lauftreff tauchten nun neue Anfänger auf, die mit dem Laufen seit dieser Aktion begonnen haben. Das Buch ist dank professioneller Aufmachung mit schönen Fotos sehr motivierend. Der Spruch auf dem Titelbild „Was die können, das können auch Sie!“ passt zu dieser Einstellung.
Die zweite Buchhälfte besteht in Tipps und Hinweisen für Neu-Läufer, was man übers Laufen wissen sollte: Da gehören auch Themen wie Training bei Übergewicht und Ernährung dazu. Das Trainingsprogramm für den Marathon in 12 Monaten ist natürlich sehr allgemein. Man kann damit sicher keine Superzeit laufen, aber dass man damit irgendwie durchkommt, haben die Kandidaten bewiesen.
Ein ideales Weihnachtsgeschenk für Nicht-Läufer, denen nur der kleine Kick fehlt!
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Rolf Schlenker, Dr. Thomas Wessinghage: Von-null-auf-42.
7 Nichtläufer auf ihrem Weg zum New York Marathon. 140 Seiten. 14,90 Euro
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Gelesen und beschrieben von Birgit Schillinger
Muss es New York sein? Iris Gehrmann hat ihren Weg dorthin aufgeschrieben. Sie war Teilnehmerin in dem Projekt „Von Null auf 42“: Unter 17.000 Bewerbungen wurde die Berlinerin gemeinsam mit sieben weiteren Kandidaten ausgewählt, um in einem Jahr fit für den New Yorker Marathon gemacht zu werden.
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So sehr es ihr sehnlicher Wunsch war, in New York zu laufen, so sehr streikte ihr Körper von Anfang an. Ihr Herz-/Kreislaufsystem war wohl schon gut trainiert, aber die Gelenke und Knochen machten nicht mit. Zunächst quälte sie sich mit Hüftschmerzen herum, dann folgte eine Knochenhautreizung am Schienbein. Und schließlich machten Knieschmerzen das Laufen zur Tortour. Man möchte dieser Frau raten: „Hör auf! Wenn es weh tut, macht es keinen Spaß. Und: Gesund ist das schon lange nicht mehr!“ |
Aber für Iris Gehrmann hat das Laufen – genauer: der New Yorker Marathon – eine symbolische Bedeutung bekommen. Sie will sich frei laufen. Sie will sich und der Familie beweisen, dass sie auch etwas alleine leisten kann. Dass sie etwas für sich erreichen kann. Durch das Laufen kamen viele familiäre Probleme hoch, die sie dadurch teilweise zu meistern gelernt hat: mehr Selbstverantwortung übernehmen, mehr Freiräume für sich einfordern. Und hier hat das Buch auch seinen Reiz: Wer kennt das nicht – das schlechte Gewissen, wenn Hausarbeit zu machen ist, aber ein Trainingslauf ansteht, oder das ständige Zeitproblem, wenn von einem Termin zum nächsten gehetzt werden muss, der Zwang, es allen recht zu machen oder der Hang zur Perfektion – oft frauentypische Hindernisse.
Iris Gehrmann ist in ihrer Verbissenheit sicher kein Vorbild für gesundheitsorientiertes Laufen. Da hätte sie sich einen größeren Gefallen getan, das Training langsamer aufzubauen und dann nach einem Jahr schmerzfrei bei kürzeren Volksläufen mitzumachen. Sie hat den Marathon zu hoch bewertet und dadurch keine Freude am Sport oder am Leben kennen gelernt. Selten schreibt sie in ihrer Tagebuch-Dokumentation von gemeinsamem Lachen mit den Kindern oder von fröhlichen Momenten.
Das Buch ist dennoch unterhaltsam, weil es nette Geschichten rund um diese Dokumentation erzählt. Und es zeigt auf, warum noch immer weniger Frauen laufen als Männer: weil sie von ihrer Haushalt-Mutter-Alles-Erledigerin-Rolle gefangen genommen sind. Die kämpferische Iris Gehrmann spricht da Leserinnen und Läuferinnen (vor allem mit Job und Kindern) aus der Seele, denn jeder Lauf erfordert Management - und Gelassenheit. Die Autorin hat den unter Schmerzen gelaufenen New Yorker Marathon gebraucht, um ihr Leben zu ändern. Das regt zum Nachdenken an.
Gelesen und beschrieben von Birgit Schillinger
Iris Gehrmann: Einmal Marathon in New York.
Verlag: Schwarzkopf&Schwarzkopf.
190 Seiten;
12,90 Euro.
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Manchmal nimmt der Läufer doch gerne ein gutes Buch zur Hand – und schlägt Trainingspläne nach, lässt sich von Tipps neu motivieren, liest Hinweise bei Verletzungen, schaut sich schöne Bilder an. Bei aller Liebe zum Internet – etwas Lektüre im Regal kann nützlich sein. Jeder weiß inzwischen, dass ein Training im immer gleichen Tempo keine Fortschritte bewirkt, wenn man schneller werden will. Und irgendwann will jeder mal schneller werden. Deshalb greifen ambitionierte Läufer zum Tempotraining. Das ist zwar allgemein bekannt, doch auch als Fortgeschrittener ist man für Anregungen dankbar. |
In „Schneller werden“ von Hal Higdon finden sich Programme für 5 Kilometer, 10 Kilometer, Halbmarathon und Marathon. Es wird erklärt, wie schnell die Intervalle zu laufen sind, wie man die Pausen gestalten sollte. “Intervalltraining – richtig gemacht – erhöht das Tempo eines Läufers schneller als jede andere Trainingsmethode.“ Der Autor betont auch, dass Regeneration und Pausentage wichtig sind, auch lockere Lauftage. Dass man aber mit nur superlangsamem, langem Dauerlauf schneller wird, das bezweifelt er. Wie gesagt, es geht hier um das Schneller-Werden. Dazu gehört auch das Kräftiger-Werden, und so ergänzen Tipps für Sprints und kräftigende Gymnastik diesen Ratgeber.
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Schön aufgemacht ist die überarbeitete Auflage von „Das große Laufbuch für Frauen“. Brauchen Frauen wirklich eigene Laufbücher? Diejenigen Frauen und Männer, die leistungsmäßig Laufsport betreiben, trainieren wohl kaum unterschiedlich. Und doch: Frauen sind oft anders motiviert und anders entmutigt als Männer. Wären solche Sätze in einem Männer-Laufbuch denkbar?: (Zum Thema Talent) „Also verzweifeln Sie nicht und jammern Sie nicht wegen Ihrer Veranlagungen. Akzeptieren Sie einfach, dass Ihre körperlichen natürlichen Veranlagungen reine Glücksache sind. Statt Ihre Zeit damit zu verschwenden, sie ändern zu wollen, sollten Sie lernen damit umzugehen.“ |
Durch das ganze Buch zieht sich ein roter Faden: die Motivation „Think positive!“. „Aus jedem Lauf sollten Sie mindestens ein Erfolgserlebnis ziehen.“ Wer es schafft, diese Einstellung zu verinnerlichen, ist nicht nur eine glücklichere Läuferin, sondern auch ein glücklicher Mensch.
Für beide Bücher gilt: Es ist die amerikanische Grundeinstellung, optimistisch das eigene Leben/Training in die Hand zu nehmen. „Es liegt an dir, was du aus dir machst!“ So ein Motivationsschub in Form einer Lektüre zwischendurch kann ja nicht schaden.
Gelesen und beschrieben von Birgit Schillinger
Hal Higdon: Schneller werden. Tempotraining für alle Distanzen.
Mülheim TibiaPress.
266 Seiten. 15,00 €
Dagny Scott: Das große Laufbuch für Frauen. Schlank, fit und mehr Power durch
Bewegung.
