21.-27.4.25 Guadarun Marathon des îles GuadeloupeInselhappening auf den Kleinen Antillen |
| von Stefan Schlett |
Schon seit einem ¼ Jahrhundert gibt es einen wunderschönen, kleinen und familiären, bei uns so gut wie unbekannten Abenteuerlauf durch das Inselarchipel von Guadeloupe, das zusammen mit Martinique, Saint-Barthélémy und Saint-Martin zu den Französischen Antillen gehört. Diese wiederum sind Teil der Kleinen Antillen, einem 1000 km langen Inselbogen der von Anguilla im Norden bis nach Trinidad im Süden reicht und die Ostgrenze der Karibik bildet. Die Hauptinsel des französischen Überseedépartements hat die Form eines Schmetterlings, wobei jeder Flügel, durch ein Mangrovengebiet getrennt, ein eigenes, landschaftlich völlig unterschiedliches Eiland darstellt: das flachere Grand-Terre mit der größten Stadt Pointe-à-Pitre und das von tropischem Regenwald beherrschte Basse-Terre mit der gleichnamigen Hauptstadt und dem 1467 m hohen aktiven Vulkan La Soufrière, dem höchsten Berg der Kleinen Antillen.
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| Guadarun Marathon des îles Guadeloupe | |
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Ausführliche und einladend präsentierte
Laufankündigungen im LaufReport HIER
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Zu Guadeloupe gehören noch vier bewohnte Satelliteninseln die als Dependancen bezeichnet werden: Die ehemalige Sträflingsinsel La Désirade, die flache Zuckerrohrinsel Marie-Galante, sowie die bretonisch besiedelten Les Saintes mit Terre-de-Haut und Terre-de-Bas. Und schon hat man die äußerst delikaten Zutaten für den Guadarun: 6 Etappen auf 6 Inseln, mit völlig unterschiedlichem Landschaftscharakter - insgesamt 86 exotische Laufkilometer durch bizarre Tropenlandschaften mit Traumstränden, Bergen, Dschungelpfaden, einsamen Buchten und Regenwald. Der erste Arbeitstag beim Guadarun beginnt für die 30 Laufenthusiasten aus 4 Ländern am Pariser Flughafen Roissy Charles de Gaulle, zum achtstündigen Flug nach Pointe-à-Pitre. Dabei auch 7 belgische Teilnehmer, die das stärkste ausländische Kontingent bilden. Nach der Ankunft gesellen sich noch ein halbes Dutzend Einheimische Läufer aus Guadeloupe und Martinique dazu.
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| Guadeloupe von der ISS aus gesehen | Autor (li.) und Drohnenkommandant Piotr Fill |
Die Teilnehmer werden nach einem Akklimatisationstag im Strandhotel quer über die Insel nach Basse-Terre transportiert, dem linken "Schmetterlingsflügel" von Guadeloupe. Im Aqua Village, einem lauschigen Park am Fuße des mit Feuchtwald bedeckten Vulkans La Soufrière, wird die erste und zugleich technisch anspruchsvollste Etappe gestartet. Schon wenige Meter nach dem Start verschluckt dunkler, feuchter und schlammiger Bergdschungel die Läufer. Vorbei an tief im Urwald liegenden Wasserfällen muss ein halbes Dutzend Flüsse durchquert werden, teilweise geht es auf den steilen und von dickem Wurzelwerk durchzogenen Pfaden nur auf allen Vieren voran.
Auf der zweiten Hälfte trommelt ein heftiger tropischer Guss auf das Blätterdach, so dass der Regenwald seinem Namen alle Ehre macht. Zu der animalischen, 15 Kilometer langen Schlammparty müssen noch etliche Höhenmeter beackert werden. Was für ein Glück, dass der Zieleinlauf neben einem kleinen Fluss stattfindet, wo aus den Schlammzombies wieder Menschen werden. Per Catering gibt es für die "Dschungelkämpfer" anschließend Köstlichkeiten aus der kreolischen Küche, biwakiert wird unter einem großen Pavillon im Park.
