Covid-19: Vereine und Dienstleister leiden am meisten

Zeitmess-Firmen beklagen bereits jetzt fünfstellige Verluste

von Axel Künkeler (17.3.2020)  

Bundesweit sind aktuell die meisten Laufveranstaltungen wegen der Corona-Krise abgesagt. Wann und wie es weitergeht, weiß derzeit niemand, in Zeiten von Corona ändert sich die Lage fast schon im Stundentakt. Daher ist ein verlässlicher Ausblick auf die Frühjahrs-Laufsaison kaum möglich. Sicher ist aktuell nur, dass zunächst bis Ende April fast alle Laufveranstaltungen bereits abgesagt sind. Unter den Absagen leiden die Sportler, vor allem aber die Vereine und Dienstleister, die zusätzlich noch die finanziellen Auswirkungen spüren.

Ja, wo laufen sie denn: Im Frühjahr 2020 jedenfalls nicht in Gemeinschaft. Bis Ende April sind fast alle Laufveranstaltungen wegen Corona abgesagt

Im Saarland wurde der für den 15. März geplante 39. Deutsch-Französische Straßenlauf, bei dem auch die Halbmarathon-Meisterschaft des Saarländischen Leichtathletik-Bundes (SLB) ausgetragen werden sollte, als erste Laufveranstaltung vom Corona-Virus gestoppt. Am gleichen Tag hat der SLB den Vereinen empfohlen, bis zum 26. April auf Veranstaltungen zu verzichten. Auch die laufende Umrundung des Saarlandes ist gleich mit drei Etappen davon betroffen. "Der Saarlandlauf wird bis auf weiteres pausieren", teilt Organisator Dirk Eichler-Uebel von der LAG Saarbrücken mit.

Es trifft auch kleine Vereine wie den TV Piesbach, der das "1. Piesbacher Frühlingserwachen" absagen musste. "Die Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen, zumal es ja ein Premieren-Lauf anlässlich unseres 110-jährigen Vereinsbestehens gewesen wäre", betont Silvia Keßler. Eine Verlegung ist wegen der Überschneidung mit anderen Läufen nicht möglich. Die finanziellen Konsequenzen für die Vereinskasse seien nicht absehbar, aber verkraftbar: "Wir hatten zwar Auslagen, aber dank unserer Sponsoren sprengt das nicht den finanziellen Rahmen", freut sie sich aufs Frühlingserwachen 2021.

Ähnliches gilt für den Hemsbacher Altstadtlauf, traditionell der Saisonauftakt für die badische und hessische Bergstraße. "Nach einer Risiko-Analyse und Bewertung kamen wir mit der Stadt Hemsbach zum Ergebnis, den 30. Hemsbacher Altstadtlauf am 28. März absagen zu müssen", teilte Rainer Nies vom TV Hemsbach mit. Im Vorjahr gab es in Hemsbach mit 1095 Läufern einen neuen Teilnehmerrekord, dazu Hunderte Zuschauer.

Zahlreiche Absagen: Bis Ende April sind auch fast alle saarländischen Laufveranstaltungen wegen Corona abgesagt. Davon betroffen ist ebenfalls der 23. Zwei-Seen-Panoramalauf Zum Davonlaufen: Auch das 30. Jubiläum des Hemsbacher Altstadtlaufes in Baden-Württemberg musste abgesagt werden

Sportvereine denken dabei an die Gesundheit der Sportler, müssen aber die wirtschaftlichen Folgen ebenfalls bedenken. Die Vereine bekommen keine Startgelder, bleiben aber auf den entstandenen Vorlaufkosten für Werbung und Organisation sitzen. Statt eines bescheidenen Beitrags für die Vereinskasse, reißt eine Absage schnell ein kleines oder größeres Loch. "Es sind "natürlich schon Kosten angefallen", bestätigt auch Rainer Nies. Aber es würden wohl nicht alle Rechnungen fällig, deren Rechtmäßigkeit werde noch geprüft. Es sei daher "zu früh, um Auskunft über die kostenmäßige Auswirkungen auf den TV Hemsbach geben zu können."

