10.12.23 - 17. Zeller Raiffeisenbank Adventslauf

Adventslauf kehrt mit einem Comeback und einem Rekord zurück

von Holger Teusch 

Eine Fieberwelle erfasste am zweiten Adventssonntag die große Moselschleife bei Zell. Das Lauffieber, ansteckend, aber gesundheitsfördernd statt krankmachend!

 

Erstmals seit 2019 organisierte der Ruderverein Zell mit Hilfe der Läufer des Nachbarclubs TSV Bullay-Alf und der während der Pandemie gegründeten Läufergruppe der Marienburg Runners wieder den Zeller Raiffeisenbank-Adventslauf.

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Das einzige, was an die derzeit grassierende Erkältungswelle erinnerte, war, dass gut 80 der mehr als 500 angemeldeten Teilnehmer nicht kamen. 432 Läufer wurden am Ende in den Ergebnislisten erfasst. Trotz drei Jahren Pause erreichte die Veranstaltung damit auf Anhieb wieder das Vor-Pandemie-Niveau.

Nach vier Jahren war die Zeller Balduinstraße beim Genießerlauf endlich wieder mit fast 200 Läufern gefüllt, die sich auf eine kleine und fünf große Runden durch die Schwarze-Katz-Stadt machten Als der laufenden Weihnachtsmann alle Süßigkeiten verteilt hatte, gab es für ihn immer noch viele Hände abzuklatschen
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Was die Stimmung anging, übertraf der 17. Adventslauf etliche seiner Vorläufer! Garant für einen kurzweiligen Nachmittag ist die nur knapp ein Kilometer lange Laufrunde durch die Altstadt von Zell. Die Zuschauer sehen so die 5-km-Läufer bis zu sieben Mal. Wer einige Meter geht, kann seine Favoriten sogar ein dutzend Mal anfeuern. Was die Stimmung gegenüber 2019 gehörig aufheizte, war nicht das Wetter. Das spielte vor vier Jahren sogar noch besser mit. Trockene Witterung ist für so einen Stadtlauf aber natürlich wichtig.

Temperaturen nahe zehn Grad kommen Sportlern wie Zuschauern zugute und sind noch nicht zu warm, um ein Loch in die Kasse beim Glühwein- und Kinderpunsch-Verkauf zu reichen. Anders als 2019, als die Läufer wegen einer Glühweinparty nicht über den Schwarze-Katz-Platz laufen durften, sondern bereits zuvor durch eine schmale Gasse zu Mosel abbiegen mussten, konnte beim 17. Adventslauf wieder auf dem Originalparcours gelaufen werden.

Nachdem der Adventslauf drei Jahre in Folge nicht ausgetragen wurde, war für das Team um Organisationsleiter Murat Aydin nach den Erfahrungen aus 2019 klar, dass man nur auf dem Originalparcours zurückkehren würde. Denn dadurch konzentriert sich die Atmosphäre in den engen Zeller Altstadtgassen und ergibt die einmalige Stimmung, die ein bisschen an den Trierer Silvesterlauf erinnert, aber trotzdem noch das fast Familiäre des Volkslaufs "nebenan" hat.

Die Birkenhel(l)dinnen vom Zeller Höhenstadtteil Barl waren wieder mit ihren Wildschein-Mützen (mit der sie an die Verwüstungen durch diese Tiere in ihren Gärten erinnern) dabei und sorgten für gute Stimmung Die Britin Natalie Howard machte sich den Spaß und lief außer mit langer Weihnachtsfrau-Mütze mit Lederhosen-Imitation

Dass der Adventslauf mit Teilnehmerzahlen irgendwo um die 500 Finisher eine gesunde Größe erreicht hat, ergibt sich schon daraus, dass die Stadt mit der Schwarzen Katz als Maskottchen nur gut 4000 Einwohner zählt. An der Mosel in der Mitte zwischen Trier und Koblenz gelegen, sind diese nächstgelegenen Großstädte etwa eine Autostunde entfernt. Dazu hat die Leichtathletik im Landkreis Cochem-Zell (Nummernschild: COC) keine allzu große Tradition. Nur sechs weiter Laufveranstaltungen verteilen sich übers Jahr und kommen in der Summe auf gerade einmal 1000 Teilnehmer. Mit Para-Leichtathlet Jörg Trippen-Hilgers (Sehbehinderung) und Ruderer Jost Schömann-Finck stammen aber zwei Olympiateilnehmer aus Zell. Und wenn dann noch eine Europameisterin wie Katharina Steinruck am Start steht und die IGS (Integrierte Gesamtschule) als größte Schule viele Staffeln stellen, zeigt sich, dass die Zeller auch abseits vom dominierenden Fußball sportbegeistert sind.

