10. - 12.6.10 - Bieler Lauftage mit 52. 100-km-Lauf von Biel

Mit höllischem Finish zum Sieg

von Walter & Constanze Wagner

Addiert man alle Zieleinläufe, einschließlich Teilstrecken, der Bieler Lauftage 2010 kommt man auf 3586. Damit kann man zufrieden sein.

 

Besser, muss man zufrieden sein. Wie überall verweist man auch in Biel auf die zunehmenden Konkurrenzveranstaltungen. Tatsächlich bleibt das europäische Mekka des Ultramarathons trotz seiner Tradition davon keineswegs verschont. Im Gegenteil. Dazu kommt eine 100km-Lauf-Müdigkeit.

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Der Zentralplatz von Biel/Bienne füllt sich kurz nach 22.00 Uhr mit den Nachtläufern. Von hier aus gilt es "nur" noch eine 97 Kilometer lange Schleife zurück zu legen, um dann wieder in Biel ins Ziel einzulaufen

Helden werden bei Mehrtagesveranstaltungen produziert. 6h-, 12h-, 24h- und 48h-Läufe sind in Mode. Ebenso die "Spiel-ohne-Grenzen"-Hindernisparcours für Jedermann.

 

Transalpin oder UTMB heißen Kampfansagen für Ambitionierte, die sich zuvor auf dem alten Kontinent nur beim Spartathlon einer Elite öffneten. Vielleicht erklärt diese Flucht ins für den normalen Alltags-Marathonläufer Unerreichbare, auch das zurückgehende Interesse am Marathon. Wer will sich schon am Arbeitsplatz bloßstellen lassen mit der Frage, auch schon mal einen 6-Tagelauf mitgemacht? Jedenfalls hat der Marathon schon längst, und ein Stück weit auch der 100km-Lauf, im Blickwinkel der Öffentlichkeit das Flair einer "richtigen Herausforderung" verloren.

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Viel Trubel und Gejubel herrscht in der Nacht am Zentralplatz in Biel bei km 3

Der Bieler 100-km-Lauf erreichte 1983 mit 4248 Teilnehmern sein Rekordergebnis. Zehn Jahre danach führte Franz Reist in seinem 35. Jahr an der OK-Spitze die erste Alternative zur 100 km Runde ein. Zunächst ein Marathon, später diverse kürzere Distanzen, Inline-Skating und verschiedene Stafetten. Der Kampf ums Überleben zwang zu dieser Öffnung, denn Sponsoren interessierte die Gesamtteilnehmerzahl. Die stieg so auf über 5091 Gemeldete im Jubiläumsjahr 2008, davon auch wieder 3030 für den 100-km-Lauf.

 

2347 Finisher über die große Runde ließen zudem hoffen, dass es mit einem Aufschwung in die zweiten 50 Jahre gehen würde. Für die Organisationsleitung wurde mit Jakob Etter ein erfahrener Laufveranstalter gewonnen, der auf eigene Biel-Teilnahmen verweisen kann. Ein Nachfolger des 50 Jahre an der Spitze agierenden Franz Reist aus dem Sport, den man in den wenigen Übergangsjahren vermisste. Als großes Plus kann man die Streckenänderungen werten mit Büren an der Aare, wenn auch zunächst Gosliwill und dem Schuss nach Arch nachgetrauert wurde.

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Mag sein, dass die jahrelange Beeinträchtigung durch den Autobahnbau an Renommee gekostet hat. Nun steht mit dem Abriss der Eissporthalle ein weiterer Prüfstein ins Haus.

