2.10.22 - 14. Kassel Marathon

Ein familiäres Wiedersehen

von Jörg Engelhardt 

Mit 6800 gemeldeten Teilnehmenden und 5012 Zieleinläufen in allen Wettbewerben feiert Nordhessens größte Laufveranstaltung ein kleines, aber feines Comeback.

Der deutsche Marathonherbst hat viel zu bieten. Letzte Woche noch ein hochklassiges Weltrekordrennen in Berlin, das eine vielfache Teilnehmerzahl aus der ganzen Welt in die deutsche Hauptstadt lockte und diese Woche ein im Vergleich dazu doch sehr überschaubares Teilnehmerfeld, das von wenigen kenianischen SiegläuferInnen einmal abgesehen vor allem Teilnehmende aus Nord- und Mittelhessen sowie die angrenzenden Bundesländer Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen in Hessens drittgrößter Metropole zog.

Marathon und Halbmarathon sind nur zwei der zahlreichen Wettbewerbe beim Kassel Marathon
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Natürlich kommt auch gerne eine nicht allzu große Anzahl von Laufathleten aus anderen Bundesländern zu Besuch, um sich eine Teilnahme in der Stadt der schönen Künste zu gönnen. Denn bekanntlich ist Kassel zwar auf den ersten Blick betrachtet eine Großstadt mit rund 200.000 Einwohnern, von denen es in Deutschland ziemlich viele gibt, aber auf dem Sektor von Kunst und Kultur hat sich Kassel, nicht nur wegen der vor kurzem zu Ende gegangenen Documenta, die die Stadt an der Fulda alle fünf Jahre für hundert Tage zu einer Weltstadt macht, einen weltweiten Bekanntheitsgrad erworben.

 

Ganz nebenbei besitzt Kassel die höchste Museumsdichte Hessens und mit dem Bergpark Wilhelmshöhe eine Sehenswürdigkeit, die vor allem durch ihre äußerst sehenswerten Wasserspiele schon ein Alleinstellungsmerkmal hat. Gründe genug gäbe es also auch für Lauftouristen aus anderen Gefilden ein schönes Laufwochenende in Kassel zu verbringen. Allein das zeigt ein Blick auf die Teilnehmerstatistik, waren dies doch deutlich weniger als in den vorpandemischen Jahren.

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Dennoch ist der diesjährige Kassel Marathon mit seinen Rahmenwettbewerben immer noch die mit Abstand größte Sportveranstaltung, die die Stadt Kassel im gesamten Kalenderjahr zu bieten hat. Das wissen auch ihre Stadtväter und so ließ es sich natürlich Oberbürgermeister Christian Geselle in diesem Jahr nicht nehmen vor Ort zu sein und gemeinsam mit Organisationsleiter Michael Aufenanger die Siegerehrung im Auestadion vorzunehmen.

Mit dem Start- und Zielbereich auf dem Messegelände nahm der Kassel Marathon seinen Anfang, ehe er in das nahegelegene Auestadion umzog. Heute finden auf dem Kasseler Messegelände überwiegend nur noch kleinere Messen statt. Sport wird hier aber dennoch geboten. Der Handball-Bundesligist HT Melsungen trägt in der auf dem Gelände befindlichen Rothebach Halle seine Heimspiele aus

Rückendeckung aus dem Rathaus war also vorhanden, als sich Michael Aufenanger in der Nachfolge seines im letzten Jahr verstorbenen Vaters Winfried mit neuem Organisationsteam, zudem auch Spitzenläufer Jens Nerkamp als Büroleiter gehört, aber auch altbewährten Mitstreitern an seiner Seite an die Planung und Neuausrichtung der diesjährigen Auflage machte. Dies war natürlich noch mit der Schwierigkeit behaftet, dass der langjährige Titelsponsor EAM sein Engagement beendet hat. Was bedeutet: Weniger Sponsorengeld einerseits und durch deutlich geringere Teilnehmerzahlen auch weniger Einnahmen andererseits.

