20.11.21 - 45. Seligenstädter Winterlaufserie - 1. Lauf

"Wie Biathlon, nur ohne Gewehr"

von Thomas Disser 

 

Dem Organisations-Team um Bernd Wilczek und Klaus Rumrich von der Triathlon-Abteilung der Sportvereinigung Seligenstadt sind hörbar einige Steine vom Herzen gefallen. Konnten sie nach der Komplett-Absage im vergangenen Jahr nun endlich wieder einen Startschuss zur 45. Winterlaufserie abfeuern. Diesmal in besonderer Weise.

Ein Hygienekonzept, das in seinem Grundsatz bereits für das letzte Jahr erstellt wurde, holte man aus der Schublade. Man verpasste dem Ganzen einen Feinschliff und entschied, an dem rollierenden Start festzuhalten. Mehr kann der Veranstalter zur Abstands-Wahrung nicht tun. Besonders, wenn es so gut funktioniert wie im Seligenstädter Wald.

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Immer zwei Starter alle 10 Sekunden wurden beim Auftakt zur 45. Seligenstädter Winterlaufserie auf die Strecke geschickt
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Das Konzept setzte die Macher allerdings gehörig unter Druck: über 40 Jahre Winterlauf-Serien-Routine musste in entscheidenden Punkten neu gedacht werden. Dafür war zum Beispiel notwendig, auf die Möglichkeit der Nachmeldung vor Ort zu verzichten. Auch wurde eine Woche vor dem ersten Lauf die Anmeldung für diese Ausgabe geschlossen. Auch wegen des besonderen Aufwandes der Erstellung einer sekundengenauen Starterliste. Bei der Anmeldung hatte man seine persönliche Zielzeit anzugeben. Nach dieser wurde man in der Starterliste einsortiert.

 

So konnte Mann und Frau nachlesen, wann man sich wo aufhalten sollte, damit es mit dem Start auch klappt. "Wie Biathlon, nur ohne Gewehr" wurde vor dem Start festgestellt.
Mit der Starterliste im Gepäck kann ich genau verfolgen, wie exakt der Veranstalter das Ganze abwickelt. Durch diese Form der Startprozedur ist deutlich mehr Personal nötig, zur Einweisung und Kontrolle. Für Helfer und Athleten alles anders, aber es funktioniert prima. Mehrere Funk-Uhren des Veranstalters im gleichen Takt, meine GPS-Uhr stimmt sekundengenau überein. Versammeln vor dem Start am Waldrand, dann zum Vorstart 2 und Vorstart 1, genug Zeit und Platz zum virenfreien Einsortieren.

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Hürdenlauf? So war es nicht ausgeschrieben… … und auch nicht nötig, da rechtzeitig zersägt

Ich darf zum Start über fünf Kilometer genau um 13:47:20 los, zusammen mit Nico. Immer zwei Starter, dann 10 Sekunden Pause, dann wieder zwei. Nach 5x2 Startern 20 Sekunden Pause. So hat man einen kleinen Puffer eingebaut und 10 Leute pro Minute losgeschickt. Wäre aber nicht nötig gewesen, da es wirklich gut funktioniert. Sogar eine zu spät kommende Starterin wird problemlos dazwischengeschoben, die persönliche Startzeit notiert und bei der Zeitnahme berücksichtigt.

Nachdem wir mit einem kurzen "Ab" sekundengenau auf die Strecke geschickt werden, setzt sich mein Laufpartner Nico sehr zügig ab. Hat wohl bei der Zeitangabe leicht untertrieben. Ich halte mich an meine Zielzeit, so gut es eben geht. Und es ging sehr gut.
Nun kommt der Unterschied zum "normalen" Start: sportlicher Ehrgeiz wird ja gerne während des Rennens geweckt, wenn sich der voraus Laufende nicht entscheidend absetzen kann. Bei 10 Sekunden Vorsprung vom Start weg wird das Ganze zur etwas größeren Herausforderung, "heransaugen" unmöglich. Einholen kann ich ihn bis zum Ziel leider nicht. 17 Sekunden hat mir das RLT-Rodgau-Trikot abgenommen. War auch jünger als ich.

VORST hat nichts mit Forst zu tun und soll Vorstart heißen Alles im Griff: Ansagen für den rollierenden Start

Mit jüngeren Läufern hat sich später beim 10 km-Lauf der Gesamt-Fünfte und M55-Starter Lorenz Köhl vom JSK Rodgau einen richtigen Fight geliefert. Kann er doch vor ihm gestartete Athleten einholen und sich im Ziel bei der Frage nach deren AK doppelt freuen.
Der Gesamt-Sieg auf der 5 km-Strecke geht an den B-Jugendlichen Paul Fecher vom TSG Mainaschaff in 16:27 Minuten. Zweiter wird Lukas Bugar vom VFL Münster. Der M14-Jugendliche läuft gute 17:11 Minuten. Der Dritte Platz für den in der M30 startenden Martin Wilck von Breaking1 Helaba, der nach 18:43 Minuten das Ziel erreicht.

Bei den Damen freut sich Nadja Heininger über ihren ersten Wettkampf nach einem Jahr. Verletzungsbedingt konnte sie seitdem nicht starten, umso mehr ist für sie die 5 km-Serie in Seligenstadt ein perfekter Wiedereinstieg in das Wettkampf-Geschehen. Ihre Zeit ist diesmal 18:57 Minuten, aber wichtiger ist ihr heute, wieder mit Freude dabei zu sein. Bald wird die W30-Starterin ihr neues Trikot vom SSC Hanau-Rodenbach öfters auf Wettkämpfen tragen.

