7.12.25 - 50. itdesign-Nikolauslauf Tübingen - Halbmarathon

Der Schönbuch feiert 100 Jahre Langlaufgeschichte

von Günter Krehl
 

Viele werden sich fragen, warum 100 Jahre Langlaufgeschichte im Schönbuch. Nun erst vor wenigen Wochen feierte der Klassiker über 25 Kilometer von Hildrizhausen das halbe Jahrhundert Lauftradition. Nun zog der große Bruder aus Tübingen nach. Mit 3288 Sportlern im Ziel wurde der Vorjahresrekord um 151 Teilnehmer im Ziel übertroffen. Mit großem Einsatz versuchte das Team von Chefsprecher Gert Hänsel jeden Läufer im Ziel namentlich zu würdigen. Hänsel erwies sich später bei der Siegerehrung wie seit vielen Jahren als sachkundiger und professioneller Mann am Mikrofon.

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"Du läufst Geschichte" - 100 Jahre Langstrecke im Schönbuch, dem kleinen Waldgebirge südlich von Stuttgart
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Ein weiteres kontrolliertes Wachstum ist der Veranstaltung durchaus zu wünschen. Zwar standen über 3800 Anmelder in den Listen, der Veranstalter plant aber vorausschauend, dass durch Krankheit und Verletzung bedingt etwa 15 % ihre Startzusage nicht einhalten können. Erfreulich, dass nur 44 Athleten das Rennen vorzeitig aufgeben mussten, das zeugt von guter Vorbereitung beziehungsweise kluger Renneinteilung.

 

Vier Disqualifikationen mussten auch vorgenommen werden. Wenn jemand vorzeitig ausscheidet, sollte er die Ziellinie nicht mehr mit der Startnummer überqueren. Dass diese Fehler problemlos registriert wurden lag an einer "Jubiläumsneuerung".

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An sage und schreibe fünf Kontrollmatten, die bei 1,1 / 3,2 / 5,2 / 6,8 / 10 / 12,8 / 14,9 / 16,8 und 18,4 Kilometern im Wald versteckt lagen, wurden die Zwischenzeiten genommen. Ein kluger Schachzug war, die dritte Startgruppe mit nur geringem Abstand zur Zweiten ins Rennen zu schicken. So mussten sich die Spitzenläufer auf ihrem letzten Kilometer nicht mehr wie im Vorjahr durch ein dichtes Feld von Nachzüglern kämpfen.

Ausgezeichntete Laufbedingungen 50. itdesign-Nikolauslauf Tübingen

Im Gegensatz zu den frostigen Vorjahren herrschten beim Start ausgezeichnete Bedingungen: angenehme 7°, bedeckter Himmel und wenig Wind. Den Fehler, sich zu warm anzuziehen, begehen immer wieder Läufer besonders der hinteren Startgruppen.

 

Auch der plötzliche Wärmeeinbruch kann den Kreislauf zusätzlich belasten. Die Strecke war in einem sehr guten Zustand, auch wenn die schnelleren Läufer in der zweiten Runde in ihren Karbonschuhen etwas über matschige Stellen klagten.

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2024 gab es einen LaufReport ohne den Bettelweg, das sollte einmalig bleiben. Nach knapp drei Kilometer flogen der Deutsche Vizeberglaufmeister Dominik Notz und der Titelverteidiger Lorenz Baum (beide LAV Stadtwerke Tübingen) bereits mit großem Vorsprung die Steigung hoch. Dominik attackierte stets bergauf, Lorenz schloss in der Ebene jedes Mal wieder auf. Was für Außenstehende als lockerer Paarlauf aussah, war also ein harter Kampf zweier ebenbürtiger Athleten. Erst bei Kilometer 20 einigten sich die beiden zum gemeinsamen Zieleinlauf. Mit hervorragenden 1:08:36 gewannen sie zeitgleich den Jubiläumslauf, der diese zwei würdigen Sieger verdient hat. Ein Lob auch an den Veranstalter, dass er sich nicht den Ausgang des olympischen Marathonlaufes zum Vorbild genommen hat.