 

Ein Spagat, den derzeit viele Veranstaltungsmacher vollziehen müssen, wenn sie ihre Marathonevents auch in Zukunft am Leben erhalten wollen. Leider macht auch Kassel hier keine Ausnahme. Wenn man sich die vor allem sehr rückläufigen Teilnehmerzahlen im namensgebenden Marathonlauf betrachtet, könnte es einen um die Zukunft des Kassel Marathon schon Angst und Bange werden.

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In der abschließenden Pressekonferenz wird Michael Aufenanger auch genau dieses einräumen müssen :"Wir brauchen dringend wieder einen Titelsponsor oder wenigstens einen zahlungskräftigen Hauptsponsor, sonst können wir die Veranstaltung in diesem Umfang und dieser Qualität auf Dauer nicht mehr am Leben halten. Dieses Jahr konnten wir das noch, aber da haben wir schon auf der Ausgabenseite einige Einsparungen vornehmen müssen."

Ein ähnliches Szenario wie zuletzt in Heilbronn und Egelsbach könnte dann auch in Kassel drohen. Nämlich, dass eine ursprünglich als Marathon konzipierte Laufveranstaltung, ohne den namensgebenden Marathon stattfinden muss. Zumal auch einmal mehr festgestellt werden musste, dass sich auch immer weniger freiwillige Helfer für eine ehrenamtliche Mitarbeit bei einer solchen Großveranstaltung gewinnen lassen. Doch jetzt erst einmal weg von den düsteren Aussichten auf die Zukunft, hin zu den erfreulichen Aspekten der Gegenwart. Diese haben bei der ersten realen Austragung seit über drei Jahren deutlich überwogen.

Die Bäume am Ufer der Fulda entfalten bereits ihre herbstliche Farbenpracht Die Führungsradfahrer in Vorbereitung ihrer verantwortungsvollen Aufgabe

Die diesjährige Veranstaltung war auch ohne den Begründer Winfried Aufenanger vom Familienunternehmen geprägt. Neben Sohn Michael, der jetzt offiziell an der Spitze des gesamten Organisations- und Helferstabs steht, leisten die Frauen aus dem Hause Aufenanger ganze Arbeit. Ehefrau Brigitte Aufenanger ist schon morgens kurz nach 7 Uhr "Hans Dampf in allen Gassen". Schwiegertochter Sarah hat unentwegt alle Hände voll zu tun. Selbst die beiden ältesten Enkeltöchter Elisa und Paula arbeiten schon fleißig mit, während die allerjüngste Enkeltochter Charlotte am Mini-Marathon teilnahm und die 4,2 Km in 23:03 min. beendete. Es lässt sich schnell erkennen, dass sich zur Trauer um den Verlust des Ehemannes, Vaters und Großvaters längst die Motivation gesellte, dessen großes Lebenswerk in eine gute Zukunft zu führen.

Auch sportlich brachte die Neuauflage überraschend gute Ergebnisse zu Tage und einen alten Bekannten in neuem Trikot, der bis dato völlig Unbekanntes zu berichten hatte, gab es auch wieder zu begrüßen. Die Läuferwelt ist groß, wenn man bedenkt, wie viele Kilometer pro Jahr ein LaufReporter zurücklegen muss, um über die großen, wie auch kleinen Ereignisse im Laufsportkalender zu berichten. Sie wird aber auch wiederum sehr klein, wenn man alten Bekannten aus der Läuferwelt begegnet, besonders dann, wenn diese Neues zu erzählen haben, was im Grunde genommen auch schon sehr alt ist.

Der Kassel Marathon ist vor allem bekannt, für die Vielzahl seiner Rahmenwettbewerbe und die ungewöhnlich hohe Anzahl an Sonderwertungen, die den Laufprotagonisten aus nah und fern weit höhere Erfolgsaussichten garantieren als anderswo. Wegen dieses umfangreichen Wettbewerbsprogrammes, wird sich dieser Bericht auf die Wettbewerbe Mini - Marathon, Halbmarathon und Marathon fokussieren. Die Ergebnisse der übrigen Konkurrenzen und Sonderwertungen können wieder über den Link am Ende des Berichts abgerufen werden.