TibiaPress. 374 Seiten. 19,50 €
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Bereits vor dem Transeuropalauf war das Buch darüber angekündigt worden; schreiben sollte es Jürgen Ankenbrand, der für die Public relations des Transeuropalaufs zuständig war. Nur leider hat wohl keiner rechtzeitig gemerkt, daß seine Muttersprache in den USA erheblich Not leidet; das stellte sich erst bei der täglichen Berichterstattung heraus. Und wie immer, wenn bei diesem Unternehmen Not am Mann war, - Ingo Schulze, der Chef-Organisator, machte nun auch das Buch selbst. Der Weg zum Buch ist heute leicht. In wenigen Tagen, ja, man kann sagen, in Stunden läßt sich das, was man am Computer getippt hat, in Drucktypen konvertieren, am Bildschirm umbrechen, auf einem Automaten drucken und durch die Bindestraße schieben, fertig. |
Der jüngste Schritt - der Anfang liegt auch schon wieder Jahre zurück - ist, daß man preiswert Kleinauflagen herstellen kann, ja nur die Menge zu drucken braucht, die gerade gebraucht wird, und sei es ein einziges Exemplar. Dieses book-on-demand-Verfahren (Bod) ist von der Engelsdorfer Verlagsgesellschaft mit gutem Recht in BaB (= Buch auf Bedarf) eingedeutscht worden. Die Gefahr bei BaB ist jedoch, daß ein Buch schneller realisiert werden kann, als der Autor oder Herausgeber zu denken imstande ist. Der auf diesem Gebiet unerfahrene Ingo Schulze (nicht zu verwechseln mit einem Schriftsteller desselben Namens!) ist dieser Gefahr voll erlegen. Die Arbeitsschritte früher hatten Zeit zu Nachbesserungen gelassen, wenngleich dann jeder Setzer dabei über Autoren und Lektoren geflucht hat, die ihr Werk nicht loslassen konnten. Heute liegt schwarz auf weiß vor, was wenige Tage zuvor im Rechner noch ein Chaos und sei es ein schöpferisches gewesen ist. Wer früher ein Buch verlegte, mußte erst einen Verlag finden, und der Verlag, der ja damit Geld verdienen wollte, optimierte das Werk durch sein Lektorat oder sogar eine Abteilung Dokumentation, und in der Druckerei saßen Korrektoren, die nicht selten in Orthographie besser beschlagen waren als mancher Deutsch-Lehrer. Auch wer heute zu einem jener Verlage geht, die ihr Geschäft überwiegend nur mit der Eitelkeit ihrer Kunden machen, wird dafür, daß er weit mehr als nur die Druckkosten zahlen muß, wenigstens durch einen Lektor entschädigt. Beim Book on demand ist häufig der Autor selbst Auftraggeber, und keine Kontrollinstanz steht dazwischen. Jedes falsche Komma wird vom Rechner ungebremst in den Druck übertragen. Ach, was rede ich von Kommata. Die Leser werden es ja selbst sehen. Allerdings meine ich, in der seriösen Verlagsstadt Leipzig hätte sich jemand finden müssen, der den Autor auf seine Schwäche aufmerksam gemacht hätte. Da in der Laufszene einiges publiziert wird, das von Professionalität weit entfernt ist, scheinen mir diese Bemerkungen als konstruktiver Beitrag angebracht.
Zum Inhalt: Wer sich über den Transeuropalauf informieren wollte, hat dazu reichlich Gelegenheit gehabt - vom Internet bis zu Zeitungsartikeln und Fernsehbeiträgen. Ein Buch muß also nicht mehr ausführlich über Bekanntes informieren. Gleichwohl sollte es eine Dokumentation darstellen. Doch wen interessieren Gesprächsprotokolle von den vorbereitenden Reisen nach Lissabon und Moskau? Es ist ja erfreulich, daß sich Ingo die Namen der vielen Gesprächspartner gemerkt hat - darum beneide ich ihn -, aber was bringt das den Lesern eines Buches ein Jahr später?
Das Buch beginnt mit Schwung, das Vorwort ist bereits ein Resümee, während man eine Zusammenfassung am Schluß vermißt. Die Aspekte, die Ingo Schulze bei seiner Rückbesinnung abdeckt, sind das, was Mehrtage-Läufer erwarten. Der Autor läßt es dabei an Realismus nicht fehlen. Die spröde Teilnehmersatzung mag als Dokumentation akzeptiert werden. Einen wertvollen Beitrag hat Markus Müller mit einem Rückblick auf die bisherigen Transkontinentalläufe geleistet. Dann aber werden die Schwächen des Buches überdeutlich. Eine davon ist: Ingo Schulze unterbricht eine Darstellung durch seinen Kommentar, und man weiß nicht, wo ein Zitat aufhört und Ingo Schulze wieder in Erscheinung tritt. Es kommt immer wieder zu überflüssigen Wiederholungen. Wir wissen nun seit der Titelseite, daß Ingo Schulze den Transeuropalauf organisiert hat; auf Seite 52 wird es uns mitgeteilt. Und als ob wir das nicht auf Seite 52 gelesen hätten, wird auf Seite 53 berichtet, daß Manfred Leismann die Strecke geplant habe. Leismann schildert später ohnehin ausführlich seine Vermessungsreisen. Und damit beginnt das Klein-Klein. Wen interessiert noch die Mahnung an die Fahrer: Denkt an die Grüne Versicherungskarte! Und daß man sich wegen medizinischer Fragen an Dr. Z. wenden solle. Beim nächsten Mehrtage-Lauf wird es sicher ein anderer Arzt sein. Manche Information, die scheinbar mit dem Lauf nichts zu tun hat, ist hingegen durchaus angebracht. Ich habe hier zum erstenmal die Umstände des Todes von Guus Smit erfahren. Insgesamt jedoch hinterläßt das Buch den Eindruck, sein Autor habe alle seine Protokolle und Gesprächsnotizen chronologisch aneinandergereiht.
Erst auf Seite 139 des 303seitigen Buches beginnt der Transeuropalauf. Und damit beginnt die Dokumentation von Unzuträglichkeiten - Ingo Schulze läßt Dampf ab, fortan beinahe auf jeder Seite. Ob beispielsweise sein Seitenhieb auf Teilnehmer, die sich in einem Lokal deshalb zu ihm gesetzt hätten, damit er die Zeche für sie zahle, berechtigt ist, mag die Betreffenden etwas angehen, aber die Leser interessiert es nicht im geringsten. Nicht, daß seine Klagen über die Ansprüche oder die Uneinsichtigkeit von Teilnehmern und auch über die Verhältnisse in Weißrußland und Rußland nicht berechtigt erschienen - doch da Humor seine Sache nicht ist, stellt sich beim Leser - jedenfalls mir ist es so ergangen - schließlich Mitleid ein. Ist es das, was ein solches Buch erreichen will? Ich habe den Eindruck, daß ein kräftiges Donnerwetter unterwegs die offenbar gewitterschwüle Atmosphäre der Gruppe bereinigt hätte. Stattdessen hat er sich den Ausdruck dessen, daß er die Schnauze voll habe, bis zuletzt aufgespart, und das war nun sicher der falscheste Zeitpunkt. Ingo Schulze erklärte seine Aufgabe mit dem Frühstück am Tage nach der Ankunft in Moskau für beendet. Er nahm an dem Programm des Allrussischen Tages nicht mehr teil und blieb auch abends dem Empfang in der Deutschen Botschaft fern. Damit endete der TE-FR (Transeurope Footrace) mit einem - vorsichtig gesagt - Mißklang. Wenigstens jedoch nicht wie der erste Transamerikalauf mit einem finanziellen Desaster; Respekt vor dem Mut zum Risiko, das Ingo Schulze übernommen hat, und Respekt, daß er sich nicht zu unüberlegten Geldausgaben verführen ließ, auch wenn dies manches Problem vor Ort verringert hätte.
Das Buch vermittelt den Eindruck, daß es bei diesem Unternehmen nicht im geringsten zu einer gemeinsamen Bewältigung einer riesigen Aufgabe gekommen ist. Ein gruppendynamischer Prozeß, der schließlich in Solidarität und die Freude an der Meisterung der Schwierigkeiten gemündet wäre, ist wohl ausgeblieben. Weshalb? - diese Frage wird gar nicht erst gestellt; es fehlt die objektivierende Sicht, die man nach zeitlicher Distanz erwartet. Schon deshalb hinterläßt die Abrechnung durch Ingo Schulze einen zwiespältigen Eindruck, zumal wenn über Unwesentlichem der Sturz Manfred Leismanns, der sich eine Platzwunde nähen lassen mußte, schlicht unerwähnt bleibt. Möglicherweise hat es tatsächlich an Kommunikation gefehlt. Sicher, man muß zum Beispiel nicht eigens sagen, daß der Lauf durch die Benützung der Weser-Fähre unterbrochen würde, es stand ja in der Streckenbeschreibung; doch solche Hinweise bei einem täglich abzuhaltenden Briefing hätten das Gemeinschaftsgefühl fördern können. Und daß den letzten die Schnitzel weggegessen wurden, hätte man vor Ort rügen sollen und nicht erst in einem Buch, das schließlich über die Jahre Bestand haben sollte.
Veranstalter und Teilnehmer von Mehrtage-Läufen können Erkenntnisse immer nur aus dem schöpfen, was Ingo Schulze mißfallen hat oder ohne seine Schuld mißlungen ist. Eine sachliche Analyse mit generellen Ableitungen für künftige, auch kleinere Projekte ist nur im Ansatz erkennbar. Es ist ein Buch des Organisators Ingo Schulze, ja, aber es kann nicht den Anspruch erheben, das läuferische Abenteuer des Transeuropalaufs darzustellen. Es hätte dem Autor gut zu Gesicht gestanden, wenn er, statt Außenstehende wie mich zu zitieren (fehlerhaft) - ich habe meine Tagebucheintragungen ja nur an Hand von dem machen können, was ich bei Steppenhahn gelesen habe -, vor allem die Teilnehmer selbst hätte zu Wort kommen lassen. Günter Böhnke hat wohl am intensivsten vor und während des Laufes reflektiert, selbst seine SMS-Nachrichten sind mit ihrer Prägnanz lesenswert. Böhnke wird jedoch nur mit einem einzigen Satz zitiert. Aus der Gegenüberstellung von Stefan Schletts „bescheuertstem Lauf“ in dessen Bericht oder Martin Wagens Tagebuch-Auszügen einerseits und Ingo Schulzes täglichem Kampf mit den zermürbenden Realitäten andererseits wäre nicht nur Spannung für den Leser erwachsen, sondern auch die Spannung während jener 64 Tage widergespiegelt worden.