1. W75 "Oma" Marita Schulz in 17:44 h Jacqueline Keller bei km 3 noch im hinteren Frauenfeld. Schritt für Schritt arbeitet sie sich bis auf Platz 6. vor Wie letztes Jahr läuft Marion Braun auf den 3. Platz und gewinnt die W50

Die Organisation ist tätig und erntet vermehrt Lob für die Anstrengungen. Doch kann der erzielte Mehrwert gerade die Verluste ausgleichen. Nach dem Jubiläum konnte man nur noch 1269 Finsher nach 100 Kilometern feiern und in diesem Jahr waren es 1260. Dabei wäre ein spürbares Plus für die Moral des engeren OK und aller Helfer wohltuend gewesen, um auch in Zukunft die Mammutaufgabe zu stemmen. Schielt man nach Südafrika zum Comrades Marathon kann man nur vor Neid erblassen.

Sterne in der Nacht. LaufReport-Haiku-Autor Thomas Schäfer (links) nimmt den Bieler 100 km Lauf ein weiteres Mal unter seine Füße. Neben ihm Wolfgang Wolff mit Vuvuzela-Fußballtröte, die er aber nicht die ganze Nacht geblasen hat Der Erfinder des 100 km Laufs von Biel Franz Reist mischte sich unter die Zuschauer am Zentralplatz und ließ sich "seinen Lauf" nicht entgehen Hans Drexler von der "Lahmsoggen Bande" unterbricht kurz seinen 100 km Lauf, den er in 14:03:51 h beenden wird, um LaufReporter Walter Wagner das Händchen zu schüttel: "Ihr habt mich 2003 nach Biel gebracht und es lässt mich nicht mehr los."

Doch bleiben wir noch ein wenig beim Spekulieren. Vielleicht ist es eine Frage der Mentalität. Während in Südafrika der Comrades einen Läufer erst "adelt", gibt es im Europa der Alpenregion eher eine Parteiengruppierung. Jene, die Biel eisern die Treue halten. Und sicher mindestens genauso zahlreich jene, denen nichts heilig ist, zumindest nicht die jahrelange Aufbauleistung für den Ultramarathon in der Vergangenheit. Da die Deutschen im Teilnehmerfeld nicht zu übersehen sind, spielt es eben auch eine Rolle, ob die Ultraläuferinnen und Läufer des nördlichen Nachbarlandes am "Mekka des 100km-Laufs" festhalten oder eigene Wege gehen. Dabei bleibt zu erwähnen, dass der 100 km Lauf in Deutschland tief in der Krise steckt und nach Abschaffung der Meisterschaftswürde auf der Talsohle angekommen ist.

Diese "Sie + Er Staffel" konnte sich anscheinend nicht trennen 2. W65 Waltraud Lüttel (links) aus D-Heddesheim läuft 15:48:12 h und Christiane Franke aus D-Hohberg 14:36:33 Eva Übelhör aus D-Immenstadt ist nach 11:40:10 in Biel im Ziel

Aus Schweizer Sicht hat zumindest sportlich betrachtet Deutschland einen großen Vorsprung vor den Eidgenossen. Doch relativiert sich dies bei genauer Betrachtung, wenn auch eine Sonja Knöpfli nicht weitere überlegene Heimsiege beisteuerte. Der Spitze fehlt der finanzielle Anreiz. Der nationale Titel, den es für Schweizer erneut in Biel zu gewinnen galt, krankt auch dort am Ansehen. Lukrativer und zugkräftiger sind eine ganze Reihe von Gebirgsmarathons bei denen Schweizer starten, denen durchaus sportlich Herausragendes auch in Biel zuzutrauen wäre.

Kurz vor Kilometer 18 in Aarberg: Stimmung nicht nur auf der alten Holzbrücke

Nun, 1260 im 100 km Ziel sind kein Pappenstiel und so mancher Stadtmarathon würde sich über so eine Finisherzahl freuen. Und 1500 bis 2000 Finisher könnten es schlagartig wieder werden, da reichte ja eine kleine Trendverschiebung. Eine echte Herausforderung ist der Bieler 100 km Lauf nach wie vor für bestimmte Zielgruppen. Unverbraucht ist das "Irgendwann musst du nach Biel" in den Köpfen vieler Läufer, die trotz durchschnittlicher Leistungen über Marathon früher oder später dem Lockruf folgen. Eine ganze Reihe sind auch Dauerstarter und aus Biel nur schwer wegzudenken. Entsprechend konstant ist die Zahl der erfolgreichen Teilnehmer in den letzten zehn Jahren. Einmal abgesehen von der 50. Auflage liegen die Finsherzahlen zwischen 1381 und eben 1260.