17 Mal 5 km in Zell, das haben nur Stefan Heimes aus Illerich bei Cochem und seine Frau Melanie geschafft. Der ehemalige Zeller Stadtbürgermeister Hans Schwarz schaute sich den Adventslauf von seinem Stammplatz vis-à-vis vom Rathaus wieder interessiert an Wolfgang Viert aus Schauren im Hunsrück war einer von zwei Läufern des Jahrgangs 1941 und damit ältester 5km-Läufer

Dass der Adventslauf federführend vom Ruderverein Zell organisiert wird, liegt in der Geschichte begründet. 2003 trat der Ruderverband Rheinland an den damaligen RVZ-Vorsitzenden Peter Schmidt mit der Bitte heran, einen Wertungslauf für die Winterlaufserie, mit der sich die Ruderer in der kalten Jahreszeit fit halten, zu organisieren. Zusammen mit den Leichtathleten Christian Bauer und Holger Teusch wurde im Advent ein Zwei-Brücken-Lauf auf die Beine gestellt. Rund 100 Teilnehmer und viel Aufwand stellten gerade die beiden Läufer nicht zufrieden. Aber organisatorisch lief es - zumindest für eine Premiere halbwegs ordentlich. In Anlehnung an den Trierer Silvesterlauf inspiriert und diesmal offen nicht nur für Ruderer, ging es ein Jahr später erstmals als Adventslauf auf eine Runde durch die Altstadtgassen, die im Wesentlichen immer noch das Grundgerüst der jetzigen Strecke bildet. In den engen Gassen kam gleich eine besondere Stimmung auf, auch wenn Startnummernausgabe in der damaligen Rathaus-Baustelle mit Stehlampen aus Christian Bauers Wohnzimmer zur Beleuchtung und Siegerehrung auf dem Weihnachtsmarkt eines Winzers mehr als improvisiert waren.

Mamiyo Hirsuato (556) aus Äthiopien setzte sich genauso wie Katharina Steinruck (100) gleich beim Start des Raserlaufs an die Spitze der Konkurrenz

Die Läufer waren begeistert! Der Durchbruch kam 2006 mit erstmals mehr als 400 Finishern und mit Susanne Hahn (Saar 05 Saarbrücken) einer aktuellen Nationalmannschaftsläuferin als Siegerin. Die spätere Marathon-Olympiateilnehmerin (2012 in London) markierte den immer noch gültigen Veranstaltungsrekord der Frauen von 16:34 Minuten, für den eine Extraprämie ausgelobt ist.

Katharina Steinruck kam diesmal bis auf drei Sekunden an diese Marke heran. Wobei die Europameisterin von München mit dem deutschen Marathonteam auch später erst nachfragen musste, wo die Rekordmarke überhaupt liegt. Vielleicht wären die drei Sekunden noch irgendwie drin gewesen, wenn "Katha" bis zum allerletzten Meter gekämpft hätte, statt mit breitem Lächeln über die Zielgerade zu laufen. Die Freude war aber nur zu verständlich. Der Adventslaufsieg war für Steinruck eine Art Befreiungsschlag nach einer halbjährigen Long-Covid-Wettkampfpause. "Mein letztes Rennen habe ich vor exakt einem halben Jahr bestritten. Ich war vor dem Start diesmal extrem aufgeregt und bin umso glücklicher, dass es so gut gelaufen ist", sagte die 34-Jährige bei der Siegerehrung, bei der sie zum vierten Mal nach 2009, 2016 und 2019 den Hauptpreis gewann. Vor 15 Jahren meldete sie als junge, frischgebackene Köln-Marathon-Siegerin nach und wurde vom Streckenmoderator beim Start erst einmal nach ihrem Namen gefragt. Mittlerweile ist die Zeller Balduinstraße ein bisschen zum läuferischen Wohnzimmer der Tochter von Katrin Dörre-Heinig und Wolfgang Heinig geworden. Zumindest für einen Sonntagnachmittag im Advent!

