1.11.20 - 23. Hockenheimring-Lauf

Letzte Chancen genutzt
von Birgit Schillinger

LaufReport Foto-Impressionen vom 23. Hockenheimring-Lauf HIER

Ganz Deutschland erstarrt vor dem kommenden Lockdown… Ganz Deutschland? Nein! Ein mutiger Verein widersteht. Und bietet einen Tag vor dem Sportverbot einen Lauf mit einem durchdachten Hygienekonzept an. Die veranstaltende ASG Triathlon Hockenheim hatte zusammen mit Zeitnehmer Martin Hellige einen Plan für den beliebten Lauf ausgetüftelt.

 

Die 23. Auflage "wird hoffentlich in dieser Form einmalig bleiben", begrüßte der stellvertretende Oberbürgermeister Fritz Rösch die teilweise weit angereiste Läuferschar. Der größte Einschnitt war Konzentration auf einen Lauf - nämlich auf das Zehn-Kilometer-Rennen - und die Teilnehmerbeschränkung auf 499 Starter. Sonst gab es über 2000 Teilnehmer auf verschiedenen Streckenlängen. Durch das Limit waren einen Tag, nachdem die Anmeldung vor vier Wochen geöffnet wurde, schon alle Startnummern vergriffen.

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Noch einmal die Ausdauer schulen vor dem Lockdown. OB-Stellvertreter und Stadtrat Fritz Rösch und der 1. Vorsitzende der ASG Tria Hockenheim Oskar Stephan (v.l.) schickten mit einem ausgefeilten Hygienekonzept knapp 500 Läufer auf den Hockenheimring
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Die Ausgabe der Startnummern wurde durch den Postversand ersetzt. Kuchen- und Brötchentheke, Siegerehrung, Boxengasse mit Verkaufsständen und Duschen? Gestrichen. Bei der Einfahrt wurden nur aktive Läufer und keine Zuschauer eingelassen.

Dennoch gab es ausschließlich positive Kommentare: "Wir sind so froh, dass der Lauf stattgefunden hat. Danke an die ASG, dass sie den Mut hatte!", lobten die Teilnehmer.

 

"Ein Wettkampf ist durch nichts zu ersetzen." Die klatschenden Streckenposten mit motivierenden Sprüchen haben das Publikum bestens ersetzt.

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Zunächst bildete sich eine 7-köpfige Führungsgruppe mit Markus Görger (9906), Jannik Arbogast (404) und Jens Mergenthaler (schwarzes Trikot) an der Spitze Bei den Frauen übernahmen Melina Wolf (vorn) und Franziska Althaus die Führungspositionen

 

Die dieses Jahr erhöhte Startgebühr von 15 Euro deckt gerade die Unkosten. "Man spürt, dass das hier keine Profitveranstaltung ist, sondern für uns Läufer gemacht wird", wertschätzt ein Teilnehmer das Engagement. Und Sportler, die gemeldet waren, aber dann doch wegen Bedenken - kurz vor dem Lockdown - nicht angetreten sind, erhalten einen Freistart für das nächste Jahr.

Immerhin 100 Athleten verzichteten auf einen Start. 400 reisten trotz Nieselregen an: "Wir wollen den Kopf nicht in den Sand stecken."

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Ilyas Osman vom TV Waldstraße Wiesbaden liegt kurz vor der Zielkurve vor Markus Görger Im Ziel ist Markus Görger von der LG Region Karlsruhe als Erster Sein Vereinskamerad Jannik Arbogast wird 3.

Die Startaufstellung erfolgte in Blöcken zu je 30 Athleten, die auf Abstand und mit Maske bis zur Startlinie vorrückten. Erst ab der Startlinie, wo dann die Nettozeit begann, durfte die Maske abgenommen werden. Schnelle Männer und Frauen stellten sich in die ersten beiden Blöcke, sodass sich die Favoriten von Anfang an im Blick hatten.

Sowohl ambitionierte Leistungssportler als auch Hobbyläufer nutzten dankbar die Gelegenheit, auf der flachen Strecke - zwei Runden über den Ring - eine gute Zeit zu laufen. Die Spitzenläufer waren wohl ausgehungert. Denn das Niveau war dieses Jahr so hoch wie nie zuvor: 24 Männer blieben unter 34 Minuten, 23 Frauen unter 40 Minuten! Das waren von der Beteilung und Qualität her süddeutsche Meisterschaften. (Die starken Zeiten sind besonders beachtlich, weil bei allen Laufuhren die Strecke mindestens 100 Meter mehr als exakte 10 Kilometer anzeigte.)

Felix Wammetsberger von der LG Region Karlsruhe läuft auf Rang 4 vor... ... Dustin Uhlig von der TSG 1845 Heilbronn Jens Mergenthaler vom SV Winnenden wird 6.

Der Freiburger Markus Görger, der für die LG Region Karlsruhe startet, wusste um die einmalige Chance, seine starke Form zu beweisen. Mutig setzte er sich gegen nationale Konkurrenz letztlich im Sprint durch. Mit 29:37 Minuten stellte der 22jährige Student (Waldwirtschaft und Umwelt) eine neue persönliche Bestleistung auf. Diese Saison hatte schon für ihn sehr gut begonnen, als er im Frühjahr deutscher U23-Crossmeister wurde.

