23.10.22 - 43. Pfinztallauf des TSV Berghausen

Tradition trifft Moderne - neue Ideen beim Laufevent entlang der Pfinz

von Anette Judith Scholl 

Laufgenuss mit Tradition: Pfinztallauf in seiner 43. Austragung

Nach über vierzig Jahren kann man mit Fug und Recht von einer echten Tradition sprechen, und 2017 zum 40-jährigen Jubiläum hatte sich der TSV Berghausen sogar etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Der damalige Sieger des 1. Pfinztallaufs 1977, Hans Gulyas, die Laufsportlegende aus Baden, hatte zum Vierzigsten den Startschuss gegeben.

 

Dieses Mal, zum 43. Internationalen Pfinztallauf am Sonntagmorgen in Berghausen, erledigte das der Moderator der Veranstaltung, Bernhard Stobitzer, und zwar in gewohnt erfrischender und wortgewandter Art. Frisch waren auch die Temperaturen, wenngleich die aktuell angekündigte herbstliche Schönwetterlage schon ihre ersten Sonnenstrahlen vorausschickte, so dass die zu erwartenden Tageshöchstwerte um die 20°C durchaus vorstellbar wurden. Aber so weit waren wir noch nicht, denn zum Beginn der Veranstaltung waren als Erstes die Schüler dran. Irgendwie hatte sich das bewährt, mit den U18-Schülern zu beginnen, danach den Hauptlauf um 10 Uhr zu starten, bevor ab 11.15 Uhr die Kleinen und ganz Kleinen auf ihre 200m und 400m Strecke im Hopfenbergstadion geschickt wurden.

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43. Pfinztallauf des TSV Berghausen
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

 

Koordinationsteam-Leiter Norbert Ehrler und seine Helfer atmeten auf: Die vor ein paar Tagen noch kursierenden Regenvorhersagen hatten sich in Wohlgefallen aufgelöst angesichts der paar Wolken und der hervorkommenden Sonne. Ein niederschlagsfreier Herbstsonntag nahm sozusagen seinen Lauf. In und um die TSV Halle herrschte allmählich viel Betrieb, und so zeichnete sich ab, dass nach den ganz guten Voranmeldezahlen noch einige Nachmelder vom Angebot des TSV Berghausen Gebrauch machen würden.

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Nachdem man in diesem Jahr erstmals mit einer neuen Zeiterfassung arbeitete, war es für Norbert Ehrler und sein Team zusätzlich spannend, nicht davon zu reden, dass einer der Verantwortlichen quasi in letzter Sekunde aus dem einen Grund verhindert war, der in den letzten zweieinhalb Jahre so vieles verhindert hatte. Aber davon ließ man sich förmlich nicht ausbremsen und blieb ganz einfach im Plan.

Viel Andrang am Sonntagmorgen beim TSV Berghausen Ruhe vor dem Ansturm - einladende Tischdeko ist in Pfinztal obligatorisch

Neue Anreize beim Schülerlauf

Gestartet wurde um 9:45 Uhr auch heuer zuerst mit dem Schülerlauf, der anlässlich des 40. Jubiläums ins Leben gerufen worden war, um auch Schüler und Pfinztaler Schulklassen zum Laufen zu motivieren. Aus den vormals 3100 Metern wurde nun ein runder 3000m Lauf auf dem Kurs des Pfinztallaufs, bei dem zwar der Einzelstart in die Wertung einging, aber zusätzlich eine Mannschaftswertung bestehend aus Teams von mindestens 8 Teilnehmer:innen im Vordergrund stand. Die drei Teams mit den meisten Finishern erwartete ein Geldpreis - gedacht zum Beispiel als ideale Einlage in die jeweilige Klassen- oder Gruppenkasse.