Unverständlich bleibt, weshalb das Buch, bei dem sich eine Illustrierung geradezu aufdrängt, ganze 3 Bilder von dem Lauf enthält. Helmut Linzbichler hat in seinem empfehlenswerten und nur 141 Seiten starken Buch „Der Transamerikalauf“ sehr wohl gezielt zahlreiche Bilder zur Information eingesetzt. An fehlendem Bildmaterial kann es ja, da Jürgen Ankenbrand als offizieller Fotograf vorgestellt worden ist, nicht gelegen haben und bei soviel Redundanz auch am Platz nicht.
Eines jedoch ist Ingo Schulzes Abrechnung zu attestieren: Es ist ein authentisches Buch. Besseres läßt sich leider nicht sagen. Ich habe es zweimal gelesen, lesen müssen, weil ich nicht nur den potentiellen Lesern, sondern auch den Verdiensten des Autors gerecht werden wollte. Ich sehe durchaus noch Raum für ein weiteres Buch über den Transeuropalauf.
Gelesen und beschrieben von Werner Sonntag
Ingo Schulze: Transeuropalauf 2003.
Lissabon - Moskau 5036 km in 64 Tagesetappen.
Engelsdorfer Verlagsgesellschaft, BaB-Edition, 303 S.
ISBN 3-937290-71-0. 15,95 Euro.
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Zum Laufen geboren sind wir im Grunde genommen alle. Manche besinnen sich bei einer Lebensumstellung darauf. Achim Heukemes hat sich „Born to run“ auf den Oberarm tätowieren lassen. Erst war das Fahren eines Lastzugs sein Traum, dann das Motorrad, und als er das Laufen entdeckt hatte, blieb er dem Asphalt treu. Achim Heukemes ist ein Straßenläufer, und was für einer. Seine Fernläufer-Leistungen sind im Anhang eines Buches aufgelistet, das der Psychotherapeut Ulfilas Meyer, auch er ein Läufer, mit ihm zusammen gemacht hat. Nichts gegen ein solches einem einzigen Läufer gewidmete Buch, das seinen eigentlichen Wert erst in späteren Jahren gewinnen wird, so wie man sich erst heute zum Beispiel für Mensen Ernst interessiert. |
Doch über Yiannis Kouros, den weltbesten Ultraläufer, gibt es kein Buch, Siegfried Bauer ist vergessen, und derselbe Verlag hat meinen Vorschlag, ein Buch mit Stefan Schlett zu machen, der drei Kontinente durchquert hat und seit über zwanzig Jahren im Geschäft des Extremsports ist, abschlägig beschieden. Die Aufsehen erregenden Leistungen von Achim Heukemes beschränken sich bisher auf einen Zeitraum von nur fünf Jahren, denn erst 1998, im Alter von 47 Jahren, begann er mit seinen Fernläufen, damals mit der Durchquerung Italiens vom Brenner bis Sizilien, 1770 km in 16 Tagen, das macht 110 km am Tag. Ein Jahr später entschloß er sich, Laufen zum Beruf zu machen. Noch Carl Diem hatte solche Berufssportler als Schausteller des Sports bezeichnet. Nun ist der Bogen von den Kunstläufern des 18. und 19. Jahrhunderts zu den Berufsläufern einer Medienlandschaft geschlagen. Achim Heukemes kommt für seine Vermarktung zupaß, daß sich ein Psychologe für ihn interessiert hat. Daher enthält denn diese Lebensbeschreibung kaum eine Beschreibung läuferischer Leistungen. Achim Heukemes hat sich dem Psychologen geöffnet, und dieser faßt die Äußerungen professionell zusammen und interpretiert sie. Herausgekommen ist damit ein nicht uninteressantes Buch; doch hat dieses Läuferprofil fast keinen allgemeinen Aussagewert. Andere Extremläufer werden ein ganz anderes Profil aufweisen. Stellenweise haben die psychologischen Kommentare auf mich wie ein Patientenbericht gewirkt. Achim Heukemes wird zwar als Solist dargestellt, der seine Läufe von der Planung bis zur Vermarktung zu einem Gesamtkunstwerk macht; aber er kommt um die Beteiligung an Wettbewerben nicht herum. Nur so kann er Rekordinhaber oder Meister werden, um sich besser vermarkten zu können - denn vom Laufen zu leben, ist anders als beim Tennis oder im Motorsport ziemlich mühsam. Wenn Heukemes in der Statistik selbst belanglose Marathons in Bad Füssing oder Göppingen erwähnt, ist um so verwunderlicher, daß er noch nie beim Spartathlon gestartet ist, wo nun wirklich jeder sein individuelles Rennen läuft; auch die Teilnahme am Transeuropalauf hatte ich erwartet. Mit 5753 km in 55 Tagen, die er im Jahr 2000 bei seiner Europadurchquerung zurückgelegt hat, hätte er die Chance auf einen Sieg gehabt. Hat das Ego einen Vergleich mit anderen nicht zugelassen? Insofern ist das „Innenleben einer Laufmaschine“ - mir gefällt dieser die psychologische Absicht konterkarierende Titel auf der Rückseite nicht - keineswegs enthüllt.
Gelesen und beschrieben von Werner Sonntag
Ulfilas Meyer: Born to Run. Zum Laufen geboren.
Aus dem Leben des Extremläufers Achim Heukemes.
rororo Paperback, 2003. 190 S. 12 Euro
ISBN 3-499-61543-6
… die keine ist, und deshalb funktioniert.
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Der erste Satz auf dem eingeschlagenen Einband des grün-weißen, knapp
200 Seiten starken Buches, das ich in Händen halte, zeigt gleich, dass
man vom Inhalt offensichtlich mehr erwarten darf, als der Titel vielleicht
zunächst zu offenbaren vermag. Und wer die Autoren, vor allem den Ernährungs- |
Vielmehr wird aufgezeigt, wie eine ausgewogene, stoffwechselaktivierende und auf den Bedarf des Ausdauersportlers abgestimmte Ernährung auszusehen hat. Kommt dann noch die nötige Bewegung hinzu, schaltet die Ampel in Richtung Fettabbau, Muskelaufbau und Wohlfühlgewicht endgültig auf grün.
Das Buch ist vor allem für Läufer geeignet, die über den Tellerrand des Trainings hinausschauen wollen, und sich mit Ernährungsfragen bisher noch nicht, oder noch nicht vertiefend beschäftigt haben.
Es ist daher zusammengesetzt aus den zwei Teilbereichen, die für jeden halbwegs ambitionierten Läufer ohnehin unabdingbar zusammengehören: der Trainingslehre/Bewegungslehre einerseits und Grundlagen der (modernen) Ernährungslehre andererseits, wobei letzterer überwiegt.
Während der Vitalstoffexperte Dr. Feil für den Ernährungsteil verantwortlich zeichnet, stammt der Bereich der Trainingslehre aus der Feder von Herbert Steffny, dem jüngeren der beiden in der Leichtathletik sehr erfolgreichen Steffny-Brüder.
Beim ersten Durchblättern und Überfliegen fällt bereits auf, dass beide Bereiche keine strikte Trennung erfahren, sondern zusammen unter dem Deckmantel des sogenannten Jokersystems, das gleich zu Beginn Erklärung findet, abgehandelt werden.
Der eingeschlagene Einband vermittelt dabei einen Überblick über die insgesamt sieben Joker, die in den fünf Kapiteln des Buches vorgestellt werden. Zu jedem Joker gibt es eine kleine Einleitung bzw. ein Vorwort, sowie am Ende des Kapitels eine kurze Zusammenfassung. Der Zentrale Begriff des Buches, die Stoffwechseloffensive, prangt dabei als Schlagwort über allen Jokern. Und genau damit sind wir auch schon bei der Kernaussage des Ernährungsteils, denn Dr. Feil macht deutlich, wie man in zunehmendem Alter, aber auch generell, einem verlangsamten Stoffwechsel entgegensteuert. Er erläutert die sogenannte Stoffwechselfalle (verlangsamter Stoffwechsel und damit verbundene erhöhte Fetteinlagerung) und zeigt Möglichkeiten auf, ihr entgegenzusteuern. Er geht hierbei detailliert auf natürliche Lebensmittel ein, die insbesondere den „inneren Ofen“, wie Dr. Feil den Stoffwechsel bezeichnet, anfeuern.
Da die wenigsten von uns diese Lebensmittel für gewöhnlich roh verzehren, gibt es einen Rezeptteil am Ende des Buches, in dem schnell zubereitete Gerichte vorgestellt werden, die all das enthalten, was nicht nur die Stoffwechseloffensive ausmacht, sondern darüberhinaus auch schmeckt und die Vitamin-, Nährstoff- und Spurenelementversorgung des Ausdauersportlers deckt.
Mehr Vitalität durch Bewegung und gezielte Ernährung, so lautet die Devise, die sich vom Vorwort über die einzelnen (Joker-)Kapitel bis zum Ende des Buches durchzieht.
Eine ausgewogene, stoffwechselaktivierende Ernährungsweise ist die eine Seite der Medaille des Erfolges, aber der schlichte Grundsatz für einen Gewichtsverlust ist und bleibt die negative Kalorienbilanz: nur wer mehr Kalorien verbrennt als er zuführt, verliert (dauerhaft) an Gewicht. Und das erreicht man nun mal am besten durch körperliche Aktivität.