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| 1. Etappe - Basse-Terre | |
Tags darauf Transfer zum Fährhafen in Trois-Rivières. Nur eine halbe Fährstunde südlich liegt der Archipel der Les Saintes mit acht kleinen Inselchen. Die beiden einzigen bewohnten Inseln beherbergen insgesamt 2400 Menschen und sind Schauplatz der folgenden beiden Etappen. Christoph Kolumbus entdeckte die Inseln während seiner zweiten Reise am 4. November 1493 und gab ihnen den Namen "Los Santos" nach dem gerade begangenen Feiertag Allerheiligen.
Zuerst wird Terre-de-Bas erobert, eine ruhige und friedliche, von Nachfahren afrikanischer Sklaven bewohnte Insel. Hier warten 11 heiße und trockene Kilometer, die mit einem steilen Berg garniert sind. Sieben Kilometer einspuriger Betonpiste, die die beiden einzigen Ortschaften miteinander verbindet, folgt ein knackiger und anspruchsvoller Trail durchs Unterholz. Dazwischen eröffnen sich immer wieder beeindruckende Ausblicke auf den zerklüfteten Inselarchipel von Les Saintes. Mit dem Zieleinlauf auf dem Dorfplatz unterhalb der Kirche Saint-Nicolas, deren Decke in Form eines umgedrehten Bootsrumpfes gestaltet wurde, ist Terre-de-Bas einmal komplett umrundet.
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| Dschungelkampf auf der 1. Etappe | |
Nur 3 km und 15 Fährminuten entfernt liegt Terre-de-Haut, das größte Eiland der Les Saintes, wo im Fußballstadion das erste Camp aufgebaut wird. Dazu erhält jede Läuferin und jeder Läufer sein persönliches "2-Sekunden-Zelt", das durch ein spezielles Spannsystem tatsächlich in der genannten Zeit einwandfrei steht. Auf Terre-de-Haut ist das Leben beschaulich, recht französisch in seiner Erscheinung und von vorwiegend mediterraner Ausstrahlung. Vulkanische Hügel und tiefe Buchten prägen die Landschaft. Bei dem 14 km-Lauf am folgenden Tag wird keine Ecke und kein Berg der Insel ausgespart. Auf Trails zum Morne Morel (136 m), auf Asphalt zum Fort Napoleon (120 m), im Slalom auf engen Gassen durch Touristenhorden im Hafen, über steile und felsige Trails Aufstieg zum Le Chameau (309 m, höchster Berg der Insel), diesen auf fast senkrechten Betonpisten wieder runter und durch tiefe Sandpassagen über den rauen Strand von Grande Anse. Läuferisches Multitasking!
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| Begegnung im Dschungel | Betonpiste auf Terre de Bas (2. Etappe) |
Noch am gleichen Tag sollten die modernen Inselnomaden weiterziehen. 80 Fährminuten in östlicher Richtung wartete die Zuckerrohrinsel Marie-Galante, mit 158 Quadratkilometer größte und nur 150 m Höhe flachste der Satelliteninseln des Archipels Guadeloupe. Kolumbus, der sie am 3. November 1493 sichtete, gab ihr den Namen seines Flaggschiffs "Santa Maria Galanda". Im frühen 18. Jahrhundert gab es auf Marie-Galante an die 100 Zuckerfabriken. Heute ist Grande Anse im Hauptort Grand-Bourg die letzte Fabrik die sich halten konnte. Außerdem sind noch 3 Destillerien in Betrieb. Der hier produzierte Rum gehört zu den erlesensten Tropfen weltweit. Generell ist die Insel sehr ländlich und bäuerlich geprägt und für eine Vielzahl von Freilandrindern ein wahres Paradies. Neben dem Zuckerrohrschnaps wird hier auch das beste Fleisch in der Region produziert. Aus logistischen Gründen konnte diese Etappe erstmals nicht durchgeführt werden, was zu einem ungeplanten, aber für nicht wenige Teilnehmer auch erfreulichen Ruhetag führte.
