13.11.21 - 29. DEULUX-Lauf in Langsur

Nationalhymne bei Deulux-Lauf-Comeback

von Holger Teusch 

Nach der virtuellen Auflage 2020 gab es beim Deulux-Lauf in Langsur bei Trier einen grandiosen Neuanfang. Von rund 1500 gemeldeten Läufern erreichten 1191 das Ziel. Erstmals wurden auf dem grenzüberschreitenden Parcours auch die luxemburgischen 10-km-Straßenlaufmeister gekürt.

 

Nach neun Jahren hat wieder ein Deutscher den größten rheinland-pfälzischen 10-km-Lauf gewonnen. Tobias Blum vom LC Rehlingen siegte bei der 29. Auflage des Deulux-Laufs in Langsur bei Trier in 30:16 Minuten. Zuletzt hatte der 100-km-Laufband-Weltrekordler Florian Neuschwander 2012 das Rennen, das etwa zu gleichen Teilen durch Deutschland und Luxemburg führt, gewonnen. Schnellste Frau war wie schon 2019 bei der letzten Deulux-Lauf-Auflage vor der Pandemie, als Ferahiwat Königs in 35:30 Minuten gewann, wieder eine Belgierin. Die 21-jährige Juliette Thomas blieb als vierte Läuferin überhaupt beim Deulux-Lauf mit 34:57 Minuten unter 35 Minuten. Mit 1191 Läufern kamen zwar rund 400 weniger ins Ziel als 2019, in der Corona-Zeit zählt die Veranstaltung damit aber vermutlich das größte Lauf-Event in Rheinland-Pfalz.

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Wer 10 km unter 37 Minuten laufen konnte und alle Teilnehmer der luxemburgischen Meisterschaften starteten in einem ersten Startblock knapp zwei Minuten vor dem großen Restfeld Der Radweg auf der luxemburgischen Seite der Sauer ist relativ neu und wurde mit aufwendigen Stützmauern samt der Straße zwischen die steilen Hänge und den Grenzfluss gebaut Vom luxemburgischen Ufer des Grenzflüsschens Sauer kommend geht es für die Läufer über die alte Zollbrücke zurück nach Langsur und auf die letzten rund 200 Meter zum Ziel
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Nachdem es 2020 wegen der Corona-Einschränkungen nur einen virtuellen Deulux-Lauf gab, wunderte es zwar weniger, dass die Veranstaltung wieder stattfinden konnte. Selbst die Organisatoren der LG Langsur rieben sich allerdings die Augen, als ihnen eine Woche vor der Veranstaltung die behördliche Mitteilung ins Haus flatterte, dass sie unter freiem Himmel keinerlei Einschränkungen mehr hätten. Eine bereits ausgearbeitete Zugangskontrolle mit Covid-Check an vier Ortseingängen musste nicht durchgeführt werden. An der 3G-Regel für die Lauf-Teilnehmer hielt die LG Langsur aber freiwillig fest. Dass am Ende von rund 1500 angemeldeten Läufern etwa 300 nicht kamen, führte LGL-Vereinschef Mika Hurt auf die steigenden Infektionszahlen zurück.

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Mit der zweiten, großen Welle gingen rund 1000 Läufer auf die Strecke. Die Einteilung war wegen der luxemburgischen Meisterschaften nötig, nicht aufgrund der Corona-Einschränkungen Ein großes Läuferfeld schlängelte sich nach dem zweiten 10-km-Start durch die Straße von Langsur

 

Ursprünglich hatte man überlegt, das 10-km-Hauptlauffeld gegebenenfalls in mehreren Blocks auf die große Runde zu schicken. Letztendlich gab es sogar zwei Startblocks: Das große Hauptfeld und davor alle Läufer, die schneller als 37 Minuten laufen können und die Teilnehmer der luxemburgischen Meisterschaften. Diese wurden nämlich erstmals im Rahmen des Deulux-Laufs ausgetragen. Eine große Ehre für die LG Langsur. Der Verein ist sowohl Mitglied im deutschen, wie im luxemburgischen Leichtathletikverband.