Rene Mielenz (links) aus D-Castrop-Rauxel und Uwe Kempers aus D-Dortmund beide nach 15:17:12 in Biel In Aarberg geht auf dem Marktplatz die Post ab

Nun aber endlich zum Geschehen in der Nacht der Nächte. Es war nicht kalt und auch nicht zu warm, aber drückend. So dass einige früh Probleme bekamen. Es blieb weitgehend trocken, doch wäre von einem heftigen Wolkenbruch in dieser Nacht kaum jemand überrascht gewesen. Schon der Versorgungsstand in Biel nach rund drei Kilometern wurde aufgrund der Schwüle förmlich überrannt. Vorteil, bei solchen Bedingungen trieb es die Bevölkerung in Massen auf die Straße, genauer an die Strecke. Am Zentralplatz war Citylauf-Atmosphäre und das, obwohl der Tag zur Neige ging. Die Kunst sich von Gejohle und den Anfeuerungen nicht verleiten zu lassen, gleich in der ersten Stunde das Pulver zu verschießen, ist nicht allen gegeben. Appelle verhallen da gar zu schnell.

Hans-Uwe Zietlow (li.) aus D-Dietzenbach läuft 12:21:22 und Alexander Wenk aus D-Efringen-Kirchen 12:42:09 Nach dem sehenswerten Marktplatz von Aarberg geht es wieder in die dunkle Nacht Günter Jullmann aus D-Mörfelden-Walldorf auch "Die Irrläufer" genannt. Offensichtlich hat er den Weg nach Biel zurück gefunden, denn er finisht nach 12:09:08 h

Im Ziel hört man es dann mit einer Regelmäßigkeit von den Debütanten, so schwer hatten sie die Strecke nicht erwartet. Die Steigungen summieren sich eben auf der langen Distanz. Walter Jenni, Sieger 2008 in 6:49 h und 2009 in 6:59 h war nicht am Start, aber Deborah Balz (8:34:52 h) war angetreten den Schweizer Titel und den Sieg zu verteidigen. Gegen die Wiederholung eines Schweizer Doppelerfolgs hätte niemand Einwände gehabt, den es auch schon 2008 mit der Frauensiegerin Sonja Knöpfli (7:54 h) zu feiern gab. Zunächst setzte sich Rolf Thallinger bestens in Szene, der Lokalmatador aus Büren a. A., dem die Sympathien der Seeländer galten. Auch Deborah Balz war gut dabei, hatte aber mit der Württembergerin Branka Hajek zu Beginn eine "Tempomacherin" vor Augen.

Bei 86,5 km im romantischen Büren an der Aare entlang

Eine Zusatzschleife führte die Halbmarathonläufer, die eine halbe Stunde später starteten, hier bald ein zweites Mal über den stilvollen Zentralplatz und später startende Bewerbe folgten auch noch den Spuren der traditionell - einmal abgesehen von den Anfängen mit Start um Mitternacht - um 22.00 Uhr losgelaufenen 100 Kilometerläufern. Es war also noch Trubel in der Stadt als sich die Ultramarathonis in der Dunkelheit auf dem Weg nach Aarberg soweit gesammelt hatten, dass sie bereit waren die Holzbrücke zu queren und einzutauchen in das nächste grandiose Stimmungsnest mit Volksfest. Hier war dank der Zusatzschleife in Biel das Ziel für den Halbmarathon. Es siegten bei 515 erfolgreichen Teilnehmern Matthias Bieri aus Uettligen in 1:14:45 h und Susanne Gries aus Port in 1:27:01 h, die bereits als Seriensiegerin des Nachtmarathons in Biel bekannt ist.

