Von der Krebspatientin zur Ironwoman

Obwohl ich nicht zur Zielgruppe dieses Buches zähle, habe ich es gekauft, und zwar deshalb, weil die Verfasserin eine erstaunliche, kluge und mutige Frau ist.

Dr. Ruth Heidrich war 47 Jahre alt, als bei ihr ein fortgeschrittener Brustkrebs diagnostiziert wurde - drei Jahre nach Ausbruch der Krankheit, der Haupttodes-
ursache amerikanischer Frauen dieser Altersgruppe, und ein Jahr nach der Entfernung eines golfballgroßen Tumors. Mit dieser niederschmetternden Situation, auf die nichts in ihrem erfolgreichen Leben und ihrer Familiengeschichte mit vier neunzigjährigen Großeltern hingedeutet hatte, mußte Ruth Heidrich fertig werden.

Dies ist die Startlinie zu ihrem „Race for Life“ (so der amerikanische Titel ihres Buches). Das ist wörtlich zu nehmen. Mit feinem Humor erzählt sie, ohne sich in die nicht mehr vorhandene Brust zu werfen, daß sie am Morgen des Operationstages, der eine radikale Mastektomie bringen würde, aufstand und von 4 bis 5 Uhr eine 10-Kilometer-Runde lief, indes man im Krankenhaus Kopf stand. Selbstkritisch bemerkt sie jedoch, daß eine Dehydration vor der Operation nicht gerade zu empfehlen sei.

Zu jener Zeit hatte sie beschlossen, sich eben „nicht umzudrehen und zu sterben“, sondern zu kämpfen. Zu der positiven mentalen Einstellung und ihrem vierzehnjährigen Lauftraining mit einigen Marathonläufen kam die möglicherweise entscheidende Ernährungsumstellung. Wie in Europa war auch in den USA Ernährung als Bestandteil einer Krebstherapie oder -Nachsorge eine Sache von Außenseitern. Ziemlich zufällig gelangte sie an Dr. John McDougall, der Teilnehmerinnen für eine Studie über den Einfluß der Ernährung auf den Fortschritt der Krebsbehandlung suchte. Dr. McDougall empfiehlt sowohl präventiv als auch therapeutisch eine fettarme, rein pflanzliche Ernährung. Seine Fett-Hypothese beruht auf der Korrelation von Fettgehalt in der Nahrung und Brustkrebsrate. Man kann Ruth Heidrich gut verstehen, daß sie in ihrer Lage, wie sie zugibt, nach jedem Strohhalm gegriffen hätte. Während sie jedoch an anderer Stelle durchaus rät, „skeptisch hinsichtlich Kurven und Diagrammen“ zu sein, hinterfragt sie die Annahme von Dr. McDougall nicht im entferntesten. Bei der Tabelle über Fettgehalt und Brustkrebs, auf die sich McDougall stützt, muß doch verwundern, daß sich zum Beispiel die Länder Italien mit etwas über 80 Gramm Fettgehalt der täglichen Ernährung und Deutschland mit fast 140 Gramm deutlich unterscheiden, Italien aber mit dem Prozentsatz altersbereinigter Brustkrebs-Sterbefälle pro 100 000 Einwohner nur unbedeutend unter Deutschland liegt. Griechenland mit einer niedrigen Brustkrebs-Sterberate von etwa 7 je 100 000 Einwohner liegt im täglichen Fettverzehr um knapp 20 Prozent über der Rate von Italien. Und ob in Polen und Tschechien so sehr viel fettärmer gegessen wird als in Deutschland oder Frankreich, wage ich zu bezweifeln. In Deutschland ist durch den Ernährungspsychologen Professor Dr. Volker Pudel versucht worden, dem Grundnährstoff Fett den Schwarzen Peter für alle möglichen Schädigungen zuzuschieben. Seine Fettaugen-Kampagne in einigen Bundesländern liegt wohl nun auf dem wissenschaftlichen Schrotthaufen. In „Runner’s World“ können aufmerksame Leser von Zeit zu Zeit Änderungen der Fettbewertung in den USA wahrnehmen. Dr. Max-Otto Bruker, der den Begriff der vollwertigen Ernährung popularisiert hat, hat bereits vor Jahrzehnten die Verteufelung des Grundnährstoffs Fett abgelehnt, jedoch strikt auf die Gefahren der denaturierten Fette in den industriellen Nahrungs- und Genußmitteln hingewiesen. Von Dr. Bruker ist, da er nicht wissenschaftlich publiziert, sondern sich - zudem noch deutschsprachig - an die breite Öffentlichkeit gewandt hat, in den USA nicht Kenntnis genommen worden. Wer fettarm ißt, wie Dr. McDougall und Ruth Heidrich empfehlen, nimmt damit eben auch weniger schädliche Fette zu sich. Nur möglicherweise bleibt auch dabei das Verhältnis zwischen ungesättigten und gesättigten Fettsäuren unausgewogen.

In dieser Beziehung ist Ruth Heidrichs Darstellung ihrer Ernährungsumstellung kritisch zu lesen. Jedenfalls ließ sie sich auf Dr. McDougalls Konzept einer fettarmen, pflanzlichen Ernährung und zugleich den Verzicht auf Strahlen- und Chemotherapie ein, weil diese Therapien das Immunsystem schädigten; allein das Immunsystem könne den Krebs besiegen. In Deutschland wäre ein solcher Arzt wahrscheinlich vor Gericht gestellt worden; erinnert sei an den Krebsarzt Dr. Josef Issels und die Auseinandersetzung um Professor Julius Hackethal, die einen ähnlichen gedanklichen Ansatz hatten. In den siebziger Jahren trat die Chemikerin Dr. Johanna Budwig im Schwarzwald mit einer Krebs-Diät von ungesättigten Fettsäuren in Erscheinung, die auch jetzt noch weitergeführt wird. Typisch für die amerikanische Medizin ist, daß Erkenntnisse gnadenlos kommerzialisiert werden. Dr. McDougall macht da keine Ausnahme, wie man seinem Internet-Auftritt entnehmen kann.

Doch in Ruth Heidrichs Buch ist keineswegs der verlängerte Arm des Ernährungsspezialisten zu vermuten, es ist von vorn bis hinten ihr eigenes Buch, nämlich die mitreißende Geschichte einer intelligenten Frau, die mutig die Herausforderung annimmt, ihr scheinbar unausweichliches Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. An der Talsohle ihrer Befindlichkeit setzt sie sich in den Kopf, an dem Triathlon auf Hawaii, wo sie lebt, teilzunehmen. Wie sie das macht, wie sie trainiert, ist nicht nur ein Programm für alle, die Ähnliches vorhaben, sondern auch eine Ermutigung für alle, die ebenfalls gerade auf einer Talsohle sind; ich zum Beispiel habe das Buch ins Krankenhaus mitgenommen, obwohl ich es schon gelesen hatte. Sechsmal hat sie den Ironman bewältigt, ist Marathon und Ultramarathon gelaufen und hat in ihrer Altersgruppe Bestleistungen vollbracht. Die Tatsache, daß sie nicht weniger als neun Ermüdungsbrüche erlitten hat, weist allerdings darauf hin, daß sie ihr Lauftraining übertrieben hat. Ein Unfall beim Radtraining ist auch ihr der Anlaß, vor den Gefahren des Trainings im öffentlichen Straßenverkehr zu warnen. In dem klar und zielführend gegliederten Buch - 20 Kapitel von Diagnose bis zum Anhang Laborergebnisse auswerten - gibt sie auch Ratschläge für den Alltag von Athletinnen.

Die deutsche Übersetzung durch Katrin Schnelle und Nicole Luzar, die Verlegerin, ist kompetent und kenntnisreich. Zu beanstanden ist, daß sie einer begrifflichen Ungenauigkeit folgt. Jegliche pflanzliche Kost wird als vegan bezeichnet. Unter „veganer Ernährung“ versteht man jedoch allein pflanzliche Frischkost, Rohkost also. Die Rezepte, bei denen die Autorin auch die Mikrowelle benützt, lassen erkennen, daß vegetarische Ernährung, wenn auch tiereiweißfreie, gemeint ist. Die Übersetzung vermittelt den hinreißenden Schwung, der die Lektüre so kurzweilig macht. Ganz unberührt von der Verlotterung der deutschen Sprache bleibt auch diese Übersetzung nicht. Immer werden „scheinbar“ und „anscheinend“ verwechselt. Um es deutlich zu machen: Die Leser dieser Rezension kommen hoffentlich zu dem Eindruck, daß es sich anscheinend um ein gutes Buch handelt und nicht um ein nur scheinbar gutes. Einige Eingabefehler sollten korrigiert werden, vor allem der Zahlendreher, der aus einer 53jährigen eine 35jährige Krebspatientin macht. Ruth Heidrich ist jetzt im 75. Lebensjahr. Ihre sportlichen Leistungen auch in fortgeschrittenem Alter machen sie zu einem Vorbild des Alterssports. Ihr Buch ist keineswegs nur für angehende Triathleten lesenswert; sie macht allein durch ihre Vita Krebspatienten Mut. Ihr Buch sollte in Krankenhausbibliotheken eingestellt werden.

