9.10.22 - 54. Int. Schwarzwald-Marathon

Ladies First!

von Thomas Disser 

 

Hat es das schon einmal gegeben? Die beiden schnellsten Damen schlagen die beiden schnellsten Herren. Ein Ergebnis, das wohl am besten zum Schwarzwald-Marathon passt. 1968 war es der erste Marathon, der Frauen offiziell starten ließ. Erneut dürfte Bräunlingen Laufgeschichte schreiben.

Stefanie Doll gewinnt in neuer persönlicher Bräunlingen-Bestzeit. Die Läuferin des SV Kirchzarten ist bereits nach 2:45:26 Stunden im Ziel. Sie steht bereits viermal auf der großen Siegertafel des Schwarzwald-Marathons. Nun wird das fünfte Metall-Schild geprägt.

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54. Internationaler Schwarzwald-Marathon - grünes Gras und bunte Läufer
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Knapp 3 Minuten nach der Siegerin kommt der schnellste Mann des Tages, Andreas Leppert ins Ziel. Die Zeitmessuhr von RaceResult kommt für ihn bei 2:48:16 zum Stehen.

 

Und danach schon die zweite Frau. Katrin Köngeter, für LAV Stadtwerke Tübingen startend, wird nach 2:56:55 Stunden gestoppt. Kurz darauf ist der zweitschnellste Mann im Ziel: 2:57:28 Stunden ist die Zeit von Patrick Hartmann, M40er vom LT Unterkirnach. Als dritter Mann und letzter unter 3 Stunden wird Dr. Friedemann Koelbing im Ziel begrüßt. Seine Zeit: 2:58:37 Stunden. Dritte Frau wird Ilona Kläsle in 3:31:08 Stunden.

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Schon 2011 steht Stefanie Doll erstmals auf der Siegertafel Schreiben heute Laufgeschichte: Stefanie Doll (Nr. 1) und Katrin Köngeter (Nr. 2)

Das Marathon-Ergebnis hat den Autor dermaßen beeindruckt, dass er dafür die übliche Chronologie ignoriert. Doch nun von vorne.

10 km und Kinderläufe: starker Beginn

Wer schon am Samstag in Bräunlingen weilt, fühlt sich in die Zeit vor Corona versetzt. Teilnehmerzahlen beim 10er höher als 2019, viele Zuschauer im Start/Ziel-Bereich. Der ebenso beliebte wie professionelle Streckensprecher Pit Jenniches zieht wie immer alle Register und bringt die Anwesenden in Partylaune. Herrlich!

Medizinisch versorgt bei Start und Ziel … ... und auf der Strecke Pit Jenniches moderiert und sorgt für gute Stimmung

 

Ein herbstlicher Sonnentag vom Feinsten. In gemütlicher Biergartenatmosphäre mit dazu passender Versorgung wartet man gerne auf die Teilnehmer der beiden Kinderläufe über 1 und 1,7 km, des 10 km-Laufes und der 10 km Walker. Bis zum letzten Finisher ist die Stimmung einfach gut. 284 über 10 km, dazu 82 Walker über 10 km, 146 Kinder auf der 1 km-Runde und 90 über 1,75 km lassen das Orga-Team mit der Sonne um die Wette strahlen.

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In der Stadthalle finden dieses Jahr wieder die Siegerehrungen statt. Dazu eine Marathonmesse und ein Tisch mit ein paar Ausschreibungen. Es trauen sich wieder einige Laufveranstalter, Werbung in Papierform für ihre Events zu machen. Oder haben sogar einen Stand aufgebaut. Zum Beispiel für den Bieler Hunderter. Oder für den Trollinger Marathon im Mai 2023, der zum Glück auch wieder ein echter Marathon sein wird. Sehr gute Entscheidung!

Richtig was los am Samstagnachmittag Medaillen to go

Die Sporthalle in der Nachbarschaft ist auch dieses Jahr einbezogen. Als Kleiderbeuteldepot, Umkleide und Massagestation. Platz genug für alle.

Über die 10 Kilometer sticht eine Leistung besonders hervor. Die schnellste Dame ist Julia Ehre vom TV Villingen, als Gesamt-Dritte nach 37:38 Minuten im Ziel. Sie ist Jahrgang 2007 und daher ungewöhnlich früh und erfolgreich auf dieser Strecke unterwegs. Gerne versichert sie dem Streckensprecher, dass sie auch kürzere Distanzen wie 800 m sehr flott laufen kann. Ihr dürfte eine sehr erfolgreiche Zukunft bevorstehen.