Große Auswahl an leckerem Kuchen - das Lächeln gibt's gratis dazu Beim Start zum 200m Bambinilauf macht Bernhard Stobitzer klare Ansagen - auch an die Eltern ;-)

Mit dem Sieger-Preis in Höhe von 100€ für das Team mit den meisten Zieleinläufen innerhalb eines moderaten Zeitlimits wurde ein Anreiz geschaffen, der sich für zukünftige Pfinztalläufe sicher noch herumsprechen wird. Von den 10- bis 15-Jährigen Starter:innen beim diesjährigen Laufevent machte der TSV U12 mit 15 Finishern ganz knapp das Rennen vor den 14 Finishern der TG Söllingen und LMG-9b mit 9 Finishern. Die Einzelwertung gewann Joona Hakenes (LG Region Karlsruhe) in 11:26min, bei den Mädchen siegten zwei zeitgleiche Schwestern, Malia und Kiana Urich (LMG-5c), die in 12:48min die schnellsten Mädchen des 3000 Meter Schülerlaufs waren. Insgesamt wagten sich knapp 60 Schüler:innen auf den 3000m Kurs, und damit fast genauso viele wie bei der letzten Austragung 2019.

Start zum 3000m Schülerlauf Ehrung mit Norbert Ehrler (re.) und Bürgermeisterin Nicola Bodner. 3000m Sieger Joona Hakenes (LG Region Karlsruhe) und Malia Urich (LMG-5c), eine von zwei zeitgleichen Schwestern

Hauptlauf entlang der idyllischen Pfinz

Als um 10 Uhr das Läuferfeld des 10km-Hauptlaufs unter dem roten Startbanner auf den Startschuss wartete, hatte sich bereits die Sonne durchgesetzt. Bernhard Stobitzer gab noch eine Info zur geringfügig veränderten Streckenführung und wies auf enge Kurven, auf die nicht ganz einfach zu nehmende Unterführung und das stellenweise zu erwartende Laub hin, und wünschte allen 195 Starter:innen einen guten Lauf. Die in der Ausschreibung beschriebene "asphaltierte, fast ebene Wendepunktstrecke teils entlang der idyllischen Pfinz" führte zunächst durch Söllinger Wohngebiet und grob in Richtung Kleinsteinbach. Spätestens nach dem Durchlaufen der Unterführung wurde jedem Nicht-Pfinztaler klar, dass die Streckenbeschreibung durchaus unzutreffende Assoziationen wecken konnte. Losgelöst von sprachlichen Spitzfindigkeiten war der Untergrund der Laufstrecke wirklich fast eben, aber wer sich etwa eine flache Laufstrecke vorgestellt hatte, lag definitiv falsch. Nach dem Durchschnaufen beim Aufstieg aus der Unterführung gelangte man zügig auf den Streckenabschnitt durch das Waldgebiet und spürte förmlich, wie der sich ziehende Anstieg und das wellige Profil die Beine schwer machten.

10km Start (Foto Veranstalter) Die asphaltierte, fast ebene Wendepunktstrecke führt teils entlang der idyllischen Pfinz

Kurz vor Kilometer 5 erreichte man den Wendepunkt beim Festplatz Kleinsteinbach, und wie der Sieger später treffend formulierte: "Ja, ab dem Wendepunkt war die Strecke gut zu laufen." Der Weg zurück im Abwärtstrend und teils auf dem Radweg nach Berghausen bot nun wirklich idyllische Aussichten entlang der Pfinz inklusive dem kurzen Blickwechsel mit friedlich grasenden Schafen, bevor die Läufer:innen durch den Seiteneingang ins Zopfenbergstadion gelangten und zum Schlussspurt ansetzen konnten. Erfreulicherweise gab's im Ziel wieder heißen Tee, zubereitet aus echten Teebeuteln in großen Emaille-Töpfen und dezent gesüßt, dargereicht von den sehr netten Alle-Jahre-wieder-Herren, die dem TSV Berghausen hoffentlich noch viele weitere Jahre zur Verfügung stehen werden.

