Fritz Seilnacht -

ein Leben als Trainer

für die Mittel- und Langstreckler in Ludwigshafen

von Holger Czäczine im Juni 2024 

Mit dem Abschluss der Sommersaison 2023 hat der Mittel- und Langstreckentrainer des ABC Ludwigshafen Fritz Seilnacht im Alter von 85 Jahren nach fast genau 50 Jahren als ehrenamtlicher Übungsleiter seine Trainerlaufbahn beendet.

Am 25.Februar 1938 wurde Fritz Seilnacht in Kohlscheid bei Aachen geboren. Später wuchs er in Ahrweiler und Koblenz auf. Nach dem Abitur machte Fritz von 1958 bis 1961 seine Ausbildung zum Zollbeamten im gehobenen Dienst in Ludwigshafen. Er arbeitete beim Zoll in unterschiedlichen Fachbereichen an verschiedenen Dienststellen bis zur Pensionierung im Jahre 2001.

Sportliche Anfänge als Schüler und Einstieg als Läufer

Über das Turnen und Schwimmen kam Fritz Seilnacht 1951/1952 zur Leichtathletik. Sein erster Leichtathletikverein war der TV Bad Neuenahr.

1956/57 wechselte Fritz zu den Leichtathleten von Rot-Weiß Koblenz, sein Trainer war Professor Benno Wischmann. Ab 1958 und während der Ausbildungs- und ersten Berufsjahre machte Fritz Seilnacht keinen Leistungssport. Im Jahre 1964 stieg Fritz beim PSV Grün-Weiß Ludwigshafen wieder ins Lauftraining ein. Er blieb hier bis 1970 und wechselte dann zum ABC Ludwigshafen. Seine Bestleistungen in der A-Jugend konnten sich sehen lassen: Über 100 Meter lief er handgestoppte 11,6 Sekunden, die 400 Meter in 52,5 Sekunden und die 1000 Meter in 2:40 Minuten. Die 800 und 1500 Meter waren in der Jugend keine Wettkampfstrecken. Innerhalb der Olympischen Staffel lief Fritz Seilnacht in der Aktivenklasse die 800m 1:58 Minuten. Später in der Altersklasse M35 benötigte er für die 400 Meter 54,80 Sekunden und für die 800 Meter 2:02 Minuten.

Trainerlaufbahn von Fritz Seilnacht

Im Jahre 1974 hatte sich Andreas Baranski für die deutschen Schülermeisterschaften qualifiziert. Sein damaliger Jugendtrainer hatte ihn kurz vor seinem Jahreshöhepunkt im Stich gelassen, indem er in Urlaub gefahren war, ohne ihm den versprochenen Trainingsplan zu hinterlassen. Andreas fragte bei Fritz Seilnacht an, ob er ihm helfen könne. Nach kurzem Überlegen entschied sich Fritz dazu, ihn vier Wochen vor den Deutschen Meisterschaften zu trainieren. Das gemeinsame Training war von Erfolg gekrönt. Andreas Baranski wurde Vierter der DM über die 1000 Meter in 2:41,4 min. Später wurde der erste Schützling von Fritz dreimal Deutscher Jugendmeister im Crosslauf (1x B- und 2x A-Jugend). Außerdem holte sich Andreas weitere DM-Titel, je 2x über 1500m Freiluft und Halle. Bei den DM in der Halle wurde er einmal Zweiter über 3.000 m in der B-Jugend. In den folgenden Jahren konnten sich die beiden über weitere Erfolge freuen. Über 1500 Meter wurde Andreas Baranski Vierter bei den Junioren-Europameisterschaften 1977 und Sechster 1979. Bei den Deutschen Meisterschaften der Junioren gewann Andreas 1979 die Bronzemedaille über 800 Meter. Auch ein Jahr später gab es nochmal Bronze für ihn bei der Junioren-DM, dieses Mal über 1500 Meter. Im Rahmen eines Länderkampfes in Warschau erzielte er 1980 seine 1500m-Bestzeit von 3:36,43 Minuten. Diese Zeit ist heute noch Pfalzrekord. Andreas Baranski qualifizierte sich damit auch für die Olympischen Spiele 1980 in Moskau. Sein Olympiatraum platzte aber wegen des damaligen Boykotts. Zweimal zu Deutschen Meisterehren kam er in der 4x800m Staffel (1979) und über 3x1000m in der Halle (1982). Im Jahr 1983 wurde Andreas Zweiter bei der Universiade über 1500m in Edmonton (Kanada). Seine Bestzeiten waren 1:47,33 über 800m und 2:17,72 über 1000m. 1983 wechselte Andreas Baranski zum VfB Stuttgart. Auf eigenen Wunsch trainierte er in seiner Stuttgarter Zeit weiterhin nach den Plänen von Fritz Seilnacht.