Gelesen und beschrieben von Werner Sonntag

Ruth E. Heidrich: „Der Lauf meines Lebens. Im Kampf gegen den Krebs zur Ironwoman“.
Aus dem Amerikanischen von Katrin Schnelle und Nicole Luzar.
Sportwelt-Verlag, 2008, geb., 206 S., ill., 19,90 Euro.
ISBN 978-3-9811428-7-7.

Laufnebenwirkungen

Ein laufmedizinisches Fachbuch in 2. Auflage

Wenn ein anspruchsvolles Fachbuch, das nicht gerade billig ist, bereits nach noch nicht einmal drei Jahren neu aufgelegt werden muß, spricht dies eindeutig sowohl für den Bedarf als auch für die Qualität.

 

„Laufnebenwirkungen“ von Dieter Kleinmann hat sich als medizinisches Standardwerk für die Laufpraxis etabliert; es deckt das Informationsbedürfnis bei allen eventuellen Schädigungen beim Laufen ab, macht aber auch physiologische Vorgänge transparent und belegt grundlegende wie aktuelle Erkenntnisse mit umfangreichen bibliographischen Angaben. Es ist das Buch eines Praktikers mit immenser internistischer, auch kardiologischer Erfahrung, hält aber ebenso wissenschaftlichen Anforderungen stand. Da es, wenn auch auf hohem Niveau, allgemeinverständlich geschrieben ist, eignet es sich auch für ambitionierte Läufer zur Wissensvertiefung und zum Nachschlagen. In den Fallbeispielen können sich Läufer wiedererkennen. Allgemeinmediziner können daran ihren kritischen Blick für Gefährdungen ihrer Läufer-Patienten schulen.

Dr. Dieter Kleinmann ist nach wie vor selbst leistungssportlich aktiv und leitet einen Lauftreff und eine Herzsportgruppe, hat jedoch seine Praxis in jüngere Hände gelegt. Das ermöglicht ihm eine noch intensivere theoretische Beschäftigung. Die 2. Auflage ist daher nicht einfach ein Nachdruck, sondern um weitere Aspekte und Hinweise auf neue Studien erweitert. Das drückt sich auch in einer Umfangerweiterung aus. Aktuelle Bilder und Tabellen sind hinzugekommen. Das berühmte Bild der 1. Auflage mit der taumelnden Andersen-Schiess ist vom Titel in den Textteil gewandert und hat einem aktuellen Bild vom Two-Oceans-Lauf 2007, einem Hitzelauf, Platz machen müssen. Die meisten der 99 Abbildungen stammen vom Autor und haben daher einen engen Bezug zur Laufpraxis.

Neu sind insbesondere Erörterungen über den Einfluß des Laufens auf die Hirnleistung, den Belastungskopfschmerz, die Hautkrebsgefahr und die Gefahr zu hoher Trinkmengen; neue Erkenntnisse zur Gefahr der Herzmuskelschädigung werden vermittelt, hier detaillierter als vorher über die Rolle des Tropanins, eines spezifischen Markers für selbst kleine Herzmuskelschäden. Für solche kritischen Zusammenfassungen werden Allgemeinärzte mit Läuferklientel dankbar sein: „Ausdauersportler sind seit Jahrzehnten beliebte, ja wissenschaftlich faszinierende Probanden in der Medizin, vor allem wenn neue diagnostische Testmethoden eingeführt wurden. Doch immer wieder geben bei diesen Ausdauertrainierten die gewonnenen Laborergebnisse Rätsel in der Deutung auf. Dies begann schon bei normalerweise als pathologisch angesehenen EKG-Veränderungen bei gesunden hoch ausdauertrainierten Sportlern... Mit der diagnostischen Einführung des Muskelenzyms CK bzw. später CK-MB beim Herzinfarkt gab es nach intensiver muskulärer Ausdauerbelastung ohne Herzbeschwerden ebenfalls Probleme in der korrekten Interpretation formal erhöhter Werte. ... Ob die beobachteten kurz dauernden Erhöhungen von Troponin und (NT-pro)BNP oder die reversiblen echokardiographischen Auffälligkeiten bei sehr langen anstrengenden Ausdauerbelastungen auf lange Sicht eine klinische Bedeutung haben, ist bis heute nicht entschieden.“ Für Läufer, die sich durch Laborwerte geängstigt fühlen - mancher auf diesem Gebiet nicht genügend erfahrene Arzt dramatisiert auch unabsichtlich -, bedeutet dies, Diagnosen zu hinterfragen. Dieses Buch, auch wenn vielleicht mancher Fachausdruck nicht verstanden wird, hilft dabei; häufig vorkommende diagnostische Begriffe sind in einem Glossar allgemeinverständlich erläutert.

Wer über den „Nebenwirkungen“ des Laufens, die manchmal schon keine mehr sind - ähnlich wie man auch an den iatrogenen Wirkungen von Medikamenten sterben kann -, unsicher geworden ist, wird im letzten Kapitel beruhigt; auch die Summation der Schäden, die in diesem Fachbuch behandelt werden, ändert nichts an der präventiven oder gar therapeutischen Wirkung des Laufens.

Gelesen und beschrieben von Werner Sonntag

Dieter Kleinmann: Laufnebenwirkungen. Vom Ermüdungsbruch zum plötzlichen Herztod: Was können Sie dagegen tun?
Deutscher Ärzte-Verlag, 2. überarbeitete Auflage 2009.
Kart., 372 S. mit 99 meist farbigen Abbildungen und 56 Tabellen. ISBN 978-3-7691-0592-6, 39,95 Euro (D).

Denk positiv!: Wie mentale Stärke bei Training und Wettkampf hilft

Der richtige Motivationskick für die Wettkampfsaison: Dieses 330 Seiten dicke Buch gibt dem Leser die richtige "Peitsche" für das Gehirn.

 

Mentales Training für Triathleten und alle Ausdauersportler hat zahllose Tipps und Tricks parat, wie man sich für das Training und den Wettkampf motivieren kann. Wie man das Beste aus sich herausholen kann.

Aber braucht man wirklich über 300 Seiten, um die Psyche zu bearbeiten?, wird manch Skeptiker sagen. Sicher ist nicht jeder Leser empfänglich für diese Herangehensweise. Manche trainieren lieber nur den Körper, ohne über die mentale Stärke nachzudenken. Wer sich aber auf die Argumentation einlässt, dass die Psyche mindestens ebenso wie der Körper gestärkt werden kann und muss, der findet hier eine üppige Quelle an Anleitungen.

In dem Buch finden sich viele, detaillierte Ratschläge zu den Themen Motivation, Selbstvertrauen, Erregung, Konzentration, Emotionen und Schmerz. Vieles scheint so einfach, vernünftig und logisch zu sein, aber manchmal muss es eben ausgesprochen und dem Athleten klar gemacht werden. Ein Beispiel: Ein guter Wettkampf tut weh. Der Schmerz kommt irgendwann unweigerlich. Bei einem Verletzungsschmerz sollte man aufgeben oder Tempo rausnehmen, aber den Belastungsschmerz darf man akzeptieren. Wenn man mental darauf vorbereitet ist, kann man den Schmerz sogar positiv sehen. Denn er ist ja auch ein Beweis, dass man sich wirklich anstrengt und das Optimale versucht. Da muss man sich nicht nachher vorwerfen, sich hängen gelassen zu haben.

Viele Zitate von erfolgreichen Topsportlern ergänzen den Text. Es kann hilfreich sein zu lesen, wie andere beispielsweise mit der Nervosität vor dem Start umgehen. Denn auch diese gehört zu einem Wettkampf dazu. Man muss lernen, sie anzunehmen.

