1.11.25 - 28. Hockenheimringlauf

Zwei Sensationen auf einen Streich - Hockenheimringlauf mit Dramatik und Rekord

von Birgit Schillinger 

 

"Ich heiße Reh, war ein Hase und nehme auch ein anderes Tier", erklärte Alina Reh nach dem Lauf: Sie hatte fast neun Kilometer als Zugpferd gegen den Wind den gejagten Hasen "gespielt" und zog im Ziel verschwitzt auch dankend die wärmende Puma-Jacke ihrer Konkurrentin über.

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Die 28. Auflage des Hockenheimringlaufs lockte 2100 Starter auf den Rennasphalt
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Es gab schon öfter dramatische, spannende Renngeschehen mit Topergebnissen beim Hockenheimringlauf. Aber die 28. Auflage übertraf dies mit zwei Sensationen. Sensation Nummer eins war, dass zwei Frauen über zehn Kilometer den 1000 Startern bis kurz vor dem Ziel voranliefen. Sensation Nummer zwei lieferte ein 15jähriger Triathlet, der durch einen unerwarteten Endspurt sich noch den Gesamtsieg ersprintete.

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Die beiden deutschen Spitzenathletinnen Alina Reh (SSV Ulm) und Domenika Mayer (LG Regensburg) gingen als Favoritinnen ins Rennen. Die organisierende ASG Tria Hockenheim betont, eine Breitensportveranstaltung anzubieten, und zahlt daher keine Antrittsgelder. Dennoch kommen Eliteläufer gerne und duellieren sich hier.

Zu Beginn des Rennens der Dritt- und Zweitplatzierte Lars Herb und Nico Formella neben Alina Reh, vom späteren Sieger noch nichts zu sehen Alina Reh (vorn) und Domenika Mayer im Rennen um Platz 1

Domenika hatte erfahren, dass Alina starten würde - und sich kurzfristig angemeldet. Und dann wollten die beiden die schnelle, flache Strecke nutzen, um "am liebsten unter 32 Minuten" zu laufen. Die 35jährige Domenika Mayer ist mehrfache deutsche Meisterin (10km und Marathon). Die 28jährige Alina Reh hatte durch langwierige Verletzungen mehrere Rückschläge einstecken müssen und kehrt diese Saison wieder in die deutsche Elite zurück. Während Domenika mit Familie schon am Vortag angereist war, ging Alina morgens um 5 Uhr aus dem Haus - als andere Horrorgestalten in der Nachbarschaft von einer Halloweenparty zurückwankten.

Alina - bestens ausgeschlafen - sorgte für das Tempo, aber die beiden Athletinnen konnten wegen des Windes den Schnitt nicht halten. Auf dem letzten Kilometer ging Domenika nach vorne und so unterboten beide mit 32:15 beziehungsweise 32:17 Minuten Lisa Merkels letztjährigen Streckenrekord von 32:31 deutlich.

"Dass er uns noch gekriegt hat", ärgerte sich Alina ein wenig. Emilian Huber (LLG Wonnegau) kam noch angeschossen und sicherte sich den Sieg in starken 32:10 Minuten - so schnell wurde in den letzten Jahren in Hockenheim nicht mehr gewonnen. Der 15jährige Schüler trainiert Triathlon: fünf Mal in der Woche Schwimmen, jeweils zwei bis drei Mal Lauf und Rad. Der Neuntklässler eines Frankenthaler Gymnasiums nutzt die unterrichtsfreien Nachmittage öfter für zwei Einheiten. Mit diesem Talent und Fleiß hat er es zur Bronzemedaille bei den deutschen Triathlon-Jugendmeisterschaften geschafft. Hockenheim war erst sein dritter Lauf über zehn Kilometer und Emilian verbesserte seinen persönlichen Rekord um fast zwei Minuten. Den Namen wird man sich merken müssen.

Der 15jährige Triathlet Emilian Huber von der LLG Wonnegau holt sich am Ende den Gesamtsieg im 10km Rennen. Nico Formella (Lauffreunde in Freiburg) und Lars Herb aus Nagold sichern sich die Plätze 2 und 3 in 32:46 und 32:49 Domenika Mayer (LG Regensburg) und Alina Reh (SSV Ulm) "blieb nur" Gesamtplatz 2 + 3. Antonia Schiel (LAV Stadtwerke Tübingen) war in 33:49 min drittschnellste Frau über 10km

Auch über fünf Kilometer schenkten sich die Läufer nichts: Innerhalb von zwei Sekunden kamen die ersten vier Athleten ins Ziel. 15:20 Minuten reichten dem 17jährigen Tim Müller (LG Rülzheim) zum Sieg eine Sekunde vor Henri Stöckermann (VfL Sinsheim). Tim ist süddeutscher 3000m-Meister der U18 und macht gerade eine Ausbildung zum Fluggerätemechaniker in Speyer. Adeline Haisch (LG Region Karlsruhe) war zum ersten Mal auf dem Ring: "weil alle immer von der Strecke geschwärmt hatten". Die 25jährige Werkstudentin siegte in 16:49, sonst ist sie 1500m-Spezialistin mit einer Bestzeit von 4:18 Minuten.