Herbert Steffny erklärt im Bewegungsteil, der sich übrigens ebenso wie der Ernährungsteil über alle sieben Joker erstreckt, worauf es im wesentlichen beim Laufen ankommt. Angefangen von der Laufausrüstung über Trainingspläne, Alternativsport bis hin zur Regeneration bekommt man ein kompaktes, kleines und wissenswertes Kompendium an die Hand, das zwar vor allem auf den Lauf-Einsteiger abgestimmt ist, aber durchaus auch mal als Nachschlagewerk für den ambitionierten Läufer dienen kann.
Die auf knapp 10 Seiten vorgestellten enthaltenen Trainingspläne, das muss man gleich dazusagen, sind ausschließlich für Einsteiger gedacht. Es werden drei Pläne vorgestellt, die sich über einen Zeitraum von 6-12 Wochen erstrecken. Die ersten beiden Pläne, nennen wir sie „Bewegungspläne“, handeln vom „Einstieg mit Walking“, und dem Übergang „Walking – Laufen“. Erst der dritte Plan enthält ausschließlich Laufeinheiten bei einem Umfang von 15 bis 30 Wochenkilometern.
Allen drei Plänen gemeinsam sind neben den tabellarischen Angaben auch Beschreibungen, allgemeine Hinweise und praktische Tipps. Gewisse Dinge eben, die Laufeinsteiger wissen müssen/sollten und die genügend Motivation für die Umsetzung der Pläne liefern.
Im Folgenden habe ich die Kernaussagen der einzelnen (Stoffwechsel-)Joker zusammengefasst.
Der Thermogenesejoker…
… oder die Kunst, den inneren Ofen anzufeuern.
Scharf, scharf und nochmals scharf lautet die Botschaft des ersten Jokers, doch was verbirgt sich dahinter?
Ingwer, Chili, Pfeffer, Meerrettich und noch weitere scharfe Lebensmittel unterstützen den Energieverbrauch durch die Nahrungsverarbeitung, die sogenannte Thermogenese. Sie besitzen außerdem noch viele weitere Inhaltsstoffe, die für den Ausdauersportler von Bedeutung sind, und sollten daher in der täglichen Nahrung so oft es geht eingesetzt werden.
Neben einer Erklärung der Thermogenese und ihrer Bedeutung für den (Fett-) Stoffwechsel erfährt der Leser einiges über die zugehörigen Nahrungsmittel, ihre Zubereitung in Rezepten und Tipps für den Verzehr.
Der Vitalstoffjoker…
… oder der Kampf gegen die Stoffwechselfalle.
Hier geht es um die Bedeutung von Nährstoffen und die Folgen einer zu geringen Nährstoffversorgung (verlangsamter Stoffwechsel, Gewichtszunahme).
Es ist das eigentliche Basiskapitel der Ernährungslehre und behandelt neben den drei Nährstoffen (Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett) auch die Vitamine und die Spurenelemente, natürlich wieder im Hinblick auf den Bedarf eines Ausdauersportlers.
Warum ist „Medium-Carb“ besser als „Low-Carb“, was sind die Unterschiede zwischen guten und schlechten Fetten, gesättigten und ungesättigten Fettsäuren, wofür braucht man Ballaststoffe, wie viel Eiweiß ist gesund? Auf all diese Fragen liefern die 16 Seiten Antworten, dazu gibt’s Tipps wie man dem Heißhunger am Besten begegnet und warum eine gepflegte Esskultur so wichtig ist.
Der Hormonjoker
Dr. Feil gibt in diesem kurzen Teil Ratschläge, wie man dem altersbedingten
hormonellen Abschwung wirkungsvoll entgegensteuert. Es geht hauptsächlich um
Muskelaufbau und Bewegung, dazu werden unterstützende Spurenelemente wie Zink
und Bor und ihre Wirkung auf den Stoffwechsel vorgestellt.
Die Bewegungs- und Muskeljoker
Bewegung in Form von moderatem Lauftraining wirkt nicht nur unterstützend
bei der Gewichtsreduktion, genau genommen ist das nur eine der zahlreichen positiven
Auswirkungen, die diese Sportart mit sich bringt. Das Kapitel listet eine ganze
Reihe dieser Auswirkungen auf, man möchte beim Lesen der Zeilen am liebsten
sofort die Laufschuhe schnüren und loslegen. Dazu gibt’s Tipps zur Planung des
Lauftrainings und Informationen zu Trainingsgrundlagen wie Puls, Laktat und
Trainingsbereichen. Alles nicht zu sehr in die Tiefe gehend natürlich, denn
hiermit könnte man bekanntlich ganze Bücher füllen.
Die Wissensjoker
Eine Zusammenfassung von wissenswerten Fakten über Gewicht, Kalorienverbrauch,
Laufausrüstung findet man hier, und am Ende gibt es eine Auflistung, welcher
Joker wie viel zur Gewichtsreduktion beiträgt.
Die Motivationsjoker
Sollte man nach bisherigem Lesen im Buch immer noch Motivationsprobleme
haben, gibt es in diesem kurzen Kapitel nochmals geballte Argumente, warum es
sich lohnt, die beschriebene Lebensweise einzuschlagen und beizubehalten. Teilweise
wiederholen sich hier zwar die Autoren, es geht z. B. wieder um Chili und Omega-3,
dennoch ist dieses Kapitel hervorragend geeignet, um es von Zeit zu Zeit mal
wieder zu lesen und sich neu zu motivieren.
Die Realisierungsjoker
Das letzte Kapitel im Buch füllt mit seinen knapp 100 Seiten die Hälfte des
Buches. Es enthält neben dem Rezeptteil in Form eines Ernährungsplanes auch
die Trainingspläne, einen Teil über Gymnastik und alternative Trainingsformen
und den ebenfalls sehr wichtigen Bereich der Regeneration.
Die Rezepte werden vorgestellt, wie man das aus Kochbüchern kennt: Zutatenliste, Zubereitungsbeschreibung und farbiges Bild, wie die fertige Mahlzeit dann idealer Weise aussehen sollte.
Dr. Feil hat die Rezepte in einem 2-wöchigen Ernährungsplan untergebracht, jeder Tag sieht drei Mahlzeiten vor. Morgens gibt es meist einen Früchtedrink aus frischen Früchten bei denen gerne mal Ingwer oder Chili mitverarbeitet wird, hierzu sollte man einen Mixer besitzen. Ob die Drinks mit der scharfen Note denn auch schmecken kann ich nicht beurteilen, von den „richtigen“ Mahlzeiten habe ich allerdings schon die eine oder andere nachgekocht. Und obwohl sie bei mir nie so aussahen wie auf den Bildern muss ich gestehen: die angegebenen Zubereitungszeiten (die meisten Rezepte lassen sich in 30 min oder weniger zubereiten) stimmen, und gemundet hat es bisher auch immer. Bei den Zutaten muss man ebenfalls nicht tief in die Tasche greifen, Chili und Ingwer sind günstig und werden ja auch wohldosiert eingesetzt.
Ansonsten orientieren sich die Rezepte natürlich an den Vorgaben aus den vorigen Kapiteln des Buches, man findet viel frisches, gedünstetes Gemüse, Nüsse, Ingwer, Chili, Meerrettich, Zimt, Kurkuma, frische Kräuter und „gute“ Öle in den Zutatenlisten. Für den Kohlenhydratanteil dieser „zackigen Rezepte“ sorgen meistens Nudeln oder Reis und ab und zu ist auch mal ein Gläschen Rotwein erlaubt.
Der Bewegungsteil des Kapitels enthält neben den bereits erwähnten Trainingsplänen auch Dehnübungen, sinnigerweise mit Abbildungen sowie Informationen zu zahlreichen Regenerationsmöglichkeiten.
Der Anhang weist neben einem Sach- und Rezeptregister praktischerweise Bezugsquellen und Internetadressen für Zutaten und weitere Rezepte aus.
Richtige Ernährung und Sport sind der Schlüssel für dauerhafte und gesunde Gewichtsreduktion. Beide Bereiche werden in der „Lauf-Diät“ von auf ihrem Gebiet anerkannten, kompetenten Autoren in ihren Grundzügen behandelt und in übersichtlicher Form dargestellt. Das Buch lässt sich gut und einfach lesen, und es ist, obwohl die beiden Teilbereiche Ernährung und Lauf-Training vermischt sind, klar strukturiert. Die Rezepte sind leicht, schnell und zumeist ohne großen Aufwand nachzukochen. Mir als durchaus ambitioniertem Läufer hat insbesondere der Ernährungsteil sehr gut gefallen, hier konnte ich die Informationsflut, die Dr. Feil in seinen Vorträgen vermittelt, nochmals nachlesen und in mich aufsaugen. Der Trainingsteil ist vor allem für Einsteiger interessant, viel mehr kann im Rahmen eines 200 Seiten starken Buches - das in den Bereich der Diätbücher gehört, sich allerdings von der riesigen Masse der Konkurrenz abhebt - nicht erwartet werden.
Wer Willens ist, sich und seinem Körper etwas Gutes zu tun, der ist mit dem 14,95 € billigen Buch „Die Lauf-Diät“ bestens beraten.