Das Buch bezieht sich hauptsächlich auf Triathlon, weil hier drei Disziplinen trainiert werden müssen. Oft fehlt für die schwächere Disziplin die Motivation. Hier gilt es, die mentale Stärke auf alle Teilbereiche auszudehnen. Auch der Wettkampf ist komplex - von der Vorbereitung über die Umstellung auf die neue Disziplin bis zur Renntaktik. Dennoch ist dieser Ratgeber auch für andere Ausdauersportarten geeignet. Denn positives Denken und Vertrauen in die eigene Stärke kann man immer gebrauchen.

Mentales Training für Triathleten und alle Ausdauersportler
von Jim Taylor und Terri Schneider
346 Seiten - Preis 22,95 Euro
Sportwelt Verlag

Gelesen und beschrieben von Birgit Schillinger

Kein Laufbuch, aber das Buch eines Läufers

Ein Buch mit dem Titel "Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede" legt nicht unbedingt nahe anzunehmen, es handle sich um ein Laufbuch, eines unter vielen.

 

Der japanische Schriftsteller Haruki Murakami schildert zwar die Bedeutung, die das Laufen für ihn und vor allem für seine schriftstellerische Arbeit hat, aber er kann nicht die Kompetenz beanspruchen, die man von einem Buch über das Laufen erwartet. Jedes Jahr einen Marathon, zusammen 25, und ein einziger 100-km-Lauf - das ist, wie einige Triathlone, aller Ehren wert, aber damit kann man laufenden Lesern nur ein müdes Lächeln entlocken. Mit der Physiologie des Laufens scheint sich der Autor gar nicht erst abgegeben zu haben; von "schnellen" und von "langsamen" Muskelfasern hat er wohl nichts gehört - er wundert sich nur. Herburger übersetzt Fachbegriffe in Poesie, Murakami vermeidet sie. Anders als der "Ultramarathon Man" von Dean Karnazes hat Murakamis Buch keine informatorische Substanz. Ist es vielleicht Literatur?

Fast alle von uns müssen sich an die deutsche Übersetzung halten. Sie vermittelt den Eindruck der Offenheit und Ehrlichkeit des Autors - und auch der Bescheidenheit. Das finde ich überaus sympathisch. Der "Ultramarathon Man" dagegen beeindruckt mich nur, menschlich berührt er mich nicht. Karnazes mag zwar Autor eines Bestsellers geworden sein, aber ein Literat ist er nicht. Murakami dagegen ist von Haus aus ein angesehener Autor; 13 seiner Romane und Erzählbände liegen in deutscher Übersetzung vor. "Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede" will jedoch offenbar keine Literatur sein. Das ohnehin nicht umfangreiche Buch enthält auch Aufzeichnungen, die bei anderer Gelegenheit entstanden sind, und es findet sich viel Tagebuch-Redundanz (Beispiel: "Als wir in den USA lebten, hat eine Dame, die als Assistentin in unserem Büro in Tokyo arbeitete, plötzlich ihre Kündigung eingereicht, da sie Anfang nächsten Jahres heiraten will, und ich muß mich nach Ersatz umsehen"). Selbst der eingängige Titel ist, wofür sich der Autor bedankt, nur eine Abwandlung des Titels "Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden" (Raymond Carver). Die Übersetzung möchte ich als gediegen bezeichnen; dennoch ärgern mich gerade bei dem Text eines doch wohl anspruchsvollen Schriftstellers Nachlässigkeiten im Umgang mit der deutschen Sprache. "An so einem heißen Ort" ist einem solchen Text unangemessen, "wegen mir" ist falsch, auch wenn wegen umgangssprachlich häufig im Dativ gebraucht wird; an anderen Stellen verwendet die Übersetzerin durchaus den Genitiv. Der Gebrauch des prätentiösen Ansonsten statt des schlichten "sonst" hat sich nachgerade bei uns eingeschliffen, hat aber mit dem Wandel der Sprache nichts zu tun, es ist im Gegenteil ein unbegründbarer Historismus. Darf man voraussetzen, daß auch jeder der Leser, die mit dem Dampfradio aufgewachsen sind, weiß, was ein iPod ist? In zwanzig Jahren, wenn wieder einmal eine neue Technologie neue Begriffe prägt, wird man erst recht nicht wissen, was ein iPod ist. Die Übersetzerin des laufenden Murakami weiß offenbar nicht, was ein Sechserschnitt bei Läufern bedeutet. Murakami ist seinen Hunderter am Saroma-See auf Hokkaido auf der ersten Hälfte in dieser Geschwindigkeit gelaufen und hat sich etwa zehn Stunden Laufzeit für die 100 Kilometer ausgerechnet. Die Übersetzerin macht aus dem Sechserschnitt, nämlich 6 Minuten für den Kilometer, einen "Schnitt von sechs Kilometern pro Stunde"; das hätte fast 17 Stunden Laufzeit bedeutet und bei dieser Veranstaltung zur vorzeitigen Beendigung des Laufes geführt. Der Widerspruch ist niemandem aufgefallen. Wenn man bedenkt, daß anspruchsvolle Zeitschriften eine Dokumentationsabteilung unterhalten, verdrießt mich, wie oberflächlich in Lektoraten mit den Texten von Läufern umgegangen wird.

Was also ist "Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede"? Kein Laufbuch, keine Literatur. Es ist die Biographie eines Läufers, der zufällig Schriftsteller ist. Auf 8 Farbseiten kann man ihn bei seinen Aktivitäten sehen. Immer wieder - und das ist das Positive - werden laufende Leser mit dem Kopf nicken: Ja, so ist es. Murakamis Empfindungen sind die Empfindungen, die jeder von uns hat. Wer möchte ihm nicht zustimmen: "Von allen Dingen, die ich mir im Laufe meines Lebens zur Gewohnheit gemacht habe, ist das Laufen die hilfreichste und sinnvollste, das muß ich zugeben. Über zwanzig Jahre Langstrecke zu laufen hat mich stärker gemacht, sowohl körperlich als auch emotional." Und bei dem Satz "Gegen andere anzutreten bedeutet mir nicht viel" erkenne ich einen Bruder im Geiste und ebenso in dem Satz, nichts von dem, was ihm (im Bildungsangebot) aufgenötigt worden sei, habe ihn wirklich interessiert.

Leser der literarischen Texte Murakamis werden in dem Läuferbuch die Gelegenheit sehen, sich ihrem Autor biographisch zu nähern und Einblick in kreative Prozesse zu bekommen. Der Gedanke, daß beim Romanschreiben Gift abgesondert werde, und die daraus folgernde These "Ein ungesunder Geist braucht einen gesunden Körper" sind nachdenkenswert. Die Verknüpfungen von Laufen und Schreiben erinnern stark an John Irvings "Die unsichtbare Freundin. Vom Ringen und vom Schreiben". Tatsächlich ist Murakami mit dem sieben Jahre Älteren gemeinsam schon im Central Park gelaufen. Ob nun die Biographie eines engagierten Läufers, auch wenn er ein angesehener Schriftsteller ist, hierzulande wirklich interessiert, muß wohl individuell entschieden werden. Auf jeden Fall: Das Laufen ist nun auch über die laufenden Literaten in der Literaturgeschichte angekommen. Hoffentlich merken es die Literaturkritiker.

Gelesen und beschrieben von Werner Sonntag

Haruki Murakami: Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede.
Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe.
Dumont Buchverlag - ISBN 978-3-8321-8064-5
2008, geb., 165 S., 16,90 €

Für Triathlon-Einsteiger

Bei den ersten Sonnenstrahlen kommen die Rennradfahrer wieder aus der Winterpause. Die Triathleten schwingen sich ebenfalls auf die frisch geputzten Räder.

 

Die meisten von ihnen waren über Winter mit Laufen und Schwimmen beschäftigt. Jetzt wird es höchste Zeit, sich bei den Wettkämpfen der Saison anzumelden, und systematisch die drei Disziplinen zu trainieren. Es ist sehr schwierig, drei Sportarten zeitlich und kräftemäßig in der Woche unterzubringen. Daher sind Triathlonbücher mit Trainingstipps eine große Hilfe.

Klaus Klaeren spricht mit seinem Ratgeber "Triathlon - Grundlagen, Training, Wettkampf" vor allem Anfänger und Athleten der Kurzdistanz an. Klaus Klaeren gehört zu den deutschen Pionieren im Triathlonsport. 1984 wurde er der erste deutsche Triathlonmeister. Nach nationalen und internationalen Erfolgen ist der 50-jährige Gerolsteiner als Trainer und Autor bekannt.