Noch einmal gut verpflegt, müssen hinter Büren nicht mal mehr 15 Kilometer gelaufen werden. Nach 86,5 km in den Beinen ist dies aber für so manchen auf einmal unvorstellbar lang Klaus-Peter Roth aus D-Frankfurt/Main kaut noch an der Stärkung und läuft nach 11:42:43 h in Biel ein

Aarberg passierte die Debütantin Branka Hajek nach 1:19:39 mit 3:16 min Vorsprung auf Martina Gross, der Siegerin von 2007 aus Kronberg im Taunus. Bei den Männern war es Mauritz Boschung aus Plaffeien der sich nach 1:10:54 mit 19 Sekunden Vorsprung vor Thallinger in Richtung Lyss aufmachte.

Über Lyss, hier stoßen die nun am Rennen teilhabenden Radbegleiter hinzu, durch das Limpachtal nach Oberramsern (Km 38,5), so wird die erste Teilstrecke erreicht. Kuhglockengeläute, ein paar draußen sitzende Zaungäste, aber auch immer mal ein richtiges Zuschauernest und die zunehmend mehr herbei gesehnten Fünfkilometertafeln begleiten die Läuferschlange auf dem beschwerlich werdenden Weg. Die Ersten begleiten dazu je eine radelnde Aufsicht. In Oberramsern ist das Ziel des Nachtmarathons. Wie die 21,1 km Läufer sind die Marathonteilnehmer eine halbe Stunde später in Biel los und die 189 Finisher mussten die fehlenden Kilometer unterwegs "einschleifen". Es siegten in 2:59:49 h Filippo Larizza aus Schüpfen und Jane Dubach aus Susten in 3:27:39 h.

Große Wäsche oder Erfrischung? Der Brunnen in Büren ist bei Läufern beliebt

180 Teilnehmer begnügten sich mit der 1. Teilstrecke. Nach 2:43:21 h war es nun Robert Etter aus Courgevaux, der die Ultramarathonriege anführte. Nur 43 Sekunden dahinter folgte mit Arnold Arbert aus Memmingen ein Deutscher zusammen mit Rolf Thallinger. Schon auf Rang vier mit Christian Stork aus Rettenberg ein weiterer Deutscher mit nur 66 Sekunden Rückstand auf den Führenden. Mauritz Boschung war auf Rang 7 zurückgefallen und hatte 2:22 Minuten auf die Spitze verloren. Erstmals tauchte der Name David Girardet aus Belfaux in den Bulletins auf (Rang 10 und 4:31 Minuten hinter Etter).

Läufer und "Coach", beim Bieler 100 km Lauf darf mit dem Fahrrad begleitet und betreut werden Rollentausch: Der letztjährige M55 Sieger Ulrich Aeschlimann begleitet Ehefrau Heidi Aeschlimann, die schon mehrmals selbst auf Top Ten Plätzen in Biel einlief. Letztes Jahr war sie seine Radbegleiterin, heute lief sie immer noch gute 11:32:32 Hans-Jürgen Ebersmann aus D-Altrip von der TSG Maxdorf grüßt und rennt 11:26:20

Branka Hajek hielt sich wacker an der Spitze und passierte Oberramsern nach 3:02:02 h. Ihr Vorsprung auf Deborah Balz war nur um 57 Sekunden gewachsen, aber immerhin auf 4:51 min. Die Titelverteidigerin aus Grub hatte sich an den zweiten Platz gesetzt und Daniela Sommer überholt, die immer noch Dritte, nun aber mit 11:52 min zusätzlich belastet war. Martina Gross hatte die Matte in Oberramsern nicht mehr überquert. Nicole Benning aus Vaihingen, die Vorjahreszweite lag 20:45 min hinter Hajek auf Rang 6. Auf Rang 5 passierte mit Marion Braun, die Dritte von 2009, Oberramsern. Etwas über sechs Minuten trennten sie noch vom Treppchenplatz des Vorjahres und 18:04 min von der Führenden.