Herbert Steffny ∙Dr. Wolfgang Feil: Die Lauf-Diät
Richtig essen – richtig laufen – richtig schlank
Südwest Verlag, 192 S. mit vielen farbigen Abbildungen. € 14,95 [D]
ISBN 978-3-517-08438-1
Gelesen und beschrieben von Timo Grub
Ist der Funke übergesprungen? Andreas und Gisela Butz legen einen Band vor, „Vitale Läuferküche“, der Läuferinnen und Läufern die Grundsätze vollwertiger Ernährung theoretisch und praktisch näherbringen will. Man kann auf die Resonanz der Zielgruppe gespannt sein.
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Die Voraussetzungen sind nicht schlecht. Andreas Butz, der Autor des theoretischen Teils, holt die Leser dort ab, wo die Masse der Sportler steht, etwa am Currywurst-Stand sich beklagend, daß es bei der jüngsten Laufveranstaltung keine Cola gegeben habe. In einfachen Worten und mit einer klaren Gliederung führt der Autor von der realen Ernährungssituation der meisten Sportler hin zum Wünschenswerten, einer vollwertigen Ernährung. Die Kapitel-Überschriften markieren die gedanklichen Schritte: Sport und Ernährung heute, Vollwertige Ernährung so wirkt sie, Vollwertige Ernährung das ist drin, Die Vitale Läuferkost, Vitale Rezepte für den Läufer. |
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Der Verlag, in dem pikanterweise zu gleicher Zeit auch Udo Pollmers „Wer gesund ißt, stirbt früher“ erschienen ist, hat eine opulente Bildausstattung beigesteuert, deren Auswahl mir allerdings ziemlich zufällig vorkommt. Eine Getreidemühle, die am Anfang jeder ernstgemeinten Umstellung steht, ist ebensowenig zu finden wie etwa das vorbildliche Vollwertbüfett eines Bio-Hotels (Kneipps falsches Todesjahr hätte auch jemandem auffallen können).
Der Versuch, Sport und vollwertige Ernährung zu verklammern, zieht sich durch einige Jahrzehnte. In den sechziger Jahren waren die Pioniere des Laufens ernährungsbewußter als die Masse der Leistungsläufer heute. Damals, gewissermaßen in der vorwissenschaftlichen Zeit vollwertiger Ernährung, war es Arne Waerland, dem prominente Ausdauerläufer in ihren Ernährungsgewohnheiten folgten. Dr. Ralph Bircher, ein Sohn Bircher-Benners, setzt sich in seinem Band von 1980, „Höchstleistungskost für Sport, Berg, Eis, Wüste und Dschungel“, mit der üblichen Zivilisationskost auseinander und stellt Leistungssportler vor, die über ihre Ernährung nachgedacht haben. Eine große Rolle spielt dabei der Vegetarismus, der bereits Anfang des 20. Jahrhunderts das Ernährungsbewußtsein mancher Ausdauersportler bestimmte. Günther Stolzenberg, den nur wenige noch kennen, schrieb 1985 „Die gesunde Kost für Sport und Rekord. Die Grundlagen der Vollwert-Ernährung“. 1981 hatte Professor Klaus Jung mit dem Deutschlandlauf begonnen, Material über die Wirkungen vollwertiger Ernährung auf hohe Ausdauerleistungen zu sammeln. Seine Untersuchung ist unter dem unverfänglichen Titel „Sport und Ernährung“ erschienen. Damals, als Deutschlandläufer, verinnerlichte ich jene Grundsätze vollwertiger Ernährung, die Dr. Max-Otto Bruker viele Jahre zuvor in leicht faßbare Form gebracht hat. In „Mehr als Marathon“ (1985) habe ich versucht, meine Erkenntnis auf diesem Gebiet weiterzugeben wahrscheinlich ohne Erfolg. Im Jahr 2004 erschien dann im emu-Verlag der von Bruker 1978 gegründeten Gesellschaft für Gesundheitsberatung der Band „Sport und Vollwerternährung“. Ich fürchte, daß auch dieses Buch nur diejenigen erreicht hat, die ohnehin schon auf dem Weg gewesen sind. Die GGB hat inzwischen etwa 5000 Gesundheitsberater ausgebildet, und darunter ist, versteht sich, auch eine Anzahl Sportler. Doch die Masse der Sporttreibenden unterscheidet nach wie vor nicht zwischen Lebens- und Nahrungsmitteln. Bezeichnend mag sein, daß unser Titel in keiner einzigen Läuferzeitschrift auch nur erwähnt worden ist. Wie wird es diesem Buch in der Fachpresse ergehen?
Da es mir als Mitautor von „Sport und Vollwerternährung“ um die Zielgruppe Läufer geht, begrüße ich jeden weiteren Versuch, wie eben auch die „Vitale Läuferküche“. Andreas Butz macht keinen Hehl daraus, daß auch er dem Mainstream erlegen war und in seinem Laufcampus-Shop vor noch gar nicht so langer Zeit selbst Nahrungsergänzungsmittel und Büchsen voller denaturiertem Eiweiß verkauft hat. Man weiß, im Himmel herrscht eitel Freude über jeden, der sich vom Saulus zum Paulus gewandelt hat. Er ist ja nicht der einzige, der Durchblick gewonnen hat. Einer der größten Unternehmer auf dem Bio-Markt war zuvor Angestellter einer Raiffeisen-Genossenschaft gewesen, die alles förderte, den Absatz von Kunstdünger wie von manipuliertem Saatgut, nur nicht den ökologischen Landbau.
Dennoch, auch wenn man einen Bundesgenossen gewonnen hat, trübt das nicht den kritischen Blick. Ich verstehe nicht, weshalb eine Läuferküche vital sein soll. Gemeint ist ja doch: Vitalstoffreich. Da dies (noch) kein wissenschaftlicher Begriff ist, erhebt sich der Verdacht, daß jemand Angst hat, der Autor oder der Verlag. Angst darf man auf diesem Gebiet nicht haben. Bruker wurde einer breiten Öffentlichkeit zunächst durch die gegen ihn angestrengten Prozesse der Zuckerindustrie bekannt. Vital sind Läufer, Nahrung sollte vitalstoffreich sein. Oder soll hier mit Gewalt ein neues kommerzielles Konstrukt vermarktet werden? Eine Begriffszersplitterung wäre nicht hilfreich. Wo kämen wir hin, wenn die Tausende von Gesundheitsberatern, in der Mehrzahl weiblich, ihre eigenen Rezeptsammlungen mit beliebigen Titeln belegten, die keinen Zusammenhang mit Vollwertkost erkennen ließen!
Ebenso fällt mir die Scheu vor dem Begriff „Frischkornbrei“ auf. Andreas Butz spricht generell vom Müsli. Das mag historisch richtig sein, weil es auf den Schweizer Dr. Bircher-Benner zurückgeht. Doch Dr. Bruker hat sich auch bei seiner Wortfindung „Frischkornbrei“ etwas gedacht. Die Nahrungsmittelindustrie hatte das populär gewordene Müsli kurzerhand usurpiert, die hocherhitzten, gezuckerten Frühstücksflocken als Müsli ausgegeben und damit Bircher-Benners Bezeichnung mißbraucht. Davon wollte sich Bruker mit dem Brei aus keimfähigen Getreide begrifflich absetzen. Auch wenn das Wort Frischkornbrei altväterisch klingen sollte, es hat seinen Sinn. Wer für Vollwerternährung wirbt, sollte nicht weiter das Täuschungsgeschäft der Nahrungsmittelindustrie besorgen. Ähnlich verhält es sich mit dem Wort Fabrikzucker; Bruker wollte damit jede Verwechslung mit Fruchtzucker unmöglich machen. Unter Industriezucker hingegen verstehen Fachleute den Fabrikzucker, der in der Nahrungsmittel-Industrie verwendet wird.
Zu Recht weist Butz auf Brukers Ansicht hin, daß kein Lebewesen die Milch eines anderen Lebewesens trinke ausgenommen der Mensch. Es ist ein Mißverständnis, daß damit auch Milcherzeugnisse in der Vollwerternährung tabu seien. Bruker war kein Dogmatiker, er hat sehr rational argumentiert. Bei der Ablehnung der Milch stand ihm, dem Mediziner, die weitverbreitete Laktose-Intoleranz vor Augen. Butter und Sahne hingegen bedeuteten ihm wie schon Kollath natürliche Lebensmittel; die gesättigten Fettsäuren in der Butter, die in einem ausgewogenen Verhältnis zu den ungesättigten stehen, sind ja nur dann des Teufels, wenn man sich nicht vollwertig und das bedeutet: unausgewogen ernährt. Butz hingegen, der ja durchaus auch auf Werner Kollaths „Die Ordnung unserer Nahrung“ hinweist, wo Butter und Sahne ihren Platz unter den Lebensmitteln haben, will sie aus dem Speiseplan verbannen. Ob er bei seiner Quellenforschung allzu sehr auf den UGB, den Verband Unabhängiger Gesundheitsberater, vertraut hat? Dort nämlich zählt Pflanzenmargarine zur Vollwerternährung. Dazu muß man wissen: Die UGB sind eine spätere Abspaltung der GGB, mitgegründet von Professor Klaus Leitzmann, einem Ernährungswissenschaftler, der sich erst bei Dr. Bruker und seinen Mitarbeitern über Vollwerternährung kundig gemacht und sich über deren universitäre Anbindung profiliert hat. Doch statt die in jahrzehntelanger klinischer Praxis erprobten Grundsätze Brukers uneingeschränkt zu übernehmen, hat er sie verwässert. Das bedeutet nicht, daß nun sämtliche Erkenntnisse, die von den UGB verbreitet werden, falsch wären; doch sie sind nicht das Original. Das nämlich ist so konsequent, daß man es von der Grundlage her nicht verbessern kann. Als Autor muß man seine Quellen gewichten.
