19.11.22 - 31. TUSEM Blumensaat-Lauf in Essen

Immer wieder schön und schnell

von Jörg Engelhardt 

585 Finisher in beiden Wettbewerben sorgen auch diesmal wieder für ein atmosphärisch gelungenes Läuferfest mit sportlich teilweise sehr eindrucksvollen Leistungen, die in der Spitze auch von Aktiven aus Norddeutschland und Baden-Württemberg erbracht wurden.

 

Der Blumensaatlauf sorgt traditionell immer am dritten Samstag im November für schnelle Zeiten auf einer landschaftlich schönen Pendelstrecke und zieht dabei auch immer Spitzenläufer aus ferneren Gefilden an. Letztes Jahr sorgte eine beträchtlich große Anzahl Niederländer für herausragende Ergebnisse im 10-Km-Lauf der Männer.

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Ties van den Hurk gelang es sogar als erster Mann in der schon recht langen Geschichte dieser Veranstaltung unter 30 Minuten zu bleiben. Ein neuer Streckenrekord war dieses Jahr also nicht zu erwarten.

Der Blumensaatlauf sorgt für schnelle Zeiten auf einer landschaftlich schönen Pendelstrecke
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Doch dafür sollten der Halbmarathon, sowie der 10-Km-Lauf der Frauen für die diesjährigen Glanzpunkte der Veranstaltung sorgen. Insbesondere die Siegerzeiten im Halbmarathon waren wohl die schnellsten seit Jahren. Auch die Leistungsdichte im Vorderfeld des 10-Km-Laufs war einmal mehr ziemlich beeindruckend.

 

Im Männerrennen schafften es alleine schon die ersten 9 Finisher, ihren Lauf in weniger als 33 Minuten zu Ende zu bringen und gar die ersten 37 brachten eine Endzeit von unter 36 Minuten ins Ziel. Bei den Frauen schafften es immerhin noch 9 Teilnehmerinnen, unter der 40-Minuten-Marke zu bleiben. Die Spitzenläuferschar der letzten Jahre ist dem Lauf also auch diesmal wieder treu geblieben. Lediglich die breite Masse der Freizeitläufer hat sich auch diesmal wieder stark zurückgehalten.

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Denn an die teilnehmerstarken Auflagen aus den Zeiten vor Corona reichte die diesjährige Veranstaltung bei weitem nicht heran. Insgesamt zählte man lediglich 13 Zieleinläufe mehr als im Vorjahr, als allerdings auch noch ein 5-Km-Nachwuchslauf mit Regionalmeisterschaften zur Austragung kam. Ein leichtes Teilnehmer- wie auch Finisher-Plus war also durchaus zu verzeichnen, wenn auch nicht in dem Ausmaß, wie sich das die veranstaltende TUSEM-Leichtathletikabteilung gewünscht hätte. Organisationsleiter Stefan Losch zeigte sich ein bisschen ratlos: "Der Corona-Knick ist wirklich da. Auch wenn ich mir langsam nicht mehr erklären kann, warum das so ist. Eigentlich müssten die Leute doch froh sein, dass es wieder Läufe gibt, oder die Langzeitschäden infolge von Corona lassen viele Läufer nicht mehr in den aktiven Laufsport zurück."

Das Colosseum Theater war zwischen 1994 und 2010 das Musicaltheater der Stadt Essen. Mittlerweile befindet es sich im Eigentum der RAG Stiftung und des Energieversorgungs-unternehmens EON. Theateraufführungen finden hier seit 2020 nicht mehr statt. Stattdessen nutzen es seine jetzigen Eigentümer gelegentlich als Zentrum für Innovation Auch bei schmuddelig grauem Novemberwetter bietet das Hardenbergufer am Baldeneysee eine imposante Kulisse für den Blumensaatlauf

Sei es wie es sei, von Seiten des Veranstalters wurde alles Menschenmögliche in die Wege geleitet, um den Teilnehmenden ein schönes Lauferlebnis im Spätherbst zu ermöglichen. Am Wetter konnte es auch nicht liegen. Zwar kam die Tagestemperatur kaum über 2 Grad Celsius hinaus, dennoch blieb es bei leicht bewölktem Grauschleier durchgängig trocken und der ziemlich starke Wind, der am frühen Morgen noch durch die Essener Innenstadt fegte, hatte sich schon vor dem Start verflüchtigt. Ansonsten waren die Voraussetzungen, für einen schönen schnellen Landschaftslauf perfekt. Lediglich, die Großsporthalle Kupferdreh stand wegen einer anderen Veranstaltung nicht zur Verfügung, was aber nicht ins Gewicht fiel. Duschmöglichkeiten gab es bei den anderen Vereinen rundherum und die Kuchentheke befand sich ausnahmsweise mal im Freien, kurz hinter dem Zieleinlauf, wo dann auch die Siegerehrungen abgehalten wurden. Den Aktiven hatte es also an nichts gefehlt. Dennoch blieben viele Stammgäste aus früheren Jahren der aktuellen Auflage fern, was aber Gott sei Dank keine negativen Auswirkungen auf die sportlichen Resultate hatte. Denn die waren, wie bereits erwähnt, wieder einmal mehr sehr gut.

