23.10.21 - Bilbao Night Marathon

Lauf zwischen Tradition und Moderne

von Axel Künkeler 

Am vorletzten Samstag im Oktober fand nach einem Jahr Corona-Pause wieder der Bilbao Night Marathon statt. Die im Vorfeld erhoffte Rekordbeteiligung von über 12.000 Läufern wurde zwar deutlich verfehlt, doch mit insgesamt 7.452 Finishern wurde eine in diesen Zeiten immer noch recht hohe Teilnehmerzahl erreicht, davon jedoch lediglich 343 bei dem Namens-gebenden Marathon.

 

Auf der klassischen Distanz über 42,195 Kilometer machten die drei Afrikaner Habtamu Girma Nagu (2:16:02 h), Paul Waweru Chege (2:16:33) und Sylvester Kimeli Teimet (2:27:48) das Podest unter sich aus. Erst danach folgten mit den Spaniern Kristian Quintans Dominguez (2:36:07) und Roberto Izquierdo Amo (2:38:29) die ersten Europäer. Zwischen die Beiden schob sich als Gesamt-Fünfte noch die Frauen-Siegerin Ednah Mukhwana in 2:36:29 h. Das Podest wurde hier komplettiert von Dolores Marco Oyarzabal (2:49:24) und Priscila Chepatiy Kipruto (2:50:54).

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Bilbao im Baskenland, Hauptstadt der nordspanischen Provinz Biskaya
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Schon deutlich höher lagen die Finisherzahlen mit 2.289 beim Halbmarathon. Den Sieg bei den Männern holte sich Elvis Chebor Tabarach in 1:01:53 Stunde vor Gilbert Masai (1:01:59) und Unai Arroyo Cabeza (1:06:27). Bei den Frauen gewann Rachael Zena Chebet in 1:11:23 Stunde vor Gladys Jeruto Kiptoo (1:12:25) und der Baskin Eguzkiñe Aspiazu Cigaran (1:24:01).

Weit mehr als beim Marathon und Halbmarathon zusammen, nämlich 4.240 Läuferinnen und Läufer erreichten beim Zehn-Kilometer-Lauf, dem "Carrera Pirata" das Ziel am berühmten Guggenheim-Museum direkt am Ufer des Rio Nervión. Diego Perez Sordo (30:57 Minuten), Pablo Maldonado Alonso (32:12) und Iñigo Olano Ibarrechebea (32:26) bei den Männern und Juani Alcalde Alcalde in 38:57 Minuten, Rebeca Mariño Torrado (39:11) sowie Nuria Etxegarai Carbajo (40:37) bei den Frauen waren hier die Schnellsten.

Symbol des modernen Bilbao ist das 1997 eröffnete Guggenheim Museum

 

Die Verteilung der Finisher auf die unterschiedlichen Strecken ist durchaus mit den Werten bei anderen Veranstaltungen vergleichbar: fast 60 Prozent auf der kürzesten Distanz, weniger als fünf Prozent beim Marathon. Ebenso eklatant ist die Geschlechter-spezifische Verteilung: während knapp die Hälfte der Männer die 10km-Distanz finishen, sind es bei den Frauen rund zwei Drittel aller Teilnehmerinnen. 1.768 Frauen über die zehn Kilometer gegenüber gerade mal 44 Marathon-Frauen.

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Ein Abstecher in die Altstadt mit ihren zahlreichen Pintxo-Bars lohnt ebenfalls Bilbao verbindet Tradition und Moderne

Eine genaue Aufschlüsselung nach Nationalitäten lässt sich anhand der Ergebnislisten zwar nicht ermitteln. Doch die Namen sowie die persönlichen Eindrücke vor Ort lassen den Schluss zu, dass der Lauf weit überwiegend eine nationale Angelegenheit ist. Spanisch oder baskisch ist die dominante Sprache, Französisch, Italienisch oder Deutsch hört man nur ganz selten. Als einer der Wenigen aus dem deutschsprachigen Raum ist der Österreicher Michael Buchbauer am Start. Er finisht in 3:31:46 h auf Rang 117 der 299 Männer beim Marathon.