Dominik Notz (grüne Schuhe) und Lorenz Baum trotz hartem Kampf über 21 Kilometer ebenbürtig und zwei würdige Sieger Christian vom Hagen Platz 3: Vom Fußball zum Langstreckenstern

 

So wie das Führungsduo einsam über die Strecke lief, so absolvierte Vereinskamerad Christian vom Hagen das gesamte Rennen alleine. Als ehemaliger Fußballspieler kam er nach einem Mittelfußbruch vor 3 Jahren zum Laufen und plant keine Rückkehr in seinen alten Sport. Schon im 2. Wettkampfjahr explodierte seine Leistung von 1500 m (3:50) über 5000 m (14:31) bis zum ersten Marathonversuch in 2:29.

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Schön, dass eines der vielen Talente, die "uns" der Fußball streitig gemacht hat, über Umwege zur Leichtathletik gefunden hat. Mit 1:12:44 sicherte er sich den 3. Platz auf dem roten Sofa bei der Pressekonferenz. Dass dies beinahe schief gegangen wäre, schilderte er bei dieser. Bis Kilometer 17 lief es bei ihm sehr gut, dann ist ihm ein Gel schlecht bekommen und er musste 300 Meter das Tempo stark herausnehmen, die letzten 4 Kilometer wehrte er sich aber dann noch relativ sicher gegen seine Verfolger.

Lange gemeinsam unterwegs: Das Verfolgerquartett mit von links Felix Otto (6.), Jurij Mildner (5.), Lars Herb (7.) und Benjamin Pfrommer (4.) Auf dem Weg zum Heuberger Tor

Die hatten mit Felix Otto (LAV Stadtwerke Tübingen), Jurij Mildner, Lars Herb (LG Nagoldtal) und Benjamin Pfrommer ein tolles Quartett gebildet. Pfrommer hatte in diesem Jahr den 23 Jahre alten Calwer Kreisrekord auf 1:10:14 verbessert und war in Darmstadt im Trikot der LG Calw Deutsche Vizemeister im Cross der M35 geworden. Leider aus unserer Sicht, aber aus verständlichen Gründen, wechselt er 2026 zur LAV, für die er nun schon etwas vorschnell an den Start gegangen ist. Als erster verlor Lars Herb etwas den Anschluss. Mit seinem 7. Platz in 1:13:55 pulverisierte er seine Bestzeit um 5:28 Minuten und deutet mit einem Quantensprung in dieser Saison sein großes Potential an. Die drei anderen lieferten sich bis zur Zielgeraden ein spannendes Rennen. Pfrommer belegte in 1:13:27 Platz vier vor Mildner (1:13:29) und Otto (1:13:32).

Stimmungsnest Nummer 1: Heuberger Tor

Im letzten Jahr hatte ich Antonia Schiel als Laufdiamant beschrieben. Mit 1:20:16 war sie im ersten Halbmarathon auf Rang zwei im Ziel gewesen. Heuer ist sie in ihrem dritten Tübinger Jahr so richtig durchgestartet. Mit 33:49 und 1:15:50 befindet sie sich auf dem Weg in die deutsche Spitzenklasse. Sie wusste zwar, dass sie erste Frau war, der Abstand zu den Verfolgerinnen war aber nur den Zuschauern bekannt, so dass sie sich ihres Sieges nie ganz sicher war. Mit mehr als 6 Minuten Vorsprung "turnte" sie durch das Feld der vorderen Männer und blieb wie Chefveranstalter Gerold Knisel meinte, mit dem Streckenrekord von 1:16:55 als "weltweit einzige Frau" auf der Tübinger Strecke unter 77 Minuten.

Die Siegerin Antonia Schiel auf dem Weg zum Streckenrekord Mocki kriecht aus ihrer Sicht den Bettelweg hoch - der Fotograf sieht eine elegante Bergläuferin, verfolgt von Trainingspartnerin Laura Hampel

Mit großer Freude wurde in Tübingen der Start der "Lauflegende" Sabrina Mockenhaupt-Gregor wahrgenommen. Gleichzeitig mischte sich etwas Wehmut, wechselt die vielfache Deutsche Meisterin doch von Tübingen zum Tomerdinger LV. In ihrer unnachahmlichen Art ist die am Vortag 45 Jahre alt gewordene Athletin eine wunderbare Botschafterin unseres Laufsports. Gemeinsam mit Zwillingsbruder Markus absolvierte sie die beiden Runden in einem lockern Stil, den wir nun schon weit mehr als zwei Jahrzehnte bewundern dürfen. Sie klagte über die Berge, die sie kaum hochgekommen wäre - meine Bilder sprechen eine andere Sprache. 1:23:13 lautete ihre gute Endzeit, in Köln war sie 1:17:26 gelaufen. Etwas kokettiert sie mit ihrem Alter, da können wir Ü75 nur milde lächeln - wenn wir aber ehrlich sind, haben wir Gleiches vor 30 Jahren auch gemacht. Leider war Mockenhaupt in Eile, so dass es nur für die Gesamtsiegerehrung noch reichte und nicht für die der W45. Möge Mocki noch viele Jahre laufen und Läufer begeistern.

