6.11.22 - TCS New York City Marathon

Doppelsieg für Kenia in New York

Bericht und Fotos von Herbert Steffny aus New York 

Direkt zu den Ergebnissen des TCS New York City Marathon 2022 HIER

Mit einem kenianischen Doppelsieg endete der 51. New York City Marathon bei zu fast sommerlichen Bedingungen im Central Park. Während sich bei den Männern mit Evans Chebet in 2:08:41 Stunden ein Top-Favorit durchsetzen konnte, sorgte bei den Frauen Sharon Lokedi als Debütantin für eine faustdicke Überraschung. Die wenigen Experten bekannte Kenianerin schlug hochdekorierte Konkurrentinnen und siegte in 2:23:23 Stunden. Aus deutscher Sicht überraschte Hendrick Pfeiffer nur eine Woche nach seinem Start in Frankfurt mit Platz 16.

Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Nach der Coronapause 2020 und einem unter starken Einschränkungen gestarteten Marathon 2021 war in diesem Jahr zur 51. Auflage in New York City nahezu schon wieder Normalität eingekehrt. Über 50.000 Starter, doppelt so viele wie im Vorjahr, brachten den alten Glanz nach Big Apple zurück. Strahlender Sonnenschein und aller schönstes Herbstwetter machten den New York Aufenthalt am Wochenende für Touristen äußerst angenehm, wenn da nicht 42,195 Kilometer zu laufen gewesen wären. Zudem bescherte ein östlich von New York ziehendes Hoch eine leichte Brise Rückenwind, allerdings mit feuchtwarmer Luft in die Five Boroughs, die fünf Stadtteile Staten Island, Brooklyn, Queens, Bronx und Manhattan, die zu durchlaufen waren. Die Temperaturen kratzten mit 20 Grad und 81 Prozent Luftfeuchte am Start und bis zu 24 Grad später im Central Park an den Rekordwerten, die immer noch aus dem Jahre 1984 mit 26 Grad und 90 Prozent Luftfeuchte stehen. Gegen Hälfte des Rennens kam Bewölkung auf und sogar leichter Nieselregen, ohne dass es aber dabei merklich abkühlte.

 

Das Elitefeld war wieder eine Mischung aus nicht allzu vielen internationalen Stars und Top-US-Läufern, so gestrickt, dass die heimischen Läufer bei einer guten Leistung durchaus eine Chance haben, einen Teil vom Preisgeldkuchen wegzuschnappen. 100.000 Dollar gab es für Sieg und 50.000 Dollar für die Streckenrekorde bei Männern und Frauen, die aber angesichts des Wetters weiterhin Bestand hatten. Neu und im Zeitgeist der Stadt war ein Preisgeld von 5.000 Dollar für den Sieg in der "Non-Binary-Division", also "Diverse". Zum Zeitpunkt der Anmeldung musste man sich als zu dieser wohl äußerst heterogenen Gruppe wie auch immer zugehörig identifiziert haben. Tempomacher gibt es in New York nicht für die Elite, wohl aber für 3:00 bis 6:00 Stundenläufer als Zugläufer.

Banner anklicken - informieren
LR-Info Rhein-Ruhr-Marathon Duisburg HIER

Die Spitzengruppe der Frauen bei Meile 14 Die Israelin Lohna Salpeter und die Kenianerin Sharon Lokedi bei Meile 25

Zurück zum Elitefeld, dass bei den Männern von dem 2:03:00 Läufer Evans Chebet aus Kenia angeführt wurde. Der Sieger u.a. von Valencia 2020 und Boston 2021 hatte es mit dem Titelverteidiger und Landsmann Albert Korir zu tun, der mit 2:08 Stunden von seiner Bestzeit zwar nur der Achtschnellste im Teilnehmerfeld war, aber neben seinem Vorjahrssieg mit einem zweiten Platz 2019 sich als New York Spezialist empfahl. Die US-amerikanischen Hoffnungen lagen natürlich auf dem 2:06:07 Stunden Läufer Galen Rupp, der 2017 Chicago und bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro Marathon-Bronze gewann.