Aus Seilnachts Trainingsgruppen: Rebekka Hilgert in Mannheim-Sandhofen 2019 Sebastian Bednarz beim Sandhofer Straßenlauf 2018 Katharina Seel beim Stadtlauf in Ludwigshafen 2009

Für die Trainingsgruppe beim ABC Ludwigshafen gab es bis 1983 zahlreiche Erfolge bei Regional- und Landesmeisterschaften. Aus verschiedenen Gründen löste sich die Ludwigshafener Trainingsgruppe auf. Fritz Seilnacht übernahm nach einer Anfrage der MTG Mannheim ab 1985 das Training der Mittelstreckler in der Quadratestadt. Aus beruflichen Gründen beendete Fritz Seilnacht in 1989 die Tätigkeit bei der MTG Mannheim. Er kehrte nun wieder zum ABC Ludwigshafen zurück und baute ab 1990 eine neue Mittelstreckengruppe auf. Wieder gab es viele Erfolge im regionalen Bereich. Sein bester Athlet in diesen Jahren war Christian Kanales, der sich 1995 in 1:49 Minuten über 800m für die Deutschen Meisterschaften in Bremen qualifizieren konnte. Christian verpasste als Neunter der Vorläufe knapp das DM-Finale in Bremen. Diese Ludwigshafener Mittelstreckengruppe beendete im Jahr 2000 vornehmlich aus Alters- und Berufsgründen ihr leistungssportliches Engagement.

Patric Berlejung beim Mannheimer Straßenlauf auf der Rheinau 2009 Konstantin Filsinger 2019 beim Sandhofer Straßenlauf in Mannheim Nico Steißlinger beim Mannheimer Straßenlauf auf der Rheinau 2023 David Mahnke 2019 beim Sandhofer Straßenlauf in Mannheim

Nach einem Pausenjahr kam es für Fritz Seilnacht ab dem Jahr 2002 zum wiederholten Neuaufbau einer Trainingsgruppe. Es ging relativ schleppend los, bis 2006 der außergewöhnlich talentierte Patrick Schoenball (geb. 1989) vom LC Bad Dürkheim in die Leistungsgruppe des ABC Ludwigshafen wechselte. Mit Bestzeiten von 48,77 sec (400m), 1:47,17 min (800m) und 2:21,68 min (1000m) erreichte er in fast jedem Jahr seiner Karriere vordere Plätze bei Deutschen Meisterschaften. Weitere erfolgreiche Athleten waren Patrick Belejung, Konstantin Filsinger und in den letzten Jahren insbesondere Nico Steißlinger und David Mahnke. David trainierte und studierte später 3 Jahre in den USA.

Fazit

 

Fritz Seilnacht bemerkt: "Zurückblickend muss ich sagen, dass ich gern an meine Trainerzeit zurückdenke, sie hat mir trotz persönlicher Einschränkungen im privaten Bereich viel gegeben. Insbesondere war es mir immer mein Anliegen, dass Jugendliche und junge Erwachsene nicht nur sportliche persönliche Bestleistungen erzielen konnten, sondern sich auch wichtige Charaktereigenschaften wie Ausdauer, Mut und Disziplin aneigneten. Wenn ich mir heute die private und berufliche Entwicklung der früheren Athleten ansehe, kann ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden sein. Die Arbeit mit jungen Leuten habe ich auch deshalb hoch geschätzt, weil sie mir das Gefühl gegeben hat, geistig einigermaßen jung zu bleiben."

Sportlich in Erinnerung geblieben ist Fritz Seilnacht besonders der 1500m-Endlauf von Andreas Baranski bei den Deutschen Jugendmeisterschaften 1978 in Göttingen um 14 Uhr bei 30°C, weil er die besprochene Taktik gegen den gleichstarken und eigentlich sprintstärkeren Konkurrenten total umsetzen und den Lauf in der für einen Achtzehnjährigen fantastischen Zeit von 3:41 Minuten für sich entscheiden konnte. Erinnerungen an viele Trainingslager in den Osterferien werden so schnell nicht vergessen, gaben sie doch immer die Möglichkeit, nicht nur im Training mit den jungen Leuten zusammen zu kommen und so auch ihre Persönlichkeit näher kennen zu lernen. Daraus ergaben sich natürlich Erkenntnisse für die weitere Trainingsarbeit.

Weiter sagt Fritz Seilnacht: "Sehr dankbar muss ich auch meiner Ehefrau Christa sein, die mich immer unterstützt und mir den Rücken frei gehalten hat. Anders wäre der Trainerjob über all die Jahre nicht möglich gewesen. Darüber hinaus hatte sie sich selbst zu einer sehr guten Läuferin in den Alterklassen W30 bis W55 entwickelt. Im Jahre 1977 holte sie sich den deutschen Seniorenmeistertitel über 3.000 m in der Altersklasse W35."

Holger Czäczine im Juni 2024 

Das Porträt "Fritz Seilnacht" erstellte Holger Czäczine
Fotos © Holger Czäczine

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