Anstieg Bettelweg: Antonia Seeger (3.) noch hinter Tamara Walter (7.) Antonia Seeger läuft lächelnd vor auf Platz drei - lange wird sie nicht vereinslos bleiben

Am ersten Bettelweganstieg folgte die noch vereinslose aber 2026 auch für Tomerdingen startende Laura Hampel ihrer Trainingskollegin Sabrina dicht auf den Fersen, noch vor meiner Mitfavoritin Hanna Klein (ebenfalls Tübingen). Beim Anstieg in der 2. Runde dachte ich, dass Laura sogar ihr großes Vorbild angreifen könnte. Leider bekam sie danach Probleme und musste das Rennen beenden. In der Liste unter DNF ist sie allerdings erst nicht zu finden. Ganz unspektakulär lief eine mir unbekannte Sportlerin lächeln nach vorn. Die vereinslose Antonia Seeger hatte am Ende mit 1:23:28 nur 15 Sekunden Rückstand auf ihre prominente Vorderfrau. Antonia hat auf die Frage geantwortet, ob sie Halbmarathonerfahrung hätte, "nein eher Marathonerfahrung" (2:51 Bestzeit und Siegerin in Heilbronn). Sie ist erst seit 4 Wochen nach einer Verletzung wieder im Training, hatte sich keine Chancen gegeben und war am Ende total überrascht über ihren dritten Platz. Mit ihr ist auf jeden Fall wieder ein Stern aufgegangen, mal sehen unter welchem Verein sie 2026 in Tübingen um den Sieg kämpft.

Hanna Klein wird Vierte. Die nationale Spitzenathletin absolviert einen scharfen Tempodauerlauf Bei Kilometer 19 wird es noch spannend: Von links Lena Ritzel (9.), die Vorjahresdritte Hannah Arndt (6.) und Tamara Walter (7.) Viermal Hannah in den TOP 8, drei davon mit "h": Hannah Graf mit starker Renneinteilung landet auf Platz 8

Hanna Klein (in Köln 1:14:10) machte den Eindruck, dass sie einen kontrollierten Tempodauerlauf machen und nicht um das Podium kämpfen wollte. Mit 1:23:37 lieferte die nationale Spitzenathletin entsprechend ab. Einfach nicht vor meinen Fotoapparat kam mir die Fünftplatzierte Hannah Marquard, die für den Markgräfler Runners Club 1:23:52 unterwegs war. Bei Kilometer 19 lief Tamara Walter (VfL Ostelsheim) auf die Vorjahresdritte Hannah Arndt und Lena Ritzel (LG Allgäu) auf. Im harten Kampf konnte sich die Pliezhausenerin mit 1:24:23 behaupten. Die Ostelsheimerin lief als 1. der W40 mit 1:24:30 ein starkes Rennen und war 1:45 schneller als bei ihrem Debüt 2022. Lena Ritzel (1:24:44) mit Zehnerzeit unter 36 Minuten musste überraschend noch die locker nach vorn laufende vierte Hannah passieren lassen. Auch für Tübingen am Start lief Hannah Graf 1:24:33 und reiht sich ohne Eintrag in der Athletendatei in die Liste der spektakulären Nikolauslaufentdeckungen.

Der Gleichschritt täuscht: Nikolaus hat noch eine Runde mehr zu laufen als die Gesamtsiegerin Mocki 1 und Mocki 2: Die Zwillingskinder Markus und Sabrina von Mutter Hildegard (Marathon 2:40) und Vater Alfred (Familienrekordhalter 2:24:59) im Gleichschritt unterwegs Nicole Schwindt gewinnt mit mehr als 10 Minuten Vorsprung die W65 und schlägt als Relativ-Erste sogar Gesamtsiegerin Antonia Schiel

Nicole Schwindt (LAV Stadtwerke Tübingen) konnte ihren Vorjahreserfolg in der relativen Altersklassenwertung wiederholen. Ihre 1:48:19 als überlegene W65 Siegerin waren dieses Mal 1:15:25 wert. Hatte sie letztes Jahr knapp 8 Minuten Vorsprung, war die Gesamtsiegerin Antonia Schiel ihr diesmal recht dicht auf den Fersen. Auch Sabrina Mockenhaupt konnte auf Platz drei mit 1:17:34 stark punkten.