Siegerin 10 km: Julia Ehrle 2. wird Michaela Gertis Auf Platz 3 läuft Leonie Stürzl

Den zweiten Platz erläuft Michaela Gertis in 42:29 Minuten, Dritte Frau wird Leonie Stürzl, wie die Zweite von der LG Hohenfels, in 45:53 Minuten.

Bei den 10 km der Herren siegt Michael Kovermann von der Uni Konstanz in 35:16 Minuten. Martin Walther, für den LC Schaffhausen startend, ist Dauergast in Bräunlingen und wird diesmal Zweiter in 36:30 Minuten. Der dritte Platz geht an Yves Reuter, der das Ziel in 37:53 Minuten erreicht.

Das pelzige Maskottchen - bei den Kinderläufen besonders beliebt Schnellster am Samstag: Michael Kovermann siegt über 10 km Der Schweizer Martin Walther wird 2.

Das Orga-Team hat den ersten Tag bravourös gemeistert und nach vermutlich kurzer Nacht sind bereits die ersten Helfer vor Sonnenaufgang aktiv.

Marathon und Halbmarathon

Um 9:30 Uhr wird zunächst der Marathon gestartet, um 10 Uhr der Halbmarathon. Die etwas gestreckten Starts haben Vorteile. So erreichen die schnellsten Halbmarathonläufer erst zu einem späteren Zeitpunkt das Marathonfeld. Die flotten Marathonis sind bereits hinter der Gabelung, bei der der Marathon einen anderen Weg einschlägt, verschwunden. Nur die langsamen Marathonläufer werden eingeholt. Und dies zu einem unkritischen Zeitpunkt durch das auseinandergezogene Feld. Dafür Gelegenheit für den LaufReporter, Siegerfotos zu schießen. Wenn sie denn auch bis ins Ziel vorne bleiben.

Marathonstart bei Traum-Laufwetter und AC/DC-Rhythmus Durch Bräunlingen downtown

Dem war so. Bei der Hälfte des Halbmarathons standen die jeweils drei Erstplatzierten bereits fest. Omar Tareq vom TUS Lörrach-Stetten gewinnt in sehr guten 1:11:15 Stunden vor Clemens Fox vom Team Eniz Systems in 1:14:22 Stunden. Dritter wird Hannes Bossung in 1:18:40 Stunden.

Bei den Damen kann Sandra Schmid den Siegerpreis entgegennehmen. Die für das Sport Weiß Team startende Läuferin kommt nach 1:26:58 Stunden ins Ziel. Lena Wagner vom TUS Lörrach-Stetten wird Zweite in 1:27:18 Stunden. Den dritten Rang erläuft Gertrud Wiedemann (Erdinger Active Team) in 1:28:37 Stunden.

Omar Tareq gewinnt den Halbmarathon Zweiter HM wird Clemens Fox HM-Dritter Hannes Bossung mit sicherem Zugriff

Die Gabelung ist nun erreicht. Letztes Jahr war ich gefühlt ab diesem Zeitpunkt allein unterwegs. Nun sind doch noch einige Laufhelden vor und hinter mir. Sehr schön, und Gelegenheit zu guten Gesprächen. Zum Beispiel mit Kati Schramm, der ich schon bei anderen Events über den Weg gelaufen bin. Überhaupt sind viele bekannte Laufgesichter Stammgäste in Bräunlingen. Zum Beispiel die Marathon-Legende Klaus Neumann, der bereits über 1200 Marathons gelaufen ist. Oder Uli Teichmann, der als ältester Starter auch heute das Ziel erreichen wird und seinen 141. Marathon in die Lauf-Vita einträgt. Dennoch sind nicht nur die alten Hasen mit ihrer unglaublichen Erfahrung hier. Auch Jan Nikola aus Freiburg, der heute seinen allerersten richtigen Marathon läuft. Ein falschen, also für sich mal so zum Ausprobieren, zählt er natürlich nicht mit. Mit guter Vorbereitung, der richtigen mentalen Einstellung und zwei fast gleich schnellen Hälften wird er heute nach 4:34:08 Stunden das Ziel erreichen.

Sandra Schmidt gewinnt den HM der Damen Dritte HM wird Gertrud Wiedemann Keine Wahl: rechts ab geht's

Die Läuferinnen und Läufer werden auch heute mit perfektem Laufwetter verwöhnt. Nur auf den letzten Kilometern bläst ein frischer Ostwind ins Gesicht und mir die Laufkappe vom Kopf. Es fehlen leider die Haare, an denen das Käppi Halt finden könnte.