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Der Deulux-Lauf ist seit 1992 als grenzüberschreitende Veranstaltung der Straßenlauf-Saisonabschluss beidseitig der kaum mehr erkennbaren Grenze.

Herbstlich sah es am deutschen Ufer der Sauer aus, wo der für den Deulux-Lauf genutzte Radweg teilweise abseits der Hauptverkehrsstraße durch die Natur führt Drei Musikgruppen wie hier der MV Lyra Langsur etwa bei km 8 machten das November-Grau zumindest musikalisch bunt

Der vorgeschobene Asse-Startblock war nötig, um den Meisterschaftsläufern freies Laufen zu gewährleisten. Denn für die Titelkämpfe zählte nur die Bruttozeit. Nachdem zunächst ein verirrter Hobbyläufer vorneweg rannte, übernahm Tobias Blum schnell die Tempoarbeit.

 

Der 26-Jährige vom LC Rehlingen nahm seinen Vereinskameraden Alexander Bock in Schlepptau. Zusammen mit dem 29-Jährigen und Richard Ringer hatte Blum bei der 10-km-DM die Vizemeisterschaft in der Mannschaftswertung errungen.

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Bock war am 31. Oktober mit 30:07 Minuten persönliche Bestzeit gelaufen. Ganz so schnell wurde es beim Deulux-Lauf nicht. Die Beine nach kurzen, aber intensiven Corona-Saison doch etwas müde, konnte sich Bock rund 8 km an Blum halten. Der lief locker nach 30:16 Minuten ins Ziel.

Teamarbeit: Tobias Blum (vorn) siegte zum Abschluss seines Trainingsblocks in 30:16 Minuten und zog seinen Vereinskameraden Alexander Bock vom LC Rehlingen zu 30:31 Minuten auf Platz 2 Zweikampf um Platz 3: Der ehemalige deutsche Halbmarathonmeister Moritz Beinlich von der LG Rhein-Wied (vorn) setzte sich in 31:03 Minuten knapp gegen den luxemburgischen Meister Yonas Kinde (31:05) durch

Bock verfehlte seine persönliche Bestzeit um 24 Sekunden. 30:31 Minuten sicherten ihm aber den Sieg im sogenannten Bitburger-0,0%-Läufercup. Und zwar denkbar knapp vor Moritz Beinlich. Der 25-Jährige von der LG Rhein-Wied, 2019 noch im Trikot der LG Telis Finanz Regensburg Deutscher Meister über Halbmarathon, hatte bis zum Finallauf der Corona-bedingt nur sechsteiligen Laufserie (normal zehn Rennen à 10 km) geführt. Aber Bock leistete Maßarbeit: Mit vier Sekunden Vorsprung sicherte sich der Rehlinger den mit mehr als 500 Euro dotierten Cup-Sieg. Und zwar bereits zum fünften Mal in Folge. "Das ist etwas ärgerlich, aber ich gönne es Alex", sagte Beinlich und erklärte: "Ich habe mich ehrlich gesagt mehr auf Platz drei und einen Endspurt gegen Yonas vorbereitet und dabei den doch knappen Vorsprung zu Alex etwas aus den Augen verloren."

Wie der Sohn, so der Vater: Der Vater des zweitplatzierten Alexander Bock, Andreas Bock, gewann in 36:53 Minuten in der M55 Der Franzose Eric Capelli (1134) war in 35:02 Minuten schnellster M50-Starter Noch ein schneller Senior: Abdel Zaghbib vom luxemburgischen CAE Grevenmacher siegte in 35:23 Minuten in der M45

Der von Beinlich angesprochene Läufer ist Yonas Kinde. Mit dem gebürtigen Äthiopier, der seit 2012 in Luxemburg lebt, kämpfte er in den vorangegangenen Wochen bereits mehrmals um den Sieg. Der 41jährige Kinde hatte auch diesmal in 31:05 Minuten wieder knapp das Nachsehen. Aber er sicherte sich den luxemburgischen Meistertitel vor dem Triathleten Bob Haller (TEAM X3M SNOOZE/31:24) und Bob Bertemes (31:29), der wie Kinde für Celtic Diekirch startet.

