2.11.25 - 54. TCS New York City Marathon

Obiri läuft Streckenrekord

Bericht und Fotos von Herbert Steffny aus New York 

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Beim 54. New York City Marathon fiel der lange überfällige Streckenrekord bei den Damen. Hellen Obiri aus Kenia, Olympiadritte von Paris 2024, schlug im Finale ihre Dauerrivalin und Landsfrau Sharon Lokedi und unterbot mit 2:19:51 Stunden die alte Marke von 2003 um 2:40 Minuten. Bei den Männern gab es ein Photofinish bei dem Benson Kipruto aus Kenia seinen Teamkollegen Alexander Mutiso um hauchdünne drei hundertstel Sekunden besiegte. Alle Podiumsplätze bei den Männern und Frauen gingen an Kenia. New York stellte einen neuen Finisherrekord mit 59.135 Läufern und Läuferinnen auf.

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Fällt der Streckenrekord bei den Frauen?

Im Vorfeld des 54. New York City Marathons konnte man sich auf mehrere Geschichten freuen. Erstens: Würde endlich der seit 2003 von der Kenianerin Margret Okayo aufgestellte Streckenrekord von 2:22:31 Stunden fallen? Das müsste doch angesichts der neuen Carbonschuhe und einer Starterinnenliste mit 11 Läuferinnen mit schnelleren persönlichen Bestzeiten, davon acht unter 2:20 Stunden drin sein. Gespannt durfte man dabei auf das New York Debüt der Olympiasiegerin Sifan Hassan aus den Niederlanden sein, die mit einer Bestzeit von 2:13:44 Stunden das Frauenfeld anführte. Zweitens: könnte es einen niederländischen Doppelsieg geben? In der Tat wäre das gar nicht so unwahrscheinlich, denn Sifan Hassan und der Vorjahressieger Abdi Nageeye sind beide eingebürgerte Niederländer und halten die nationalen Rekorde. Nageeye ist gebürtiger Somalier, Hassan stammt aus Äthiopien.

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Große Namen - Bekele und Kipchoge

Drittens: New York ist bekannt dafür, das Elitefeld akribisch zusammenzustellen. Frühere Sieger, Top-US-Amerikaner und namhafte Athleten werden bevorzugt. Wer keinen Eliteathleten Status hat, also nicht eingeladen ist, bekommt übrigens auch kein Preisgeld, selbst wenn man sich in den Top-10 platziert. In diesem Jahr hat man zwei der größten Langstreckenläufer aller Zeiten eingeladen: Kenenisa Bekele, vielfacher Olympiasieger, Weltmeister und Ex-Weltrekordler auf 5000 und 10.000 Meter und im Crosslauf. Über Marathon steht seine Bestzeit bei 2:01:41 Stunden erzielt in Berlin 2019, das ist äthiopischer Rekord und er ist die Nummer drei der ewigen Weltbestenliste.

Der andere ist kein geringerer als Eliud Kipchoge aus Kenia, Marathon Doppel-Olympiasieger, Ex-Weltrekordler, die Nummer zwei der ewigen Weltbestenliste und bereits jetzt schon eine Lauflegende. Die Crux: Bekele ist bereits 43 und Eliud wird drei Tage nach dem Marathon 41 Jahre alt. Die besten Jahre haben die beiden bereits hinter sich. Man durfte sich vielleicht auf ein interessantes Duell um die Masterskrone freuen. Ganz nebenbei wollte sich Eliud Kipchoge auch noch die bei Freizeitläufern begehrte Marathon Majors Medaille abholen, denn New York fehlte ihm noch in der Siebener Serie. Bei seinen bisherigen Auftritten in der Majors Serie konnte er 11 der Top-Marathons gewinnen!

Finisherzahl - Entthront New York London?