Moderator Franz-Josef Ott (rechts) konnte Marathon-Team-Europameisterin Katharina Steinruck (Eintracht Frankfurt) auf dem Weg zu ihrem vierten Adventslauf-Sieg begrüßen Der 17-jährige Louis Decker vom PST Trier stand dank seiner Zeit von 16:17 Minuten als Fünftplatzierter des Raserlaufs am Ende mit auf der Bühne, als die Besten über 5 km geehrt wurden 14 Jahre und schon 3:30iger-Schnitt über 5 km: Jonas Löcher vom TuS Ahrweiler war mit 17:31 Minuten aber nur drittschnellster U18-Läufer in einem stark besetzten Feld

Wie gut es lief, zeigt Steinrucks Zeit: Bei ihren bisher fünf Starts (2011 war sie hinter der aus Äthiopien stammenden Ferahiwat Gamachu in 17:55 Minuten Zweite) war sie noch nie schneller, kam aber schon 2016 (16:38) und 2019 (16:39) knapp an Susanne Hahns Zell-Bestzeit heran. Ein gutes Omen für den noch geplanten Angriff auf die Olympia-Qualifikation? "Ende Januar endet die Qualifikationsfrist. Ein paar Tage zuvor möchte ich in Osaka Marathon laufen", verriet Steinruck. Am liebsten würde sie mit Familienrekord finishen. Denn mit der Bestzeit von 2:24:35 Stunden ihre Mutter Katrin Dörre-Heinig könnte Steinruck auch das Paris-Ticket lösen. Die Olympia-Dritte von Seoul 1988 zeigte sich hochzufrieden mit dem Wettkampf-Comeback ihrer Tochter, gab aber auch zu bedenken: "Das eine ist die Schnelligkeit, aber ein bisschen fehlen noch die langen Läufe."

Äthiopien-Flüchtling Mamiyo Hirsuato schraubte den Adventslauf-Rekord im Alleingang auf hochkarätige 14:05 Minuten über fünf nicht ganz einfach zu laufende Kilometer
Der Kenianer Philemon Kemboi belegte in 15:02 Minuten den zweiten Platz im 5-km-Raserlauf Yannick Pütz von der LG Rhein-Wied (111) und Marco Müller vom LC Euskirchen lieferten sich lange Zeit einen Zweikampf um dritten Platz, den Pütz in 15:45 Minuten am Ende mit 14 Sekunden Vorsprung gewann

Olympia ist für Männer-Sieger Mamiyo Hirsuato kein Thema. Der aus Äthiopien stammende Läufer drückte von Beginn an eindrucksvoll aufs Tempo. 2:45 Minuten für den ersten Kilometer deuteten bereits an, dass es eine niedrige 14-Minuten-Zeit werden könnte. Doch dass Hirsuato nach jeder der insgesamt 23 engen Kurven wieder so würde beschleunigen, dass die 14:14 Minuten seines Landsmanns Roba Yadeta aus dem Jahr 2015 in Gefahr geraten würden, war zu Beginn noch lange nicht ausgemacht. Am Ende war er mit 14:05 Minuten allerdings klar schneller, als Yadeta vor acht Jahren. "Ich bin so froh, dass ich hier laufen konnte. Es war anstrengend, aber es hat riesig Spaß gemacht", freute sich Hirsuato.

Die Ungarin Zsanett Móczó war in 18:15 Minuten zweitschnellste Läuferin hinter Katharina Steinruck Die ehemalige Adventslauf-Gewinnerin (2008) Vera Martens vom TV Waldstraße Wiesbaden lief wieder mit und siegte in 22:20 Minuten in der W50-Altersklassenwertung Wie der Vater, so der Sohn: Hermann Richard, genannt "Heizer", konnte wegen einer gebrochenen Hand diesmal nicht das Führungsfahrrad steuern. Sohn Moritz vertrat seinen Vater mit Rentiergeweih und festlich geschmückten Mountainbike aber sehr gut, obwohl er am Abend vorher bei einem Kickbox-Wettkampf einige Blessuren davongetragen hatte

Hirsuato ist somit so etwas wie der ungekrönte König der Adventsläufe. Bereits eine Woche zuvor hatte er in Gießen einen Adventslaufrekord aufgestellt und war 10 km auf hügeliger Strecke in 30:06 Minuten gelaufen. Seine Bestzeit über 10.000 Meter liegt sogar bei 27:24,85 Minuten. Aufgestellt ebenso wie seine 5000-Meter-pb von 13:24,93 Minuten im April 2016 in Japan. "Er ist vier Jahren lang für ein japanischen Team gelaufen", erklärt Ralf Heinbach, der Hirsuato betreut. Zurück in Äthiopien wurde Hirsuato, der aus einer 100.000-Einwohner-Stadt etwa 250 Kilometer südlich von Addis Abeba stammt, in Folge der Unruhen in dem Land in den vergangenen Jahren immer unzufriedener mit der politischen Lage in seiner Heimat und sah nur noch in der Flucht nach Deutschland einen Ausweg. Seit etwa drei Monaten lebt er nun in einer Flüchtlingsunterkunft in Hessen.

