
Laufen & Teilabriss der rückwärtigen Oberschenkelmuskulatur
LaufReport-Leser Stephan K. fragt:
Bin seit 2010 Läufer, wiege bei 1,72 m 60 kg und habe folgendes Problem: Vor
ca. 5 Wochen verspürte ich im Rahmen eines Trainingslaufes einen plötzlichen
heftigen Stich im Bereich der linken Gesäßhälfte. Die veranlasste Kernspin-Untersuchung
ergab einen Abriss eines Teils der rückwärtigen Oberschenkelmuskulatur links
im Bereich des Sitzbeinhöckers mit Einblutung und reaktiver Reizung des Ischiasnervs
auf dieser Seite. Ich habe aktuell nach wie vor Beschwerden im beschriebenen
Bereich und ein Ziehen im rückwärtigen Oberschenkel auch beim normalen Gehen.
Was können Sie empfehlen, danke vorab?
Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler aus Heppenheim antwortet:
Grundsätzlich sei angemerkt, dass meine online-Ratschläge generell nur Empfehlungscharakter
haben, die daher mit dem behandelten Arzt nochmals hinterfragt werden sollten.
Dies vorneweg. Ihr Geschehen liegt jetzt ja bereits einige Wochen zurück, so
dass man hier generell von einem operativen Eingriff Abstand nehmen sollte/muss.
Zudem ist die in Mitleidenschaft gezogene Muskulatur (3 Muskeln) nicht der einzige
muskuläre Hebelarm, der im Hüftgelenk streckt (den Oberschenkel nach hinten
zieht) und im Kniegelenk beugt. Der Vernarbungsprozess wird zudem dazu beitragen,
dass die sogenannte ischiocrurale Muskulatur peu à peu wieder Funktion zurück
gewinnt. Was kann ich Ihnen jetzt zusätzlich raten:
- Ich würde frühestens 12 Wochen nach dem Ereignis wieder mit leichtem
Lauftraining beginnen und zwar ganz piano, also gehen, traben, laufen,
jeweils 3 Minuten und dann sukzessive Woche für Woche die Geh- und Trabphasen
zu Gunsten der Laufphase verkürzen, bis Sie dann wieder an einem Stück 30
Min, dann 45 Min. und schließlich 60 Minuten laufen können. Tempo-Intervalle
und Wiederholungen würde ich erst nach einem Kontroll-MRT nach ca. 20 Wochen
wieder aufnehmen.
- Bis zur Wiederaufnahme des Lauftrainings bietet sich als sinnvolle Alternative
Radtraining im Studio, Kraulen und gaaaanz vorsichtig auch Aqua-Jogging
(je nach Befindlichkeit im verletzten Areal) an.
- Unbedingt wichtig wäre auch regelmäßige Physiotherapie, also manuelle
Therapie in Kombination mit einem Training der Gleichgewichtsmuskulatur (Therapie-Kreisel
etc.) und gezieltes Core-Training (tiefe muskuläre Stabilisatoren) mittels
vorsichtigen Pilates-Training. Gerade das Pilates-Training dürfte sich auch
positiv auf Ihre ja ebenfalls erwähnte Bandscheibenproblematik auswirken.
- Medikamentös würde ich das therapeutische Management mit der Einnahme
von Traumeel® Tbl. regenerationsfördernd flankieren. Dieses Präparat hat
in der Sportmedizin generell einen guten Namen, als tägliche Dosierung empfehle
ich 4x2 Tbl. für 4 Wochen, einfach im Mund zergehen lassen. Das Präparat ist
gut verträglich und in jeder Apotheke erhältlich. Bei bekannter Pollen-Allergie
bitte Rücksprache bei Ihrem behandelnden Arzt. Zusätzlich bietet sich die
regelmäßige und hochdosierte Einnahme von Magnesium (z.B. Magnesium-Köhler®
Kps., jeweils abends eine Kapsel) an. Gerade die hier gegebene Kombination
mit Vitamin B6 dürfte sich bei Ihnen zusätzlich positiv auswirken.