Robin Habermann (TSV Holzmaden) gewinnt den 43. Pfinztallauf Vorjahressieger Holger Körner wird Zweiter 3. Tim Weber, 4. Andreas Michaelis und 5. Roland Golderer (1. M45) bei km 3 - die Reihenfolge sollte sich nicht mehr ändern

Badisch-württembergisches Siegerduo

Die Gewinner des 43. Pfinztallaufs waren zum ersten Mal hier gestartet, und beide hatten ihren Vorsprung schon bald nach dem Start herausgelaufen. Fast vom Fleck weg hatte Robin Habermann (TSV Holzmaden) sich an die Spitze des Feldes gesetzt, und schon am Wendepunkt war erkennbar, dass er die Führung nicht mehr aus der Hand geben würde. Er war eher spontan aus dem Württembergischen ins Badische gekommen, weil ein eigentlich geplanter vermessener 10km Lauf abgesagt worden war, "…da hab' ich geswitcht, weil ich zum Saisonausgang einfach noch ein bisschen schnell laufen wollte, bisschen noch gucken, was im Tank ist, aber nach 5 Rennen in 6 Wochen fehlt so ein bissl die Pushe." Die fünf Rennen hatten aus einem Fünfer, zwei Halbmarathons und zwei Zehnern bestanden, einer davon im badischen Rot vor sechs Wochen, wo der schwäbische Läufer beim Golfparklauf in 31:59min auf Platz zwei gelaufen war. "Meine Zeit heute war netto 32:15, das ist ok für diese Strecke. Auf ´ner flachen Strecke wär sicher ne 31 drin gewesen, aber mit den zwei Huckeln und der Unterführung ging das nicht, wobei ich ganz zufrieden bin zum Saison-Ende, meine Bestzeit ist ne hohe 31."

2. M45 Christoph Hakenes wird 6. gesamt Vorn U16-Sieger Tim Schulz von der LG Region Karlsruhe Jüngster 10km Finisher, der zwölfjährige Lorenz Böhm, Sieger der U14

Bei Holger Körner (LG Region Karlsruhe), als Sieger des 42. Pfinztallaufs mit der Startnummer 1 am Start, reichten dieses Mal die 32:44min "nur" für den zweiten Platz. "Ich komme ja von hier, ich kenne die Topographie und für mich ist die Strecke eher flach. Mit meinem heutigen Ergebnis bin ich sehr zufrieden." Wen sollte es wundern, denn er war kraftvoll und in perfekt anmutendem Laufstil in die Stadionrunde gelaufen und konnte seine Siegerzeit von vor drei Jahren (33:53min) deutlich verbessern. Tim Weber (VfB Pfinzweiler) gab auf den letzten Metern nochmal alles und überquerte die Zielmatte knapp zwei Minuten später in 34:49min. Damit verbesserte der Zweiradhändler aus Langenalb ebenfalls sein 10km-Ergebnis von vor gut einer Woche und schaffte den Sprung aufs Pfinztaler Siegertreppchen. Beim Oberwaldlauf in Karlsruhe-Rüppurr war er in 35:33min Vierter geworden.

Sophia Kaiser vom Start an in Führung, distanzierte das Frauenfeld Katja Schulz wird schnellste Pfinztalerin 2. W55 Dagmar Rübenacker (34; Gazelle Pforzheim), 3. M60 Wolfgang Hätele (SG Stein) und 1. W60 Anette Judith Scholl (TSV 05 Rot)