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| Blick über Terre de Haut, ... | ... Location der 3. Etappe |
Karl-Walter Decius ist total begeistert! Nicht nur von Land, Leuten und den abwechslungsreichen Laufstrecken, sondern auch der logistischen Meisterleistung dieser "Familienorganisation". Täglich müssen 3 Dutzend Laufverrückte und Helfer, sowie Material und Verpflegung zwischen den Inseln transferiert, Start, Ziel, Zeitnahme auf- und abgebaut, die Strecke markiert, Termine und vieles mehr koordiniert werden. Lucien Datil, der einheimische Erfinder des Laufes, hat fast seinen ganzen Familienclan im Helferstab rekrutiert und lief bis 2024 alljährlich sämtliche Etappen auch selbst mit. Dieses Jahr muss er erstmals wegen einer Achillessehnenoperation pausieren. Seit der Premiere im Jahre 2000 versteht es "Mister Guadaman", ein ehemaliger Fußballer der es in seinen besten Zeiten in die Landesauswahl von Guadeloupe schaffte, seine eigene große Familie, sowie die seiner Frau Christiane für die Organisation zu motivieren. Schwestern, Brüder, Nichten, Enkel und Cousinen freuen sich alljährlich, den auswärtigen Teilnehmern ihr buntes und vielfältiges Inselreich näher zu bringen. Deshalb ist Karl-Walter aus Bünde (Nordrhein-Westfalen), mit 76 Jahren dienstältester Teilnehmer, pensionierter Zahnarzt, Kosmopolit, Weltreisender und leidenschaftlicher Segler, bereits zum siebten Mal dabei. Zusammen mit zwei Eidgenossen aus der Schweiz vertreten wir das deutschsprachige Kontingent.
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| Autor (li.) und Karl-Walter Decius | Läufercamp |
Und weiter geht's nach La Désirade, der östlichsten aller Satelliteninseln von Guadeloupe, die von der Ortschaft Saint-Francois mit dem Katamaran in einer Stunde erreicht wird. Von weitem erinnert die Form der 11 km langen, 2 km breiten und 273 m hohen Insel an den Rumpf eines umgekippten Schiffes. Am Plage á Fifi, direkt neben dem Hauptort Grande-Anse, wird unter Palmen das Camp aufgebaut. Christoph Kolumbus entdeckte La Désirade auf seiner zweiten Expedition im Jahre 1493 nach einer langen und entbehrungsreichen Überfahrt. Aus diesem Grunde nannte er sie auch "La Deseada" - die Ersehnte. Ruhe und Einfachheit zeichnen diesen tafelförmigen Kalksteinfelsen mit 1400 Einwohnern aus, der auf einem vulkanischen Sockel ruht.
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| La Désirade - 4. Etappe | |
Mit 21 km ist diese Etappe am nächsten Tag fast ein komplettes Inselsightseeing. Zum Auftakt führt ein steiler Aufstieg an 14 Kreuzwegstationen vorbei bis zu einer Wallfahrtskapelle. Hier beginnt das 273 m hohe Kalksteinplateau Grande Montagne, dass auf Schotterpisten, vorbei an mehreren Windparks, überquert wird. Steile Betonpisten führen die Läufer wieder zurück auf Meeresniveau, wo an der Ostspitze Désirades der Leuchtturm am Pointe Double passiert wird. Zum Auslaufen dann noch 10 wellige Kilometer über die D 207, der einzigen Straße auf Désirade, vorbei an den Ruinen der alten Leprastation, die 1728 errichtet wurde und 200 Jahre in Betrieb war. Ab 1763 wurden dann auch Straftäter auf die Insel verbannt. Ein spontaner Beobachtungshalt beschert dem neugierigen Reporter die spannende Begegnung mit einem fast halben Meter großen und gar nicht scheuen Riesenleguan! Zirka 20 Meter von der Laufstrecke entfernt beobachtet er argwöhnisch die vorbei hechtenden Läufer. Als ich mich dem Prachtexemplar vorsichtig nähere, macht es sich aus dem Staub. Auf La Désirade gibt es schätzungsweise noch über 400 des vom Aussterben bedrohten Kleinen Antillen-Leguans. Der Zieleinlauf ist dann direkt wieder an unserem palmengesäumten Traumstrand.