Viertens: würde der Finisher Rekord fallen? Im Frühling entthronte der London Marathon mit 56.640 Finishern Berlin, wo 2024 beim 50. Jubiläum 54.280 das Rennen beendeten. Damit rutschte der frühere Rekordhalter New York Marathon mit 53.627 sogar auf Platz fünf noch hinter Chicago 54.187 und Paris 54.175. Das dürfte die Organisation der New York Road Runners wurmen.

 

Die sehr guten Wetterbedingungen boten jedenfalls beste Voraussetzungen für ein Rekordrennen, sei es bei den Finisherzahlen, bei der Jagd der Elite auf die Streckenrekorde oder bei den Bestzeiten der Freizeitläufer, wobei die rund 350 Höhenmeter der Strecke das Tempo ein wenig einbremsen. Über sonniges Wetter bei 9 bis 14 Grad Celsius bei wenig Wind freuen sich nicht nur die Teilnehmer, sondern auch die Zuschauer und die Fotografen. Alles Vorzeichen für ein richtig schönes Marathonfest.

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Frauen beginnen verhalten

Die 23 Elite Frauen starteten eine halbe Stunde vor den Männern. Beide Eliterennen haben keine Tempomacher, was natürlich auch dazu führt, dass keiner die Verantwortung und die Last des Tempomachens übernehmen will. Die Freizeitläufer hingegen haben wie gewohnt Brems- und Zugläufer für bestimmte Zielzeiten. Zu Beginn zeigten sich vor allem die US-Amerikanerinnen in vorderster Front, die Afrikanerinnen hielten sich noch zurück. Fünf Kilometer wurden dann allerdings angeführt von Hellen Obiri und in 17:05 Minuten durchlaufen, also eher gemütlich auf 2:24 Stunden hinführend. Die Gruppe bestand auch bei diesem Tempo noch aus 17 Läuferinnen. Sifan Hassan hielt sich erwartungsgemäß weiter hinten auf. Sie war sich im Vorfeld auch nicht so sicher wie sie den Sieg vor neun Wochen beim Sidney Marathon weggesteckt hätte.

Frauen bei Halbmarathon - das Führungsquartett setzt sich ab, Sifan Hassan verliert den Anschluss ... ... und bei Meile 25 - Sifan Hassan mit Problemen

Keniaexpress auf Rekordjagd

Bei 10 Kilometern wurde es bereits schneller. In 33:53 Minuten lief die Titelverteidigerin Sheila Chepkirui in Richtung 2:22 Stunden. Das Feld reduzierte sich auf 13 Läuferinnen. Auf der Pulaski Bridge entgeht der Elite wahrscheinlich die Aussicht auf die sich ständig wandelnde Skyline Manhattans, hier war die Halbmarathonzwischenzeit mit 1:11 Stunden auf Kurs Streckenrekord. Die Kenianerinnen Chepkirui, Obiri und Lokedi übernahmen die Führungsarbeit. Nur die US-Amerikanerin Fiona O'Keeffe konnte Kontakt halten. Sifan Hassan war leicht zurückgefallen, schloss aber bei 30 Kilometern wieder zu der Vierergruppe auf. Bei 35 Kilometern im wellig nach oben führenden Central Park war das Kenia Trio unter sich. O'Keeffe hatte bereits 38 Sekunden Rückstand und Hassan über eine Minute, aber das Tempo zog weiter an. Bei 40 Kilometern waren die beiden Dauerkontrahentinnen Lokedi und Obiri wieder unter sich und liefen nebeneinander zu einem spannenden Finish, dass diesmal anders als in Boston im Frühjahr Obiri für sich entschied. Mit 6:53 Minuten für die letzten 2,195 Kilometer bergan auf der 59th Street drehte sie diesmal den Spieß um und brach den Widerstand ihrer Landsfrau, die 16 Sekunden dahinter einlief.