10-Km-Lauf

Die kürzere Strecke lockte wieder weit mehr Teilnehmende an das Hardenbergufer, als die Halbmarathondistanz. 126 Frauen und 285 Männer konnten diese Herausforderung erfolgreich meistern. Bei den Männern machten erst einmal zwei Laufathleten aus norddeutschen Gefilden das Tempo.

 

Dustin Karsch vom Osnabrücker TB und David Valentin (LT Haspa Marathon Hamburg) setzen sich gleich am Anfang vom Rest des Feldes ab. Die beiden sollten auch den Sieg unter sich ausmachen. Am Ende hatte Dustin Karsch mehr zuzusetzen und sicherte sich den Tagessieg nach 31:04 min. Nur drei Sekunden später folgte ihm der knapp geschlagene David Valentin ins Ziel. Den letzten freien Podestplatz sicherte sich ein Akteur aus dem Bergischen Land. Tim Wagner (Bunert Wuppertal) sprang mit einer Endzeit von 31:23 min. auf das Treppchen und verwies Jan Kaufmanns (LSF Münster) in 31:41 auf den undankbaren vierten Platz. Wenigstens konnte sich dieser in der MHK noch hinter David Valentin und Tim Wagner auf Rang 3 platzieren.

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Im Schatten des Führungsrades strebt Dustin Karsch vom Osnabrücker TB einem unaufhaltsamen Sieg im 10 Km Lauf entgegen Tim Wagner (Bunert Wuppertal) kann als Dritter im Gesamteinlauf das Podium komplettieren

Mit einem fünften Platz konnte Lars Franken (LG Olympia Dortmund) in starken 31:46 min. den Sieg in der MJU20 perfekt machen. Zudem trug er damit auch den Löwenanteil zum Mannschaftssieg der LG Olympia Dortmund bei. Wie stark die heutige Riege aus Dortmund war, lässt sich auch aus den Ergebnissen der Teamwertung herauslesen. Denn auch der zweite Platz in der Teamwertung ging an die LGO. Den dritten Platz hinter den beiden Teams aus Dortmund belegte das Ayyo-Team Essen, das auch heute wieder zahlenmäßig stark vertreten war.

Jan Kaufmanns (LSF Münster) belegt den undankbaren vierten Platz und wird Dritter in der MHK Lars Franken (LG Olympia Dortmund) kann als Fünfter im Gesamteinlauf auch den Sieg in der U20 feiern

Auch das Frauenrennen sollte mit starken Leistungen aufwarten. Vorjahressiegerin Joleen Gedwart war diesmal nicht am Start, dafür hatte aber das Ayyo-Team Essen eine andere Sieganwärterin auf der Strecke. Annika Börner, die im letzten Jahr auf der Halbmarathondistanz eindrucksvoll gewonnen hatte, ließ sich auch auf der 10-Km-Strecke nicht beirren und fuhr ihren zweiten Sieg in Folge bei dieser Veranstaltung ein. Mit einer Endzeit von 36:23 min. war sie zudem auch deutlich schneller als ihre Vereinskameradin im vergangenen Jahr. Letzteres gelang auch der zweitplatzierten Verena Cerna vom SV Tomerdingen aus Baden-Württemberg. Die Athletin aus dem Alb-Donau-Kreis (ca. 11 Km nördlich von Ulm gelegen) konnte sich für ihre doch ziemlich weite Anreise nicht nur mit dem zweiten Platz, sondern auch mit dem Sieg in der Altersklasse W40 belohnen. Ihre Endzeit: 36:35 min.