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| Antillen-Leguan auf La Desirade | Zieleinlauf auf La Desirade | Renn-Doc mit Equipment |
In einer Stunde geht es mit dem Boot zurück zum "Festland" von Guadeloupe. Das kalkhaltige Inselplateau von Grand-Terre, dem rechten "Schmetterlingsflügel", verlangt mit der zwar relativ flachen, aber sehr heißen Etappe über 12 km Standvermögen. Die faszinierende Küstenlandschaft mit weißen Sandstränden, türkisfarbenen Lagunen und unzähligen, zackigen Trails ist purer Laufgenuss. Danach wird das Zelt mit dem Fort Royal Hotel Deshaies getauscht. Das Vier-Sterne Etablissement liegt eingebettet in eine traumhaft wilde Küstenlandschaft im äußersten Norden von Basse-Terre. Mit einer feierlichen Siegerehrung am Abend findet dann das einwöchige Insel-Hopping seinen würdigen Abschluss.
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| Grande-Terre - 5. Etappe | |
Den Gesamtsieg holt der vom Mutterland stammende Franzose David Maue mit einer Endzeit von 6:47:34 Stunden. Maue hatte zu diesem Zeitpunkt ein einjähriges Engagement als Physiotherapeut auf Guadeloupe und somit einen gewissen Heimbonus. Den genoss auch seine Lebensgefährtin Marie Simet, die sich den 3. Platz bei den Frauen sicherte. Siegerin auf dem fünften Gesamtplatz wird Geraldine Micheron aus dem Nachbardepartement Martinique mit 7:34:26 Stunden. Der siebte ist endlich der verdiente (und geplante) Ruhetag. Optional steht morgens ein Fun Run über 14 Kilometer auf dem Programm, an dem sich fast alle Läuferinnen und Läufer beteiligen und auch einige der Organisatoren mitlaufen. Vom Hotel verläuft ein Rundkurs auf traumhaften Küstentrails bis zu der Ortschaft Deshaies und wieder zurück.
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| Das Podium beim Guadarun 2025 | Fun Run auf Basse-Terre |
Fazit: Ein faszinierender Insellauf mit herzlicher und sehr familiärer Organisation. Die Vielfalt der Inseln und ständig wechselndes Laufterrain stellen eine besondere Herausforderung dar. Auf Schritt und Tritt begegnen einem die Zeugen der turbulenten Vergangenheit des Archipels. Das Inselabenteuer ist nur einen Klick entfernt: www.guadarun.com
Das französische Überseedépartement wird von Paris aus täglich nonstop in 8 Stunden von Corsair, Air France und Air Caraibes angeflogen und liegt 6 Stunden vor der Mitteleuropäischen Sommerzeit. Im Winter beträgt der Zeitunterschied nur 5 Stunden.
Guadeloupe mit seinen 380.000 Einwohnern gehört vollständig zur Europäischen Union. Hier verbindet sich französische Lebensart mit karibischem Flair, frankophile Küche mit kreolischen Zutaten und mediterrane Gelassenheit mit der Leichtigkeit der Karibik. Für den Ausdauersportler, der nach spätestens zwei Tagen Traumstrand die Nase voll hat vom Faulenzen, bietet sich nach dem Guadarun unbedingt ein Aktivurlaub an. Unzählige Aktivitäten zu Lande, zu Wasser und in der Luft begeistern jeden Naturliebhaber.
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| Fremdenverkehrsbüro Guadeloupe: www.caribbean-embassy.de/guadeloupe-tourismusbehoerde-botschaften | |
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Bemerkungen zum organisatorischen Ablauf
Die logistischen und infrastrukturellen Bedingungen sind vor allem auf den
kleineren Inseln sehr eingeschränkt. Transport und Versorgung einer größeren
Laufgruppe stellen für die Organisation eine immense Herausforderung dar
und gestaltet sich oftmals recht suboptimal. Der im Programmheft festgelegte
Ablauf ist daher nur als grober Zeitplan anzusehen. Verzögerungen und Abweichungen
sind an der Tagesordnung, was ja auch oft die Charakteristik eines Abenteuerlaufes
darstellt. Am besten ist es, sich der lockeren karibischen Mentalität mit
Geduld und Empathie anzupassen. Schließlich befindet man sich ja im Laufurlaub.
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Bericht von Stefan Schlett Fotos © Alexander Beer, Piotr Fill, Karl-Walter
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