"Zeigt her eure Staffeltiere!" Plüschschafe und -füchse des Titelsponsors werden beim Staffellauf über 4 x ca. 1 km von Läufer zu Läufer weitergegeben Den Mädchen von Tri Post Trier stand die Begeisterung und Freude auf dem Weg zu ihrem Staffelsieg in der Frauenwertung ins Gesicht geschrieben

Beim MTB Gießen fand er schnell eine sportliche Heimat. "Die tun alles, was möglich ist für ihn", sagt Heinbach, der eine Laufschule betreibt und 1991 selbst 10.000 Meter in 29:17,38 Minuten gerannt war. Seit vielen Jahren kommt Heinbach bereits mit Laufschützlingen zu Laufwochenenden samt Adventslaufteilnahme an die Mosel. Bei Hirsuato sieht er noch weiteres Potenzial: "Mamiyo ist fleißig und ist viel gelaufen, aber nicht systematisch und seine Trainingsbedingungen sind nicht so optimal." Denn die Bedingungen in der Flüchtlingsunterkunft sind nicht ideal. Außer an das neue gesellschaftliche und soziale Umfeld muss sich Hirsuato auch an die winterlichen Temperaturen gewöhnen, sagt Heinbach: "Was ihm viel ausmacht, ist die Kälte. Er hat in Deutschland das erste Mal überhaupt Schnee gesehen."

Sowohl Steinruck wie auch der Äthiopier liefen quasi ein Rennen gegen die Uhr und sich selbst und ließen die Konkurrenz weit hinter sich. So verhinderte Hirsuato den ersten Zeller-Adventslaufsieg eines Kenianers. Er musste fast eine Minute warten, bis er sich mit dem Kenianer Philemon Kemboi (15:02) über das Rennen unterhalten konnte.

Die jungen Läufer machten beim Staffellauf ordentlich Tempo, so dass sich das Feld schon nach wenigen Metern, wenn es in einer Rechts-Links-Kombination an der Weinlounge vorbei an die Mosel geht, schon etwas auseinandergezogen hatte

Hinter den Afrikanern elektrisierte der Vierkampf um den dritten Platz die Zuschauer. Yannick Pütz, aus Greimersburg im Kreis Cochem-Zell stammend, der Gerolsteiner Triathleten Finn Willars, Marco Müller vom LC Euskirchen und der erst 17-jährigen Louis Decker (PST Trier) zogen die Zuschauer in ihren Bann. Mit Vorteil für den für die LG Rhein-Wied startenden Lokalmatador: "Die Stimmung war wieder klasse, als hätte es keine Adventslauf-Pause gegeben", sagte der Schnellste des Quartetts überglücklich. Der 26-Jährige muss es wissen: Schon als Neunjähriger lief er beim Adventslauf mit! Mit 15:45 Minuten blieb er ebenso wie Müller (15:59) noch unter der 16-Minuten-Schallmauer. Junior Decker (16:17) kam ebenso noch in die fünf Prämienplätze, während sich Willars (16:24) am Ende noch dem Angriff von David Simon vom RSC Untermosel (16:25) erwehren musste. Bei den Frauen belegte die Ungarin Zsanett Móczó (18:15) vor Michelle Bauer (LT Schweich/18:43), Anne Meier (19:03) und der erst 15-jährigen Johanna Raßkopf (20:19, beide PST Trier) den ersten Platz.

Siegerehrung der schnellsten Frauen mit der Zeller Schwarzen Katz, Stadtbürgermeister Hans-Peter Döpgen, Siegerin Katharina Steinruck (Eintracht Frankfurt), Zsanett Móczó (Ungarn/2.), Michelle Bauer (LT Schweich/3.), Anne Meier (PST Trier/4.) und Organisationsleiter Murat Aydin vom Ruderverein Zell (von links) Die schnellste Jugendstaffel, das Team Knoppers, bekam den obligatorischen Christstollen und zusätzlich ihre namensgebende Süßigkeit
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So wie das mit gut zwei Stunden kompakte Adventslaufprogramm mit dem Staffellauf fröhlich begonnen hatte, stand auch im Abschlussrennen, dem sogenannten Genießerlauf, der Spaß im Vordergrund. Zur Adventszeit gab es passend Verpflegung vom mitlaufenden Weihnachtsmann. Die verteilten Süßigkeiten waren aber vor allem ein Dank an die Zuschauer fürs eifrige Applaudieren. Zur Siegerehrung kam sogar die Zeller Schwarze Katz, zusammen mit Bürgermeister Hans-Peter Döpgen auf die Bühne und war zusammen mit den schnellsten Läufern der Star.

Bericht von Holger Teusch
Fotos von Michael Teusch

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