Bei Meile 25 im Zweikampf - Lokedi und Obiri Daniela lief am 33. Geburtstag ihren 14. Marathon

Hellen Obiri wiederholte ihren Erfolg von 2023 und wurde mit 100.000 Dollar für Sieg und zusätzlich 50.000 Dollar für den Streckenrekord in 2:19:51 Stunden entlohnt. Lokedi konnte sich mit 60.000 und Chepkirui mit 40.000 Dollar trösten. Zahltag gab es dahinter allerdings auch für die US-Amerikanerinnen. O'Keeffe kassierte 25.000 Dollar für Platz vier in guten 2:22:49 Stunden und als schnellste US-Amerikanerin gab es obendrein nochmal dieselbe Summe. Sifan Hassan beendete das Rennen im Central Park letztlich als Sechste in für sie langsamen 2:24:43 Stunden. Es wurde also nichts mit dem niederländischen Doppelsieg.

Photofinish im Männerrennen

Auch bei den Männern lief das Finale auf einen spannenden Zweikampf hinaus. Wie bei den Frauen begann das Rennen verhalten, 10 Kilometer in 30:22 Minuten und Halbmarathon in 1:05:18 Stunden durchliefen noch 22 Läufer gemeinsam. Bis 30 Kilometer zog das Tempo an und das Feld reduzierte sich auf eine Achtergruppe. Bei 37 Kilometern im Hügelland des Central Parks setzten sich die drei Kenianer Benson Kipruto, John Korir, Emmanuel Mutiso und der Brite Patrick Dever ab. Das Quartett halbierte sich zwei Kilometer vor dem Ziel. Ausgangs des Central Parks auf der 860 Meter langen ansteigenden 59th Street liefen Mutiso und Kipruto schließlich Seite an Seite bis kurz vor das Ziel als Mutiso, London Marathon Sieger von 2024, bereits einen kleinen Rückstand aufwies, sich aber nochmals auf den letzten Metern von hinter heran kämpfte, um aber dann letztlich doch im Photofinish um nur drei hundertstel Sekunden in 2:08:09 Stunden zeitgleich zu unterliegen.

Männer bei Halbmarathon - Eliud Kipchoge noch in vorderster Reihe, rechts der spätere Sieger Kipruto Zweikampf Nr. 2 bei Meile 25 - Mutiso und Kipruto

Beide rissen im Ziel die Arme hoch, aber Kipruto behielt die Oberhand. Man fühlte sich an das Finale der Weltmeisterschaft in Tokio erinnert, als der Deutsche Amanal Petros ähnlich knapp Alphonce Felix Simbu aus Tansania unterlag. Danach lagen sich die beiden New Yorker Kontrahenten aber lachend in den Armen. Kipruto konnte seinen Majors Siegen in Chicago 2022, Boston 2022, und Tokio 2024 nun auch den Erfolg in New York hinzufügen. Hinter dem Duo machte John Korir, Sieger im Central Park 2021, auch bei den Männern das Kenia Triple in 2:08:57 Stunden eine Sekunde vor Patrick Dever perfekt. Dahinter erkämpfte sich der Schweizer Matthias Kyburz einen exzellenten fünften Platz in 2:09:55 Stunden. Damit übertraf er seinen Landsmann und Trainingsberater Viktor Röthlin, der 2005 hier Siebter in 2:11:44 Stunden wurde. Zudem hat der Ex-Orientierungslauf Weltmeister 2025 auch mit 2:06:48 Stunden eine schnellere Bestzeit als sein Mentor in Valencia erzielt.

Eliud Kipchoge World Tour

Matthias Kyburz wird hervorragender Fünfter
Eliud Kipchoge mit Begleitung Devrin Meyrer wird schnellster Deutscher

Während der Titelverteidiger Abdi Nageeye und auch fast zu erwarten der stets unstete Kenenisa Bekele das Rennen bei 29 bzw. 27 Kilometern aufgaben, hielt Eliud Kipchoge, der unterwegs viel Beifall erhielt bis zum Ende durch. Er spielte im Finale keine Rolle mehr und erreichte nur noch Platz 17 in 2:14:36 Stunden, die schlechteste Zeit und Platzierung seiner Karriere. Nach dem Rennen gab er bekannt, dass er in den nächsten zwei Jahren sieben Marathons auf sieben Kontinenten laufen möchte, ja auch in der Antarktis. Er benannte das die "Eliud Kipchoge World Tour", um für Erziehungs- und Umweltprojekte finanzielle Mittel zu erlaufen. Bisher lief er für Titel und Rekorde und nun für einen guten Zweck. Der Mann kann einfach nicht aufhören.