Was ihr letztes Jahr schon im Halbmarathon gelang, glückte ihr diesmal auch im 10 Km Lauf der Frauen. Annika Börner (Ayyo Team Essen) läuft erneut als Erste durchs Ziel für ihre doch schon ziemlich weite Anreise aus dem Alb Donau Kreis in Baden-Württemberg belohnt sich Verena Cerna vom SV Tomerdingen mit dem zweiten Platz

Bald darauf war das Frauenpodium komplett. Die Französin Emmanuelle Gerbaux (Hannover 96) nahm nach 36:51 min. den letzten freien Ehrenplatz ein, ehe mit Katharina Schäfers vom TUS Deuz, nicht nur die Tagesvierte, sondern auch die Siegerin der W35 ins Ziel kam. Für sie blieb die Uhr bei 37:47 min. stehen. Die letztjährige Zweite auf der Halbmarathondistanz Angela Moesch (LG Deiringsen) sicherte sich schon drei Wochen nach ihrem Start beim Swiss-City-Marathon in Luzern mit 38:28 min. wie dort auch den fünften Platz im Gesamteinlauf und ebenso auch den unangefochtenen Sieg in ihrer Altersklasse W50. Die ersten drei Frauen blieben schon unter der 37-Minuten-Marke. Im letzten Jahr hatte das nicht einmal die bereits erwähnte Siegerin Joleen Gedwart geschafft. Auch bei den Frauen ging das Gold in der Teamwertung an die LG Olympia Dortmund. Silber erlief sich die Riege des Ayyo-Teams aus Essen. Bronze ging an den bei dieser Veranstaltung traditionell immer sehr stark vertretenen TUS Deuz aus dem Siegerland.

Die Französin Emmanuelle Gerbeaux (Hannover 96) komplettiert als Dritte das Podium bei den Frauen Katharina Schäfers (TuS Deuz) belegt den vierten Platz und kann zudem mit ihren Mitstreiterinnen vom gleichen Verein den dritten Platz in der Teamwertung belegen

21,0975 Km - Halbmarathon

Hier war der Andrang bei weitem nicht so groß wie auf der 10-Km-Strecke. 43 Frauen und 131 Männer kamen bei der heutigen Auflage ins Ziel. Dafür war die sportliche Qualität, besonders was die Siegerzeiten bei beiden Geschlechtern anbetraf, doch noch deutlich höher als im letzten Jahr. Mit Dr. Üzeyir Söylemez stand zudem ein Protagonist an der Startlinie, der schon im Oktober an fast gleicher Stelle auf der gegenüberliegenden Seeseite beim Westenergie Marathon den zweiten Platz hinter Tobias Singer belegen konnte. Schon eine Woche später, beim Rhein-City-Lauf von Düsseldorf nach Duisburg, fuhr der Lokalmatador, der mal für das Ayyo-Team Essen an den Start geht, ab und zu aber auch für die HAN Group, so wie heute, unterwegs ist, seinen nächsten Erfolg ein. Er siegte auf der Halbmarathonstrecke in 1:07:13 h souverän und musste auch hier wieder als der absolute Top-Favorit auf den Gesamtsieg angesehen werden.

Dr. Üzeyir Söylemez hat von Anfang an das Halbmarathon Rennen mit großem Vorsprung unter Kontrolle Vorjahressieger Manuel Kruse (1000) und der Vorjahreszweite Alexander Schill (1219) können nur noch die Plätze 2 und 3 unter sich aus machen. Der vor ihnen laufende Oscar Pablo Thies wird noch auf den vierten Platz zurückfallen und Platz 2 in der MHK mit nach Hause nehmen

Vorjahressieger Manuel Kruse (Running Crew Münster) war zwar auch wieder am Start, genau wie der Vorjahreszweite Alexander Schill (LSF Münster), dennoch sollten bei einem normalen Rennverlauf beide im Kampf um den Sieg keine Chance haben. So kam es dann auch. Üzeyir Söylemez riss gleich ein Riesenloch zwischen sich und seine ärgsten Verfolger und ließ zu keiner Zeit irgendwelche Anzeichen von Müdigkeit erkennen. Die erste Streckenhälfte absolvierte er in 33:36 min. und verlor auf der zweiten nur wenig Zeit. Nach 1:07:40 h hatte er den Lauf beendet und sich zum Sieger der diesjährigen Auflage gekürt. Der Sieg in der M30 war ihm ebenfalls nicht zu nehmen.