- Sollten Sie Ananas-Liebhaber sein, so integrieren Sie bitte für etwa
4 Wochen täglich 1 Baby-Ananas in Ihren Speiseplan ein (reich an anti-entzündlich
wirkenden Enzymen). Und wichtig: Bei der Baby-Ananas ist gerade der Strunk
mit essbar (nicht holzig), der sich durch einen besonders hohen Gehalt an
Bromelain auszeichnet.
- Generell bitte auf einen ausgeglichenen Flüssigkeitshaushalt achten,
dabei aber bitte Alkohol für die kommenden 12 Wochen generell meiden,
alternativ Magnesium-reiches Mineralwasser (z.B. Rossbacher 2:1, Gerolsteiner)
einsetzen.
Ja, dann alles Gute, auf dass die Ratschläge bei Ihnen fruchten
Ihr Dr. Ziegler

Laufen & Knochenödem im Sitzbeinbereich
LaufReport-Leser Markus W. fragt:
Sehr geehrter Herr Dr. Ziegler,
seit Jahren lese ich im LaufReport Ihre Sprechstunde und bin stets erfreut,
Ihre kompetenten Tipps zu lesen. Jetzt zu meinem Problem: Ich bin 48 Jahre,
wiege bei 1,75 m ca. 72 kg und laufe 1-2mal pro Jahr einen Marathon in moderatem
Tempo. Bis auf kurze Verletzungspausen habe ich immer Sport betrieben (Laufen,
Rennrad, Schwimmen). Jetzt plagen mich allerdings seit über 10 Wochen arge Schmerzen
im Po-Bein-Bereich, besonders im Bereich der Pofalte im Übergang zum Oberschenkel.
Kortison-Injektionen, Manuelle Therapie, Massagen, Ultraschall sowie Osteopathie,
daneben Neuraltherapie (Narben- und Störfeldbehandlung), Stoßwelle sowie Dehnen,
alles ohne Erfolg. Zunächst war noch leichtes Lauftraining möglich. Wegen Zunahme
der Beschwerden pausiere ich aber mittlerweile seit 2 Wochen komplett. Eine
vor 2 Tagen erfolgte Kernspin-Untersuchung (MRT) ergab jetzt endlich die richtige
Diagnose: Sitzbeinhöcker-Entzündung (Ödem) inklusive Entzündung der ansetzenden
Oberschenkelmuskeln. Mein Orthopäde ist nun nach all den Therapieversuchen ratlos.
An Medikamenten nehme ich derzeit Magnesium Diasporal 300, Vitamin D und Thyronajod
125. Was können Sie mir noch raten, danke vorab?
Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler aus Heppenheim antwortet:
Vorab aber der wichtige Hinweis, dass alle meine online-Tipps und Überlegungen
generell keinen Verbindlichkeitscharakter haben dürfen. Entsprechend meine
Empfehlungen bitte nochmals mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen. Unter
diesem Vorbehalt hier nun meine Überlegungen und Tipps, wie Ihrerseits gewünscht:
- Die Kernspin-Diagnose „Sitzbeinhöcker-Entzündung (Ödem)“ lässt sich
durchaus mit Ihrem Beschwerdebild in Einklang bringen. Allerdings wäre es
sicherlich hilfreich gewesen, diesen diagnostischen Schritt früher anzusetzen.
Zum grundsätzlichen Verständnis sei angemerkt, dass die im MRT gefundene Veränderung
in der Knochenstruktur Ausdruck eines Missverhältnisses zwischen jeweiliger
Belastung und vorhandener Belastbarkeit im beschriebenen Bereich ist, aus
welchen Gründen auch immer. Im ungünstigen Fall droht hier ein Ermüdungsbruch
oder auch eine massive Schädigung innerhalb des Knochengewebes, wenn nicht
gezielt gegengesteuert wird.
Als ursächliche Faktoren kommen in Frage:
- Hohe Trainingsintensität bzw. Wettkampfhäufigkeit, vor allem, wenn
man plötzlich das Belastungsniveau nach oben fährt, was bei Ihnen allerdings
weniger zutrifft.
- Bei Ihnen als Ausdauersportler gehe ich jetzt nicht davon aus, dass Sie
rauchen, da Nikotin-Missbrauch ebenfalls negative Auswirkungen auf
den Knochenstoffwechsel hat.