Die schöne Holzbrücke in Büren wird von den Athleten nur unterquert

Kurz nach 2 Uhr in der Früh kommt Unruhe auf am Versorgungsstand in Kirchberg bei km 56,1. Nach 4:04:22 h Laufzeit ist es Adrian Gröbli aus Oetwil an der Limmat, der das Zepter des Tempodiktats an sich gerissen hat. 42 Sekunden dahinter folgt bereits mit Dan Uebersax ein erfahrener Biel-Teilnehmer und Robert Etter ist auf Rang drei und 2:05 min zurückgefallen. 24 weitere Sekunden vergehen, dann taucht schon Christian Stork ins gleißende Scheinwerferlicht. Eine weitere halbe Minute zurück kämpft Rolf Thallinger um den Anschluss. Arbert Arnold ist jetzt Sechster. 3:43 min sind vergangen seit der Erste die Zwischenzeitmatte auslöste. 4:49 min gar als Daivd Girardet auf Rang 7 eintrifft. 134 Teilnehmer beenden mit der 2. Teilstrecke offiziell die Laufteilnahme in Kirchberg.

Sarah Hreczkun aus D-Schemmerhofen läuft 11:34:53 Nach Büren geht es noch ein paar Kilometer an der Aare entlang. Ayhan Artan aus Baden ist nach 11:51:26 in Biel

Bei den Frauen hat sich Daniela Sommer auf dem dritten Rang behauptet, knapp über vier Minuten vor Marion Braun (Jg. 1957). Mit 17:50 bzw. 22:02 min hat der Rückstand zur Führenden etwas zugenommen, allerdings ist es jetzt Deborah Balz, die Branka Hajek passiert hatte und nach 4:37:12 mit 35 Sekunden Vorsprung vor der Deutschen sich als erste aufmacht zum legendären Emmendamm, dem der Streckenverlauf über mehr als 10 Kilometer bis Gerlafingen folgt. Auf dem fünften Platz liegt in Kirchberg Beatrice Odermatt aus Eich (26:36 min zurück) vor Jacqueline Keller von der LG Horn (+32:13 min). Nicole Benning wird mit +33:44 min auf Rang 8 als dritte Deutsche erfasst, muss aber nach einer langen Reihe von Starts in diesem Jahr, in dieser Nacht das Rennen abbrechen.

Renate Hülse aus D-Krefeld (16:26:03) wird ein Stück von einer Militär-Patrouille geleitet. Diese müssen gemeinsam die 100 km beenden um gewertet zu werden Monika Gehri aus Biel/Bienne braucht 15:46:05 h von Biel nach Biel

Lohn, Kilometer 70, Lüterkofen und Ichterswil, so heißen die Stationen, die hinauf führen nach Bibern, der 3. Teilstrecke nach 76,6 Kilometern. Für 36 Teilnehmer ist hier der Lauf zu Ende. Auch Werner Sonntag befindet sich unter ihnen. Kaum 24 Kilometer bis Biel, doch immerhin fast ein Viertel der Distanz. Was überschaubar klingt und vom Training bekannt ist, kann dennoch unerreichbar sein, wegen des Zeitlimits, mangelnder Fitness, einer auftretenden Verletzung oder wegen aufgebrauchter Kraftreserven. Selten wird diese Distanz geplant sein, aber dennoch kann sie als Erfolg gewertet werden, hat man zuvor nur die 1. oder 2. Teilstrecke erreicht. Das individuelle Ergebnis zählt viel in Biel.