In dem Ratgeberbuch finden Triathlon-interessierte Sportler viele Hinweise für Training und Wettkampf. Ein Volkstriathlon geht meist über die Sprintdistanz (500m Schwimmen, 20km Radfahren, 5 km Laufen), die sogenannte olympische Distanz wird auch Kurzdistanz genannt (1,5km Schwimmen, 40km Radfahren, 10km Laufen). Wer diese Streckenlängen in Angriff nehmen möchte, kann die Trainingspläne gut verwenden. Klaeren weist auch darauf hin, wie wichtig Gymnastik und Krafttraining als Ergänzung sind.

Tabellen, Grafiken und übersichtliche Seitengestaltung machen die Orientierung leicht. Leider sind manche Fotos qualitativ nicht so hochwertig - Man erkennt an einigen älteren Fotos auch, wie schnell-lebig Triathlon, was Rennräder und Bekleidung betrifft, ist.

Fazit: Ein guter Ratgeber für ambitionierte Einsteiger.

Gelesen und beschrieben von Birgit Schillinger

Klaus Klaeren: Triathlon - Grundlagen, Training, Wettkampf
Copress Verlag
ISBN 978-3-7679-0898-7
Broschiert, 144 Seiten, ca. 70 Abbildungen, 16,90 €

Die Seele läuft mit

 

Wer mit dem Laufen beginnt, entdeckt über kurz oder lang die psychische Dimension dabei. Wie man sie wahrnimmt, hängt von der geistig-seelischen Orientierung ab. Man kann sie rational als Psychoanalyse interpretieren oder als Psychohygiene, als scheinbar ungeordnete Folge von Assoziationen oder als Fokussierung auf ein Problem. Für gläubige Menschen kann sie ein „Körpergebet“ bedeuten.

Einen solchen Vergleich hätten die christlichen Kirchen ebenso wie die jüdische Orthodoxie, die sich ja mit der Bejahung der Leiblichkeit schwergetan haben, vor einem halben Jahrhundert als Blasphemie bezeichnet.

Doch selbst bei denjenigen, die ihr ganzes Leben in mönchischer Zucht dem Glauben geweiht haben, hat die Weltoffenheit zugenommen. Vielleicht aber auch hat sich die Teilhabe an der Welt nur gewandelt.Mönche haben von jeher das Feld bestellt, den Kräutergarten ohnehin, Bier gebraut, Likör destilliert oder ein anderes Handwerk betrieben. Nonnen haben, während die höheren Töchter noch auf ihre „gute Partie“ warteten, hingebungsvoll soziale Berufe ausgeübt. Und heute? Vielleicht macht beim Swiss Alpine Marathon wieder ein Weihbischof mit, und wir werden uns im Hotelbad in der Badehose begegnen. Die Formulierung Laufen als Körpergebet stammt von einem Benediktiner, dem Frater Michael Bauer. Er hat seine Gedanken über eine „meditative Laufschule“ in einem Buch niedergelegt: „Die Seele läuft mit“. Das wußten wir zwar längst, aber wir haben es nur anders ausgedrückt. Vielleicht auch haben wir allzu sehr im Laufen das Training gesehen, die zielgerichtete Anpassung des Körpers an eine höhere Belastungsstufe. Doch Laufen kann mehr als nur Training sein.

Frater Bauer aus St. Paul in Kärnten, der erst mit dreißig Jahren ins Kloster ging, hat versucht, Laufen und spirituelle Praxis zu verbinden.

Solche Versuche hat es schon gegeben: Von „Zen of Running“ (Fred Rohé, 1974) und „Zen Running“ (Leo Diporta) über „Glück des Laufens“ (von dem Psychotherapeuten Dr. Hans Hartkopf) über „Nach innen laufen“ (von dem Salzburger Psychologen Dr. Reinhold Dietrich, 1986) und "Meditation und Laufen" (von Klaus Richter, 1996) bis zu „Meditatives Laufen“ (von dem Sportpädagogik-Professor Wolfram Schleske, 1988). Hier nun finden wir den ecclesiogenen Aspekt. Und siehe da, Laufen erfüllt im Grunde genommen ein mönchisches Prinzip: „Ora et labora führt die Spiritualität aus dem geschützten Raum der Innerlichkeit in die offene Welt hinaus. Denn was nützt eine Spiritualität, die im geschlossenen Rahmen kurzfristig euphorische Gefühle erzeugt, aber wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt, sobald auch nur ein kleines Lüftchen weht.“  

Frater Michael Bauer

Frater Bauer verwendet viel Mühe darauf zu erklären, was Spiritualität ist und wie sie sich darstellt. Und ihm ist recht zu geben, wenn er schreibt: „Der Hunger nach spirituellen Werten, die in einer reizüberfluteten Zeit Orientierung verschaffen, ist heute so groß wie nie zuvor.“

Wer eines der üblichen Laufsachbücher erwartet hatte, den wird’s verdrießen. Erst nach einem Drittel des konzisen Buches, wenn vielleicht schon der Verdacht aufgetaucht ist, es handle sich um ein Erbauungsbuch, kommt der Autor zur Praxis. Michael Bauer gelingt es, die Leser in ihrer Lebenswelt abzuholen, sogar mich, der ich längst keiner Kirche mehr angehöre, sie in einer zupackenden, bildreichen Sprache ohne Salbaderei anzusprechen und nachdenklich zu machen. Dabei schöpft er aus einem anscheinend beträchtlichen Wissen auch über asiatische Versenkungstechniken. Die laufenden Mönche in Tibet waren mir nicht bekannt, und von der Antirrhetischen Kunst, nämlich die eigenen Schatten zu transformieren, habe ich bei ihm zum erstenmal gehört. Sein Ansatz: „Mit dem meditativen Laufen haben wir also das missing link gefunden, das Kettenglied, das Spiritualität und Alltag miteinander verbindet, wie es die Spiritualität des Ora und Labora, des Yin und Yang beabsichtigt.“

Im praktischen Teil werden Läufer den Läufer erkennen. In einem lauen Sommerregen das Hemd auszuziehen, das habe selbst ich noch nicht fertig gebracht. Gewiß wird sich auch Widerspruch regen, wenn der Autor beim spirituellen Laufen die Nasenatmung voraussetzt. Wenige werden ihm da folgen können, weil die meisten von uns wettbewerbs- oder zumindest leistungsorientiert laufen und wir dazu ein möglichst großes Luftvolumen schöpfen wollen, egal wie. Doch wenigstens reflektieren sollten wir darüber. Auch Atemtherapeuten beharren auf der Nasenatmung. Und was ist mit der chronischen Bronchitis im Alter, unter der auch ich leide? Ich werde mich wahrscheinlich nicht umstellen, und wie man einen Marathon mit Nasenatmung läuft, müßte der Autor noch beweisen. Doch ohne Diskussion keine Erkenntnis. Die „Bewegung aus dem Hara“ (worunter Japaner den Unterbauch verstehen) ist im Grunde nur ein anderes, ursprünglicheres Bild für einen runden Stil. „Herzensgebet“, Chakrenlauf, biblische Weisheitssprüche - bei Frater Bauer verbinden sich Elemente unterschiedlicher Kulturen zu einem harmonischen „Lebens-Lauf“.

Ich habe den Band mit Gewinn gelesen. Wenn man berücksichtigt, daß Rezensenten häufig nur diagonal lesen und in einer Stunde mit Hilfe des Waschzettels drei Bücher abfertigen - soweit kenne ich meine Kollegen -, ich hingegen das allerdings nicht umfangreiche Buch zweimal vollständig gelesen habe, so ist damit das Werturteil zur Genüge ausgedrückt.

Gelesen und beschrieben von Werner Sonntag

Frater Michael Bauer: Die Seele läuft mit.
Die meditative Laufschule für Fitneß und innere Harmonie
Integral Verlag, 2007. Geb., 186 S., 14,95 Euro
ISBN 978-3-7787-9174-5

PUT ME BACK ON MY BIKE

Vor 40 Jahren: Tragödie am Mont Ventoux – der erste berühmte Doping-Tote

Doping im Radsport ist momentan aktueller denn je. Es scheint so, dass im Profisport kaum einer „ohne“ gefahren ist (sofern er erfolgreich war). Es wird gelegentlich auch darüber geredet, dass Doping sogar eine tödliche Gefahr sein kann. Der erste berühmte Doping-Tote im Radsport fiel vor genau 40 Jahren vom Rad: Tom Simpson starb am 13. Juli bei der 13. Tour-de-France-Etappe auf dem Anstieg zum Mont Ventoux.