Am Ende des Feldes gehen auch die Power Walker auf die Halbmarathon Distanz. So wie hier Heike Stöhr. Bei den Frauen siegt in dieser Konkurrenz Anette Amend, bei den Männern liegt Lothar Schneider vom Laufteam Kassel vorne

Mini-Marathon

Vorneweg: Der Mini-Marathon am Samstag ist mittlerweile schon das eigentliche Aushängeschild der gesamten Veranstaltung. 5000 Zuschauer beim Zieleinlauf im Auestadion. Das ist eine Zahl, die es so bei Läufen, die einzig und allein für Kinder und Jugendliche angeboten werden im deutschen Laufkalender nicht allzu oft gibt. Selbst der Viertligist KSV Hessen Kassel, der in den 80er Jahren oft sehr knapp am Aufstieg in die Fußball-Bundesliga gescheitert ist und nunmehr gegenwärtig das Tabellenende in der Regionalliga Süd-West ziert, wäre mittlerweile über einen derartigen Zuschauerzuspruch erfreut.

Bei den Mädchen konnte Pauline Kleesiek vom Friedrichsgymnasium in Kassel den Sieg in einer Endzeit von 16:58 min. davon tragen. Ihr folgte Louisa Martin von der LG Eder nach 17:15 min. auf das Podest. Das Podium konnte Sophia Fröhlich (Tuspo Borken) mit einer Endzeit von 17:55 min. komplettieren. Bei den Jungs konnte Jakob Dieterich, der ebenfalls dem zahlenmäßig stark vertretenen Friedrichsgymnasium angehört, nach 13:54 min. den Sieg perfekt machen. Maximilian Opfer (Black Forrest Laktatvernichter) sicherte sich schon deutlich abgeschlagen nach 14:47 min. den zweiten Platz. Der Bronzerang landete dann wieder im Hause Kleesiek und einmal mehr im Friedrichsgymnasium. Moritz Kleesiek sicherte sich nach 14:56 min. den dritten Platz.

2243 Mädchen und Jungen kamen bei dieser Austragung erfolgreich ins Ziel.

Ein ansehnliches Zuschauerspalier erwartete die Läuferschar kurz vor dem Abzweig hin zum Marathontor, bevor eine Stadionrunde bis ins Ziel führte Medaillen und freundliche Worte empfingen die Athletinnen und Athleten im Zielbereich

Halbmarathon

Der Halbmarathon war im Vergleich zum namensgebenden Hauptmarathon die deutlich beliebtere Distanz. 396 Frauen und 794 Männer konnten hier erfolgreich ihr Rennen zu Ende bringen. Wie schon bei der letztmaligen Auflage vor drei Jahren, konnte hier ein Akteur des Laufteams Kassel den Sieg davontragen. Damals war es Philipp Stuckhard, der mittlerweile für den SSC Hanau-Rodenbach startet. Die Zeit damals 1:08:48 min.

So schnell sollte es heute nicht werden. Doch zeigte Marius Puchta eine überzeugende Vorstellung und hatte weitgehend keine Konkurrenz zu fürchten. Schon bei Km 1 lag er gemeinsam mit den beiden schnellsten Marathonläufern in Führung und gab diese bis zum Ziel nicht mehr ab. Unter dem begeisterten Beifall des Publikums lief er nach 1:11:16 h mit einem "Aufi mit Herz"-Schild ins Ziel und sorgte damit für einen emotionalen Moment. Paul-Simon Reiß (Hannover 96) lief schon mit deutlichem Abstand in der ersten Verfolgergruppe hinter Marius Puchta her und konnte sich mit seinem zweiten Platz nach 1:13:41 h den Meistertitel bei den Deutschen Ökomenischen Kirchenmeisterschaften sichern, da er bei der Dompfarrei St. Peter in Fritzlar angestellt ist. Manuel Werner vom Hünfelder SV, der zu Beginn des Rennens noch mit Marius Puchta in der Spitzengruppe unterwegs war, sicherte sich nach 1:14:38 h Rang 3. Nur wenige Sekunden nach ihm kam auf dem undankbaren vierten Platz Lukas Menke (Rheinmetall Landsysteme GmbH) mit einer Endzeit von 1:14:58 h ins Ziel. Den fünften Platz erlief sich Dennis Heberer (gotorun) in einer Zeit von 1:15:14 h.

