Laufreisen in Zeiten von Corona

Teil 1: So trifft es die Läufer, die international starten (wollen)

von Axel Künkeler (26.3.2020) 

Corona trifft uns alle, ob gesundheitlich oder beruflich, ob im Alltag oder im Sport. Aktuell ist die gesamte Sportwelt zum Stillstand gekommen, nicht nur in Deutschland, weltweit sind fast alle Laufveranstaltungen abgesagt. Dadurch leiden Veranstalter und Dienstleister hierzulande, aber auch diejenigen, die gerne "laufend die Welt entdecken". Nach einem ersten Bericht zu den Auswirkungen auf die deutsche Laufszene, richten wir nun den Fokus auf die Laufreisen. Im ersten Teil geht es um die Sicht der Läufer, in einem folgenden Teil um die Betroffenheit der Laufreisen-Veranstalter.

Immer wieder gibt es traumhafte Ausblicke bei Laufreisen weltweit ... ... hier auf die Pazifikküste beim Big Sur Marathon
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Christoph Randt und Ulla Mayfield sitzen gerade in Neuseeland fest. Am 7. März nahmen sie dort am 5. Kirikiriroa Marathon im Norden des Landes teil.

Eine kleine Veranstaltung mit 150 bis 200 Läufern, aber für die Beiden sportlich erfolgreich, als beste von ganz wenigen Läufern aus Deutschland. Christoph Randt vom Lauftreff Hemsbach in Nordbaden ist bereits rund 450 Marathons gelaufen. Neuseeland ist dabei das 38. Land, nach Europa, Nord- und Südamerika, Asien und Afrika hat Randt außer der Antarktis "endlich alle Kontinente" in seiner Sammlung.

Bei seinen vielen Marathons plant er die Anreise "so weit möglich umweltfreundlich". Zu den europäischen Zielen reist er mit der Bahn oder in Fahrgemeinschaften. Bei seinen ein, zwei Flugreisen im Jahr "zahle ich grundsätzlich einen Klima-Ablass bei atmosfair", sagt Randt aus voller Überzeugung. Die Laufreisen zu Marathons verbinde er zudem meist mit Urlaub.

 
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So war es auch diesmal geplant, vom 22. Februar bis 30. März sollte die Neuseeland-Reise dauern.

Christoph Randt läuft als einer der besten Deutschen in die Top100 beim Great Wall Marathon und wird 2. M60 Christoph beim Victoria Falls Marathon Christoph Randt & Ulla Mayfield beim Neuseeland Marathon

Vor dem Abflug war Corona kein Thema und auch vor Ort erlebten die Beiden Neuseeland als "Insel der Glückseligen". Dann hörten Christoph und Ulla, dass es in Deutschland und Europa "immer schlimmer wurde. Wir konnten uns aber nicht vorstellen, dass es hier ankommt". Als der Rückflug gecancelt wurde, überlegten beide sogar kurz, einige Monate in Neuseeland zu bleiben, "bis der Spuk vorbei ist". Wie Angela Merkel hielt die Premierministerin Neuseelands eine Ansprache, in der sie einen shutdown ankündigte.

"Das war völlig überraschend für uns", berichtet Christoph Randt, dass das Urlaubsprogramm sofort abgebrochen werden musste. In Christchurch warten sie nun darauf mit dem Rückhol-Programm der Bundesregierung ausgeflogen zu werden, "keine Ahnung, wie lang es dauert".

Als nächstes waren die Marathons in Hamburg und Mannheim geplant, die natürlich längst abgesagt sind. Dann wollte Christoph Randt seine Ländersammlung erweitern, als Nr. 39 war Liechtenstein geplant.

Doch er rechnet damit, dass auch der dortige 21. Alpin Marathon Anfang Juni abgesagt wird. Für 2020 plane er zunächst nichts mehr bis zum Frankfurt-Marathon im Oktober. "Hoffentlich klappt das wenigstens".

 
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Große Flugreisen will er in der Zukunft keine mehr machen. Er plane nun vor allem Marathons in verschiedenen europäischen Ländern, die noch in der Sammlung fehlen: Dänemark, Slowakei, Nordirland, Liechtenstein.

Michael Buchbauer reiste mit interAir zum Big Sur Marathon Michael Buchbauer beim Marathon in St. Petersburg Michael Buchbauer beim
Toronto Marathon
Michael Buchbauer beim
Victoria Falls Marathon

Der Österreicher Michael Buchbauer ist schon beruflich bedingt als Leiter der Konzern-Kommunikation eines Grazer Maschinenbauunternehmens ständig weltweit unterwegs. Als Sportler unternimmt er aber ebenfalls zwei, drei Marathonreisen im Jahr, war zuletzt in Toronto, St. Petersburg und beim Victoria Falls Marathon in Simbabwe.

Fürs erste Halbjahr hatte er Dresden oder Riga geplant. Während der 23. Oberelbe-Marathon (26. April) bereits abgesagt ist, halten die Letten (noch) an ihrem Termin Mitte Mai fest. "Schon aus Vorsichts- und Gesundheitsgründen werde ich aber nicht starten", hat Buchbauer entschieden.

 
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Normalerweise läuft Buchbauer einen Übersee-Marathon im Jahr, den er " immer sehr zeitig" bucht. Diesmal will er jedoch zuwarten und eher kurzfristig agieren, je nach Entwicklung. Für das zweite Halbjahr hat er Bilbao eingeplant, der Marathon steht "weiterhin fix in meinem Kalender". Tendenziell sei er eher vorsichtiger geworden, zumindest was Übersee-Marathons betrifft, zumal die Reiserestriktionen noch länger andauern dürften, meint Buchbauer.

Wenn irgendwann nach Corona mal wieder Normalität einkehre, will Michael Buchbauer aber wie bisher "Marathons weltweit laufen". Er denke ohnehin, dass sich aufgrund der Ereignisse viele Veranstalter Gedanken machen werden (müssen). Der Österreicher kann sich vorstellen, dass künftig die Organisation angepasst wird. "Anzunehmen ist, dass die maximale Anzahl an Teilnehmern sinkt oder gar begrenzt wird. Gerade bei Mega-Läufen wie Berlin".

Dirk Kahlmeyer beim Marathon in St. Petersburg
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Dirk Kahlmeyer vom TV Georgsmarienhütte bei Osnabrück läuft seit 2003 Marathon, bringt es auf 68 Marathons und vier Ultras. Den Berlin-Marathon hat er Jahr für Jahr im Lauf-Kalender, lief 2019 dort bereits zum 15. Mal. International ist Kahlmeyer in den letzten zwei Jahren den Great Wall Marathon China, St. Petersburg und Hawaii (alle 2018) sowie Madrid, Omsk und Mongolei, Costa Rica und Jamaika in 2019 gelaufen.

Für April 2020 hatte er neben dem niedersächsischen Piesberg Ultra-Marathon den Wien-Marathon fest eingeplant, beide sind jedoch in der aktuellen Situation abgesagt worden. Im September steht natürlich Berlin zum 16. Mal im Kalender, dazu will er eine Laufreise nach Patagonien, die Osterinseln und Buenos Aires machen. Alles ist organisiert und gebucht, für Dirk wäre eine Corona-bedingte Absage "für meine Lebensfreude eine Katastrophe". Wenn sich alles normalisiert, geht es für den Niedersachsen aber ganz normal weiter: "Wenn ich gesund bleibe, will ich weiterhin die Welt laufend entdecken", betont Dirk Kahlmeyer.

Bericht und Fotos von Axel Künkeler

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