Auch seine 28jährige Vereinskollegin Melina Wolf lief einen persönlichen Rekord. Die von Cross bis Halbmarathon erfolgreiche deutsche Spitzenläuferin konnte ihre "Pace konstant halten" - und schaffte es dann sogar mit 33:52 Minuten erstmals unter 34. "Schön, dass mal wieder ein Lauf stattgefunden hat. Orga war top."

Bei den Frauen siegt Melina Wolf von der LG Region Karlsruhe vor ... ... Franziska Althaus vom TV Waldstraße Wiesbaden und ... ... Fabienne Königstein von der MTG Mannheim

LG-Trainer Günther Scheefer lobte den "verantwortungsvollen Umgang mit Corona" und freute sich auch über weitere Schützlinge: "Jannik Arbogast mit tollem Comeback Dritter in 29:46, Bestzeiten für Felix Wammetsberger und Christoph Kessler, badischen M14-Rekord für den 14jährigen Linus Schaller mit fulminantem Rennen in 36:48."

Auch die Konkurrenz aus Hessen war stark vertreten. Bei früheren Hockenheimring-Läufen waren die Hessen nicht dabei, da bei ihnen Allerheiligen kein Feiertag ist, aber 2020 fiel er auf den Sonntag. Platz zwei in persönlicher Bestzeit von 34:38 erkämpfte sich die 22jährige Franziska Althaus (TV Waldstraße Wiesbaden) Erst vor wenigen Wochen hatte die Studentin ihren Rekord um zwei Minuten auf 35:20 gesteigert.

Aoife Quigly vom engelhorn sports team/TV Schriesheim läuft auf Platz 4 5. und 1. U20 wird Luisa Mlinzk von der LG Telis Finanz Regensburg Auf Rang 6 läuft W40 Siegerin Bettina Englisch von der TSG 1845 Heilbronn

Der in 29:39 Minuten zweite Mann Ilyas Osman trainiert ebenfalls beim TV Waldstraße Wiesbaden unter Anleitung von Günter Jung. Vor fünf Jahren kam der inzwischen 21-Jährige als unbegleiteter Flüchtling aus Somalia nach Deutschland. Damals begann der Jugendliche mit dem Laufsport zunächst auf Hobbyniveau mit gesundheitlichen Problemen. Dann entdeckte er sein Lauftalent - und den Ehrgeiz dazu. Letztes Jahr führte er die deutsche Bestenliste der U23 über 3000m, 5000m und 10 Km an.

Lisa Merkel von der LG Region Karlsruhe gewinnt die U18 Heide Merkel (434) von der TG Ötigheim siegt in der W50 knapp vor der 2. W50 Kirsten Wieditz (235) von der TSG Wiesloch Stefanie Hock vom ASC Darmstadt gewinnt bei ihrer ersten Teilnahme am Hockenheimring-Lauf die W55

"Bei so einer Draußenveranstaltung habe ich keine Angst - und kein schlechtes Gewissen", ergänzt eine andere. Die Kritik in den sozialen Medien können die Starter nicht nachvollziehen: "Ich finde es nicht fair, wenn andere versuchen, mich moralisch zu verurteilen und mir ein schlechtes Gewissen einzureden, weil ich hier laufe."

Linus Schaller von der LG Region Karlsruhe läuft badischen M14-Rekord Schnellster M50er wird Marcus Imbsweiler von der TSG 78 Heidelberg Günther Fetz vom TF Feuerbach holt sich den M60 Sieg Auf Platz 1 in der M70 rennt Günter Krehl vom VfL Ostelsheim

"Wir haben hier die einmalige Gelegenheit, auf dem breiten Ring die Läufer mit Abstand loszuschicken", erklärte der ASG-Vorsitzende Oskar Stephan. "Auch wenn die Entscheidung, den Lauf durchzuziehen, im Vorstand nicht einstimmig erfolgte, war es doch gut, ihn anzubieten. Ich blicke in so viele strahlende Gesichter." Stephan war voll des Lobes: "Die Läufer waren sehr zuverlässig und diszipliniert: Ich habe keinen ohne Maske auf dem Gelände gesehen."

Das erfolgreiche Team vom TV Waldstraße Wiesbaden um Trainer Günter Jung stellte 3 zweite Plätze und einen U18 Sieger mit v.l. Nils Bergmann (12.), Alex Paulien (22.), Anas Belfqih (13. und 1.U18), Charlotte Brühl (2.U20), Franziska Althaus (2.) und Ilyas Osman (2.) Ferraris fehlten auf dem Hockenheimring. Das Tempo bestimmten allein die Läuferinnen und Läufer
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Das Thema Corona beherrschte - neben der Freude über die herausragenden Leistungen - die Gespräche: "Man sollte in den täglichen Nachrichten die Todeszahlen anderer Ursachen - Nikotintote, Krebs, Verkehrsunfälle und so weiter - ergänzen. Es gibt so viele Risiken", wurde noch am Parkplatz diskutiert. "Der Mensch braucht auch die sozialen Kontakte. Im Bett liegen bleiben ist keine Lösung!"

Bericht von Birgit Schillinger
Fotos von Constanze & Walter Wagner

unter

go4it-foto.de
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Ergebnisse www.de-timing.de
Info www.asgtria-hockenheim.de
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