Der spätere Halbmarathonsieger Marius Puchta (1878) führt von Beginn das gesamte Feld an. Hinter ihm die führenden Marathonläufer Patrick Ereng (1) und Lenkai Olenkanae (verdeckt), sowie Manuel Werner (2266), der am Ende auf Platz 3 der Halbmarathonwertung laufen wird Der spätere Zweite im Halbmarathon Paul-Simon Reiß (1905) führt die Verfolgergruppe mit dem späteren Halbmarathonvierten Lukas Menke (1741) an

Keine Chance auf das Podium hatte Andreas Löwe vom Laufteam Kassel, der das Rennen mit einer Zeit von 1:55:06 h auf Gesamtrang 389 zu Ende brachte. In seinen besten Jahren konnte er, damals noch im Trikot der LG Bad Soden-Neuenhain unterwegs, diese Distanz in Endzeiten von unter 1:20 h zu Ende bringen. Schon seit Jahrzehnten, genauer gesagt seit 1997 nahm er an Laufseminaren teil, die Winfried Aufenanger jährlich in Portugal veranstaltet hatte. Dadurch kennt er auch die übrige Familie Aufenanger ganz gut. Bei einem späteren Trainingsaufenthalt auf der Insel Sylt fällt ihm eine jüngere Frau auf, die nach seinen eigenen Worten, "trainiert wie ein Tier". Er spricht sie an und empfiehlt ihr ebenfalls eine Teilnahme an dem bereits erwähnten Laufseminar. Die jüngere Frau folgt dieser Empfehlung und wohin das Sandra Morchner geführt hat, davon wird nun im Bericht über das Frauenrennen die Rede sein.

Musa Muhamed Bahar wird als 6. in der HM-Gesamtwertung entscheidend zum Sieg des Laufteam Kassel in der Mannschaftswertung beitragen Andreas Löwe aus dem Frankfurter Stadtteil Unterliederbach, läuft schon seit letztem Jahr für das Laufteam Kassel: "Die Aufenangers kenne ich schon seit Jahren."

Das Männerrennen fiel etwas langsamer aus als bei der letzten Auflage 2019, dafür sollte das Frauenrennen diesmal etwas schneller werden. Garant dafür war die Teilnahme von Sandra Morchner, die zeitgleich zur letzten Auflage des Kassel Marathon den bislang größten internationalen Erfolg ihrer ohnehin schon äußerst erfolgreichen Karriere als Mastersläuferin errang. Bei den Masters-Europameisterschaften 2019 in der Region Venedig wurde sie Europameisterin in der Altersklasse W45. Deutsche Meistertitel in den Altersklassen W45 und W50 hat sie mehrfach errungen. Auch auf der Halb- wie der vollen Marathondistanz hält sie deutsche Altersrekorde. Beim Berlin Marathon im vergangenen Jahr schraubte sie den deutschen W50-Rekord auf 2:39:36 h und war damit zweitschnellste Deutsche hinter Rabea Schöneborn.

Sandra Morchner führt zunächst das Halbmarathonfeld der Frauen mit großem Vorsprung an Nina Engelhard überholt bei Km 16 die bis dahin in Führung liegende Sandra Morchner und läuft in ihrem ersten Halbmarathon zum Sieg

Natürlich war die Bürokauffrau aus Wenningstedt auf der Insel Sylt, hier für das Laufteam Kassel am Start, als absolute Favoritin anzusehen. Doch es kam anders. Bei Kilometer 15 brach eine Verletzung auf, der Schmerz nahm zu und ihre Geschwindigkeit ab. Die bis dato deutlich hinter ihr liegende Nina Engelhard (PSV Grün-Weiß Kassel) lief bei Km 16 an ihr vorbei und siegte mit einer Endzeit von 1:19:19 h. Am Ende hatte auch Sandra Morchner den Halbmarathon nach 1:21:56 tapfer zu Ende gebracht: "Ich wollte das Rennen wenigstens zu Ende bringen, auch für Winfried." Ob Sandra Morchner ohne die plötzlich auftretende Verletzung gewonnen hätte, bleibt unbeantwortet. Ob sie aber jemals so erfolgreich geworden wäre, wenn sie der bereits erwähnte Andreas Löwe damals nicht angesprochen hätte, ist eine ganz andere Frage, die man wahrscheinlich mit Nein beantworten müsste. Den letzten freien Podestplatz nahm Sabina Stübner vom TSV Obervorschütz ein, die ihr Rennen nach 1:27:35 h beendet hatte. Platz 4 belegte Merle Wiegand vom SCC Berlin nach 1:30:47 h. Liesa Gläß kam nach 1:33:54 h als Fünfte ins Ziel.

