Covid-19: Zeit für gute Wünsche

Persönliches von Jörg Engelhardt

von Jörg Engelhardt (20.3.2020) 

Es ist alles gesagt: Die Pandemie ist angekommen. Die Läuferwelt steht still und auch das kulturelle Leben ist zumindest bis Ende der Osterferien ausgesetzt.

Für mich als Läufer, der sich außer mit dem Laufen selbst, auch noch mit der Erstellung von Reportagen über Laufsportereignisse beschäftigt und zudem auch als Helfer bei mehreren Laufveranstaltungen im Einsatz war, sicherlich kein erstrebenswerter Zustand. Noch dazu, wenn ich außer dem Leben in der Läuferwelt, die Literatur als mein zweites Hobby nenne. So gesehen, war der Sonntag am 8. März schon ein ganz besonderer Tag für mich. Erst als Helfer beim Frankfurter Halbmarathon im Einsatz, der neben einem neuen Teilnehmerrekord, auch noch einen neuen Streckenrekord mit sich brachte, fand der Tag einen sehr heiteren Ausklang im Hanauer Stadtteil Groß-Auheim, wo der zumindest regional bekannte Autor Hans-Jürgen Lehnhart basierend auf den weltbekannten Struwwelpeter Geschichten des Frankfurter Nervenarztes Heinrich Hoffmann ganz neue literarische Variationen ersann. Keine Frage: Beide Ereignisse verliefen erfolgreich und waren doch, sowohl im Laufsport als auch im kulturellen Bereich, die zwei letzten ihrer Art auf unbestimmte Zeit. Eine Tatsache die mich mit Unbehagen erfüllt. Ich war dabei. Nicht wissend, wann ich mich in Zukunft wieder solchen Vergnügungen widmen kann.

Nicht nur das sportliche, nein das gesamte öffentliche Leben liegt brach. Ein Prozess der sicher nicht schön, aber andererseits auch unvermeidbar ist, wenn man einer weiteren Ausbreitung der COVID-19 Pandemie wirkungsvolle Grenzen setzen will. Versammlungen, Feiern und Veranstaltungen aller Art sind abgesagt. Auch der Trainingsbetrieb in den Vereinen ruht: Wenn auch bedauerlicherweise, so doch zu recht. Doch Grund zum Pessimismus, ist trotzdem nicht angezeigt. Für mich als Junggeselle, der kurz vor der Vollendung seines 56. Lebensjahres steht, ist das kein Problem. Denn ich habe mir schon aus ganz anderen Gründen und viel früher die Fähigkeit angeeignet, allein sein zu können, ohne mich dabei einsam zu fühlen. Soziale Kontakte durch persönliche Begegnung im öffentlichen Raum sind mindestens einen Monat lang, wahrscheinlich aber noch länger, ausgeschlossen.

Das heißt aber nicht, das man sich den Menschen, die einem selbst etwas bedeuten, nicht doch auch auf anderem Weg verbunden fühlen darf. Seit letztem Donnerstag trinke ich wechselweise immer zum Tagesabschluss ein Glas Wein oder Bier und erhebe dieses Glas, auf alle, die mir in den letzten Jahren das Gefühl gegeben haben, dazu zu gehören, zu dieser einmalig schönen Läuferwelt.

 
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Etwas anderes fällt mir seit gut einer Woche hierzu auch gar nicht ein. Es fühlt sich an, als hätte mir eine unsichtbare Macht, die man umgangssprachlich als Coronavirus bezeichnet, eine eminent wichtige Lebensader durchtrennt. Aber eben nicht nur mir. Auch die Kolleginnen und Kollegen, die in den letzten Jahren in nahezu aller Welt für das digitale Journal LaufReport unterwegs waren, könnten sich ähnlich fühlen. Auch das Ehepaar Constanze und Walter Wagner, das dieses Magazin mit viel unternehmerischer Risikobereitschaft aufgebaut hat und es auch in schwierigen Zeiten nunmehr schon im 19. Jahr am Leben hält, wird sich jetzt umstellen müssen. Ihm wünsche ich besonders viel Kraft und natürlich auch Gesundheit und Elan, um dieses, meiner Meinung nach qualitativ beste Magazin das es im facettenreichen Laufsportbereich überhaupt gibt, trotz dieser äußerst ungünstigen Vorzeichen und ungewiss langen ereignisfreien Zeit in Zukunft noch weiter betreiben zu können.

