30.10.22 - 15. Luzern SwissCityMarathon Lucerne

Gelungen: Atmosphäre wie in der Vor-Corona-Zeit

von Wilfried Raatz 
 

Bei besten äusseren Bedingungen und einer Atmosphäre, die keinesfalls schwächer war als vor der Corona-Zeit, gelang den Machern des SwissCityMarathon am Ufer des Vierwaldstättersees ein beeindruckendes "Comeback" bei der 15. Auflage. Über 9000 LäuferInnen gingen beim kleinen Jubiläum an den Start vor dem Verkehrshaus bzw. in Horw. Und wurden von einer begeisterten Kulisse von 60.000 Zuschauern derart angefeuert, dass neben den beiden neuen Streckenrekorden durch Andrea Salvisberg (Marathon) und Ali Abdisalam (10 km) auch viele persönliche Bestmarken purzelten.

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Landschaftlich reiszvolle Ausblicke beim SwissCityMarathon Lucerne (Fotos © swiss-image.ch/Philipp Schmidli)
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Der aus Somalia stammende Dominic Lobalu ist nach seiner Flucht aus seinem Heimatland in Höchstgeschwindigkeit zu einem der weltbesten 5000 m-Läufer gereift und im Dress des LC Brühl bei den Diamond League-Meetings in Brüssel, Monaco und Zürich mit beherzten Rennen inmitten der Weltklasse eingelaufen. Am Verkehrshaus gab der 23jährige mit nunmehr Wohnsitz St. Gallen auch als "Ehrenstarter" für die schnellsten Marathon- und Halbmarathonläufer beim SwissCityMarathon eine glänzende Figur ab.

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Zum Start… per Schiff (Fotos © swiss-image.ch/Philipp Schmidli)

 

Das neue, verlängerte Startprozedere mit Performance-Blöcken und verschiedenen Startslots habe nach Einschätzung von SwissCityMarathon-Geschäftsführer Reto Schorno einen positiven Effekt und den Praxistest bestanden. "Diese Optimierungen haben sich bewährt, da wir die Menschenmassen besser verteilen konnten." Zudem wurde der Wendepunkt für die Marathonläufer:innen an den Luzernerhof verschoben. Auch für diese Anpassung erhielten die Organisatoren positive Rückmeldungen.

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Begeisterung auf und neben der Strecke

Mit den unterschiedlichsten Witterungsbedingungen gingen die Vorgänger in den Jahren zuvor über den Asphalt, zumeist herrschte jedoch angenehmes Herbstwetter bis hin zu den 20 Grad-Temperaturen am Sonntag bei Indian Summer-Feeling. Bei geöffneten Festwirtschaften und der tatkräftigen Untermalung durch zahlreiche Musikgruppen war es keineswegs verwunderlich, dass die Polizei mit 60.000 Zuschauern eine Begeisterung wie vor der Corona-Pandemie feststellen durfte.

Gemeinsam unterwegs Barbara und Natascha im Männerpulk

Nach Anmeldeschluss registrierten Reto Schorno & Co. mit 10.171 Meldungen eine bemerkenswerte fünfstellige Resonanz. Am Starttag gingen jedoch nur 9.143 Läuferinnen über die Startlinie, im einzigartigen Ziel im Verkehrshaus der Schweiz wurden erstaunliche 9.046 Laufbegeisterte gezählt, was einer Finisherquote von schier unfassbaren 99 Prozent entspricht. Die Teilnehmer kamen dabei aus 55 Ländern, die allesamt allerdings nur zehn Prozent unter der Gesamtbeteiligung ausmachen. Erkennbar also, dass eine gewisse Zurückhaltung unter den ausländischen Startern auszumachen ist. Die Gründe hierfür dürften sehr unterschiedlich sein, hängen freilich zuerst mit den allseits gestiegenen Infektionszahlen, aber auch mit der insgesamt gestiegenen Teuerung bei den Lebensunterhaltungskosten und letztlich auch der Hochpreisigkeit der Schweiz zusammen. Die größte Gruppe stellte übrigens einmal mehr Deutschland mit 430 Anmeldungen. Ein Blick auf die Resonanz bei den einzelnen Wettbewerben zeigt, dass der "Renner" beim 15. SwissCityMarathon der erst 2017 kreierte 10 km-CityRun mit Start in Horw und dem Ziel im Verkehrshaus mit 1.979 Registrierungen war. Erwartungsgemäß am stärksten besetzt war der Halbmarathon mit 5.510 Finishern, beim namensgebenden Marathon waren es 1'176 Finisher.