- Auch chronische Ernährungsfehler können einer solchen Knochenschädigung
Vorschub leisten. Dazu zählen u.a. der Verzicht auf Vitamin D-reiche Kost
(v.a. Seefisch, Eigelb, Leber, Pilze) sowie ein ungünstiges Omega-6-:Omega-3-Fettsäuren-Verhältnis,
wie es typischer Weise bei Zeitgenossen anzutreffen ist, die sich schwerpunktmäßig
von tierischen Produkten aus Mastbetrieben, Zuchtfarmen und Legebatterien
ernähren. Details hierzu finden Sie in meinem aktuellen Ernährungsbuch „Power
ist essbar“.
- Erheblicher Vitamin D-Mangel: Lassen Sie sich daher bitte Ihren Vitamin
D-Spiegel im Blut bestimmen (25-OH-Vitamin D), der bei Ihrem Problem auf jeden
Fall >40 ng/ml liegen sollte. So wird auch aufgezeigt, inwieweit Ihre derzeitige
Vitamin D-Einnahme Ihren Bedarf deckt. Speziell in den Herbst- und Wintermonaten
zw. Oktober und März findet ja in der Haut quasi keine körpereigene Vitamin
D-Produktion statt (der Mensch zehrt in dieser Zeit von seinem Depot), die
zu immerhin 95% den täglichen Bedarf decken muss. Wenn Sie dann schon beim
Labor-Check sind, sollten Sie gleich auch die Schilddrüsenfunktion testen
lassen (TSH, freies T3 und freies T4), nicht dass Sie mit der aktuell gewählten
Dosierung (Thyronajod 125) überdosiert liegen.
Was ist jetzt bei Ihnen aus meiner Sicht zu raten und zu tun:
- Gezielte biomechanische Entlastung des betroffenen Bereichs. Ich
empfehle daher mit gutem Erfolg das generelle Tragen von Laufschuhen
auch im Alltag, die ja per se optimal gedämpft sind und so die ja bereits
beim normalen Gehen auftretenden Bodenreaktionskräfte zu minimieren helfen.
Zusätzlich sollten Sie sich bei Ihren normalen Schuhen Pufferabsätzen
einbauen lassen, die als orthopädische Heil- & Hilfsmittel bei Ihrer Diagnose
auf jeden Fall von jeder gesetzlichen KV kostenmäßig übernommen werden.
- Als wichtige Ernährungsfaktoren zur Unterstützung des Heilverlaufes zählen
hochwertiges Eiweiß (v.a. Wild, Fisch aus Wildfang, Biofleisch, Hülsenfrüchte,
Pseudo-Getreide) in Kombination mit Nüssen, Pilzen, Grüngemüse und Salat,
Milchprodukte aus dem Bioladen bzw. Reformhaus, um so einer evtl. ernährungsbedingt
induzierten überschießenden Entzündungsneigung in Ihrem Körper („silent inflammation“)
gezielt zu begegnen.
- An medikamentösen Maßnahmen sind bei Ihnen aus meiner Sicht angezeigt:
- CalciProtect® (Dosierung 4 x täglich 1 Kapsel für mindestens 6 Monate)
setzen, was Ihnen eine konstante Versorgung mit Kalzium, Vitamin K1
und Vitamin D3 & damit eine schnellere
Abheilung der Knochenproblematik garantiert (erhältlich in jeder Apotheke).
Vitamin D3 wirkt sich nachweislich auch günstig
auf die unangenehme Schmerzsymptomatik aus. Hier muss Ihr Arzt, je nach
vorhandenem Vitamin D-Spiegel, entscheiden, ob Ihre laufende Vitamin D-Einnahme
mit CalciProtect® kombiniert eingenommen werden kann/soll oder besser
im täglichen Wechsel.
- Als effektive anti-entzündliche Maßnahme Einnahme eines Enzym-Präparates
für zumindest einmal 8 Wochen, um dann je nach Wirkung das weitere Vorgehen
zu entscheiden. Kombinieren würde ich die Gabe mit der gleichzeitigen
Einnahme von Traumeel® S Tbl., ebenfalls für 8-10 Wochen. Dieses Präparat
hat in der Sportmedizin einen guten Namen, als tägliche Dosierung empfehle
ich 4x2 Tbl., einfach im Mund zergehen lassen. Das Präparat ist gut verträglich
und in jeder Apotheke erhältlich. Bei bekannter Pollen-Allergie nehmen
Sie bitte gezielt Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt.