Auch das ist ein Gedanke, der mich umtreibt. Der vorliegende aktuelle Beitrag von Axel Künkeler macht bereits sehr treffend deutlich, wie fatal die Folgen dieser Pandemie für den Wirtschaftszweig sind bzw. noch werden könnten, der sein ökonomisches Fundament, aus der Bereitstellung von Dienstleistungen bei Laufsportereignissen bezieht. Hierzu, gehört auch der LaufReport. Wenn er nicht mehr bestehen würde, könnte ich auch nicht mehr für ihn arbeiten. Seit ungefähr 2006 ist mir dieses Medium als Leser bekannt, seit dem 25.03.2018, also etwas weniger als 2 Jahren, darf ich als freier bzw. nebenberuflicher Mitarbeiter dafür arbeiten. Ich war bei ganz kleinen, aber auch schon sehr großen Laufsportereignissen als Laufreporter unterwegs.

Die Wege als Berichterstatter führten mich nach Baden-Württemberg, Bayern und Berlin. Ebenso war ich in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen unterwegs. Darüber hinaus in Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. Zu guter Letzt durfte ich sogar in unseren beiden Nachbarländern Niederlande und Belgien als Berichterstatter ran. Auf diese Art und Weise sind in dieser relativ kurzen Zeit 46 Reportagen aus 8 Bundesländern und zwei europäischen Nachbarstaaten zusammen gekommen.

 
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Keine Frage: Die aktive Tätigkeit für den LaufReport hat mein Leben, besser, schöner und zumindest ideenreicher gemacht und mir darüber hinaus viele positive Reaktionen von Veranstaltern, Läufer*innen und auch Lesern eingebracht. Die Gewissheit, diese Arbeit in den nächsten Wochen nicht mehr machen zu können, ist ziemlich frustrierend. Noch dazu, wo auch ich mich sowohl im eigenen Interesse, als auch im Interesse meiner Mitmenschen, gesundheitsbewusst verhalte. Genau das werde ich jetzt erst einmal weiter tun. Ich werde mich weitestgehend aus der Öffentlichkeit zurückziehen und allen Menschen, die mir etwas bedeuten, aus gesicherter Distanz mit einem Glas Wein oder Bier am Ende des Tages zuprosten - tagsüber werde ich natürlich nur Tee und Wasser trinken - in der Hoffnung das wir diese entbehrungsreiche Zeit gemeinsam und vor allem unbeschadet überstehen.

Es ist schon seltsam: Während man in den schwierigen Zeiten früherer Notlagen enger zusammenrücken musste, wollte man gemeinsam überleben, muss man nunmehr diesen Zusammenhalt demonstrieren, indem man so weit wie möglich auseinandergeht. Für mich viel leichter als für viele andere, die im Gegensatz zu mir, wenigstens in partnerschaftlichen Beziehungen oder gar noch familiären Bindungen mit ihren Frauen, Männern und vielleicht sogar Kindern unter ein und demselben Dach leben müssen.

 
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Für diesen Personenkreis hebe ich mein Glas besonders hoch. Die Prüfungen, denen wir alle in dieser Zeit ausgesetzt sind, scheinen gegenwärtig von Tag zu Tag immer schwerer zu werden. Dennoch vertraue ich darauf, dass wir alle stärker aus dieser unbehaglichen Zeit herauskommen, als wir in sie hineingeraten sind. Vor allem haben wir eine große Chance. Wir leben in der Bundesrepublik Deutschland, einem Land, das sich aus einer einstmals barbarischen Diktatur, die weite Teile der damaligen Welt in Schutt und Asche gelegt hat, zu einer der stabilsten und auch vorbildhaftesten Demokratien dieser Welt entwickeln konnte.

Auf dieses Potential können wir in diesen Augenblicken selbstbewusst und kreativ zurückgreifen. Wenn wir uns das bewusst machen, dann wird auch diese Pandemie gegen uns alle den Kürzeren ziehen. Auch darauf nochmals: ein Prosit auf die Menschlichkeit, und hört nicht auf, euch selbst und allen an denen euch etwas liegt alles erdenklich Gute zu Wünschen. Denn es ist immer Zeit für gute Wünsche. Gerade auch in dieser Zeit.

Beitrag von Jörg Engelhardt

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