Patrick Ereng (1) und Lenkai Olenkanae haben sich vom Rest des Feldes abgesetzt und werden den Sieg im Marathon unter sich ausmachen Der spätere Marathondritte Tom Ring (6), wird sich gleich von dem neben ihm liegenden Paul-Simon Reiß trennen und über die Karlsaue auf die zweite Marathonrunde gehen. Reiß, der im Halbmarathon den zweiten Platz erringen wird, wird zudem Deutscher Ökomenischer Kirchenmeister

Marathon

Im Marathonrennen der Frauen war Laura Hottenrott (PSV Grün-Weiß Kassel) angekündigt, die durch Corona an der WM-Teilnahme verhindert war. Doch trotz dieser Ankündigung nahm sie im Hinblick auf den bald statt findenden Frankfurt Marathon wieder Abstand von diesem Vorhaben. So dass die Bahn frei war für zwei kenianische Läuferinnen. Mercy Jeptoo Tuiotek und Chaltu Fikado Marame blieben lange dicht beisammen liegend auf den ersten Plätzen. Am Ende hatte Mercy Jeptoo Tuitoek, die während des Rennens durch überdurchschnittlich lange Trinkphasen auffiel, die Nase vorn. Mit einer Endzeit von 2:37:36 h überquerte sie den Zielstrich und griff, wen wundert´s erst einmal zur Trinkflasche. Sie würde auch im nächsten Jahr gerne wiederkommen, wenn sie eine Einladung bekäme. Eine Zusage, die ihr Organisationsleiter Michael Aufenanger auch sehr schnell machte.

Fikru Luiseged, der den 8. Platz in der Männerwertung des Marathonlaufs erreichen wird, fungierte vorübergehend als Zugmaschine für die spätere Marathon Siegerin Mercy Jeptoo Tuitoek (10) und die spätere Zweite Chaltu Fikadu Marame Jan Kaschura, der im letzten Jahr den Lübeck Marathon für sich entscheiden konnte, läuft heute auf Platz 5 im Marathon Männerklassement und zum 2. Platz in der M35

Auch Chaltu Fikado Marame war vom zweiten Platz nicht mehr zu verdrängen und beendete ihr Rennen in 2:39:53 h. Im Ziel erlitt sie einen kurzen Schwächeanfall, den sie aber glücklicherweise überwand. Danach dauert es ziemlich lange, ehe die vereinslose Mona Grewe als Tagesdritte nach 3:22:37 h ins Ziel kam. Rang 4 erlief sich Julia Böttchers von den Teilzeitäufern aus Bielefeld mit einer Endzeit von 3:33:43 h. Nina Zellermann von AthLeLa-Running-Team sicherte sich nach 3:34:33 h den fünften Platz.

Mercy Jeptoo Tuitoek wird gleich nach ihrem Marathon-Sieg von aufmerksamen Zielhelfern mit einer wärmenden Decke versorgt Chaltu Fikadu Marame läuft auf Rang 2

Patrick Ereng heißt der diesjährige Sieger des Kassel Marathon. Er lag gemeinsam mit dem späteren Zweiten Lenkai Olenkanae (2:20:36) durchgängig in Führung und siegte in 2:19:50 h. Tom Ring vom Laufteam Kassel hingegen hatte mit einer Bestmarke von 2:27:02 ausgestattet keine Chance auf den Sieg, aber auch keinen Läufer hinter sich, der ihm den letzten freien Platz auf dem Podium noch streitig machen könnte. Mit der Endzeit von 2:31:17 h zeigte er sich dennoch zufrieden. "Für das Maß an Training, was ich aufgewendet habe, ist das in etwa die Zeit, die man laufen kann."