Bei den Männern siegte der Vorjahreszweite Thomas Jäger (LAC Essingen, 1. M65, 1:35:19) mit 1:05:23. Auch der Sieger der M55, Uwe Beil (TSV Hossingen, 1:25:11) erzielte mit 1:07:17 noch 40 Sekunden Vorsprung vor den beiden Gesamtsiegern.

Auf dem Weg zu Kilometer 20 Auf der Zielgeraden

Wieder war der Probelauf drei Wochen zuvor mit "gezählten" 810 Teilnehmern wie seit vielen Jahren ein großes Läuferfest. Die Kooperation mit den hiesigen Schulen wurde weiter ausgebaut. Bei der Veranstaltung legten 144 Jungen, 92 Mädchen und 14 Erwachsene eine Strecke von 10 Kilometern zurück. 5 Jungs liefen unter 40 Minuten, der Sieger erzielte 37:59. Ebenso schafften fünf Mädchen eine Zeit unter 50 Minuten, die Siegerin lief 43:19.

81 Männermannschaften mit je 5 Teilnehmern kamen in die Wertung. Wie letztes Jahr gab es einen Doppelsieg der LAV Tübingen, die Tübinger kann man inzwischen getrost den "FC Bayern der Läufer" bezeichnen. Bei den Frauen kommen 3 Teilnehmerinnen in die Wertung, unter 73 Teams lagen 5 Tübinger Trios in Front, wobei der separat gewertete Post SV Tübingen eigentlich auch unter dem Dach der LAV startet.

Beim virtuellen Nikolauslauf über 10 Kilometer findet man 453 Teilnehmer in der Liste.

Siegerehrung Männer: Moderator Gert Hänsel interviewt den Dritten, Christian vom Hagen Siegerehrung Frauen, nur die Vierte, Hanna Klein, fehlt

Die Kilometerschilder waren zum Jubiläumslauf mit passenden Sprüchen versehen. Alle konnte ich leider nicht lesen, der für mich passendste stand schon bei Kilometer eins: "Du läufst Geschichte". Wir "Starter der ersten Stunde" stehen und sehen jetzt mehr Geschichte als dass wir sie noch laufen. Als eine dieser markanten Persönlichkeit des Tübinger Halbmarathons sei der Genkinger Richard Rein genannt, mit dem ich mir vor 43 Jahren einen mörderischen Kampf auf der alten anspruchsvolleren Strecke geliefert hatte. Er blieb 3 Sekunden vor mir und war damals 5. in 1:16:34. Ob er wohl 30 Mal am Start stand und im Ziel war? - Man müsste im Archiv nachzählen.

Was fürs Herz bei Kilometer 19 Wie es sich für einen "Universalorganisator" gehört: Gerold Knisel macht einen forschen Tempodauerlauf, kontrolliert das Geschehen live und verpasst das Treppchen der M65 nur um knapp 2 Minuten
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Gerold Knisel startet nun optimistisch in die zweiten 50 Jahre Tübinger Nikolauslauf. Der Generationenwechsel bei den Helfern hat nach seiner Meinung geklappt. Die Jungen übernehmen die anspruchsvolleren Tätigkeiten und fragen schon Monate zuvor, "dürfen wir beim Helfen wieder dabei sein?" Die Alten bleiben sofern es die Gesundheit zulässt weiterhin dabei. Als Beispiel sei Urgestein Walter Johnen genannt. Der mehrfache Deutsche Meister der Klasse M80 war erst bei der Ausgabe der Startunterlagen aktiv, dann wurde er in 2:04:29 mit mehr als 40 Minuten Vorsprung Sieger seiner Altersklasse. Gerold wird 2026 weiterhin ganz vorne mitmischen, irgendwann wird aber auch er in die 2. Reihe zurücktreten. Bleibt zu hoffen, dass auch dieser Generationenwechsel gelingen wird, dann kann man auf die nächsten Jahrzehnte Nikolauslauf zuversichtlich blicken.

Bericht und Fotos von Günter Krehl

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Ergebnisse my.raceresult.com & Infos nikolauslauf-tuebingen.de
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