Auf 3:30er Kurs Vor dem Schweizer Hof

Wer beim Marathon um den Sieg mitlaufen wollte, konnte mit einem Leistungsnachweis im Performance-Block starten. So auch Andrea Salvisberg aus Wallisellen, der Sieger im Marathon der Männer Overall wurde. Der 33jährige gewann in der neuen Streckenbestzeit von 2:24:24 Stunden. Salvisberg unterbot die bisherige Rekordmarke von Fabian Kuert, der 2015 eine Endzeit von 2:26:18 Stunden erreichte. Der eigentliche Triathlet Andrea Salvisberg hatte sich sehr kurzfristig angemeldet und lief in Luzern seinen ersten Marathon überhaupt. "Für mich war das heute der Test für den Ironman in Israel in drei Wochen", so Salvisberg. "Ich fühlte mich super und hatte noch Reserven. Es war aber auch sehr emotional. Die letzten drei Kilometer bin ich dank des Publikums quasi geflogen." Auf den zweiten Platz lief Benjamin Ueltschi (2:26:16). Wie im Vorjahr wurde Philipp Arnold aus Cham Dritter, ihm gelang damit eine eindrucksvolle Serie von vier Podestplätzen in Folge.

Allerdings hatte die Marathonentscheidung um den Tagessieg eine dramatische Wende genommen, denn noch bis zur Kilometermarke 39 führte der Potsdamer Stefan Hendtke mit deutlichem Vorsprung. "Ich spürte ein komisches Ziehen, bin stehen geblieben, dann weiter gelaufen….", erinnerte sich der Potsdamer. "Dann gab es ein richtiges Knacken, bin dann auch zu Boden gegangen, weil einfach gar nichts mehr ging! Ich bin schnell von einem Ermüdungsbruch ausgegangen, zumal es bereits eine Vorschädigung vor einigen Jahren gab. Dass es aber ein kompletter Oberschenkelhalsbruch war, das ist schon ein schöner Schock für mich!" Inzwischen ist der Potsdamer im Kantonsspital Luzern operiert worden. SwissCityMarathon-Geschäftsführer Reto Schorno war nach der Operation der erste Besucher im Spital und wünschte eine schnelle Genesung. Mit dabei hatte er ein Foto, dass ihn in führender Position am Seeufer zeigt. "Natürlich kennen wir Stefan, denn er hatte bereits 2018 den Halbmarathon gewonnen. Da Potsdam die Partnerstadt von Luzern ist, war er bereits als Schüler hier und ist erfolgreich beim Stadtlauf gestartet!" Und Stefan Hendtke, der auf den Rücktransport nach Deutschland wartet, gibt sich trotz der Schwere der Verletzung optimistisch: "Laufen ist meine Leidenschaft. Ich würde mich natürlich sehr darüber freuen, wenn ich wieder laufen könnte. Wenn auch vielleicht nicht auf dem gleichen Niveau!"

Achtung Gegenverkehr Durch die Altstadt

Die Französin Kristin Colard ging als schnellste der gemeldeten Marathon-Läuferinnen an den Start - und konnte dies eindrucksvoll auch bestätigen. Die 37jährige aus Lyon gewann in 2:43:48 Stunden. "Ich bin sehr glücklich, weil es vor einem Rennen noch nie so kompliziert war", sagte Colard. "Die Familie ist krank und ich hatte sehr wenig Schlaf." Was ihr heute Kraft gab, seien das "unglaubliche Publikum und die wundervolle Laufstrecke" gewesen. Die Französin gewann mit etwas mehr als dreieinhalb Minuten Vorsprung auf die zweitplatzierte Susanne Rüegger aus Cham, die den Marathon 2016 gewonnen hatte. In diesem Jahr lief Rüegger in 2:47:29 Stunden über die Ziellinie und damit nur hauchdünn vor der Drittklassierten: Doris Nagel-Wallimann kam drei Sekunden dahinter ins Ziel. Wie im Vorjahr wurde die Einheimische Franziska Huwyler-Inauen Vierte, die den SwissCityMarathon zuvor vier Mal gewonnen hatte (2014, 2017, 2018, 2019). Mit 2:55:17 blieb sie ein weiteres Mail unter der Drei-Stunden-Marke. Als Fünfte blieb mit Angela Moesch auch eine deutsche Läuferin mit 2.57:35 Stunden unter der begehrten Drei-Stunden-Marke, die 53jährige von der LG Deiringsen (Soest) gewann damit überlegen die W50-Klasse.