In Tom Simpsons Körper wurden Amphetamine (Aufputschmittel, die auch das Schmerzempfinden unterdrücken) und Alkohol gefunden. Der britische Radsport-Journalist William Fotheringham hat intensiv Simpsons Leben und Sterben recherchiert.

„Put me back on my bike“ ist mehr als nur eine Biografie eines ehrgeizigen Profiradsportlers in den 60er Jahren. Die spannende Geschichte dieses schillernden Mannes wird nicht chronologisch erzählt, sondern jedes Kapitel hat einen eigenen Schwerpunkt. Der Leser erfährt viel über die Hintergründe der damaligen Zeit: die Gesellschaft, der Sport, das Doping.

Simpson war ein einfacher Bergarbeitersohn, der als erster Engländer versuchte, auf dem Festland als Profi berühmt zu werden. Und er schaffte es sogar, wohlhabend zu werden. England fand plötzlich auch im Radsport Beachtung – nicht nur im Cricket oder anderen typisch britischen Sportarten. Und so war England bei jungen Menschen im Gespräch: durch Beatles und Rolling Stones – und Tom Simpson. Diese interessanten Zusammenhänge stellt der Autor vor, denn Simpson war Pionier. Der Radprofi wagte immer viel: bei seinen Ausbruchsversuchen, bei den Abfahrten, bei Trainingsmethoden… Bei seiner Ernährung probierte er viel aus, so beispielsweise frisch gepressten Karottensaft aus 4,5 kg Karotten täglich.

Der Autor macht es sich nicht leicht, nur das Doping als Ursache für den Tod Simpson anzuführen. Es führten wohl auch weitere Umstände zum Kollaps. So wurde beispielsweise in den 60er Jahren davon abgeraten, auf dem Rad zu trinken. Man sollte mit möglichst wenig Flüssigkeit auskommen. Empfohlen wurde dagegen, in salzigen Fisch zu beißen! Auch Simpson war offenbar bereits dehydriert, als er am Mont Ventoux ankam. Sein Helfer fiel in eine Bar ein, um etwas zu trinken zu besorgen: Er klaute einfach eine Flasche Brandy, die an der Theke stand (das war eine durchaus übliche Methode der Tourfahrer, wenn man zu durstig war)! Simpson nahm ein paar Schlücke aus der Flasche. Zusammen mit der Erhitzung seines Körpers (es war ein extrem heißer Tag) und den Aufputschmitteln führte die Überlastung dann zum Tod.

„Put me back on my bike“ waren angeblich die letzten Worte Simpsons, als er vom Rennrad fiel, aber der Autor vermutet, dass diese Aussage erst nachträglich erfunden wurde. Dennoch -  passen würde der Spruch zu ihm. Was ihn auch charakterisiert: Er hat Formulierungen mit „Wenn“ und „hätte“/ „wäre“ aus seinem Wortschatz gestrichen. Es gibt keine Ausrede „Wenn das so gewesen wäre, dann hätte ich gewonnen“ u.s.w. Er hat jede Situation so genommen, wie sie war und das Optimum aus sich herausgeholt. Das ist wohl die Psyche von Siegertypen.

Daher: Ein sehr lesenswertes Buch, nicht nur für Radsportinteressierte.

Gelesen und beschrieben von Birgit Schillinger

William Fotheringham: „Put me back on my bike“.
Die Tom Simpson Biografie
Bielefeld, Covadonga Verlag 2007. 286 Seiten. 19,80 Euro.
ISBN 978-3-936973-29-7

Leidenschaft Marathon

Die Leute sehen mich immer auf einem Podest. Wenn sie mich dann aus der Nähe sehen und erleben, stellen sie erstaunt fest, dass ich doch eigentlich ganz normal bin.“ Diese Tatsache war für Katrin Dörre-Heinig, die auf eine lange und einzigartige Karriere zurückblickten kann, auch ein Anlass für die Entstehung ihres Buches „Leidenschaft Marathon“, wie sie bei der Vorstellung erklärte.

Das Buch ist keine Biografie im eigentlichen Sinn, denn ebenso konsequent, wie Katrin Dörre-Heinig in ihrer sportlichen Laufbahn war, bleibt sie auch in dieser Angelegenheit. Sie konzentriert sich auf das Wesentliche, das ihre Person für die breite Leserschaft interessant macht: den Sport und alles, was in direktem Zusammenhang damit steht. Darüber hinaus gibt sie zwar zwangsläufig auch Einblicke in ihr Privatleben, aber ohne zuviel preiszugeben.

Als Co-Autor agierte Christoph Külzer-Schröder, der auf Altbewährtes zurückgreift und die Erinnerungen der Marathonlegende in einen Marathonlauf einbettet.

Die Übergänge sind dabei nicht immer gelungen, oft wirkt es zu konstruiert, manchmal holprig. Diese Defizite werden jedoch ausgeglichen durch die Emotionalität und die Natürlichkeit, mit der Katrin Dörre-Heinig ihre Erlebnisse Revue passieren lässt. Die Geschichten sind spannend, aber einfach erzählt. Die Autoren verzichten auf eine perfekte sprachliche Gestaltung, es ist so geschrieben, wie Katrin Dörre-Heinig es auch einfach so erzählen würde.

Der Leser lernt in dem mit vielen Fotos versehenen Buch vor allem die Sportlerin kennen. Er verfolgt anhand ihrer Schilderungen, mit welcher Bedingungslosigkeit die ehrgeizige Läuferin ihr Leben dem Sport unterordnete, auch wenn sie „kein Kind von Traurigkeit war“, wie sie es bei der Vorstellung formulierte und was in einzelnen Episoden auch immer wieder zum Ausdruck kommt.

Das Buch steigt mitten im Geschehen ein und beginnt mit Katrin Dörre-Heinigs größtem Triumph, dem 3. Platz bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul. In den folgenden Kapiteln erzählt Katrin Dörre-Heinig über Höhen und Tiefen in ihrer sportlichen Karriere, die Zeit in der DDR, erste „Gehversuche“ im wiedervereinigten Deutschland und ihre Liebe zu Japan.

Stolz erinnert sie sich an ihre Erfolge, beschönigt aber ebenso wenig die Niederlagen. Tief greifend waren für die in Leipzig aufgewachsene Sportlerin die politischen Veränderungen des Jahres 1989. Diese kamen für sie gerade noch früh genug, denn nach der Geburt ihrer Tochter hatte sie eigentlich bereits mit dem Leistungsport abgeschlossen. Durch den Zusammenbruch der DDR jedoch eröffneten sich auch für sie neue Möglichkeiten und sie wagte den Schritt zurück in den Leistungssport. Die DDR spielt natürlich eine große Rolle in diesem Buch, wer jedoch eine Abrechnung erwartet, liegt falsch. Im Großen und Ganzen bezieht Katrin Dörre-Heinig hier keine Position, auch wenn sich ab und zu ihr Ärger über die Willkür der Funktionäre Bahn bricht. Auch die Thematik um Stasi und Staatsdoping bleibt ausgeklammert. Eines wird jedoch deutlich: Wer sich nicht an die Spielregeln des totalitären Regimes hielt, flog raus aus dem Kader und der Sportförderung. Katrin Dörre-Heinig schildert diesen Balanceakt, betont aber, dass sie trotz aller Schwierigkeiten stets stolz darauf gewesen sei, für ihr Land zu starten.

Gelesen und beschrieben von Antje Krause

Leidenschaft Marathon
von Katrin Dörre-Heinig / Christoph Külzer-Schröder
Agon Sportverlag. 222 Seiten im Hardcover. 16,90 €
ISBN 978-3-89784-282-3

Laufen und Lauftherapie

Ein Lesebuch

Das Buch ist, wie auf der Umschlagseite vermerkt, Prof. Dr. Alexander Weber gewidmet, dem „Vater der deutschen Lauftherapie-Bewegung“ sowie Initiator, Mitbegründer und langjährigen 1. Vorsitzenden des Deutschen Lauftherapiezentrums (DLZ). Es ist anlässlich des gerade abgeschlossenen 15. Aus- und Weiterbildungskurs von LauftherapeutInnen erschienen. Die DLZ-Dozenten Dr. Arwed Bonnemann, Jochen Grell und Klaus Richter haben zahlreiche Beiträge von langjährigen Weggefährten Webers, Dozenten-Kollegen, Freunden des DLZ und ausgewiesenen Kennern der Laufszene sowie Personen, die von Weber zum und in ihrem Laufen nachhaltig inspiriert wurden, zusammengestellt.

