19.10.25 - 50. Naturpark Schönbuchlauf in Hildrizhausen

Grandiose Jubiläumsveranstaltung bei Kaiserwetter

Lauf auf doppelter Strecke zum Fünfzigsten

Erstmalige Schülerwettbewerbe werden zum großen Erfolg

von Günter Krehl

Meinen Bericht vom Jubiläumslauf möchte ich mit der Erinnerung an den 27. Oktober 1974 einleiten. Im Schwarzwald hatte es schon kräftig geschneit, aber auch durch den Naturpark pfiff ein eisiger Wind, als 268 Teilnehmer erstmals über 25 Kilometer das Ziel an der Schönbuchhalle in Hildrizhausen erreichten.

 

2007 bei meinem ersten LaufReport waren es 811 gewesen, allerdings gab es fünf Jahre zuvor Rekord mit 1363 Läufern. Schon vor der Coronazeit entwickelten sich die Teilnehmerzahlen des Laufes nach unten. Die Sorge war groß, dass das halbe Jahrhundert nicht mehr erreicht werden würde oder dass es danach keine Fortsetzung gäbe. Doch nach dem Pandemietief hat sich die Laufszene erholt, teilweise erneuert und Hoffnung keimt neu auf.

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Auf der neuen Passage kurz vor den asphaltierten "Rampen" Das kostet selbst für die Schnellsten einige Sekunden
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Von Roland Pflieger über Werner Pluschke wurde der Staffelstab nun an Gerald Rüschenpöhler übergeben, um nur die letzten drei laufenden Abteilungsleiter zu nennen. Im Orgateam gibt es neue Ideen. Schon einige Jahre wurde dem Hauptlauf ein Zehner "angehängt". Erst dieses Jahr ist dieser mit 241 Teilnehmern so richtig durchgestartet. Grund ist die Hildrizhausener Rückkehr in den Schönbuchcup. Als Teilnehmer der ersten Stunde musste man sich vor Jahren verabschieden, weil die Überlänge nicht in die Cupregeln gepasst hatte.

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2025 gab es endlich Schülerläufe. Da saßen wir seit 50 Jahren in der Schönbuchschulsporthalle und die "Einheimischen" durften nicht mitmischen. Jetzt liefen immerhin von insgesamt 141 Mädels und Buben der Altersklassen U8 und U10 über 800 Meter 62 Schönbuchschüler mit. Paul Liam Störmer (3:01) und Leni Gänßle (3:12) waren die Schnellsten. Die Klassen U12 und U14 hatten auf einer größeren Runde 2,5 Kilometer zurückzulegen. Parallel zum Neubaugebiet liefen die 61 Kinder zuerst auf einem gesplitteten Weg und erreichten im Bogen die asphaltierte Startgerade, auf der sie wie die Hauptläufer das Ziel erreichten. Die vorderen Plätze gingen durchweg an Sportler aus Leichtathletikvereinen. Julian Timm (8:54) und Hannah Brauer (10:18) hießen die Sieger. Die Schüler habe ich leider nicht live verfolgen können, da sie nach dem Start der Hauptläufe auf ihre Strecken gingen.

Fotostudio Schönbuch Lauf mit Modell Dietmar Ultralaufen macht fröhlich: zu sehen am Viertplatzierten Martin Dunker

Was für ein LaufReport-Tag! Morgens 5° und bewölkt, mittags Sonnenschein und angenehm wärmer. Im Schatten und auf freier Fläche war es angenehm frisch, so dass beste Laufverhältnisse herrschten. Rad schieben und laufen, aufsitzen, Rad fahren, Rad abstellen, traben und alle Athleten im Auge haben, besser kann es einem Reporter nicht gehen, als mir im Schönbuch.

 

Um 7:45 Uhr waren die Jubiläumsläufer über 50 Kilometer gestartet. Sie mussten ihre Unterlagen separat bekommen, weil die Halle erst um 8 geöffnet wurde. Da hieß es auf die Uhr schauen, wann die ersten Ultras bei ihrer Zusatzschleife ankommen.