Die Empfehlung, bei einer Mahlzeit Rohkost zuerst zu essen, sollte man begründen, nämlich mit der Verdauungsleukozytose, die bei gekochter Nahrung auftritt. Einerseits ist Andreas Butz großzügig und gesteht seinen Lesern einzelne Ernährungssünden zu; andererseits erblickt er beim Genuß von Bier und Wein gleich den Alkohol-Abusus. Ich darf bekennen, daß wir in Lahnstein am Rhein mit Dr. Bruker auf den Abschluß unserer Gesundheitsberater-Ausbildung mit einem trockenen Weißwein angestoßen haben. Einerseits empfiehlt Butz: Meiden Sie Fleisch, Fisch und Erzeugnisse daraus, andererseits sind unter den Rezepten eines mit Lammfilets und eines mit Fisch. Man muß zwar als Vollwertköstler nicht Vegetarier sein, aber da gekochtes oder gebratenes Fleisch nicht vollwertig ist, haben solche Rezepte in einem Buch über Vollwerternährung absolut nichts zu suchen, ebensowenig wie Sojatrunk und Maiskörner aus der Dose; schließlich sollen die Vollwertrezepte in einem Einführungsbuch ja exemplarischen Charakter haben. Von den 66 Rezepten sind nur 13 warme Mahlzeiten; das könnte zu Mißverständnissen führen. Zwar rangiert Frischkost ganz vorn, aber Vollwertkost besteht nicht nur aus Rohkost. Einerseits lehnt der Autor Milcherzeugnisse ab, andererseits erscheinen ihm Kartoffeln und Quark als geeignet für den Tag vor einem Wettkampf. Daß Teigwaren des Läufers liebste Speise sind, wie uns Andreas Butz weismachen will, ist bloßer Aberglaube, der sich erst mit der Übernahme des City-Marathons aus den USA in Deutschland verbreitet hat. Man bekommt leider bei den Abspeisungen am Abend vor dem Wettkampf nichts anderes. Gemüseeintopf wie einmal beim München-Marathon ist zu teuer. Charly Doll jedenfalls, der als Küchenchef einiges von gutem Essen versteht, mag wie ich auch diese ewigen, totgekochten Teigwaren nicht, auch wenn sie durch die Bezeichnung „Pasta“ folkloristische Weihe erhalten haben, und Herbert Steffny hat uns beigepflichtet. Mit der Empfehlung, Vollkornbrot nur gelegentlich zu essen, setzt sich Butz in Gegensatz zu einer der vier Brukerschen Ernährungsregeln. Der erwähnte, von Rennsteigläufern gelobte Haferschleim ist leider nicht mehr vollwertig, er wird seit Jahren aus abgepackter denaturierter Säuglingsnahrung bereitet.
Den Mangel an Information darüber, wie man sich als Vollwertköstler während eines Marathons oder Ultramarathons verpflegt, kann man Andreas Butz nicht ankreiden; es gibt einfach noch zu wenig Erfahrungen. Die wenigen aber sollte man mitteilen; Andreas Butz hat ja unter anderem auch einen Triathlon als Vollwertköstler bestritten. Noch immer suche ich nach einer vollwertigen Kohlenhydratzufuhr, die an die Stelle der üblichen Präparate treten könnte. Das Rezept einer Gesundheitsberaterin, das so ähnlich auch von den UGB als „Kraftkugeln“ empfohlen wird, ist für Ultraläufer nicht so recht praktikabel, es sei denn ein Coach verabreicht einem die Vollwertkugeln aus einer Kühlbox. Es bleibt uns daher nichts anderes übrig, als die Frage der Wettkampfverpflegung auf langen Strecken pragmatisch und leider häufig nicht vollwertig zu lösen. Widersprechen möchte ich jedoch der Ansicht, die in der „Vitalen Läuferküche“ vertreten wird, Sportgetränke seien „aber erst ab Laufdistanzen jenseits der Halbmarathonmarke notwendig“. Sicher, wir haben beim Marathon und erst recht beim Ultramarathon danach gegriffen, aber notwendig sind sie nicht.
Diese Auseinandersetzung zeigt, welch weites Feld noch zu beackern ist. Auch die irritierenden Abweichungen von dem Konzept der Vollwerternährung, das Dr. Bruker auf der Basis von Bircher-Benner und Kollath geschaffen hat, mindern nicht den Wert der grundlegenden Aussage in diesem Buch. Wer durch Andreas und Gisela Butz angeregt wird, sich mit Vollwerternährung zu beschäftigen, wird ohnehin nicht umhin können, Primärliteratur zu lesen. So einfach die Grundsätze vollwertiger Ernährung auch sind, die Feinheiten der Umsetzung erfordern einen langen Lernprozeß. Ihn bei vielen Sportlern in Gang zu setzen, wünscht man diesem Buch.
Andreas Butz und Gisela Butz: Vitale Läuferküche
BLV 2009, 16,7 x 22 cm, Broschur, 127 S. mit 86 Ill.
ISBN 978-3-8354-0509-7
14,95 Euro
Gelesen und beschrieben von Werner Sonntag
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„Über 60 Laufstrecken in und um Freiburg“ verheißt die Kurzbeschreibung auf dem Buchrücken, fortgesetzt mit einem „Außerdem...“. Eine Sammlung von Trainingskursen also mit etwas Beigabe? Mitnichten. Was Max Frei, erfolgreicher Regio-Athlet und nicht nur auf allen Wettkampfstrecken um Freiburg zu Hause, sondern mit dem Berglauf-Nationalteam auch international mit Erfolg laufend, auf über 400 Seiten zusammengetragen hat, das ist auf dem Laufbuchmarkt einzigartig. Historisches zum Intervalltraining Freiburger Prägung, Trainingstheorie und –praxis, Trainingsstrecken sowie die schönsten Wettkampfstrecken der Region, dazu Portraits von allem, was in der Region Rang und Namen hat, doch der Reihe nach... |
Anfangs der 60er Jahre galt Freiburg als „Trainingszentrale der Welt“. Reindell und Gerschler entwickelten ihr „Intervalltraining“, das in der Trainingswissenschaft für Furore sorgte. Grund genug, ein Laufbuch über Freiburg mit einem Abriss über die historische Entwicklung des Lauftrainings zu beginnen. Frei tut das mit viel Sachverstand – schließlich war genau das Thema seiner Examensarbeit im Sportstudium. Und so kommt natürlich auch ein gewisser „Ausdauerfanatiker“ aus Waldniel zu Wort, van Aaken, der rigorose Kritiker dieser Thesen.
Dieser Pulverdampf hat sich längst verzogen. Zumindest in grundlegenden Punkten herrscht heutzutage Konsens und alles über allgemein anerkannte Trainingsprinzipien und –methoden bietet die Trainingslehre Theorie. Dabei wird hier bereits die Brücke zu den beschriebenen Laufstrecken geschlagen. Ob Long-Jog, Fahrtspiel, extensives Intervalltraining oder Trainingsformen am Berg, für jede Trainingsmethode gibt es reichlich Vorschläge, wo man das am besten praktizieren kann.
Stichwort Praxis: in der Trainingslehre Praktischer Teil gibt es die Antworten auf Fragen nach Trainingsumfang, Trainingssteuerung, Laufstil, Laufschuhe, Stretchen ja oder nein, Verletzungsprophylaxe usw. Dazu kommen ausführlich ausgewiesene Experten (aus der Region!) zu Wort wie der Sportmediziner Prof. Dickhuth, die Trainingswissenschaftler Dr. Schmid und Dr. Strass oder auch die Physios Supp und Schoch vom Physio- und Lauftherapiezentrum P.u.L.Z. Abgerundet wird dieser Teil durch Trainingspläne, vom Einsteigertraining bis zum 10km-Ziel von 35 bis 40 Minuten.
Auf rund 100 Seiten sind ca. 75 Laufstrecken (so viele habe wenigstens ich gezählt) von 10 verschiedenen Startpunkten aus akribisch beschrieben, eine enorme Fleißarbeit mit hohem Nutzwert. Man erfährt alles über Länge, Höhenmeter, Profil, Charakter und Streckenverlauf. Zu jedem Startpunkt liegt eine eigene mehrfarbige Karte bei, wo alle Laufstrecken maßstabsgerecht eingezeichnet sind. Einfacher geht es nicht mehr, nur Laufen muss man noch selbst.
Präsentiert werden auch die schönsten Läufe in der Region – wenn auch die Auswahl sicher schwer gefallen ist – natürlich mit einem Blick zu den Nachbarn ins Elsass und in die Schweiz. Laufen von A (Abnehmen) bis Z (Zirkeltraining) beantwortet alle weiteren Fragen rund ums Laufen. Dazu gibt es Literaturempfehlungen und ganz zeitgemäß Internetadressen, sowie Hinweise auf Trainingsangebote in und um Freiburg.