Unter den strengen Augen der Jury des luxemburgischen Leichtathletik-Verbands FLA auf dem E-Scooter lief Jenny Gloden (526) zum nationalen Titel des Großherzogtums, musste sich aber in der Deulux-Lauf-Gesamtwertung der erst 21 Jahre alten Belgierin Juliette Thomas (522) geschlagen geben Als Drittschnellste der luxemburgischen Meisterschaften blieb W40-Siegerin Saskia Daguenet in 35:59 Minuten knapp unter 36 Minuten. Zumindest "netto". Brutto: 36:03 Die dreimalige Deulux-Lauf-Gewinnerin Vera Hoffmann (2016-18) belegte diesmal in 36:57 Minuten den fünften Platz

Bei den Frauen erklang die luxemburgische Nationalhymne Jenny Gloden. Die 28-Jährige von Club CA Fola lief in 35:07 Minuten zum Titel. Zum Sieg reichte es bei ihr aber auch nicht. Die erst 21 Jahre alte Belgierin Juliette Thomas konnte sich auf dem letzten Kilometer absetzen und gewann in 34:57 Minuten. Sie blieb damit als vierte Läuferin überhaupt beim Deulux-Lauf unter der 35-Minuten-Schallmauer. Auf dem dritten Platz vollbrachte Saskia Daguenet (CSL) eine weitere starke Master-Leistung. Die 41-Jährige blieb in 35:59 Minuten netto unter 36 Minuten. Wie Bock bei den Männern sicherte sich auch Jenny Gloden mit dem zweiten Platz beim Deulux-Lauf den Sieg im Bitburger-0,0%-Läufercup.

Immer am Lächeln: Nora Schmitz vom LC Euskirchen war als Sechste in 37:19 Minuten beste Deutsche und machte unverwüstlich für einige Männer Tempo Siegerehrung mit Nationalflagge und -hymne: Die Luxemburger feierten in Langsur ihre nationalen 10-km-Meister Jenny Gloden und Yonas Kinde (Foto: Herbert Jostock)
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Anders als zwischen 1992 und 2019 gab es wegen Corona diesmal beim Deulux-Lauf keine Siegerehrungsfeier in der Halle, sondern unter freiem Himmel. Der Sport wurde noch mehr in den Vordergrund geschoben, bemerkte Mika Hurt. Und darum gehe es letztendlich ja. Die LG Langsur hatte nicht nur wegen des kleineren Starterfelds geringere Einnahmen, sondern auch, weil man das Catering ausgelagert hatte. Das bedeutete umgekehrt auch eine Minimierung des Risikos. Die Organisation des Freiluft-Bereichs bedeutete für die ehrenamtlichen Helfer konzentriertes Ranklotzen über einige Stunde, um alles vormittags auf- und abends wieder abzubauen. Allerdings: Der Auf- und Abbau in der Halle mit Auslegen des Bodens und Ausräumen aller Turn- und sonstiger Sportgeräte ging bisher an jedem Abend der dem Lauf vorgelagerten Woche vonstatten. Was besser ist und was man will, wird bei der LG Langsur diskutiert werden müssen. Wie überall hofft man auch am Grenzflüsschen Sauer, dass das Deulux-Lauf-Jubiläum, die 30. Auflage, 2022 ganz ohne Corona-Sorgen gefeiert werden kann.

Bericht und Fotos von Holger Teusch
Foto Siegerehrung Herbert Jostock

Ergebnisse & Infos www.deulux-lauf.de

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