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Da ich keinen Streckenposten an der Abzweigung sah, übernahm ich diese Aufgabe mit Freude. Die Platzierungen der vorderen Läufer waren beinahe durchgehend identisch mit dem späteren Zieleinlauf. Für die Ultrastrecke gab es anfangs ein Kontingent von 50 Startern, das der großen Nachfrage geschuldet auf 70 aufgestockt wurde. Am Ende erreichten 42 Männer und 12 Frauen das Ziel.

Vor Kilometer eins lag ein Quartett an der Spitze mit Hanna Bär (Siegerin 25 km), Lisa-Marie Österle (Siegerin 10 km), Marlena Götza (10 km 2.) und verdeckt Anna Feucht (10 km 5.) Elena Braun (4. über 10 Kilometer) führt eine Gruppe zu Kilometer eins

Kurz vor dem Start der beiden Hauptrennen übergab ich meinen Posten an eine Helferin. Jetzt hieß es zu Kilometer eins fahren, um die Spitze zu erreichen. Vorneweg lief der Böblinger Nikolai Kronenwett (Sieger 10 km) vor Cedrik Bitzer (2. 25 km), Stefan Ludwig (10 km 2.), Axel Klumpp (10 km 4.) und Matthias Schmidt (Sieger 25 km). Bei den Frauen lag ein Quartett an der Spitze mit Hanna Bär (Siegerin 25 km), Lisa-Marie Österle (Siegerin 10 km), Marlena Götza (10 km 2.) und Anna Feucht (10 km 5.). Die ersten 1,8 Kilometer werden auf Asphalt zurückgelegt, ehe es dann auf meist sehr gut zu belaufenden Wegen durch den Schönbuch geht. Die mehr als 550 Läufer bewegten sich in einer langen Schlange sehr diszipliniert auf dem doch schmalen Wirtschaftsweg, so dass ich ein wenig zu lange auf das hintere Feld gewartet hatte. Mit dem Rad ist ein älterer Sportler bergauf schnellen Läufern unterlegen, so verpasste ich die Spitze bei Kilometer 3. Schon zuvor hatten sich die Strecken getrennt, die lange Runde führt hinunter ins Goldersbachtal, die kurze folgt entgegengesetzt den letzten Kilometern des Fünfundzwanzigers, ehe sie kurz vor Halbzeit nach links abbiegt. Bis dahin kann man recht flüssig laufen, später wird es doch recht hügelig. Österle konnte sich jetzt schon etwas von ihrer ersten Verfolgerin absetzen. Sophie Kirkmann vom veranstaltenden TSV hatte sich auf Position drei vorgearbeitet.

Nikolai Kronenwett, der Sieger über 10 Kilometer, führt das gesamte Feld der 550 Läufer zu Kilometer eins 1,5 Kilometer vor dem Ziel jagten Sören Becker und Stefan Ludwig (verdeckt) dem Ziel entgegen. Am Ende hat Ludwig die größeren Reserven und wird Zweiter Axel Klumpp wird Vierter über 10 Kilometer

Jetzt war es kein Problem, zurück zum Kilometer 8,6 zu fahren, das Rad zu deponieren und den Zehnern entgegenzulaufen. Nikolai Kronenwett hatte seinen Vorsprung deutlich ausgebaut und siegte am Ende mit guten 34:03. Zwar werden die Bruttozeiten für die Reihenfolge in der Ergebnisliste gewertet, ich nenne aber jeweils die auf Sekunden aufgerundete Nettozeit. Bei der abschüssigen letzten Waldpassage jagten Sören Becker und Stefan Ludwig an mir vorbei. Am Ende hatte Ludwig die größeren Reserven und belegte mit 35:48 Rang 2 knapp vor Becker, der 35:56 benötigte.

Lisa-Marie Österle hatte ihren Vorsprung vergrößert und siegte am Ende deutlich als 8. im Gesamteinlauf mit 38:06. Nur einen Platz dahinter aber mit einer guten Minute Rückstand folgte Marlena Götza (39:07). Dicht auf ihren Fersen lief drei Ränge später Sophie Kirkmann in 39:17 durchs Ziel.