Noch härter treffen die Absagen viele Dienstleister rund um den Laufsport, wie die Zeitmess-Firma R.S.T. Volkslauf GmbH aus Mühlheim in der Nähe von Darmstadt. "Momentan sind bei uns 13 Veranstaltungen abgesagt", berichtet Geschäftsführer Michael Dorsch. Er rechnet mit weiteren Absagen. Der wirtschaftliche Schaden liege "im mittleren fünfstelligen Bereich", so seine Schätzung. Alle Kosten laufen weiter, "das wird nicht lange gutgehen", befürchtet er.

Große Veranstaltungen wie der Marathon Deutsche Weinstrasse am 5. April und ...
... der SAS Halbmarathon in Heidelberg am 26. April mussten bereits absagen

Wie Dorsch ergeht es der im Saarland führenden Zeitmess-Firma Meisterchip aus Mettlach. Die Firma betreut rund 50 Veranstaltungen im Jahr. "Allein bis Ende April fehlen 15.000 Euro Umsatz", klagt Inhaber Wolfgang Kiefer. Falls sich das fortsetzt, stehe er Ende Mai mit etwa 30.000 Euro im Soll. Anfang des Jahres hat Meisterchip 30.000 Transponder für 18.000 Euro gekauft, die Rechnung wird im Juni fällig. Im Februar habe er drei neue Zeitmess-Systeme für 14.500 Euro bestellt. Die monatlichen Fixkosten für Personal, Leasing, Versicherung betragen 1500 Euro, "auch in der Winterzeit, wenn wir keine Aufträge haben."

Er kalkuliere knapp, so könnten auch kleine Veranstalter die modernste Technik nutzen, sagt Kiefer. Daher brauche Meisterchip den geplanten Umsatz dringend, doch der breche gerade komplett weg. Das sei für das kleine Unternehmen "ohne Hilfe nicht mehr zu stemmen".

Mitte März hat Wolfgang Kiefer über die saarländische Behörden-Hotline Hilfe ersucht. Er brauche dringend einen Überbrückungskredit, um diese schwierige Situation zu meistern, hat aber noch keine Antwort bekommen: "Klar sind die überlastet, aber die von mir Geld wollen, interessiert das nicht", zeigt er sich von der Politik enttäuscht.

Absagen im Mai vermeldeten unter anderem bereits der SRH Dämmer Marathon in Mannheim-Ludwigshafen und ...
... der Mainzer Gutenberg Marathon

Abgesagt sind auch große Veranstaltungen wie der Marathon in Freiburg, der Marathon Deutsche Weinstrasse, der Halbmarathon in Heidelberg, der Dämmer Marathon in Mannheim-Ludwigshafen und der Mainzer Gutenberg Marathon. Einige Veranstalter sehen in einer Verschiebung auf den (Spät-)Sommer oder Herbst eine Alternative. Aus dem 1. Weiskircher Oster-Trail im nördlichen Saarland wird nun sogar ein Nikolaus-Trail am 5. Dezember.

Sollte die Corona-Pandemie bis dahin tatsächlich abklingen, wird dem leeren Laufkalender im Frühjahr möglicherweise ein übervoller Herbst-Laufkalender folgen. Deshalb bleibt Michael Dorsch skeptisch. Das sei "auch nicht so die Lösung", meint er. Wenn alle ihre Termine auf September, Oktober schieben, dann würden sich die Veranstalter doch untereinander die Teilnehmer wegnehmen. "Und wir als Dienstleister können dann nicht mehr alle bedienen".

Wälder und Felder bleiben (noch) geöffnet: allein oder zu zweit laufen in der Natur macht doch auch Spaß!

Ein Trost bleibt für uns Läufer: anders als Mannschafts-Sportler können wir unserem Hobby weiter frönen: Wälder und Felder sind nicht geschlossen, Laufen in der freien Natur weiterhin möglich. Zumindest alleine oder zu zweit: einige Lauftreffs etwa vom Heppenheimer Skiclub haben inzwischen auch ihren gemeinsamen Trainingsbetrieb wegen Corona vorübergehend eingestellt. Nutzen wir also das derzeit frühlingshafte Wetter solang es keine Ausgangssperre gibt. Wie gesagt, die Halbwertzeit der angeordneten Maßnahmen bemisst sich - angesichts der Situation durchaus nachvollziehbar - nach Stunden oder wenigen Tagen. Daher gilt in erster Linie: BLEIBT GESUND!

Beitrag von Axel Künkeler
Fotos von Axel Künkeler und LaufReport

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