Die Schweizer Flagge teuscht, auch Thomas Disser ist einer der vielen Bieler-100km-Fans aus Deutschland (LG EVO Seligenstadt) und kommt nach 16:54:09 ins Ziel Und Harald Wagner aus Merenberg läuft für den Deutschen Verein SC Oberlahn 15:46:52 h Rudolf Bohl (li.) aus D-Stockach und Stephan Mayer aus D-Dießen laufen die letzten 30 Kilometer gemeinsam und sind nach 15:41:.28 bzw. 15:42:09 h im Ziel

In Bibern trennen die ersten vier Männer nur 9:08 Minuten, weiterhin angeführt von Adrian Gröbli (5:39:06 h). Das sollte sich bis Biel nicht ändern. Dan Uebersax aus Homburg lag 2:33 min zurück, David Girardet, der Siebte des Vorjahres in 8:08:20 h war klar auf Bestzeitkurs und auf Rang drei, aber 8:04 min zurück. 63 Sekunden dahinter hing Christian Stork auf dem vierten Platz, hatte aber auf den folgenden Albert Arnold, den zweitbesten Deutschen, über neun Minuten Vorsprung und weitere anderthalb Minuten mehr auf Landsmann Stephan Aris aus Kleinmachnow. Auf Rang neun, Hauke Dutschak aus Winnenden, der im letzten Jahr auf Rang 18 bestplatzierte Deutsche.

21 Stunden lang wird die Strecke von fleißigen Helfern für die Läufer freigehalten Kilometerschilder erleichtern das Rechnen Kurt Wyss aus Port und seine "Coach"-Begleiterin sind nach 16:19:37 in Biel

In Bibern führt nach 6:31:38 h auch Deborah Balz mit einem 4:28 Minuten dicken Polster auf Branka Hajek. Die Ludwigsburgerin vom Salamander-Club läuft aber ihr Rennen konsequent weiter. Immer noch liegt Daniela Sommer auf Rang 3, anderthalb Minuten vor Marion Braun. 28:21 min bzw. 30:06 Min Rückstand auf Balz, entsprechend groß auch der Abstand zu Hajek, lassen vermuten, dass es hier nur noch um den dritten Platz geht. Doch das Rennen ist erst nach 100 Kilometern vorbei und im Nacken hatten die Beiden auch noch Jacqueline Keller, nun Fünfte (+35:08 min), und Denise Zimermann aus Mels (+39 min).

Hauke Dutschak aus D-Winnenden läuft in 8:24:20 auf Platz 14 Die Staffel CeNO-Laufteam Großweier hatte 2 Staffeln á 5 am Start, eine Mixed (4. Platz) und eine Männer (11. Platz). Zum dritten Mal laufen sie nun hier als Staffel. Aber mal den 100er einzeln laufen? "Nee, wenn man sieht wie die aussehen, lieber nicht" 3. der 100 km Stafette Mixed werden die "Running Bats" aus Konstanz, hier mit Patrick Single, der auch schon die 100 km von Biel als Einzelläufer gelaufen ist

Der Wetterbericht lag nicht falsch. Tatsächlich begann es am Morgen etwas zu regnen. Kalt wurde es nie und auch die oft schlimmere aufkommende Hitze blieb bei der 52. Auflage aus. Allerdings war es schon hell als der Sieger an der Eishalle erwartet wurde. David Girardet aus Belfaux legte ein unglaubliches Tempo auf den letzten Kilometern vor, so sein Radbegleiter, der 17 km/h vom Tacho ablas und der aus seiner Erfahrung als offizielle Rennaufsicht weiß: "Sonst wird am Ende um 12 km/h gelaufen." Das Aufbäumen wurde belohnt. 500 Meter vor der Ziellinie konnte er Adrian Gröbli überholen, der sich dem Angriff nicht erwehren konnte. Nach 7:31:01 h hatte Biel/Bienne den 52. Sieger im 100 km Lauf. Einen IRONMAN Triathleten (9:12 h 2007 in Zürich) und erfolgreichen Duathleten, aber auch bereits beim schweren Berglaufklassiker Sierre-Zinal dabei.