Bewusst sollte Raum auch zu vielfältiger literarischer Auseinandersetzung mit dem Thema sein. Entstanden ist „ein Lesebuch“, das neben aller Fachlichkeit vielfach die Berührtheit der VerfasserInnen mit zum Ausdruck bringt, ihre Laufmotive und Motivationsdynamiken, ihre Erfahrungen und individuellen Interpretationen sowie Reflexionen über tiefgreifende Verbindungen von Laufen und Leben. Inhalte und Formen belegen die vielfältigen Zugangsmöglichkeiten, stehen für eine lebendige geistige Auseinandersetzung mit Laufen und sich selbst und machen beim Lesen neugierig auf die noch folgenden Beiträge. Dabei wird in der Einleitung „Freiheit für lesende Läuferinnen und Läufer!“ proklamiert: „Jede und jeder mag dahin laufen, äh, lesen, wohin er oder sie will.“

Die Beiträge sind 4 Themenbereichen zugeordnet. Im Mittelpunkt der „Einleitung“ steht – wie für eine Festschrift zu erwarten – der Protagonist: die Person Alexander Weber, seine Entdeckungen, Ausarbeitungen, Wegweisungen und Visionen – geschildert im Spiegel von Begegnungen, Zusammenarbeit und freundschaftlicher Verbundenheit. Bei „Laufen als Therapie. Aus der Arbeit des DLZ“ werden die konzeptionellen Grundfeiler der Lauftherapie und der Ausbildung von LauftherapeutInnen dargestellt, deren Praxis beleuchtet und aktuelle Weiterentwicklungen aufgezeigt. In „Denken und Forschen“ kommen anthropologische, sozio-kulturelle und psychologische Fragen zur Sprache und Klärung. In „Die persönliche Erfahrung“ wird ein biographischer Bogen vom Laufeinstieg bis hin zum lebenslangen Laufen gespannt. Dabei geht es genauso um den Wenig- wie auch um den Vielläufer.

Die Beiträge im Einzelnen.

Kap. 1:

Kap. 2:

Kap. 3:

Kap. 4:

Ein Buch, das auf persönliche und unterhaltsame Art und Weise die Bedeutung des Laufens für Gesundheit und Wohlbefinden hervorhebt bzw. unterstreicht. Ein Buch über die Philosophie, Lehre und Praxis des Deutschen Lauftherapiezentrums (DLZ), das seit bald 20 Jahren erfolgreich im Dienst der Gesundheit steht. Kein Lehr- sondern ein Lesebuch, bunt, abwechslungsreich und kurzweilig, zuweilen humorvoll geschrieben, ein Buch zum Schmökern. Letztendlich eines, das beim Lesen immer wieder Lust auf’s Laufen selbst macht. 

Gelesen und beschrieben von Wolfgang W. Schüler

Laufen und Lauftherapie. Ein Lesebuch
Arwed Bonnemann, Jochen Grell und Klaus Richter (Hrsg.)
Regensburg: LAS-Verlag, 2006, 226 S., 14,80 €
ISBN 10: 3-89787-160-2

Mord beim Marathon

Ein grausamer Serienkiller hält die Kölner Kripo auf Trab. Kommissarin Remmer ist zwar einiges gewöhnt, aber die Brutalität, mit der die drei Opfer abgeschlachtet werden, zeugen von einer unvorstellbaren Lust am Töten. Blut spielt dabei eine große Rolle, mit dem Blut der Opfer schreibt der Mörder Zahlen an die Wand. Im Laufe der weiteren Morde und deren Ermittlungen gerät ein vierter Mann in Gefahr. Denn zusammen mit den drei bisherigen Opfern gehörte er zu einem Freundeskreis, der zu Studienzeiten eine seltsame Verbindung eingegangen war.

Nun ist dieser vierte Freund möglicherweise das nächste Mordopfer. Er ist Läufer und bereitet sich – ebenso wie der noch laufunerfahrene Polizist Gröber – auf den Kölner Marathon vor. Die Ermittlungen deuten darauf hin, dass der folgende Mord exakt auf der Ziellinie des Marathons geplant ist. Aber warum genau? Um das Motiv zu finden, muss die Kripo weit ausholen. Schließlich kommen sie einer satanischen Sekte auf die Spur: Die seltsame Verbindung der Jugendfreunde waren satanische Kreise, die dem Blut huldigten. Wie das am Ende mit dem Marathonmord zusammenhängt, sei hier nicht verraten.

Der Krimi von Helmut Frangenberg hat den Kölner Marathon als Rahmenhandlung. Die Aufklärung und der Marathon laufen am Ende parallel und die Spannung steigt bis zum Finale. Für Krimifans ist der Roman eine unterhaltsame Lektüre. Dabei verlaufen viele Fäden der Geschichte zunächst auseinander und kommen am Ende wieder zusammen. Für Läufer bietet der Krimi natürlich keine neue Erkenntnis in Trainings- und Wettkampflehre, aber das eine oder andere Motiv aus dem Läuferleben hat in dem Roman seinen Platz.

Gelesen und beschrieben von Birgit Schillinger

Helmut Frangenberg: Marathon
Köln Krimi 29
Köln Emons Verlag 2006. 240 Seiten; 9 Euro.
ISBN 3-89705-450-7

Laufen und Walking im Alter

Ein Thema ist es schon immer gewesen: Laufen im Alter. Wie geht es weiter, wenn die persönliche Marathon-Bestzeit niemals mehr erreicht werden wird? Im allgemeinen ist eine solche Frage nur im stillen Kämmerlein gestellt worden. Doch unter dem Eindruck der demographischen Veränderungen in Deutschland ist Sport im Alter seit einigen Jahren zu einem Thema geworden, das in Symposien und Workshops diskutiert wird. War es früher die Ausnahme, wenn jemand nach dem Eintritt ins Rentenalter mit dem Laufen und gar mit dem Wettkampfsport begann, so wird heute zumindest das Walking als Prävention und als Rehabilitation gerade der älteren Jahrgänge empfohlen und gegen Jogging wie auch gegen den Marathon im dritten Lebensabschnitt selbst von nicht laufenden Ärzten nichts (mehr) eingewendet.

Dieter Kleinmanns Buch kommt zum rechten Zeitpunkt. Statt immer noch mit einem weiteren Laufbuch in den Auflagen-Wettlauf einzutreten - manchmal um den Preis der Seriosität -, ist ein Verlag gut beraten, wenn er sich mit einer Neuerscheinung einem Spezialthema widmet. Seit Israel/Weidners „Körperliche Aktivität und Altern“ (1988) und dem „Handbuch Alterssport“ von Heinz Denk (2003) ist meines Wissens keine deutschsprachige Buchveröffentlichung erschienen, die für Probleme von Altersläufern relevant wäre. Dieter Kleinmanns jüngstes Werk schlägt die Brücke von der Wissenschaft zur ärztlichen Praxis und zur Praxis des Laufens und Walkings überhaupt. Langjährig ambitionierte Läufer begegnen heute ihrem Doktor durchaus auf Augenhöhe. Insofern ist der Band, auch wenn er nicht zur Ratgeberliteratur zählt, auch für sie interessant, für Lauftrainer mit einer betagten Klientel ohnehin.

Dr. Kleinmann hat sich nicht an einen Trend - die Thematisierung von Sport im Alter - angehängt; er wirft nicht jährlich ein Buch auf den Markt, wiewohl dies nach „Laufnebenwirkungen“ so scheinen könnte. Ich weiß aus früheren Gesprächen, daß dieses Buch „Laufen und Walking im Alter“ seit Jahren im Manuskript schlummerte; doch der Autor mochte bei der Buchrealisierung keinerlei Kompromiß, etwa den Verzicht auf die 15seitige Bibliographie, eingehen. Recht hat er. Denn eine solche ausführliche Bibliographie, so langweilig sie wirkt, kann eine Fundgrube sein. So ist das Buch Jahre hindurch gewachsen, immer wieder genährt durch die Kasuistik aus der eigenen internistischen Praxis, die in hohem Maße von Läuferinnen und Läufern aufgesucht worden ist. Wenn man dazu nimmt, daß Kleinmann seinem Patienten-Potential, seinen „Probanden“, weniger im weißen Mantel begegnet ist, als vielmehr auf der Laufstrecke, wovon auch die Fotos zeugen, kann man ein authentisches Buch aus der Läufer-Wirklichkeit erwarten.