- Zur weiteren Entzündungsharmonisierung bietet sich zusätzlich die hochdosierte
Einnahme von Omega-3-Fettsäuren sinnvoll. Hier empfehle ich seit
Jahren das Produkt Omega-3 power (Pulver mit Nuss-Caramel-Geschmack),
Dosierung 2 x täglich 1 Messbecher, eingerührt in Joghurt, Wasser, Fruchtsäfte
etc.. Diese Dosierung würde ich für zunächst 4 Wochen beibehalten, um
danach für weitere 4 Wochen auf einen Messbecher pro Tag zu reduzieren.
- Weiterführung Ihrer Magnesium-Einnahme, wie bisher gewohnt.
- Sportlich sollten Sie in den nächsten Wochen auf jeden Fall auf
Laufeinheiten oder Radsport verzichten, um so keine stauchende Vertikalbelastung
zu provozieren. Anstelle dessen wären empfehlenswert: Schwimmen
oder Aqua-Jogging, die beide biomechanisch unbedenklich sind, aber den
Knochenstoffwechsel aktivieren, was heilungsfördernd wirkt.
- Krankengymnastische Maßnahmen würde ich zunächst einmal zurückstellen,
bis Sie wieder völlig schmerzfrei sind. Zu erwägen wäre allenfalls physikalische
Therapie wie z.B. Elektro- oder Magnetfeld-Therapie. Zu diskutieren wäre
auch ein spezieller Tape-Verband (Kinesio-Tape in blau) im hinteren
Oberschenkelbereich, um so den Zug der hinteren Oberschenkel-Muskulatur
auf den Sitzbeinhöcker zu reduzieren. Der Verband kann über mehrere Tage
belassen werden, bevor er zu erneuern ist.
- Ca. 8 Wochen nach Beginn der aufgeführten Maßnahmen wäre aus meiner Sicht
eine MRT-Kontrolluntersuchung (Kernspin) sinnvoll, um den (Heil)-Verlauf
besser beurteilen zu können.
Alles Gute einstweilen
Ihr Dr. Ziegler

Laufen & Achillessehnen-Probleme
LaufReport-Leser Wolfgang H. fragt:
Sehr geehrter Herr Dr. Ziegler,
bin 44 und seit vielen Jahren läuferisch unterwegs. Mein aktuelles Problem
trat nach einem längeren Lauf über ca. 20 km im GA1-Bereich in neuen Schuhen
auf. Gemäß Diagnose meines Orthopäden handelt es sich bei mir um eine Schleimbeutel-Entzündung
am linken Fersenbein in Höhe des Fersenbeinhöckers. Ich erhielt zunächst eine
Kortisonspritze in den Schleimbeutel und die Auflage, eine Laufpause bis zum
völligen Verschwinden der Beschwerden einzuschieben. Was können Sie mir noch
zusätzlich raten, vielen Dank vorab?
Sportarzt Dr. med. Rudolf Ziegler aus Heppenheim antwortet:
Zunächst beachten Sie bitte, dass sich alle meine online-Ratschläge generell
nur als allgemeine Empfehlungen verstehen dürfen, die Sie daher entsprechend
mit Ihrem behandelnden Arzt nochmals abstimmen sollten. Dies vorneweg und damit
nachfolgend gleich zum gewünschten Kommentar und Rat:
Ihr Problem könnte ursächlich mit einem schlecht sitzenden Schuh zusammenhängen,
nicht selten im Gefolge einer falschen bzw. nicht optimalen Schnürtechnik. Lassen
Sie sich daher bitte in Ihrem Laufladen in die richtige Schnürtechnik einweisen
(sogenannte kanadische Schnürung), um so die Fersenkappe des Laufschuhs und
die Ferse des Läufers zu einer Funktionseinheit zusammen zu fügen, wodurch ein
ungünstig „großes Spiel“ im Fersenbereich in der Landephase limitiert bzw. vermieden
wird. ... hier geht´s
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