Es läuft einfach herrlich heute. Die Helfer und Zuschauer an der Strecke, bei einem Landschaftslauf zwar etwas spärlicher als in der Stadt, geben ihr Bestes und motivieren jeden, ganz gleich, ob man schnell oder langsam unterwegs ist.

Das wahrscheinlich unbeliebteste km-Schild beim Marathon, hier wenigstens in schöner Landschaft Relax bei km 34: Der Autor kann nicht widerstehen

Bei km 34 taucht am Wegrand eine Relax-Parkbank mit herrlicher Aussicht auf. Fordert einen förmlich dazu auf, es sich mal bequem zu machen. Geht das gut? Ein zeitnahes Weiterlaufen könnte unmöglich werden. Ich finde schnell eine Ausrede, es doch mal kurz auszuprobieren. Die Steinchen müssen aus den Laufschuhen raus. Also für einen Moment ohne Schuhe auf der Liege verweilt. Aber wirklich nur ganz kurz.

Nach längerem Wald-Aufenthalt wieder ein Ort, der durchlaufen wird. Unterbränd, letzte Station vor Bräunlingen. Letztes Jahr fiel hier meine LaufReporter-Kamera aus der Laufweste zu Boden. Zum Glück nur Kratzer und Beulen. Seitdem ist sie per Halsband gesichert. Jetzt muss ich schon mit hinfallen.

Mit 78 Jahren der Älteste: Uli Teichmann (446; vorne links) finisht seinen 141. Marathon Für das seelische Wohl sorgen Fans und für das leibliche die Verpflegungsstellen

Die Kamera kann gleich wieder aktiviert werden. Bräunlingen taucht in der Ferne auf. Schön. Der Musikplayer hämmert gerade "I can see for miles" von The Who ins Ohr, sehr passend. Kilometer 40 und 41 vergehen zwar nicht wie im Flug, aber doch schnell, und schon ist Streckensprecher Pit zu hören. Ich freue mich, von ihm vor der Ziellinie persönlich empfangen zu werden. Vielen Dank dafür!

Zeitgleich zu meinem Finish findet der Bambinilauf über 400 m statt, ein schönes Gewusel im Zielbereich. Die Kleinsten freuen sich genauso über die Medaille wie ich. Haben wir auch alle verdient.

Gute Aussichten … ... für den Autor bei seinem 75. Marathon

Schnell geht es in die Stadthalle, in der gerade die Marathon-Siegerehrung beginnt. Gelegenheit, die sympathische Siegerin Stefanie Doll kurz zu sprechen. Ihre Eltern sind gestern schon angereist und heute wieder sehr stolz auf sie. Mit ihrem Papa Charly und ihrem Bruder, dem Top-Biathleten Benedikt wohl eine der sportlichsten Familien im Land. Trotzdem nicht abgehoben.

Nach dem Lauf wird noch ein knalliges Marathonshirt erstanden. Vor dem Lauf ist zwar die Auswahl noch größer, nur muss eben der Marathon erst gefinisht werden.

Schöne Kirche und Fans in Unterbränd
Bald geschafft: Bräunlingen ist schon in Sicht

233 Teilnehmer finishen den Marathon, dazu noch 28 Vierer-Staffeln. Der Eindruck beim Start und auf der Strecke war anders, es hat einfach nach mehr ausgesehen. 664 Halbmarathon-Finisher sorgen für die größte Teilnehmerzahl und sind damit fast auf dem 2019er Level. Damit gibt es auch nach dem starken Beginn am Samstag mit den Langstrecken des 54. Schwarzwald-Marathons am Sonntag keinen Grund zur Traurigkeit. Die fehlenden Marathonis könnten durchaus auf einer nachgeholten Frühjahrsveranstaltung gewesen sein. Oder sonst wo, wer weiß das schon. Jedenfalls haben sie einen Laufsonntag in Bräunlingen, der kaum schöner sein kann, verpasst.

Marathon-Siegerpodest: v.l. 2. Patrick Hartmann, 1. Andreas Leppert, 3. Dr. Friedemann Koelbing Strahlende Marathon-Damen: v.l. 2. Katrin Köngeter, 1. Stefanie Doll, 3. Ilona Kläsle
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Der 55. Schwarzwald-Marathon 2023 in Bräunlingen kann kommen. Die Siegertafel wurde jedenfalls schon in ausreichender Größe gestaltet. Da ist Platz bis zur 100. Ausgabe.

Siehe auch Werner Sonntag "Wie ein Klassiker entstanden ist"
und Günter Krehl "Die Wiege des Frauenmarathons"

Bericht und Fotos von Thomas Disser

unter

go4it-foto.de

Infos & Ergebnisse www.schwarzwaldmarathon.de

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