Im Blick bleibt die sportärztliche Fragestellung „Fit im Alter, aber wozu?“ Im ersten der vier Hauptteile behandelt Kleinmann die gesundheitlichen Auswirkungen der Dauerleistung. Die Alterungsprozesse ähneln verblüffend den Folgen von Bewegungsmangel; durch Bewegung lassen sie sich günstig beeinflussen. Höchstwahrscheinlich haben die Leser der Zielgruppe manches auch woanders gelesen; Dr. Kleinmann übernimmt jedoch Erkenntnisse nicht einfach, sondern prüft sie immer an Hand von Primärquellen (daher die umfangreiche Bibliographie). Insofern eignet sich der Band auch gut zum Nachschlagen. Es versteht sich, daß Dr. Kleinmann auf dem aktuellen Stand ist. Manche hypothetische Behauptung ist durch Studien und Beobachtungsreihen erst in den letzten Jahren verifiziert worden, und sei es die des Slogans „Langläufer leben länger“.

Insbesondere aus dem Kapitel „Ärztliche Untersuchung“ spricht der - auch kardiologisch - erfahrene Praktiker; er rät beim Belastungs-EKG eindringlich zur „symptomlimitierten Belastung“ auf dem Ergometer. Nur dann, zusammen mit einer Echokardiographie, könne man einer Herzerkrankung auf die Spur kommen. Eine der übersichtlichen Tabellen des Buches führt die Kontraindikationen auf. Das Kapitel Training faßt zusammen, was jeder praktische Arzt, der Läufer in seinem Wartezimmer hat - wer heute eigentlich nicht? -, wissen sollte. Sicherlich ist es auch für Läufer, die sich durch zahlreiche Wettkampfteilnahmen im Zentrum der Laufszene bewegen, nützlich, Überlastungs-Zeichen bei Sportfreunden zu erkennen. Für Läufer wie mich ist es wohltuend, bestätigt zu bekommen, daß das subjektive Befinden, der Gesundheitszustand, die Beurteilung des Trainings oder Wettkampfes verläßlicher sind als die alleinige Pulsmessung.

Wissenschaftliche Erkenntnisse, die zu Gemeinplätzen geworden sind, werden kritisch hinterfragt, so zum Beispiel im vierten Hauptteil die einseitige Darstellung, um nicht zu sagen: Verteufelung, der freien Radikalen. In diesem Kapitel werden Laufen und Walking unter den Aspekten von Streß und chronischen Erkrankungen gesehen. Dabei wird insbesondere Herzerkrankungen - der häufigsten Todesursache - ein besonderes Augenmerk geschenkt.

Dr. Kleinmann hat mit seinem jüngsten Buch nicht nur thematisch eine Lücke geschlossen, sondern abermals auch häufig abstrakt wirkende wissenschaftliche Studien pragmatisch in Beziehung zur therapeutischen und zur läuferischen Praxis gesetzt. Daher ist der Band sowohl Medizinern als auch Läufern, die nach qualifizierter Information zumal in Problemfällen streben, sehr zu empfehlen. Der Autor demonstriert zudem wieder einmal, daß man ohne Verlust an akademischer Seriosität allgemeinverständlich schreiben kann, und das bedeutet: auch für diejenigen, um die es hier geht.

Gelesen und beschrieben von Werner Sonntag

Dieter Kleinmann: Laufen und Walking im Alter
Gesundheitliche Auswirkungen und Trainingsgrundsätze aus sportmedizinischer Sicht
Springer Wien/New York, 2006. 172 S., 66 Abb. Brosch. 24,90 Euro. ISBN 3-211-33613-3

Laufen, Leben, Lesen – Lass dir Zeit dabei

Schlaf und Strecke

Herburgers „Schlaf und Strecke“ ist keine leichte Kost. Der Mann rennt durch die Welt, nimmt an den verschiedenen Ultra-Marathons teil – und doch passen seine Laufbeschreibungen nicht in ein Schema. Herburger ist in erster Linie Schriftsteller, der beim Laufen genau beobachtet und sich – ungewöhnliche – Gedanken macht. Es geht ihm nicht um das Sportliche, auch nicht um das Touristische.

Er lässt Wissen und Spekulationen einfließen: Da ist auch für Läufer, die ebenfalls bei diesen Langstreckenrennen (von Comrades bis La Réunion) schon mitgemacht haben, sicher viel Überraschendes dabei.

Günter Herburger sieht sich in der Tradition von Humboldt: Man sollte alles in sich aufsaugen – von den Fakten bis zur Illusion, von der Wahrnehmung bis zur Halluzination. Aufsaugen und Wiedergeben. Läufer sind moderne Bildungspioniere. Die Teilnahme an weltweiten Ultraläufen ist für Herburger Vagabundieren und Philosophieren zugleich. Wenn er - oft anspruchslos - seine Unterkunft auswählt oder sich ermogelt, kommt durch, dass er schon in den 50er Jahren vagabundierend durch die Welt gezogen ist. Das Leben auf der Straße faszinierte den sozialistisch orientierten Autor schon immer – nun holt er es in Laufschuhen nach. Wie er anspruchsvolle, teils schwer verständliche Assoziationen mit den bekannten Leiden eines Langstrecklers (Umstieg auf Fettverbrennung, schmerzende Muskeln, psychische Zweifel an der physischen Stärke) verknüpft – das macht den Reiz dieser ruhigen Erzählungen aus, die dahin tippeln wie einer, der genug Zeit zum Nachdenken hat.

Herburger, 1932 im Allgäu geboren, lebt als Schriftsteller in München. Seit 25 Jahren läuft er. Inzwischen hat er auch die Extrem-Ultralangstrecken ausgetestet. Herburger ist dabei auch kein typischer Läufer. Er raucht auch mal gerne eine Zigarette. Und beim Berliner Marathon beschreibt er seine Anreise, seine Vorbereitungen - und reist dann am Start angesichts der Menschenmassen schleunigst wieder ab.

Schlaf und Strecke
von Günter Herburger
Roman, 349 Seiten.
A1 Verlag München 2004 - ISBN 3927743747

Gelesen und beschrieben von Birgit Schillinger

Trainingstipps in (Buch-)Hülle und Fülle

Jetzt rückt die Zeit der Suche nach Weihnachtsgeschenken näher. Anschließend folgt eine kurze Periode der guten Vorsätze - das Training, die Häufigkeit, die Umfänge, das Gewicht u.s.w. betreffend. Wer hierzu Lektüre sucht und noch mit Triathlon liebäugelt, wird beim Sportwelt Verlag fündig. Der Verlag hat sich bisher auf seriöse Trainingsbücher hauptsächlich für Triathleten spezialisiert.

Neben dem Ratgeber "Mentales Training für Triathleten" (siehe LaufReport-Besprechung) sind auch die Bücher "Trainingspläne für Triathleten" und "Lauftraining für Triathleten" eine Fundgrube an Trainingsplänen und Tipps, wie man sich auf bestimmte Wettkampfziele vorbereitet. Beide Trainingsbücher umfassen über 360 Seiten, sind also richtige "Wälzer". Sie verzichten auf modische Fotos (die eh so schnell veralten), sondern liefern lieber theoretisches Wissen, ungestützt durch Tabellen und Grafiken.

In "Trainingspläne für Triathleten und andere Ausdauersportler" vermittelt die 50-jährige Autorin Gale Bernhardt ihre Erfahrungen als amerikanische Nationaltrainerin (Triathlon). Es gibt hier Trainingspläne für langfristige Vorbereitung: ein halbes bzw. ganzes Jahr für Mittel- und Langdistanz bzw. olympische Distanz, auch Programme für einen kurzfristigen Aufbau (für Sportler mit wenig Zeit) sowie Trainingspläne für das Ziel, schnellere Zeiten zu erreichen. Fallbeispiele und Zitate ergänzen den umfangreichen Ratgeber.