 

Bei dem separat 25 Minuten vor den Männern gestarteten Damenrennen durfte man gespannt sein, wie sich die Weltmeisterin Gotytom Gebreslase (2:18:11 Stunden) aus Äthiopien auf dem welligen rund 350 Höhenmeter aufweisenden Kurs gegen die auf dem Papier schnellere Israelin und Ex-Kenianerin Lohna Salpeter (2:17:45 Stunden) schlagen würde. Auch auf das Debüt der Kenianerin Helen Obiri war man im Vorfeld gespannt. Die zweifache 5.000 Meter und Crosslauf-Weltmeisterin ließ bereits im Frühling durch einen in 64: 22 Minuten gelaufenen Halbmarathon aufhorchen.

Banner anklicken - informieren
LR-Info zum ADAC Hannover Marathon HIER

In beiden Rennen zeigten sich zunächst - vielleicht getragen von der Euphorie und dem frenetisch anfeuernden Publikum - wieder die Helden der ersten Stunde. Bei den Damen war es zuerst nach 10 Kilometern (34:26 Minuten) der US-Amerikanerin Desiree Linden zu langsam, um später unter der Rubrik "ferner liefen" als 16. in 2:32:37 Stunden einzutrudeln. Bei den Männern stürmte der Südamerikameister über 10.000 Meter Daniel do Nascimento gar allein auf weiter Flur auf Weltrekord-Pace (10 Kilometer 28:42 Minuten, Halbmarathon 1:01:22 Stunden) über die blaue Linie gen Manhattan. Der Soloritt des Brasilianers wurde aber von dem Mann mit dem Hammer nach 32 Kilometern unterbrochen. Erst war es ein Toilettenbesuch, dann eine fällige Gehpause, schließlich lag er erschöpft neben der Strecke auf dem Asphalt. Die New Yorker Strecke bestraft Respektlosigkeit eben auf der zweiten Hälfte.

Daniel do Nascimento bei Meile 14 Evans Chebet bei Meile 25

An gleicher Stelle zog Evans Chebet aus der kleinen, zeitweilig über zwei Minuten zurückliegenden Verfolgergruppe das Tempo an, zersprengte die Truppe und konnte nicht immer ganz souverän wirkend letztlich seinen kleinen Vorsprung vor dem Äthiopier Shura Kitata halten. Bei den Frauen war das Finale spannender, denn bis Meile 25 kamen durchaus noch drei Kandidatinnen für den Sieg in Betracht. Doch dann zog die unbekannte Sharon Lokedi an und konnte sich von den prominenteren Kontrahentinnen absetzen. Sich immer wieder umdrehend überraschte sie sich selbst mit ihrem Sieg in 2:23:23 Stunden, hatte sie doch bisher nur kleinere Rennen in den USA gewonnen, aber immerhin eine Bestzeit von 30:48 Minuten über 10.000 Meter vorzuweisen. Die 28-Jährige aus Eldoret studierte an der University of Kansas und bereitete sich in einem längeren Trainingslager in Kenia auf den Marathon vor. Dahinter sicherten sich in guten Zeiten Lohna Salpeter (2:23:30 Stunden) und Gotytom Gebrselase (2:23:39 Stunden) die Podiumsplätze. Helen Obiri landete beim Debüt unter den Erwartungen auf Platz sechs in 2:25:49 Stunden. Vielleicht vergeudete sie mit ihrem Laufstil, einem langen, raumgreifenden Schritt zu viel Energie über die Marathondistanz.

Schnellster Deutsche Hendrick Pfeiffer Schnellste Deutsche Lisa Schmitt "Non-Binary" Sieger, der US-Amerikaner Jacob Caswell

Der deutsche Topläufer Hendrick Pfeiffer wollte ursprünglich in New York starten, bekam aber keinen Platz mehr im Elitefeld. Alternativ lief er daher eine Woche zuvor in Frankfurt in guten 2:11:28 Stunden auf einen beachtlichen siebten Platz. Da die New York Reise aber bereits gebucht war, wollte der Düsseldorfer dennoch die Strecke in Angriff nehmen, "so in 3:30er bis 3:50er Schnitt" wie er uns als Gast bei InterAir Laufreisen zuvor im Interview andeutete, also eine Zielzeit von plus minus 2:35 bis 2:40 Stunden. Die Beine seien noch etwas schwer. War es das Publikum, Adrenalin oder Verärgerung über die Veranstalter? Aus der zweiten Startreihe lief er allein auf weiter Flur hinter der Elite her, durchrannte Halbmarathon auf 2:16er Kurs, musste dann aber doch der Wärme Tribut zollen. Immerhin gelang ihm noch Platz 16 in erstaunlichen 2:22:31 Stunden. Ob das allerdings die optimale Regeneration nach dem Frankfurt Marathon war, möchte ich anzweifeln. Mit der erworbenen Streckenkenntnis wäre dem 29-Jährigen zukünftig, wenn er seine Konzentration auf eine Karte bündelt, aber durchaus eine gute Leistung in New York zuzutrauen.