Im 2:00-Pulk der Halbmarathonläufer Der Australier Archie Reid auf dem Weg zum klaren Sieg Halbmarathonsiegerin Sina Michael
(Fotos © swiss-image.ch/Philipp Schmidli)

Der Halbmarathon, der einmal mehr aufgrund seiner Beteiligung der größte Halbmarathon der Schweiz ist, wurde sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen zu einer sicheren Angelegenheit an der Spitze. Bei den Männern siegte der Australier Archie Reid in 1:06:18 Stunden. Der 21jährige lief praktisch das ganze Rennen allein an der Spitze. "Das war hart, aber das Publikum gab mir Energie. Es war das beste Publikum, das ich je an einem Lauf hatte", sagte Reid. Den Streckenrekord des US-Amerikaners Christopher Zablocki verpasste er dabei um lediglich eine halbe Minute. Zweiter wurde Solomon Kidane aus Genf vom THSN Refugee Team (1:09:58), das von der Stiftung "The Human Safety Net Switzerland" und dem Schweizer Marathon-Rekordhalter Tadesse Abraham gegründet wurde und in Genf und Zürich für am Laufen interessierte Menschen mit Fluchthintergrund Training unter Anleitung anbietet.

Durch das FCL-Stadion ... … und das Kultur- & Kongresszentrum Luzern (KKL)
(Fotos © swiss-image.ch/Philipp Schmidli)

Bei den Frauen gewann Sina Michael in 1:18:00 Stunden und lag damit fast eineinhalb Minuten vor der Vorjahressiegerin Bettina Müller. "Ich bin heute erst zum zweiten Mal einen Halbmarathon gelaufen und daher etwas überrascht, dass ich gewonnen habe", sagte die Bernerin, die wie Bettina Müller erst 20 Jahre alt ist. Auf den Plätzen drei und vier liefen mit Meike Freudenreich (1:21:50) und Natalie Wangler (1:22:46) zwei Läuferinnen aus dem Südbadischen ein.

Einmalig der Zieleinlauf im Verkehrshaus Läuferfest auf und neben der Strecke
(Fotos © swiss-image.ch/Philipp Schmidli)

Der CityRun 10KM wurde im Zentrum von Horw gestartet. Bei den Männern lag Ali Abdisalam vom THSN Refugee Team von Anfang in Führung und lief das ganze Rennen über einsam an der Spitze. Der 20jährige lief mit 31:16 Minuten einen neuen Streckenrekord. Die alte Marke lag bei 31:39 und wurde 2019 von Manuel Walss aufgestellt. "Die letzten zwei Kilometer waren hart, aber es hat grossen Spass gemacht", sagte Abdisalam im Ziel. Der für die LG farbtex Nordschwarzwald startende Raphael Kirn wurde nach 32:30 Fünfter. Bei den Frauen sah es lange nach einem Sieg der Triathletin Nora Gmür aus, bevor Selina Fehler die Führung übernahm und mit 35:54 Minuten gewann. "Ich bin eigentlich 800-Meter-Läuferin und habe nun auf längere Distanzen gewechselt. Das kam mir beim Schlussspurt wohl zugute." Nora Gmür wurde mit acht Sekunden Rückstand Zweite. Die erst 16jährige Shirin Kerber wurde nach 37:04 Vierte.

"Done" Ulrich! Lohn der (Lauf-)Arbeit
(Fotos © swiss-image.ch/Philipp Schmidli)
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Da im Grunde alles nach Plan verlief, es keine Zwischenfälle gab und das Wetter zwar eher zuschauer- als läuferfreundlich war, zeigen sich die Organisatoren durchweg zufrieden. So sprach Reto Schorno von einem "phänomenalen Tag mit einem schönen Vor-Corona-Gefühl, vielen glücklichen Gesichtern und toller Atmosphäre.". Auch Swiss-City-Präsident Jost Huwyler zeigte sich hocherfreut: "Als wir vor 15 Jahren starteten, setzen wir uns zum Ziel, ein Lauffest aufzubauen, bei dem jeder ein Sieger und jede eine Siegerin ist. Die diesjährige Austragung kam dieser Vision sehr nahe." Was liegt nun näher, als bei der 16. Auflage, die für den 29. Oktober 2023 bereits terminiert ist, dieses Ziel in Gänze zu erreichen. Die Online-Anmeldung jedenfalls ist bereits geöffnet….

Bericht von Wilfried Raatz
Fotos von Wilfried Raatz & www.swiss-image.ch/Philipp Schmidli

Ergebnisse & Infos www.swisscitymarathon.ch

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