Ordentlich sortiert zum Vorstart und immer schön mit Abstand 100 Meilen heute nur auf dem Shirt: Sportliche 5 km für Hans-Uwe Zietlow (Siebzig Plus) Gerhard Appelhans und Birgit Schrottenbaum (880 und 885): zeitgleich gestartet und gefinisht

Zweite Frau wird Pia Briger vom TV Waldstraße Wiesbaden. Die MHK-Starterin läuft gute 19:31 Minuten. Den dritten Platz erreicht Andrea Heinold (1. W50) in 25:10 Minuten.
Über die anschließend gestarteten 10 Kilometer siegt mit deutlichem Vorsprung Benjamin Kost vom ETSV Lauda. Der M30-Starter ist bereits nach 35:19 Minuten im Ziel. Zweiter wird Inbgert Reinke vom SSC Hanau-Rodenbach. 37:27 Minuten die Zeit des in der M40 startenden Dauerläufers. Auf den dritten Platz kommt der MHK-Starter Felix Strnad in 39:03 Minuten.

Durch das Fehlen der Favoritinnen Tinka Uphoff und Sevim Haass kann sich Petra Weber-Göbig vom LT Hanau-Bruchköbel über den Sieg freuen. Die in der W55 startende ist nach 46:10 Minuten im Ziel. Zweite wird Anette Ebeling vom Tria-Team Bruchköbel in 48:55 Minuten, damit auch Erste in der W50. Als dritte Frau wird Gesa Gleue von der Sportschule Jüngling gewertet. Die W35-Starterin finisht in 54:36 Minuten.

5 km-Siegerin Nadja Heininger mit sportlichen Herren: Michael Ehehalt (110), Carsten Frei (715) und Jens Brörman (695) Lächelnd ins Ziel, Kerstin Diehl Waltraud Heilmann bei Ihrem ersten Wettkampf überhaupt. Rechts Klaus Rumrich, der "Erfinder" des aktuellen Winterlaufserien-Starts

Insgesamt sind 180 Teilnehmer vorangemeldet. Rund 300 pro Lauf in Zeiten vor der Pandemie, allerdings auch mit einem Schülerlauf über 1 km, der heuer ausfallen muss.
Die 180 Gemeldeten sind Einzelstarter für den ersten Lauf sowie der überwiegende Teil Serienstarter. Letztlich sind heute 42 über 5 km und 63 über 10 Kilometer im Ziel. Ein unerwartet hoher Schwund. Am Wetter kann es diesmal nicht liegen, die Bedingungen top und die Strecke gut zu laufen. Auch die dicksten hölzernen Hindernisse sind beseitigt und so ist kein Hürdenlauf notwendig.

Einige Serienteilnehmer treten wohl erst beim zweiten Lauf im Dezember an. Vielleicht will auch mancher noch Weihnachtseinkäufe erledigen, bevor es zu möglichen Einschränkungen kommt. Wie dem auch sei, vor dem zweiten Lauf ist noch die Ummeldung von Einzel- auf Serienstart möglich. Weitere Einzelstarts ebenfalls.

10 km-Sieger Benjamin Kost Zweiter wird M40-Athlet Ingbert Reinke Auf den dritten Platz läuft Felix Strnad Matthias Winnhauer (1. M55)

Das Start-Konzept des Vereins hat jedenfalls bestens funktioniert und würde auch weitergehenden Einschränkungen, die eventuell auch auf die Sportwelt in nächster Zeit zukommen, standhalten.

Vielstarter Lorenz Köhl (2. M55) nach furioser Aufholjagd in 40:01 im Ziel Anette Ebeling vom Tria-Team Bruchköbel läuft in 48:55 auf den zweiten Platz bei den Frauen Gesa Gleue wird Dritte Frau in 54:26 Minuten Stimmt die Zeit? Norbert Neumann (6. M55) nach 46:25 im Ziel, dahinter die Damen-Siegerin Petra Weber-Göbig, deren persönliche Ziel-Zeit bei 46:10 Minuten stehen bleibt
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Beim Plausch am Tee-Stand nach dem Lauf sind sich Athleten und Veranstalter einig, dass es im wahrsten Sinne gut gelaufen ist und man dem Virus keine Chance gegeben hat. Klar, hätte man noch auf Massenstart umstellen können aufgrund der Teilnehmerzahl. Aber es war schließlich auch mit rollierendem Start ausgeschrieben. Und wer weiß schon, ob es in vier Wochen nicht doch erforderlich ist. So hat man alles wirklich gut hinbekommen.

Das Läuferleben ist bei vielen eine Excel-Tabelle, bei mir auch. Vor genau 17 Jahren mein allererster Wettkampf bei der 28. Winterlaufserie in Seligenstadt. Die damaligen Ergebnisse sind immer noch auf deren Webseite zu finden. Heute der 250. Wettkampf an gleicher Stelle. Dazwischen so viele, schöne Lauferlebnisse mit Startnummer auf der Brust, an die man sich meistens gerne erinnert. Muskelkater vergeht, Medaillen und Finishershirts bleiben. So wie der Spaß am Laufen.

Bericht und Fotos von Thomas Disser

Ergebnisse & Infos www.tria-seligenstadt.de

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