Bei Kilometer drei hat sich die Siegerin Lisa-Marie Österle schon deutlich abgesetzt Marlena Götza läuft sicher auf Rang zwei Sophie Kirkmann folgt als Dritte dicht dahinter

Im Bereich der 52er Endzeiten verließ ich die "Schönbuchcupler" und fuhr den Läufern der Königsdistanz entgegen. Am Verpflegungsstand bei Kilometer 21 ließ ich mein Gefährt stehen und wurde wieder Laufreporter. Jetzt kamen mir die ersten Ultras entgegen. Der Herrenberger Triathlet Florian Kohler konnte seinen Vorsprung behaupten und beendete sein einsames Rennen mit für die Strecke sehr guten 3:34:44. Nach der ersten Runde noch gleichauf, konnte sich Claudius Lindel mit 3:40:14 gegenüber 3:49:42 auf der 2. Hälfte von Jiri Vystejn noch klar absetzen. Martin Dunker belegte Platz 4 in 3:52:52.

Florian Kohler Sieger 50 km auf den letzten 5 Kilometern Claudius Lindel macht als Zweiter der Ultras noch einen frischen Eindruck Auch Jiri Vystein als Dritter ist vor Kilometer 46 noch bester Laune

Lockeren Schrittes kam mir der führende Fünfundzwanziger entgegen. Der junge Mountainbiker und Vorjahresdritte (1:41:15) Cedric Bitzer reckte den rechten Daumen in die Höhe und wirkte siegessicher. 20 Meter dahinter folgte schwer kämpfend Mathias Schmidt. Mit Abstand folgte der Vorjahreszweite Sebastian Groteloh (1:39:07). Hannah Bär führte weiterhin bei den Frauen vor der Amerikanerin Genevieve Rochefort (Vorjahresdritte in 1:55:12) und Valerie Haydt.

Nun begab ich mich auf Streckenneuland. Ab dem Golfplatz musste die Strecke vor wenigen Jahren geändert werden. Die einen sagen, morsche Äste würden die Läufer gefährden, andere meinten, ein neuer Pächter wolle keine Läufer in seinem Revier. Nun läuft man in etwa ein Dreieck statt der alten Diagonalen. Plötzlich ist da Asphalt mit zwei langen Rampen ehe man den Wald verlässt. Die Sonne strahlte und die Perlenschnur der Läufer, die von Golfplatz herglitten war wunderbar. So mancher wusste noch nicht, was ihn gleich erwarten würde. Die Strecke ist also zuerst länger und zudem schwieriger geworden. Am Ende musste der alte Kurs deshalb gekürzt werden und bekam noch einen neuen Anstieg bei Kilometer 23 dazu. Schnelle Läufer verlieren gegenüber früher meiner Schätzung nach mindestens 30 Sekunden, bei langsameren können es auch 3 bis 5 Minuten werden.

Cedric Bitzer reckte 4 Kilometer vor dem Ziel den rechten Daumen in die Höhe und wirkte siegessicher 20 Meter dahinter folgte schwer kämpfend MathiasSchmidt und schafft am Ende doch noch den Sieg Der Vorjahreszweite Sebastian Groteloh wird diesmal Dritter, aber mit deutlich besserer Zeit

Die ersten Frauen der langen Strecke waren im Pulk der schnelleren Athleten schwieriger zu erkennen. Die Ultras sind meist mit Startbändern unterwegs, so dass die 600er Zahlen oft verdeckt blieben. Nicht so bei den beiden schnellsten Frauen, die ihre Nummern gut sichtbar trugen. Auf dem Rückweg zum Rad entdeckte ich die Siegerin Sandra Kötzle vom legendären Mauerlaufverein Berlin. Als zweitälteste Athletin lief sie mit 4:37:09 fast unbemerkt eine sehr starke Zeit. Auch die zweite Frau Halyna Yaremchuk konnte ich fotografieren, sie lag mit 4:40:20 recht dicht dahinter. Auch bei die Zeiten von Rebecca Bauer (4:53:52) und Saskia Solimeno (4:54:15) musste noch unter dem Sechserschnitt gelaufen werden. Altersklassen wurden nicht gewertet.

