6.11.21 - 45. Wurzelweglauf in Konz

Gelungene Rückkehr des Evergreens

von Holger Teusch 

Nach einem Jahr Pause war der älteste Volkslauf der Region Trier, der Wurzelweglauf in Konz, wieder am Start. Mit nicht so vielen Teilnehmern wie im Rekordjahr 2019, aber mit einem Streckenrekord über 5 km.

 

Lucas Meyer ließ von Anfang an nichts anbrennen und keinen Zweifel daran, dass er zum fünften Mal das 5-km-Rennen des Konzer Wurzelweglauf gewinnen wollte. Mit 13 Jahren stand der aus Konz stammende Läufer erstmals in seiner Heimatstadt ganz oben auf dem Podest. Zehn Jahre später machte der Student, der mittlerweile für den 1. FC Kaiserslautern an seinem Studienort startet, sein Meisterding beim ältesten Volkslauf der Region Trier. In 17:02 Minuten gewann er nicht nur den kürzesten der drei Hauptläufe, sondern pulverisierte den bei der letzten Vor-Corona-Auflage von Yannik Erz (Ausdauerteam.de Morbach) aufgestellten Streckenrekord regelrecht. Auch der U18-Jugendliche Simon Quint vom PST Trier blieb in 17:54 Minuten auf dem mit zwei giftigen Anstiegen gespickten Parcours durch den Konzer Stadtwald unter der alten Bestzeit von 17:55 Minuten. Sein Vereinskamerad Jan Gerth folgte nur vier Sekunden hinter ihm.

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Immer den Boden im Blick behalten, heißt es auf dem namensgebenden Wurzelweg, der nach den Regenfällen in der Woche vor dem Rennen in diesem Jahr ziemlich morastisch war Der Wurzelweglauf in Konz wurde bei seiner 45. Auflage wieder zu einem Naturerlebnis an einem goldenen Herbsttag
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Die kurze Strecke gehörte beim 45. Konzer Wurzelweglauf der Jugend. Bereits als Fünfte des Gesamteinlaufs erreichte hinter dem 15-jährigen Louis Decker (TuS Fortuna Saarburg/18:53) die U18-Cross-DM-Dritte Rebecca Bierbrauer das Ziel.

 

Die Zeit der 17-Jährigen von 19:25 Minuten zeigt, wie schwer, aber auch wie abwechslungsreich der Wurzelweglauf-Parcours mit seinem Auf und Ab und seinem wechselnden Untergrund ist. Eine Woche zuvor war sie, die Clubkollegin von Hindernislauf-Europameisterin Gesa Krause beim Verein Silvesterlauf Trier, auf flacher Strecke eineinhalb Minuten schneller gewesen. Zweite wurde Lucas Meyers zwei Jahre jüngere Schwester Anna (ebenfalls 1. FC Kaiserslautern/21:34) vor Anne-Sophie Vandenbussche vom Wurzelweglauf-Ausrichterverein TG Konz. Die 41-Jährgie schafft es nicht ganz ihrer Tochter Emie nachzueifern, die zuvor den 1-km-Lauf der Mädchen bis elf Jahren gewonnen hatte.

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15-km-Sieger Thomas Hui aus Frankreich (249) und der 5-km-Dritte Jan Gerth (438) vom PST Trier lagen nach knapp 1 km zusammen, bevor es in die Anstiege des Konzer Stadtwalds ging Da waren die Laufschuhe noch sauber, aber Wurzelweglauf Konz bedeutet seit 1976 auch immer ein bisschen Crosslauf-Erlebnis im Konzer Stadtwald

Traditionsreichste Strecke des Wurzelweglaufs sind die 10 km. Der Parcours hat sich seit 1976 nur geringfügig verändert. Nach Stürmen zu Beginn der 1990iger Jahre musste ein Waldstück über schmale Pfade und einen ebenso abenteuerlichen Steg aus dem Programm genommen werden. Leichter wurde es für die Läufer dafür nicht. Im Gegenteil. Die alte Strecke führte nach dem Anstieg zum Konzer Höhenstadtteil Roscheid nur etwa zur Hälfte zurück ins sogenannte Tälchen, bevor es über den namensgebenden Wurzelweg wieder hinauf ging und geht. Nun geht es komplette zweimal hinauf auf die Roscheider Höhe.

Der 10-km-2. Florian Heck (Kickass Sports/64) und der bereits 42-jährige 15-km-2. Kai Merten lagen nach knapp 1 km noch zusammen Der 15-km-3. Matthias Koch (LG Welfen/links) zusammen mit dem Viertplatzierten Robin Marbut (PST Trier/Mitte) zusammen mit dem 10-km-5. Philipp Hensel (LT Schweich) Der Wurzelweglauf stand für Nadine Heck unter einem guten Stern: Sieg über 10 km in 46:04 Minuten

Die Streckenrekorde, 40:02 Minuten der Kenianerin Elizabeth Onyambu (2005) und 33:40 Minuten des Polen Jaroslaw Chichocki (1997), waren diesmal trotz traumhaften Herbstwetters unerreichbar. Aber mit 36:16 Minuten legte Giulio Ehses als Sieger eine Zeit vor, die sich nicht nur dank des Schlamms auf den Waldwegen sehen lassen kann. Der 21-Jährige vom PST Trier, der im Sommer als 5000-Meter-Fünfter der U23-DM seinen bisher größten Erfolg als Leichtathlet gefeiert hatte, nachdem er als Jugendlicher zur Triathlon-Nationalmannschaft gehörte, ließ den neun Jahre älteren Florian Heck (Kickass Sports/37:23) und seinen Vereinskameraden André Wilhelms (37:50) klar hinter sich. Schnellste Frau war in 46:04 Minuten Nadine Heck.