Der Sieger des 52. Bieler 100 km Laufs David Girardet Die Siegerin Branka Hajek auf der Zielgeraden

Nur 36 Sekunden später war Gröbli in 7:31:37 h im Ziel. Der 49-Jährige aus der Nähe von Zürich war das erste Mal in Biel und davor auch noch nie bei einem 100km-Lauf. Er läuft erst seit vier Jahren, hat bereits zweimal den K78 in Davos absolviert und 15 Marathons bestritten. Beim ersten Marathon blieb er in 2:56 h klar mit dem Ziel unter drei Stunden. In Zürich stellte er in diesem Jahr in 2:38 h seine Bestzeit auf und lief eine Woche danach über 10 Kilometer eine 35er Zeit.

Nach 7:36:49 h ging auch der dritte Platz, dank des Bestzeit laufenden Dan Uebersax, im Vorjahr Vierter, an die Schweiz. Schon zehn Mal ist er in Biel gestartet und hat sieben Mal das Ziel mit Zeiten von 7:45 h bis 8:03 h erreicht. Die jetzige Verbesserung führt er auf eine Trainingsumstellung zurück: Keine Läufe mehr über 40 km hinaus. Ins Training eingebaut hat er kürzere und schnellere Einheiten von 10 und 17 km. Längere Blöcke: Fr/Sa/So 25/30/35km. Seine Marathon Bestzeit steht bei 2:39 h. Er hat im Alter von 7 Jahren mit dem Orientierungslauf begonnen und ist dann im Juniorenalter zu Straßenläufen gewechselt.

Der 3. Dan Uebersax aus Homburg läuft heute nach seiner 10. Teilnahme persönliche Bestzeit in 7:36:49 Adrian Gröbli aus Oetwil an der Limmat wird bei seinem ersten 100 km Lauf 2. in 7:31:37 Die Vorjahresiegerin Deborah Balz aus Grub verliert ihre bei km 50 übernommene Führung auf den letzten 5 Kilometern und wird 2. in 8:51:43

Für Christian Stork reichte es in 7:44:41 h leider nur für den vierten Platz und zu einer Teilnahme an den erstmals durchgeführten Dopingkontrollen. Der Biel-Debütant hat in diesem Jahr bereits zum vierten Mal den Supermarathon des Rennsteiglaufs gewonnen. Den Klassiker in Thüringen empfindet der Bergläufer als leichter zu laufen als Biel. Auch er war über 100 km Debütant. Der 2:36 h Marathonmann verfehlte das Ziel 7:30 h zu laufen. "Aber 7:45 h sind okay." Der Bauschlosser und Schmied mit 60 Std. Arbeitswochen war glücklich, so wie es gelaufen ist.

Zur Dopingkontrolle durfte auch Branka Hajek, die nach einer zwischenzeitlichen Schwäche bei Kilometer 85 Deborah Balz wieder vor sich sah und auf den letzten fünf Kilometern sich erneut an die Spitze setzen konnte, dann alles gab und in 8:46:30 h den Sieg nach Ludwigsburg holte. Ihre 100 km Bestzeit steht bei 7:56 h. Derzeit bereitet sie sich nicht speziell auf 100 km vor, macht auch viel andere Distanzen und in zwei Wochen sogar einen Triathlon über die Olympische Distanz. "Da muss ich wieder fit sein." Branka Hajek ist aber keine Vielstarterin. Biel war ihr erster 100 km in 2010. Die Strecke fand sie anspruchsvoll, vor allem der Ho Chi Minh Pfad war hart, das hat sie sich nicht so schwer vorgestellt. Aber schön war es und in der Nacht laufen hat ihr nichts ausgemacht. Das nächste Mal wird sie es etwas lockerer angehen.