Patrick Ereng gewinnt den Kassel Marathon 2022 Lenkai Olenkanae folgt auf den zweiten Platz

Beruflich als Physiker stark eingespannt, wird er sein Trainingspensum auch in nächster Zeit nicht nach oben fahren. "Ich habe mich verlobt und privat stehen erst einmal andere Pläne an. Der neue 2-Runden-Kurs ist toll, weil da viel mehr Zuschauer stehen. Gerade an den Anstiegen haben mir die Zuschauer in der zweiten Runde sehr gut getan. Es ist schon ein Vorteil, wenn man so wie ich aus Kassel kommt. Denn gerade in der zweiten Runde brauchst du Leute, die dich anfeuern", lobte er auch die Organisationsleitung für den neuen Kurs, der allerdings durch 125 Höhenmeter pro Runde nicht mehr so schnell zu belaufen ist.

Tom Ring sichert sich als Dritter den letzten freien Platz auf dem Marathon Podest Pascal Fischer vom Laufteam Kassel freut sich nicht nur über seinen vierten Marathon Platz, sondern auch über den Sieg in der Marathon Mannschaftswertung, den er gemeinsam mit Tom Ring und Diego Fort errungen hat

Platz 4 ging an einen weiteren Athleten des Laufteams Kassel. Pascal Fischer lief nach 2:35:21 h ins Ziel und wurde damit gemeinsam mit Tom Ring und Diego Fort Sieger in der Mannschaftswertung. Auf Platz 5 der Männerwertung und Gesamtrang 6 in 2:39:42 h lief Jan Kaschura ein, der bei der letzten Auflage vor drei Jahren in 2:28:57 h in einem wesentlich stärker besetzten Feld den achten Platz erringen konnte.

Die schnellste Männerstaffel TSV Niederelsungen läuft nach 2:31:01 h im Auestadion ins Ziel Aus den Händen von Organisationsleiter Michael Aufenanger und Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (ganz rechts) erhalten die drei schnellsten Marathonläufer ihre Preise

Der neue 2-Runden-Kurs wurde von der anwesenden Läuferschar gut angenommen, trotz der etwas bergigeren Streckenführung haben die meisten Teilnehmer den neuen Kurs sehr gelobt, vor allem weil er mehr Zuschauer an die Strecke und auch mehr Sehenswürdigkeiten im Bereich der Kasseler Innenstadt zum Vorschein bringt. Doch war die Finisherzahl auf der Marathondistanz deutlich geringer als bei den letzten beiden realen Auflagen in den Jahren 2019 und 2018. Vor drei Jahren hatten noch 340 Marathonis den Weg ins Ziel gefunden. Bei der Ausgabe davor, waren es gar noch 367 Aktive. Diesmal kamen nur 39 Frauen und 158 Männer ins Ziel. Das macht gerade mal noch 197 Teilnehmer, die die lange Distanz erfolgreich zu Ende brachten. So gesehen ist das schon eine recht bittere Träne im ansonsten prall gefüllten Freudenbecher. Wie man dem begegnen kann? Mit dieser Frage wird sich Michael Aufenanger gemeinsam mit seinem Organisationsteam Gedanken machen müssen. Dazu kommt die Suche eines neuen Titel- oder Hauptsponsors.

Für die Hinterbliebenen von Winfried Aufenanger bleibt der Kassel Marathon auch in Zukunft eine Herzensangelegenheit. Von links nach rechts: Enkeltochter Paula, Schwiegertochter Sarah, Ehefrau Brigitte und Sohn Michael Freude beim Laufteam Kassel über eine gelungene Veranstaltung und die zahlreichen Erfolge
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Trotz des zufriedenstellenden Fazits, eine gute und auch atmosphärisch stimmungsvolle Veranstaltung auf die Beine gestellt zu haben, geht der Kassel Marathon in einer schwierigen Zeit vermutlich einer noch schwereren entgegen. Erleben wir bald auch in Kassel einen Marathon ohne Marathon?

Bericht und Fotos von Jörg Engelhardt

Infos & Ergebnisse www.kassel-marathon.de

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