Rekord - 59.135 Finisher!

Am Tag nach dem Rennen erst wurden die Finisherzahlen bekanntgegeben und damit konnte man im Vorfeld bereits rechnen: "Big Apple" strikes back!. New York holte sich wieder die Krone des weltgrößten Marathons zurück. 59.135 Läufer und Läuferinnen überquerten die Ziellinie im Central Park bei Tavern on the Green. Der Frauenanteil beträgt hohe 45,9 Prozent. Zum Vergleich in Berlin liegt dieser bei rund 34 Prozent. Schnellster Deutscher unter 1369 Finishern war der in Plymouth/USA wohnende Devrin Meyrer. Der 27-Jährige kam als Gesamt 27ster in 2:20:50 Stunden ins Ziel. Bei den Damen war Katharina Engelhardt aus Königsbrunn in Bayern in 2:49:49 Stunden die Schnellste. Die 33-Jährige belegte damit Platz 50 bei Frauen. Die Altersklasse der Masters M40 gewann der Marathon Europameister von 2014 Daniele Meucci in 2:10:40 Stunden, bei den Damen Stephanie Bruce aus den USA in 2:33:26 Stunden. Der älteste Finisher war der Japaner Koichi Kitabatake in 7:25:13 Stunden. Die Letzten kamen in über 12 Stunden ins Ziel.

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Die 10 schnellsten Frauen und Männer des TCS New York City Marathon 2025
Frauen Zeit Männer Zeit
Hellen Obiri (KEN)
2:19:51 CR
Benson Kipruto (KEN)
2:08:09
Sharon Lokedi (KEN)
2:20:07
Alexander Mutiso (KEN)
2:08:09
Sheila Chepkirui (KEN)
2:20:24
Albert Korir (KEN)
2:08:57
Fiona O'Keeffe (USA)
2:22:49
Patrick Dever (GBR)
2:08:58
Annie Frisbie (USA)
2:24:12
Matthias Kyburz (SUI)
2:09:55
Sifan Hassan (NED)
2:24:43
Joel Reichow (USA)
2:09:56
Jessica Warner-Judd (GBR)
2:24:45
Charles Hicks (USA)
2:09:59
Emily Sisson (USA)
2:25:05
Sondre Moen (NOR)
2:10:15
Amanda Vestri (USA)
2:25:40
Tsegay Weldlibanos (ERI)
2:10:36
Fionnuala McCormack (IRL)
2:27:00
Joe Klecker (USA)
2:10:37
DNF. Molly Seidel (USA) 12. Hillary Bor (USA) - 2:10:40
17. Eliud Kipchoge (KEN) - 2:14:36
DNF. Kenenisa Bekele (ETH)
TCS New York City Marathon 2025 - Wheelchair
Frauen Zeit Männer Zeit
1. Susannah Scaroni (USA)
1:42:10
1. Marcel Hug (SUI)
1:30:16
2. Tatyana McFadden (USA)
1:47:54
2. David Weir (GBR)
1:34:09
3. Catherine Debrunner (SUI)
1:47:56
3. Tomoki Suzuki (JPN)
1:36:28
4. Manuela Schar (SUI)
1:50:03
   
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Anm.d.Red.: Herbert Steffny lief 1984 in 2:16:22 auf Platz 3 beim New York City Marathon.
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Für LaufReport aus NYC berichtet Herbert Steffny
Text und Fotos Copyright: Herbert Steffny

Herbert Steffny im Internet www.herbertsteffny.de
Info & Ergebnisse www.tcsnycmarathon.org

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