Bei den Frauen lief Sophia Kaiser (LG Region Karlsruhe) allen anderen Damen weit voraus und wiederholte quasi ihren TuS Rüppurr-Sieg im Oberwald. "Aber das ist kein Ergebnis, auf das ich besonders stolz bin. Hier lag's nun mehr an der Konkurrenz, dass ich so deutlich gesiegt habe.", war der uneitle Kommentar der 26-Jährigen. Nach 37:43min war sie im Ziel des Hopfenbergstadions angekommen, zwei Minuten weniger sind bei ihr locker drin. "Ich bin zum ersten Mal hier gelaufen und muss zugeben, dass ich mich im Vorfeld gar nicht über die Strecke informiert habe - da waren doch einige Steigungen drin, die ich nicht auf dem Schirm hatte." Die in Karlsruhe lebende "Management"-Studentin an der Uni Mannheim schreibt gerade an ihrer Masterarbeit, das Ende ist absehbar und im kommenden Jahr eine Reise-Auszeit in die USA geplant. Zweite Frau wurde die vereinslose Jasmin Bajadzic in 41:17min, und nach 43:37min komplettierte Theresa Maier-Kraus das Siegerpodest der Frauen.

Echter Tee im Ziel - heiß und nur dezent gesüßt - fachmännisch ausgegeben

Beim Après alles wie gewohnt

Während man in der Warteschleife zur Siegerehrung unhektisch duschen konnte, hatte sich die TSV Halle deutlich gefüllt. Tatsächlich entstand der Eindruck, dass fast jeder Platz besetzt war, und hier hatte man das Gefühl, dass der Andrang derselbe war wie vor der Covid-bedingten Pause. Das lag natürlich auch daran, dass insgesamt fast zweihundert Schüler:innen und Bambinis wieder mit Begeisterung teilgenommen hatten und samt familiärem Anhang gespannt auf die Siegerehrung warteten. Hier zeigte sich, dass das Konzept aufging und gute Ideen entsprechend angenommen wurden. Wie jedes Jahr ließ es sich die sympathische Pfinztaler Bürgermeisterin Nicola Bodner nicht nehmen, die Siegerpreise persönlich zu überreichen, und bei der Hauptlaufwertung in großzügigen 5-Jahres-Schritten sowie bei den zahlreichen Kinder- und Schüler-Ehrungen hatte sie hier wieder einiges zu tun.

Norbert Ehrler (li) und Bürgermeisterin Nicola Bodner bei der Ehrung der Gesamtsieger Sophia Kaiser und Robin Habermann Die schnellste Pfinztalerin und der schnellster Pfinztaler mit Sponsor SURMED

Der 43. Pfinztallauf war eine top organisierte Veranstaltung und dennoch mit familiärem Charme: Angefangen beim durchgetakteten Ablauf, der profimäßigen Moderation, dem vielfältigen Essensangebot bis hin zu den umfangreichen Ehrungen blieben wohl keine Wünsche offen.

Die Zeiterfassung mit neuem System wurde mit Bravour bewältigt Schnellste Pfinztalerin Katja Schulz freut sich über den tollen Pokal
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Der Wunsch nach möglichst hohen Teilnehmerzahlen besteht vermutlich bei jedem Veranstalter. Nachdem man in den Jahren bis 2017 regelmäßig um die 300 Starter beim 10km-Hauptlauf zählen konnte - mal neun weniger, mal dreißig mehr - waren es dieses Mal knapp 200, die ins Ziel liefen. Die Antwort auf die Frage, woran das gelegen haben mag, lag nahe, bzw. gerade mal 20 Kilometer entfernt, wo eine weitere badische Veranstaltung zum Laufen einlud. Es liegt auf der Hand, dass zwei ähnliche Laufevents, die am selben Tag in fast schon unmittelbarer Nähe stattfinden, sich gegenseitig Konkurrenz machen, und vielleicht ist die Frage erlaubt, warum es zu so einer "Kollision" kommen muss, anstatt bei der Terminplanung gegenseitige Interessen und den beiderseitigen Wunsch nach möglichst attraktiven Teilnehmerzahlen zu berücksichtigen.

Bericht von Anette Judith Scholl
Fotos Anette Judith Scholl & Ekkehard Gübel

Ergebnisse my.raceresult.com Infos www.tsv-berghausen.de

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