Sandra Kötzle vom Ultralaufverein Mauerwerk Berlin siegt über die lange Strecke
Auch Halya Yaremchuk als Zweite läuft vorbildlich ohne Startband und mit guter Laune

Erst im Ziel konnte ich erfahren, dass Matthias Schmidt sich mit 1:34:03 und 10 Sekunden Vorsprung doch noch an Cedric Bitzer vorbeigekämpft hatte. Diesem blieb als Trost die Verbesserung um einen Rang und 7:02 Minuten gegenüber dem Vorjahr. Sebastian Groteloh steigerte sich um 2:17 Minuten und gewann die M50 mit 1:36:50. Mit Ahmad Al-Kheder (1:38:08) und Gordon Mai (1:39:23) blieben nur insgesamt 5 Athleten unter 1:40 Stunden, 2002 waren es schon mal 40. Hanna Bär siegte mit 1:47:19 überlegen vor ihrer amerikanischen Konkurrentin, die 1:50:49 benötigte, sich aber um mehr als 4 Minuten steigern konnte. Mit Valerie Haydt (1:51:40), Jana Meierdirks (1:54:06), Angelika Frohwein (1:54:19), Kristina Welsch (1:55:32) und Charlotte Fischer (1:55:55) unterboten immerhin 7 Frauen die Zweistundenmarke.

Hanna Bär feiert einen Start-Ziel-Sieg über 25 Kilometer Genevieve Rochefort am zweiten Anstieg vor Kilometer 20 als 2. Frau
Valerie Haydt wird knapp dahinter 3. Frau Ultralegende Pamela Veith als Gesamtachte und Siegerin der W50

Bei den Altersklassen muss das Geburtstagskind Walter Johnen besonders erwähnt werden. Mit 2:23:15 hätte er auch die M70 gewonnen. Bei seiner Ehrung nahm er das Mikrofon und motivierte den Saal "Happy birthday lieber Walter" zu singen. Zweiter der bärenstarken M60 wurde der jetzt für den VfL Ostelsheim laufende Klaus Löffler. Er dominierte in den Jahren von 1989 bis 1991 den Lauf drei Mal mit aus heutiger Sicht erstaunlich starken Zeiten: 1:20:58/1:20:57/1:22:08. Knapp vor ihm lag Rainer Brandstetter (1:43:38) und Volkslaufseriensieger Hagen Zelßmann (1:48:21) musste sich diesmal mit Rang 3 begnügen. Bei den Frauen überzeugte wieder einmal die Ultralegende Pamela Veith als Gesamtachte und Siegerin der W50 in 2:02:10.

Der dreimalige Sieger Klaus Löffler (gelbes Trikot). Er dominierte in den Jahren von 1989 bis 1991 den Lauf drei Mal mit aus heutiger Sicht erstaunlich starken Zeiten: 1:20:58/1:20:57/1:22:08 Walter Johnen läuft an seinem 80. Geburtstag schneller als die Siebziger und intoniert sein eigenes Geburtstagsständchen bei der Siegerehrung

Ob der Ultra einmalig bleibt oder fester Bestandteil der Veranstaltung wird bleibt ungewiss. Freuen wir uns auf die 75. und die 100. Ausgabe, da wird der Ultra dann sicher auf 3 beziehungsweise 4 Runden verlängert. Eine Bereicherung war er auf jeden Fall, auch wenn es zusätzlichen Aufwand erforderte. Mit der Rückkehr zum Schönbuchcup sollte der Zehner auf dieser schönen Strecke eine gute Zukunft haben. Auf jeden Fall Zukunft müssen die Schülerläufe haben, denn da läuft ja die Zukunft. Die Vergangenheit in Person des Laufreporters hatte ja ihren Auftritt am 27. Oktober 1974 gehabt.

Die Schnellsten über 25 Kilometer, am Mikrofon Sven Brehm
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Bericht und Fotos von Günter Krehl

Ergebnisse www.br-timing.de & Infos www.schoenbuchlauf.de

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