Das 5km-Feld kurz nach dem Start mit dem späteren Sieger Tim Müller (blaues Shirt) vorn

Mit viel Hintergrundwissen moderierte zum fünften Mal Samuel Schwake: Vor dem Start gab er Infos zu den Favoriten und während des Rennens zu den Positionen. Im Ziel entlockte er den glücklichen Siegern nette Aussagen.

Die Deutsche-Titel-Rekordhalterin Sabrina Mockenhaupt-Gregor lief auf Frauenrang sechs. Die 45jährige gehört mit 35:21 Minuten in ihrer Altersklasse zur Weltspitze. "Ja, Hockenheim ist immer geil. Bin mega zufrieden - ohne Carbon und mit Kondition", freute sie sich und begrüßte einen Platz und eine Minute dahinter gleich ihre 26jährige Trainingspartnerin Laura Hampel, die eigentlich Bergläuferin ist. Als Sprecher Samuel die beiden mit "Ihr seid die Zierde des Laufes" verabschiedete, meinte "Mocki" augenzwinkernd: "Und auf dieser Schleimspur fahren wir jetzt nach Hause."

Hier joggt Merle (rosa Shirt) locker mit ihrer Schwester Johanna Die 45jährige (!) Sabrina Mockenhaupt-Gregor (rechts) kam mit starken 35:21 ins Ziel, einen Platz vor ihrer Trainingspartnerin Laura Hampel

Und wo ist Merle? Die vierfache Duathlon-Weltmeisterin und 29. Frau auf Hawaii vor drei Wochen war ebenfalls als Topläuferin angekündigt. Aber sie lief locker lächelnd im Mittelfeld: "Ich habe meine Schwester Johanna, die erst mit dem Laufen angefangen hat, gezogen", erklärte sie. Merle möchte auch nächstes Jahr wieder den Schwerpunkt auf den Triathlon legen. "Im Schwimmen ist noch Luft nach oben." Wie sie das überhaupt schafft: Sie arbeitet Vollzeit als Ärztin in der Neuroradiologie am Heidelberger Uniklinikum und baut noch 15-17 Trainingsstunden in ihre Woche ein!

Für jede Leistungs- und Altersklasse eine Startmöglichkeit: Bambini-, Schüler-, 5km- und 10km-Lauf stehen zur Wahl. Der Hockenheimringlauf ist ein Garant für Qualität und Quantität. Die 28. Auflage lockte 2100 Starter auf den Asphalt. Damit ist der Wettbewerb eine der größten Volkslaufveranstaltungen der Region. Dieses Jahr profitierte die ASG davon, dass der erste November - nur in katholisch geprägten Bundesländern ein Feiertag - auf einen Samstag fiel, denn damit konnten auch beispielsweise Läufer aus Hessen teilnehmen. Auf den gigantischen Zuschauerrängen herrscht zwar Leere, aber am Rand stehen viele anfeuernde Fans. Auf der breiten Piste können die Teilnehmer nebeneinander laufen, die Kurven sind für hohes Tempo ausgelegt - alles sehr motivierend für ein gutes Ergebnis. Die flache Strecke ist amtlich vermessen, daher bestenlistenfähig.

Für die Schüler gab es Pokale, die darauf sehr stolz waren. (Die Erwachsenen freuten sich dann über den Siegerwein.) In der Boxengasse bot die Sportartikelmesse wieder viele attraktive Schnäppchen
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120 Helfer der ausrichtenden ASG Tria Hockenheim unter der Leitung von Oskar Stephan sind ein eingespieltes Team. Die Boxengasse bietet einen "Reifenwechsel" in Form eines Laufschuh oder Klamotten-Kaufs und "Auftanken" von Kuchen und Brötchen, was wieder rege genutzt wurde.

Birgit Schillinger

Bericht von Birgit Schillinger
Fotos von Ekkehard Gübel & Brigit Schillinger & Holger Czäczine

Ekkehard Gübel
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Ergebnisse my.raceresult.com Info www.asgtria-hockenheim.de
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