Ein besonderes Schmankerl sind die Portraits und Interviews über bzw. mit erfolgreichen Regioathleten, angefangen mit den Senioren Herbert Steffny und Charly Doll, über Marathon-Frau Manuela Zipse und vielen mehr. Auch was sich hinter der „Alternativen Freiburger Schule“ des Markus Bohmann verbirgt, dürfen wir schmunzelnd zur Kenntnis nehmen, all das macht eben „Laufszene Freiburg“ aus. Für Läufer in und um Freiburg ist das Buch daher ein absolutes „Muss“, aber auch wer weiter entfernt wohnt, wird an diesem kurzweiligen und ausführlichen Buch rund ums Laufen Gefallen und Nutzen finden.
Gelesen und beschrieben von Michael Krüger
Laufszene Freiburg von Max Frei, erschienen im Eigenverlag.
Erhältlich direkt beim Autor oder in Freiburger Buchhandlungen
Kontakt: www.laufszene-freiburg.de
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L A U F E N |
| Geschichte, Kultur, Praxis | |
| von Claus Dahms |
Die Idee hatte der Verlag Die Werkstatt: "abenteuer Sport", eine Buchreihe mit Porträts diverser Individualsportarten, zahlreich illustriert, in gediegener Ausstattung, im Hardcover - im Fachjargon Geschenkbuch genannt. Für uns Läufer, immer auf der Suche nach einem Mitbringsel, schon mal interessant. Keine Sorge wegen des banalen Titels. Dass selbst Urgesteine der Laufbewegung mit stattlicher Ansammlung einschlägiger Laufliteratur an diesem Buch ihre Freude haben werden, dafür hat Claus Dahms gesorgt, der die Idee mit Leben füllte. Darüber hinaus stellte erst kürzlich Werner Sonntag fest: Wir beschreiben unser Lauf-Erleben noch immer, und wir lesen das noch immer. Über Liebe und Sex ist auch immer geschrieben worden, und niemand ist es bisher zu viel geworden.
Das Buch ist interessant geschrieben, spannend und gut lesbar. Claus Dahms betrachtet die Entstehung und den Wandel des Laufsports unter dem Gesichtspunkt sozialer und kultureller Phänomene, gräbt dank intensiver Recherche in Vergessenheit geratene herausragende Ereignisse der Laufgeschichte aus. Kenntnisreich untersucht er wie sich Trainings- und Wettkampfmethoden verändert haben und veranschaulicht, wieso wir es heute so machen. Umfassend, dennoch kurzweilig und leicht verständlich behandelt, die Themen "Laufen in der Praxis" und "So einfach kann Laufen sein", ein moderner Wegweiser für Laufanfänger und gestandene Marathonläufer; Ratgeber für Ausdauertraining und Empfehlungen zu Motivation, Ernährung und Ausstattung. Kritisch beleuchtet wird der neue Laufboom, Doping und Laufen als Geschäft. Und wieder und wieder Fotos rund ums Laufen.
Claus Dahms, Jahrgang 1957, ist Fachjournalist für Ausdauer- und Gesundheitssport.
Bereits sein Studium finanzierte er mit Reportagen über Volks- und Straßenläufe.
Seither hat ihn die Laufszene auch beruflich nie mehr losgelassen. Dahms ist
regelmäßiger Mitarbeiter von Running. Als Buchautor bekannt wurde er mit den
Guides durch die deutschen Straßenläufe "Wo läuft's wie". Neben seiner
langjährigen Berufserfahrung kann er auf 30 Jahre Ausdauertraining mit einer
10.000 m Bestzeit von 32:44 min. zurückblicken. Sein läuferisches Spektrum erstreckt
sich vom 800 m Bahnrennen bis zum 100 km Straßenlauf.
Gelesen und beschrieben von Walter Wagner
LAUFEN
Geschichte-Kultur-Praxis
Verlag Die Werkstatt
ISBN 3-89533-313-1
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Mit Zustimmung des Autors hier das Vorwort aus dem Buch "Das Laufen ist nicht bloß eine der natürlichsten, sondern auch der heilsamsten Übungen für die Gesundheit und Stärkung des Körpers", stellte der Pädagoge Johann Christoph Friedrich GutsMuths schon 1817 fest. Er fügte allerdings eine Einschränkung hinzu: "wenn es nicht übertrieben wird". Damit hat der Turnlehrer aus dem thüringischen Schnepfenthal schon vor knapp zwei Jahrhunderten die Grundlage dieses Buches formuliert: Laufen ist gesund. Laufen macht fit und viel, viel Spaß. Nur muss die Rennerei richtig dosiert werden. Die Gesundheitspille Laufen ist also gar nicht so neu, wie moderne Bezeichnungen uns das vorgaukeln wollen - angefangen von Jogging über die Fitness-Welle bis zum Marathon-Boom. All diese Begriffe ordnen sich in eine lange Geschichte rund ums Laufen ein. Diese Historie und ihre Auswirkungen soll mit dem Buch verdeutlicht werden. Dabei bleibt der geschichtliche Aspekt keineswegs auf das Kapitel beschränkt, in dem der Weg des Laufens zum modernen Sport im Mittelpunkt steht. Bis ins letzte Kapitel, in dem der ehemalige 1.500-m-Weltrekordler Otto Peltzer aufdeckt, warum die finnische Lauflegende Nurmi vegetarische Ernährung anpries und gleichzeitig dicke Schinkenbrote vertilgte, durchziehen immer wieder historische Bezüge das Buch. Denn sie erklären das Laufen in der Gegenwart. So gesehen ist "Laufen" ein Geschichtsbuch. Aber nicht nur das. Das Buch will verdeutlichen, wie die Grundlagen jedes erfolgreichen Lauftrainings aussehen. Welche "Dosierung" des Laufens zu welchem Erfolg führt. Aber auch nicht verschweigen, welche Folgen ein Übertreiben der natürlichsten sportlichen Betätigung bewirken kann. Deshalb erklärt das Buch, sowohl für den angehenden als auch für den bereits geübten Läufer, warum und auf welche Weise sich körperliche Veränderungen beim regelmäßigen Laufen einstellen. Und es wird aufgezeigt, welche Regeln zu beachten sind, um ein Läufer zu werden oder den persönlichen Leistungshorizont zu erweitern. Darüber hinaus hält das Buch jede Menge ganz konkreter Ratschläge für den Ausdauersportler bereit, der wissen will, welche die richtige Ernährung ist, wie stark die Laufleistung mit den Jahren abnimmt oder aber welches konkrete Trainingsprogramm absolviert werden muss, um die "Königsdistanz" Marathon zu bewältigen. Es gibt viele unterschiedliche Motivationen, die einen Menschen im Zeitalter von Auto und Rolltreppe zum Läufer machen. Die einen laufen für die Gesundheit, die anderen, weil sie Spaß an der Bewegung haben. Wieder andere wollen ihre persönlichen Leistungsgrenzen antesten und sich in Wettkämpfen fordern. Die sozialen Lebensumstände des Ausdauersportlers und sein kultureller Hintergrund spielen dabei eine wichtige Rolle. Deshalb beschäftigt sich das vorliegende Buch mit vielen Aspekten, die in den meisten anderen Laufbüchern nicht abgehandelt werden. Es ist gleichermaßen ein Lesebuch wie auch ein Ratgeber für alle Freunde des Laufsports. |
Eine Tor-Tour quer durch Frankreich: Wahn und Witz auf dem Rennrad
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Da schnappt sich ein bisher unsportlicher Engländer ein Rennrad, um die Strecke der Tour de France in den Originalabschnitten abzufahren. 3630 Kilometer ohne vorbereitendes Training. Welch´ ein Masochist! Der Kerl hat ausdauer- und radfahrmäßig „nix drauf“ – dafür eine lockere Schreibe. Und so ergibt sich ein witziges Tagebuch eines wahnwitzige Unternehmens. |
Tim Moore beschreibt nicht nur sein eigenes Leiden auf dem Sattel, sondern lässt in jedem Kapitel viel Hintergrundwissen über die Tour de France einfließen. Gerade diese Passagen über die Helden der Tour und über die Königsetappen sind lesenswert. Wer die Pässe kennt, sie vielleicht selber schon mit dem Rennrad gefahren ist, kann hier Moores humorvolle Analysen nachvollziehen. Je mehr Moore sich unter Leistungsdruck stellt – in Duellen mit anderen Hobbyradlern –, um so mehr rutscht er in den Strudel der Tour-Machenschaften hinein: Er beginnt, im Windschatten zu „lutschen“ und besorgt sich in der Apotheke stimulierende Medikamente.
Die ideale Lektüre für das nächste Trainingslager oder für den nächsten Radl-Sommer.
Gelesen und beschrieben von Dr. Birgit Schilinger
Tim Moore: Alpenpässe und Anchovis.
Eine exzentrische Tour de France.
Covadonga Verlag 2003.
19,80 Euro.