Stefan Kläuser heute Radbegleiter von Dave Nuessli, der bei seiner ersten Teilnahme in Biel in 8:13:13 auf Platz 10 läuft. Stefan Kläusler war schon mehrmals als Läufer dabei und lief immer unter die Top Ten. Er war einer der wenigen unter-7 h- Läufer, seine beste Zeit in Biel - 6:49 h Bester Deutscher wird bei seiner ersten Teilnahme in Biel der 4-fache Rennsteiglaufsieger Christian Stork mit Platz 4 in 7:44:41 Der Vorjahreszweite und Lokalmatador Rolf Thallinger aus Büren an der Aare konnte sich nach starkem Beginn aber darauf folgender Schwächephase wieder fangen und lief noch auf Rang 8 ein

Nach ihrem Premierensieg im letzten Jahr, war Deborah Balz glücklich über den zweiten Platz in 8:51:43 h, denn ihr Training lief zuletzt nicht mehr ganz optimal. Auf die Bieler Atmosphäre wollte die 30-Jährige aber nicht verzichten und musste einfach wieder hier laufen. Ihre Marathon-Bestzeit ist eine 2:55 h. Marion Braun wurde erneut Dritte. Sie war nach 9:09:46 h im Ziel nur noch knapp vor der stark auflaufenden Denise Zimmermann (9:11:53 h). Daniela Sommer wurde Fünfte in 9:14:58 h, gefolgt von Jacqueline Keller, frühere Schwarzwaldmarathon Siegerin, in 9:16:38 h.

Der Schweizer David Girardet gewinnt nach Platz 7 im Vorjahr in 8:08:20 den 52. Bieler 100 km Lauf mit 7:31:01 h Vorjahresiegerin Deborah Balz bekommt von OK-Präsident Jakob Etter persönlich das 2. Rang-Hemdchen übergestreift Die Deutsche Branka Hajek gewinnt bei ihrer Biel Premiere in 8:46:30 h

Es gab nur glückliche Gesichter an diesem Morgen auf der Ziellinie in Biel zu sehen. Darunter auch das von Jakob Etter, dem OK-Chef, und Beat Müller, Präsident des Bieler Lauftage Vereins. Jakob Etter war den zweiten Abschnitt der Mixed-Stafette "Berner Grossrat" gelaufen, also 21 km von Aarberg nach Oberramsern. Im Frühjahr lief er den Paris Marathon in 3:15 h und auch in Biel hat er schon eine Reihe hervorragender 100km-Ergenisse in seiner Läufer-Vita, die ihm bei den derzeitigen Ergebnissen auch Zutritt zur Siegerehrung verschaffen würden.

Im Ziel ist es doch am schönsten, ob als Stafettenläuferin wie Lucilia Delpédro aus Payerne oder als 100 km Einzelläufer wie Andreas Baier aus Deutschland oder Jaroslav Kase aus Tschechien

Dabei war in diesem Jahr auch Stefan Kläusler aus Winterthur, der 1999 hinter dem später des Sportbetrugs überführten Konrad Frei Zweiter wurde, aber im Prinzip als Sieger gelten darf. Diesmal betreute er aber nur den Debütanten Dave Nuessli, der prompt in die Top Ten lief, als Zehnter in 8:13 h. "Ich komme wieder nach Biel zum Laufen", so der 48-jährige Kläusler, Laufbotschafter für die Schweizer Gesellschaft Muskelkranker Menschen beim Zermatt Marathon, der aber auch unbedingt mal den Ultratrail Mont Blanc laufen will. Wenn man einen Ersatzmann für Biel hat, warum nicht, ist man geneigt zu sagen.

Ein enormes Pensum wird auch den Helfern abverlangt, die teils in Schichten arbeiten, mitunter aber durchgehend anzutreffen sind. Auf das kommende Jahr ohne Eissporthalle darf man nun besonders gespannt sein. Es gab immer Änderungen und in den letzten Jahren ist es gelungen, diese für Verbesserungen zu nutzen. Nehmen wir OK-Präsident Jakob Etter beim Wort, der sagte: "Drei Dinge wollen wir nicht verändern: Die Strecke von Biel nach Biel. Der Lauf bei Nacht. Eine große 100-km-Runde." Und wie wäre es nun mit einer Premiere über 100 km in Biel 2011 bei den 53. Bieler Lauftagen?

Bericht und Fotos von Walter & Constanze Wagner

Infos unter www.100km.ch

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