Die pittoreske Promenade am Rio Nervion wird von zahlreichen Flaneuren genutzt Charakteristisch sind auch die architektonisch bemerkenswerten Brücken über den Fluss

 

Buchbauer ist erstmals in Bilbao, begeistert von der Stadt und dem Lauf: "Tolles Erlebnis, bin voll happy mit dem Ergebnis". Mit einem recht konstanten Tempo von knapp fünf Minuten den Kilometer hat er es geschafft, auch wenn am Schluss die Beine etwas schwer wurden. Der Start am Fußball-Stadion des AC Bilbao glich einer Massenveranstaltung. Der Veranstalter hat im Vorfeld zwar größere Startbereiche, mehr Abstand und Maskenpflicht sowie Wellenstarts aus Sicherheitsgründen angekündigt. Doch der eigentlich recht große Vorplatz wurde nur zu zwei Dritteln genutzt, tatsächlich standen die allermeisten Läufer dicht gedrängt zwischen den Absperrgittern in ihren Startblöcken. Viele trugen wie gefordert einen Mund-Nasen-Schutz, doch längst nicht alle. Dabei hat Spanien mit einer hohen Impfquote und niedrigen Inzidenzen sowie konsequenten Schutzmaßnahmen die Pandemie eigentlich gut im Griff.

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Der Start für Marathon, Halbmarathon und 10 Kilometer erfolgte am Stadion des AC Bilbao. Trotz verschiedener Startfelder herrschte dichtes Gedränge. Die meisten trugen am Start die vorgeschriebene Maske, aber längst nicht alle

Vom Stadion ging es dann durch das Stadtzentrum vorbei an allen Sehenswürdigkeiten. Davon hat Bilbao einiges zu bieten. Bis in die 1990er Jahre galt die Hauptstadt der Provinz Biskaya im Baskenland als "hässliches Entlein", war geprägt vom Schwermaschinenbau und der Werft-Industrie. Mit deren Untergang begann ein beispielloser Strukturwandel hin zu einer Stadt der Kultur und der Museen. Die Basis für den erfolgreichen Wandel bildete das 1997 eröffnete Guggenheim-Museum als Ankerprojekt. Das Guggenheim beeindruckt vor allem mit seiner beeindruckenden Architektur, die der amerikanisch-kanadische Architekt Frank O. Gehry entworfen hat und lockt seit seiner Eröffnung jährlich Millionen Touristen an.

Der Lauf führte an den markanten Sehenswürdigkeiten im Stadtzentrum vorbei

Die zieht es dann auch in die malerische Altstadt mit ihren Pintxo-Bars (baskisch für Tapas) und zu den weiteren architektonischen Highlights, die inzwischen geschaffen wurden. Dazu zählen die zahlreichen Brücken über den Rio Nervión, die Promenade beidseits des Flusses mit dem "Paseo de la Memoria" (Weg der Erinnerung), der mit diversen Kunstobjekten an die industrielle Vergangenheit Bilbaos erinnert. Aber auch zahlreiche weitere Museen laden zum Besuch, vor allem das Museum der schönen Künste (Museo de Bellas Artes) mit einer Video-Animation zum Strukturwandel der Stadt und seiner beachtlichen Sammlung moderner Kunst.

Das Ziel befand sich direkt neben dem berühmten Guggenheim Museum Zahlreiche Zuschauer an der Strecke und im Zielbereich feuerten die Läufer an

Wer sich einen optischen Überblick über das Panorama von Bilbao verschaffen will, der sollte zum rund 250 Meter hohen Hügel des Monte Artxanda. Vom dortigen "Mirador" kann man die herrliche Aussicht auf die gesamte Stadt genießen. Nach oben führt eine knapp 800 Meter lange Zahnradbahn, die ihre Gäste in wenigen Minuten dorthin befördert. Zurück in die Stadt empfiehlt sich ein gemütlicher Spaziergang und schon bald ist man wieder im Stadtzentrum rund um die Plaza Federico Moyua mit ihren Geschäften, Restaurants und Bars.

Bei der Zielankunft der meisten Marathonläufer präsentierte sich Bilbao by night Zu den wenigen Läufern aus dem deutsch-sprachigen Raum gehörte der Österreicher Michael Buchbauer
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So attraktiv und vielseitig sich Bilbao heute präsentiert, zwei Tage reichen für die gut 300.000 Einwohner zählende Stadt. Doch die lohnen sich allemal, besonders wenn man die Stadt und den Marathon-Event bei goldenem Oktober-Wetter mit viel Sonne genießen kann.

Bericht und Fotos von Axel Künkeler

Weitere Informationen www.edpbilbaomarathon.com/en-gb

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