15-km-Sieger Thomas Hui machte von Beginn an ordentlich Druck, während der spätere 10-km-Schnellste Giulio Ehses (PST Trier) dahinter noch relativ entspannt nach 3 km scheint Kampf gegen die Uhr: Lucas Meyer vom 1. FC Kaiserslautern schraubte den Streckenrekord auf der mit zwei harten Anstiegen gespickten 5-km-Strecke auf 17:02 Minuten

Neuster Spross des ältesten Laufs der Region Trier ist das Rennen über 15 km, das seit 2010 durchgeführt wird. Um die zusätzliche Strecke anbieten zu können, haben die Organisatoren der TG Konz nach dem Anstieg über den Wurzelweg eine Abzweigung von der 10-km-Strecke eingebaut. Eine 5 km lange Schleife führt erst zum Freilichtmuseum Roscheider Hof, auf dem das Landleben vergangener Jahrzehnte und Jahrhunderte erlebbar wird, und anschließend über die Höhen zwischen Konz und Trier. Fast an der gleichen Stelle, an der die 15-km-Läufer die 10-km-Strecke verlassen haben, treffen sie wieder auf diese und folgen ihr, zunächst noch durch Wälder und Weinberge und auf den letzten 2 km durchs Tälchen zum Ziel im Konzer Stadion.

Eiserne Lady (aber ganz anders als die britische Regierungschefin der 80iger!) im Wurzelweganstieg: Die vierfache Mutter Miriam Engel vom Ausrichterverein TG Konz siegte wenige Wochen nach ihrem Langdistanztriathlon in Roth über 15 km bei ihrem Heimrennen Nur sein TG-Konz-Vereinskamerad Kai Merten als Gesamt-2. verhinderte, dass Hendrik Haumann zusammen mit Ehefrau Miriam Engel einen Doppelsieg in der Altersklasse W/M40 feierten

Der Franzose Thomas Hue drückte der Langstrecke diesmal seinen Stempel auf. Mit 53:22 Minuten verpasste der 22-Jährige den Streckenrekord des Trierers Andreas Theobald aus dem Jahr 2015 (53:15) nur um sieben Sekunden. Die Hoffnungen auf den ersten Konzer Sieg auf dieser Strecke durch Kai Merten von der TG Konz zerschlugen sich damit. Der 42-Jährige musste den zwei Jahrzehnte jüngeren Läufer um fast zwei Minuten ziehen lassen. Kleiner Trost: 55:14 Minuten bedeuten Vereinsstreckenrekord. Vor neun Jahren war der jetzige Wurzelweglauf-Organisationsleiter Dominik von Wirth in 56:31 Minuten gut eine Minute langsamer. Allerdings: 2012 teilte sich der damals 22-Jährige den ersten Platz mit Wurzelweglauf-Rekordsieger Dietmar Bier beim siebten und letzten Sieg des Trierers. Den dritten Platz belegte diesmal in 58:24 Minuten Matthias Koch von der LG Welfen in 58:24 Minuten.

Schnellste Frau war Miriam Engel. Die W40-Langdistanz-Triathlon-Vizeeuropameisterin sorgte so doch noch für einen TG-Konz-Sieg. Wenige Tage vor Beginn der Karnevalszeit am 11.11. unbeabsichtigt in 1:11:11 Stunden. Wenn auch auf den langen Strecken zu Hause, am Ende sei sie froh gewesen, im Ziel zu sein. Noch etwas länger und Silvia Morgen vom PST Trier (1:11:55) hätte sie wohl noch eingeholt, befürchtete Engel. Dritte wurde in 1:14:02 Stunden Bettina Weber vom TV Hermeskeil.

Klaus Uebel vom Idarer TV verpasste über 10 km den M70-Sieg nur um drei Sekunden hinter Gerhard Becker, der am Wurzelweganstieg noch etliche Meter hinter ihm lag Katharina Wirz vom Merziger Sport- und Freizeitverein war mit ihren 26 Jahren die jüngste Frau über 15 km Abseits des ausgetretenen, nassen und rutschigen Pfads war beim Konzer Wurzelweglauf oft besser voranzukommen
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Mit 285 Teilnehmern im Ziel blieb die 45. Auflage des Wurzelweglaufs zwar deutlich unter dem Rekordjahr. Aber auch 2019 kamen mit 426 keine Unmengen mehr. Es war ein gelungenes Comeback nach einem Jahr Corona-Pause. Der Aufwand mit 3G-Kontrolle vor der Startnummernausgabe und für die Zuschauer war für den Lauftreff der TG Konz enorm. Aber der älteste Volkslauf der Region Trier ist wieder da. Ein Evergreen, der sich seinen Charakter über die Jahrzehnte erhalten hat: naturnah, bodenständig und doch kurzweilig (auch dank kompaktem Programm). Und normalerweise sehr kommunikativ mit großer Siegerehrungsfeier. Die fiel diesmal - in der Corona-Pandemie keine Überraschung mehr - weitgehend aus. Denn alles musste unter freiem Himmel stattfinden. Und da wird es Anfang November spätestens wenn die Sonne hinter den Saar-Mosel-Bergen verschwindet schnell empfindlich frisch. Aber zumindest einige Ehrungen ließen sich die Konzer nicht nehmen. Mit der Hoffnung, dass 2022 wieder in der Halle groß gefeiert werden kann.

Bericht von Holger Teusch - Fotos von Jonas Teusch

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