Als schnellste Deutsche kam Lisa Schmitt aus Lahnau in 3:04:18 Stunden auf Platz 62 im Frauenfeld. Insgesamt finishten 1.318 Deutsche.

Nach rund 25.000 im Vorjahr beendeten 2022 wieder standesgemäße 47.743 "LäuferInnen" aus 120 Ländern das Rennen im Central Park. Es war die 50. Auflage, in der Frauen offiziell zugelassen waren und die erste für eine neue Division: 45 "Non-Binary", also die Rubrik Diverse finishten in einer eigenen Wertung. Als Schnellster heimste der US-Amerikaner Jacob Caswell in 2:45:11 Stunden 5.000 Dollar Siegprämie ein. Etwas langsamer war der frühere Schweizer Spitzenläufer Viktor Röthlin, der in 2:58:58 Stunden gerade noch die 3:00 Stundengrenze unterbot. In der Rubrik "Promi-Klatsch" begleitete die frühere New York Siegerin Shalane Flanagan den "US-Bachelor" Matthew James zu 3:46:45. Kreischalarm bei den weiblichen Fans, man konnte deutlich hören, wo der Mädchenschwarm lief. Und noch ein Schauspieler: "Two and a half man" Star Ashton Kutcher schaffte beim Debüt gute 3:54:01 Stunden. Last not least - die 42-jährige Präsidententochter Chelsea Clinton kämpfte sich in 4:20:34 Stunden durch.

Für die richtige Marathon-Vorbereitung:

Das große Laufbuch
von Herbert Steffny
Das umfassende Standardwerk mit bewährten 10k, Halb-, Marathon-Trainingsplänen. Erweiterte Neuauflage, jetzt 448 Seiten,
Südwestverlag 2019

mehr Info zu den Laufbüchern

... mehr zum Vogel Kalender 2023 im LaufReport HIER

Die 10 schnellsten Frauen und Männer des TCS New York City Marathon 2022
Frauen Zeit Männer Zeit
Sharon Lokedi (KEN)
2:23:23
Evans Chebet (KEN)
2:08:41
Lonah Chemtai Salpeter (ISR)
2:23:30
Shura Kitata (ETH)
2:08:54
Gotytom Gebreslase (ETH)
2:23:39
Abdi Nageeye (NED)
2:10:31
Edna Kiplagat (KEN)
2:24:16
Mohamed El Aaraby (MAR)
2:11:00
Viola Cheptoo (KEN)
2:25:34
Suguru Osako (JPN)
2:11:31
Hellen Obiri (KEN)
2:25:49
Tetsuya Yoroizaka (JPN)
2:12:12
Aliphine Tuliamuk (USA)
2:26:18
Albert Korir (KEN)
2:13:27
Emma Bates (USA)
2:26:53
Daniele Meucci (ITA)
2:13:29
Jessica Stenson (AUS)
2:27:27
Scott Fauble (USA)
2:13:35
Nell Rojas (USA)
2:28:32
Reed Fischer (USA)
2:15:23
...62. Lisa Schmitt (GER)
3:04:18
... 16. Hendrik Pfeiffer (GER)
2:22:31
  DNF Daniel do Nascimento (BRA)
DNF Galen Rupp (USA)
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Anm.d.Red.: Herbert Steffny lief 1984 in 2:16:22 auf Platz 3 beim New York City Marathon.
Zum Portrait im LaufReport HIER

Für LaufReport wird aus NYC berichten: Herbert Steffny
Text und Fotos Copyright: Herbert Steffny

Herbert Steffny im Internet www.herbertsteffny.de
Info & Ergebnisse www.tcsnycmarathon.org

Zu aktuellen Inhalten im LaufReport HIER

© copyright
Die Verwertung von Texten und Fotos, insbesondere durch Vervielfältigung oder Verbreitung auch in elektronischer Form, ist ohne Zustimmung der LaufReport.de Redaktion (Adresse im IMPRESSUM) unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urhebergesetz nichts anderes ergibt.

Datenschutzerklärung