Sehr ähnlich detailliert und umfassend ist "Lauftraining für Triathleten und Marathonläufer". Ken Mierke, 40-jähriger amerikanischer Profi-Trainer (Triathlon, Radsport), legt beispielsweise Wert auf einen korrekten Laufstil. Er stellt zudem das Koppeltraining - die Kombination des Trainings von Laufen und Radfahren - vor, ein hartes, aber wirkungsvolles Trainingsmittel für Triathleten. Entgegen der früheren Ansicht, dass Radfahren Läufer langsamer macht, kann der heutigen Meinung nach das Radfahren die Laufleistung steigern - vorausgesetzt die Sitzposition und der runde Tritt stimmt.

Auch in diesem Ratgeber sind - wie bei Bernhardt - Ernährung sowie Krafttraining ein wichtiges Thema.

Gelesen und beschrieben von Birgit Schillinger

Trainingspläne für Triathleten und andere Ausdauersportler
von Gale Bernhardt
- auch für Duathleten, XTERRA, Kurz-, Mittel- und Langdistanz.
384 Seiten, Preis 26,95 EUR

Lauftraining für Triathleten und Marathonläufer
von Ken Mierke
380 Seiten, Preis 24,95 EUR
beide im Sportwelt Verlag

Warum Cooper Aerobics erfand

Theoretiker der Lauf-Gesundheit

An Persönlichkeiten kann man sehr wohl - als Antithese zur materialistischen Geschichtsauffassung - Geschichte festmachen. Laufgeschichte ist nicht nur die Geschichte von Läufern und des Laufens. In dem Band "Warum Cooper Aerobics erfand" werden elf große Theoretiker der Lauf-Gesundheit oder vielmehr des Gesundheitslaufs dargestellt; in ihren theoretischen Interpretationen, der Wirkung ihrer Publikationen und Aktivitäten, spiegeln sich Facetten und Entwicklungen des Gesundheitslaufes.

Für jeden der elf Porträtierten gibt es gute Gründe, ihn in einen solchen Band aufzunehmen. Nur wo wird aus der Praxis die Theorie, wie grenzt man Theorie von der Praxis ab? Abgesehen davon, daß ich als Autor eines Beitrags diesen Band nicht objektiv rezensieren kann, bestünde der kritische Ansatz in der Problematik der Auswahl. Nicht, daß nicht jeder der elf seinen Platz verdiente: Ernst van Aaken, Kenneth H. Cooper, Arthur Lydiard, John H. Greist, Thaddeus Kostrubala, George A. Sheehan, Alexander Weber, Joan L. Ullyot, Gerhard Uhlenbruck, Carl-Jürgen Diem und Dieter Kleinmann.

Doch ist die Geschichte der Lauftheorien nicht von vielen mehr geschrieben worden? Muß man nicht mit GutsMuths beginnen, geht die Bewußtmachtung der Körperlichkeit nicht auf Rousseau zurück? Haben nicht Hufeland, Seume, Schopenhauer kluge Gedanken zur Bedeutung des Bewegungstrainings beigesteuert? Hat nicht Carl Diem durch sein Vorbild und seine Aktivitäten im "Komet" Grundlagen des Volkslaufs gelegt, indem er den Sport von der "Schaustellerei" abhob? Markiert Otto Hosse nicht den Beginn der deutschen und schließlich international ausstrahlenden Volkslaufbewegung? Haben Arthur Lambert, der als Trainer das Ausdauertraining in den Vordergrund stellte und der Interessengemeinschaft älterer Langstreckenläufer vorstand, sowie der Druckerei-Besitzer Enzio Busche die Lauftreffs ins Leben gerufen, die Jürgen Palm dann zum Schwerpunkt einer seiner DSB-Aktionen machte? Solche Namen stehen auch für diejenigen, die entweder sich selbst vom Läufer-Marktplatz zurückgezogen haben - wie Professor Klaus Jung - oder in die Vergessenheit gedrängt worden sind - wie Dr. Hans-Henning Borchers, der Gründungs- und langjährige Vorsitzende des Deutschen Verbandes langlaufender Ärzte und Apotheker. Sie alle waren nicht nur kraft ihrer Funktion Theoretiker des Gesundheitslaufes, sondern ihrer eigenständigen Beiträge wegen. Auch Manfred Steffny, der Laufjournalist und Verleger, ist mehr als nur ein reproduzierender Journalist gewesen. Die wissenschaftlichen Untersuchungen insbesondere in der DDR (Siegfried Israel) erbrachten wichtige Grundlagen, von denen die Gesundheitspolitik erst heute profitiert. Kurz, leicht ließe sich ein dickleibiges Handbuch "Who is who?" der Theoretiker zusammenstellen und bis in die Gegenwart fortführen.

Es ist das Verdienst der beiden Herausgeber, es nicht beim Nachdenken über Möglichkeiten belassen, sondern die Idee - in welcher Form auch immer - umgesetzt zu haben. Auf diese Weise ist ein eigenständiger Band zur Theorie des Gesundheitslaufs entstanden, mit dem eine Anzahl von Details, Erinnerungen, zum Teil auch persönlichen Einschätzungen der Vergessenheit entrissen wird. Die diffus erscheinende Entwicklungsgeschichte hat Gesichter bekommen.

Der Titel leitet sich von Kenneth H. Cooper her, der für die amerikanische Luftwaffe einen Fitneß-Test und ein Trainingsprogramm entworfen hat, wobei er mit dem Begriff "Aerobics" die grundsätzliche Bedeutung des aeroben Trainings betonte. Er goß damit Erkenntnisse in ein System, die vorher schon Ernst van Aaken in der Bundesrepublik Deutschland, allerdings ohne ausreichende wissenschaftliche Unterfütterung, postuliert hatte. George Sheehan war der philosophische Kopf der amerikanischen Laufbewegung. Thaddeus Kostrubala entdeckte am eigenen (massigen) Leib die psychischen Wirkungen des Laufens - Wolfgang Schüler hat das sehr anschaulich geschildert -, John H. Greist arbeitete über das Thema Laufen und Depression. Joan L. Ullyot, die einzige Läuferin unter den elf, förderte den Frauenlauf. Arthur Lydiard und Carl-Jürgen Diem (Klaus Richter schildert das Darmstädter Modell) kamen von der Praxis her, blieben aber dabei nicht stehen. Der Immunbiologe Gerhard Uhlenbruck fand insbesondere im Alter zur Psychoneurobiologie unter dem Aspekt des Laufens und untersuchte mögliche Wirkungen auf Krebserkrankungen. Alexander Weber näherte sich dem Laufen auf dem Wege der Verhaltenstherapie und begründete das Deutsche Lauftherapiezentrum. In Dieter Kleinmann erblicke ich den praktischen Läuferarzt, der sich jedoch nicht auf seine internistische Praxis beschränkte, sondern sowohl eigene Einsichten als auch die jeweils aktuelle Literatur in Buch- und Zeitschriften-Veröffentlichungen dokumentiert.
Ganz sicher präsentieren Alexander Weber und Wolfgang W. Schüler in den Porträtierten höchst unterschiedliche Ansätze und Konzepte; damit spiegeln sie die Vielfalt der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Laufen wider. Dennoch, es ist keine wissenschaftliche Publikation entstanden, sondern eine für jedermann lesbare Dokumentation. Einige Fragen, die an die noch erreichbaren Theoretiker gerichtet waren, fokussieren jeweils die Absicht der Herausgeber.

Gelesen und beschrieben von Werner Sonntag

Alexander Weber/ Wolfgang W. Schüler (Hrsg.):
Warum Cooper Aerobics erfand
11 große Theoretiker der Lauf-Gesundheit.
LAS-Verlag, 2005. 184 S., kart. 14,80 Euro. ISBN 3-89787-169-6

Tod im Saukopftunnel

Liebe Läufer,
wenn Ihr am nächsten Tag einen Wettkampf vorhabt, dann beginnt nicht am Vorabend mit diesem Krimi! Denn man kann ihn nicht wieder weglegen. Die Lesenacht garantiert Adrenalin- und Endorphinschübe, weil man wissen will, wie die Morde an einigen scheinbar braven Bürgern mit den Leichenfunden im Saukopftunnel (der von Weinheim in den Odenwald) zusammenhängen. Und was das Lesevergnügen noch erhöht, sind die sympathischen, teilweise skurrilen Personen: „Aus meinem Umfeld geklaut und neu zusammengesetzt.“

Birgit Schillinger stellt Manfred H. Krämer und sein Buch in LaufReport.de vor HIER