Die 150 besten Strecken in Deutschland, Österreich und der Schweiz
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Auf den ersten Blick erscheint die Idee dieses Buches nicht unbedingt neu zu sein. Spätestens auf den zweiten Blick jedoch und bei genauerem Hineinlesen entpuppt sich der im Verlag die Werkstatt erschienene marathon-guide als wahre Fundgrube für alle am Marathonlauf Interessierten. Claus Dahms und Wolfgang Hertling haben mit viel Fleiß alles Wissenswerte über 150 Marathonveranstaltungen ( und einige ausgewählte Ultradistanzen) in Deutschland, Österreich und der Schweiz gesammelt. In sehr übersichtlicher Art und Weise sind sämtliche Einzelheiten zu den vorgestellten Veranstaltungen aufgeführt. |
Vom Datum des Laufes über bisherige Teilnehmerzahlen, die Startgebühren und Rahmenwettbewerbe werden auch Informationen über Streckenprofil und Besonderheiten des jeweiligen Laufereignisses ausführlich aufgeführt.
Jeder Marathon hat seinen eigenen und unverwechselbaren Charakter. Diesen den Leserinnen und Lesern nahe zu bringen war eindeutig die Absicht der Autoren. Immer wieder werden in den einzelnen Beschreibungen Läuferinnen und Läufer in ihren Eindrücken zu den Strecken zitiert. Das macht die Lektüre ungemein lebendig und vermittelt hautnahes Lauf-Gefühl.
Schön, dass nicht nur die großen Laufveranstaltungen beschrieben werden, sondern auch Kleinere bis hin zu Kleinstmarathonläufen die gerechte Erwähnung finden. Vielleicht ist ja gerade bei einer dieser Kleinveranstaltungen genau das Erlebnis zu finden, was man sich für den nächsten Lauf vorgestellt hatte. Zumindest im deutschen Raum dürfte es kaum einen Wettbewerb geben, der dem aufmerksamen Recherchieren der Autoren entgangen ist.
Nach der Lektüre des marathon-guide weiß man genau, auf was man sich bei der ausgesuchten Veranstaltung einlässt. Ob mit Tausenden gemeinsam an dicht gedrängt stehenden Zuschauermengen vorbei und vom Applaus ins Ziel getragen zu werden, oder ob eher ein recht einsames Lauferleben zu erwarten ist, bei dem landschaftliche Eindrücke und das Erleben des eigenen Ichs mehr im Vordergrund stehen. Nur Eines macht nach dem Lesen dieses Buches vielleicht ein wenig traurig - dass es vermutlich nicht möglich sein wird, all die vorgestellten und beschriebenen Laufstrecken selbst erlaufen zu können. Nun, zumindest erlesen kann man sie nun.
Claus Dahms und Wolfgang Hertling haben mit dem marathon-guide ein Buch geschrieben, welches tatsächlich in keiner Laufbuchsammlung fehlen sollte – und wenn die Sammlung noch nicht besteht, bitte schön, hier ist die beste Gelegenheit, damit zu beginnen.
Gelesen und beschrieben von Christoph Külzer-Schröder
Der marathon-guide
Claus Dahms/Wolfgang Hertling
256 Seiten, Hardcover, zahlreiche Fotos
ISBN 3-89533-380-8
erschienen imVERLAG DIE WERKSTATT, Göttingen
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Uns geht es doch so gut! Zu dieser Erkenntnis braucht es auch keine Flutwelle. Und dennoch: Wenn man die Lebensgeschichte des blinden Wunderläufers aus Kenia liest, lassen sich unsere eigenen Luxusproblemchen kleinschrumpfen. Denn was dieser Mann mitgemacht hat und wie er doch so viel Lebensmut und Freude gewinnt, das kann nur lehrreich sein. Die ergreifende Geschichte des Henry Wanyoike ist nun veröffentlicht. Bengt Pflughaupt erzählt sie in „Mein langer Lauf ins Licht“. Der kleine Henry wächst in den Slums auf. Die Familie hat nur eine kleine Hütte, Henry schläft nachts zusammen mit den Ziegen in der Küche. Nicht selten pinkeln ihn die Tiere nachts an – ein Gefühl, das ihn sein Leben lang verfolgt. |
| Frankfurt-Marathon 2004 - Sekunden vor dem Start an der Seite von Aamos |
Als er sechs Jahre alt ist, stirbt sein Vater an Malaria. Schon als Schüler hat er läuferische Erfolge. Da er für die Familie sorgen muss, erlernt er den Beruf des Schuhmachers. Er ist 21 Jahre alt, als er eines Morgens blind aufwacht. Man vermutet eine Entzündung des Sehnervs. Seine Mutter lässt ihn in mehreren Kliniken untersuchen – ohne Erfolg. Henry muss sich mit seinem Schicksal abfinden, für immer blind zu bleiben. In dem Moment der Hoffnungslosigkeit beginnt er wieder zu laufen – und haut sich die Knie blutig bei seinen Stürzen. Dennoch steigert er sein Training. Fünf Jahre nach seiner Erblindung gewinnt er in einem dramatisch geschilderten Rennen bei den Paralympics Gold über 5000m. Inzwischen hält er die Weltrekorde über alle Langstrecken.
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Das Taschenbuch „Mein langer Lauf ins Licht“ ist eine spannende und doch schwer nachwirkende Lektüre. Schade, dass der Autor kein Läufer ist und auch vom Laufen keine Ahnung hat. Es wäre doch so interessant zu wissen, wie schnell jeweils Henry gelaufen war (bei seinem ersten Sieg als Schüler, bei seinem Goldlauf, bei seinem Weltrekord) oder wie er trainiert, wie er die langen Läufe organisiert, wie schwer es ist, Begleitläufer zu finden – usw. Die sportlichen Fragen bleiben unbeantwortet. Trotz seiner herausragenden Erfolge kann Wanyoike nicht vom Laufen leben. Henry ist als Botschafter für „Licht für die Welt“ unterwegs, sein Preisgeld investiert er in Strickmaschinen, damit blinde und andere behinderte Menschen in seiner afrikanischen Heimat Arbeit haben. |
Fazit: Der Optimismus eines Henry überstrahlt die sportlichen Lücken dieser Biographie und macht die Geschichte – für Läufer und Nicht-Läufer – lesenswert. Ein Geschenktipp!
Um Henrys Leistungen einschätzen zu können, hier seine Bestzeiten
(allesamt Weltrekorde für Blinde):
5000m 15:11,07 min - Paralympics Athen
10.000m 31:37,25 min - Paralympics Athen
Marathon 2:33:20 h - Boston
Gelesen und beschrieben von Birgit Schillinger
Henry Wanyoike: Mein langer Lauf ins Licht
Der schnellste blinde Marathonmann der Welt über sein unglaubliches
Leben - Erzählt von Bengt Pflughaupt
Verlag Herder - ISDN 3451055430
heißt das Buch. Ein sehr persönlicher Ratgeber. Die Untertitel lauten: Das Trainingsprogramm ++ Trainingspläne und Taktiken ++ Vom Anfänger bis zum Weltrekordler. Was kann uns ein 2-facher Olympiasieger, 15-facher Weltrekordler und 10-facher Weltmeister mitteilen wollen? Eine Buchbesprechung soll die Frage klären. Doch schon der erste Eindruck ist aufschlussreich und soll als solcher unverfälscht wiedergegeben werden soll:
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Der erste Eindruck Im Buch scheint alles drin zu sein, was man übers Laufen braucht und was es je darüber gegeben hat. Trainingstipps für Frauen, für Männer, für Jugendliche, für Altersklassenläufer, Ratschläge bei Verletzungen und zur Ernährung und vieles mehr. Es ist auffallend verständlich geschrieben. Trotz der Fülle an Inhalten sind die Themen sehr übersichtlich dargestellt. Abgesetzte Informationsblöcke, Grafiken und Darstellungen lockern die Seiten auf. |
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Integriert sind Hintergründe zu Politik und Geschichte in Äthiopien. Man erfährt allerhand über Leben und Probleme von Spitzenläufern. Unterschiede zum Freizeitsportler werden ebenso deutlich gemacht, wie das alle Laufsportler Verbindende. Im Buch drin ist auch jede Menge Haile Gebrselassie. Zum allgemeinen Rat, immer wieder als Beispiel, wie es Haile macht. Alles ist unerwartet unterhaltend präsentiert. Ein Auszug zum Warm-up „Wenn Sie glauben, dass Sie komisch aussehen, wenn Sie hüpfend und Arme und Beine schlenkernd durch die Gegend laufen, trösten Sie sich damit, dass es bei mir auch nicht besser aussieht. Spötter ignorieren Sie einfach.“
Nach dem ersten Blättern freue ich mich schon aufs Lesen. Aber die Buchkritik muss nicht abgewartet werden. Das 288 Seiten starke Werk, gebunden mit 106 Farbabbildungen, ist die 19,90 Euro wert.
Co-Autoren sind Detlev Moritz-Abebe, der als Dokumentarfilmer und Fotograf seit 17 Jahren um die ganze Welt reist, sich aber sehr häufig in Äthiopien, der Heimat seiner Frau, aufhält und dort bereits 1994 Haile Gebrselassie kennenlernte und Dr. Woldemeskel Kostre, der Coach von Haile Gebreselassie und Meistertrainer der enorm erfolgreichen äthiopischen Nationalmannschaft.
Gelesen und beschrieben von Walter Wagner - Foto: Laufreport Archiv
Das Buch ist erschienen im
Ehrenwirth Verlag
ISBN 3-431-03389-X
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