Also blieb den beiden Vorjahressiegern nur der Kampf um Platz 2 und 3. Doch auch Oscar Pablo Thies (Milers Colonia 2020) wollte hier im Kampf um die Podiumsplätze noch eingreifen. Dies gelang ihm jedoch nicht und so musste er am Ende mit einer Endzeit von 1:15:31 h als Tagesvierter mit Platz 2 in der MHK Vorlieb nehmen. Wie schon im letzten Jahr hatte Manuel Kruse gegen Alexander Schill das bessere Ende für sich und holte sich nach 1:10:10 h nicht nur den Silberrang sondern auch Platz 2 in der M30. Dabei lief er heute deutlich schneller, als bei seinem Sieg im letzten Jahr. Auch Alexander Schill war diesmal wesentlich schneller unterwegs als vor Jahresfrist und blieb zudem auch noch über eine Minute unter der Siegerzeit von Manuel Kruse aus dem letzten Jahr. Der Sieg in der MHK in 1:11:02 h war ihm damit ebenfalls nicht zu nehmen. Phil Lembach von der LG Rheinwied belegte nach 1:16:38 h, den fünften Platz und fuhr außerdem mit Platz 3 in der MHK nach Hause.

Katja Tegler (links, 1141) und Nubia De Oliveira Silva führen von Beginn das Frauenfeld an Anika Fels kann sich als Dritte den letzten freien Podestplatz erlaufen Sandra Sachs (LG Wuppertal) gewinnt auf Platz 5 die W50

Bei den Frauen drückte von Beginn an die gebürtige Brasilianerin Nubia De Oliveira Silva auf das Tempo. Lediglich die Drittplatzierte über 10-Km aus dem letzten Jahr, Katja Tegler (Running Crew Münster) konnte ihr auf der ersten Streckenhälfte auf gleicher Höhe laufend Paroli bieten. Doch bald wurde erkennbar, dass Nubia De Oliveira Silva nicht nur diesen Lauf gewinnen würde, sondern dies auch in einer exorbitant guten Zeit. Nach 1:19:24 h blieb für sie die Uhr stehen, was ihr zudem auch den Sieg in der WHK einbrachte. Katja Tegler hatte von hinten auch keine Konkurrenz zu fürchten und sicherte sich nach 1:21:04 h auch den zweiten Platz in der WHK. Es sollten über zwei Minuten vergehen ehe Anika Fels (ebenfalls Running Crew Münster) nach 1:23:35 h das Podium komplettieren konnte, die zudem in der WHK den dritten Platz einnahm.

Vorjahresdritte Petra Siggemann (endurance-performance.com) kam diesmal nach 1:26:58 h auf den vierten Platz ein, war damit aber immer noch deutlich schneller unterwegs als vor Jahresfrist, wo sie nur knapp unter 1:30 h blieb. Zudem strich sie damit auch den Sieg in der W35 ein. Auf dem fünften Platz landete mit Sandra Sachs von der LG Wuppertal wiederum eine podiumserfahrene Läuferin. Zuletzt auf der Seerunde beim Westenergie Marathon mit dem dritten Platz geadelt, gelang ihr nach 1:31:07 h noch der Sieg in der Altersklasse W50.

Die drei schnellsten Männer im Halbmarathon von links nach rechts: 2. Manuel Kruse, Sieger Dr. Üzeyir Söylemez und 3. Alexander Schill 585 Finisher in beiden Wettbewerben sorgen auch diesmal wieder für ein atmosphärisch gelungenes Läuferfest
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Die Teamwertung bei den Männern sicherte sich das Team des TSV Oerlinghausen, vor der Ausdauerschule by bunert und dem Team gute-beine.de. Bei den Frauen schaffte es keine Vertretung mehr als zwei Läuferinnen ins Ziel zu bringen, weshalb es keine Teamwertung gab.

Am Ende lässt sich sagen, dass die Macher von der Leichtathletikabteilung des TUSEM Essen einmal mehr eine sportlich hochkarätige und vor allem auch läuferfreundliche Veranstaltung unter erschwerten Bedingungen auf die Beine gestellt haben. Auch wenn der Teilnehmerzuspruch nicht ganz so hoch war wie erhofft, zeugt doch das rege Interesse gerade auch von Top-Protagonisten aus anderen Bundesländern davon, dass auch der Blumensaatlauf weit über Essen hinaus mittlerweile ein hohes Ansehen genießt. Wenn im nächsten Jahr die warme Sporthalle sowohl für sie Siegerehrung als auch die Läuferverköstigung wieder zur Verfügung stehen sollte, gibt es eigentlich für die Läuferszene an Rhein und Ruhr keinen Grund mehr, dieser Veranstaltung fernzubleiben. Der hohe Aufwand den Stefan Losch mit seinem Team betreibt, verdient allemal mehr Teilnahmezuspruch, als dies diesmal der Fall gewesen ist.

Bericht und Fotos von Jörg Engelhardt

Infos & Ergebnisse www.tusem-leichtathletik.de

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