30.10.21 - 9. Schweicher Fährturmlauf

Ausnahmsweise als Herbstlauf

von Holger Teusch 

 

Mehr als ein halbes Jahrzehnt lang startete die Straßenlaufsaison in der Region Trier mit dem Fährturmlauf in Schweich. 2020 war die Veranstaltung die erste im deutsch-luxemburgischen Grenzgebiet, die wegen der Corona-Pandemie ausfiel. 2,5 Jahre nach der achten gab es am letzten Oktober-Samstag die neunte Auflage.

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Der Herbst traf die Lauf-Organisatoren des LT Schweich mit voller Wucht: Nach Sonnenschein am Tag zuvor begann der neunte Fährturmlauf am letzten Oktober-Samstag mit Dauerregen und grauer Tristesse. Also so ziemlich genau dem Gegenteil, wie man von 2012 bis 2019 achtmal im März die Straßenlaufsaison rund um Trier eröffnet hatte. Der Herbst- war nur ein Ausweichtermin, weil bekanntlich im Frühjahr des Jahres keine Breitensportveranstaltungen durchgeführt werden konnten. Genauso wie 2020, als der Fährturmlauf zu Beginn der Corona-Pandemie der erste Lauf im deutsch-luxemburgischen Grenzgebiet war, der wegen der Beschränkungen erst verschoben und dann ganz abgesagt wurde.

Buntes Herbstlaub statt der ersten zarten Knospen säumte diesmal die Strecke des Fährturmlaufs… … dass fleißige Helfer wie Martin Kemen (links) und Arthur Schmitt in mühevoller Arbeit beiseite kehrten, damit die Läufer so wenig wie möglich rutschten
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Noch einmal ein Jahr ohne Fährturmlauf, das wollte man beim LT Schweich nicht. Und dann halt im Herbst und anders als gewohnt. Keine Duschen, keine Siegerehrungsfeier in der schmucken neuen Aula des Stefan-Andres-Schulzentrums, sondern nur schnell die drei Erstplatzierten Frauen und Männer jedes Rennens aufs Podest und mit einem langgezogenen statt kompakten Zeitplan. Um 11 Uhr vormittags fiel der Erste Startschuss. Um 15.30 Uhr der letzte, der des Hauptlaufs über 10 km, der auch zum sogenannten Bitburger-0,0%-Läufercup zählt. Gegen 17 Uhr waren die letzten Läufer im Ziel. Eine Zeitspanne, etwa doppelt so lang wie sonst. Dazu: keine Anmeldungen am Wettkampftag vor Ort, sondern nur online samt Bezahlung vorab. Aufs Start-Ziel-Gelände kam nur, wer geimpft oder genesen war. Ausnahmen gab es nur für Kinder unter zwölf Jahren sowie Schüler.

Die 2G-Regelung war laut Dirk Engel die Konsequenz, um eine größtmögliche Planungssicherheit zu bekommen. So konnte man sich weitgehend sicher sein, dass man den sportlichen Teil der Veranstaltung - und auf den kommt es letztendlich ja an - wie gewohnt und ohne Einschränkungen durchführen zu können. Was hätte man denn machen sollen, wenn von Behördenseite wegen der Infektionslage plötzlich nur noch 25 nicht geimpfte Starter zugelassen worden wären? Wem hätte man in einer solchen Situation absagen sollen, wenn mehr Ungeimpfte sich angemeldet hätten? Das waren laut des Vereinsvorsitzenden Dirk Engel die praktischen Fragen, die zur 2G-Regelung führten.

"Macher" Dirk Engel fühlte sich sichtlich wohl, nach mehr als 2,5 Jahren endlich wieder den Schweicher Fährturmlauf moderieren zu können "Singing in the rain!" - Nicht ganz! Aber die gute Laune ließen sich die Helfer des LT Schweich wie hier Streckenposten Stefan Blasius auch vom herbstlichen Wetter nicht vermiesen

Mit der nicht alle einverstanden waren. Es gab einen bösen Kommentar in den sozialen Medien, den man halt aushalten müsse, sagt Engel. Mehr schmerzt den 51-Jährigen, der in den vergangenen Jahren maßgeblich eine große Trainingsgruppe aufgebaut hat, dass es wegen der Entscheidung zwei Vereinsaustritte gab. Wegen einer Entscheidung aus rein praktischen Erwägungen heraus. Das zeigt: Die Vereine kämpfen in den letzten 20 Monaten nicht nur mit den unmittelbaren Auswirkungen der Corona-Pandemie, sondern auch mit der Polarisierung in der Gesellschaft.

Beim Fährturmlauf ging es dann aber nur um den Sport. Dass mit knapp 500 Läufern am Ende nur etwa so viele im Ziel gezählt wurden, wie sonst allein in den Kinderläufen gestartet waren, ist ein Wermutstropfen. Dass man nicht nahtlos an die Zeiten vor Corona anknüpfen kann, dürfte mittlerweile jedem klar geworden sein. Es werde ein Fährturmlauf light werden, meinte Dirk Engel bereits vorher. So verzichtete man auf eine großangelegte Werbung für die sieben (!) separaten Kinderläufe für alle bis zwölf Jahren in Kitas und Schulen. Dann kam auch noch besagtes Regenwetter dazu, so dass über 200 Meter bis 2 km auf der Rundbahn des Schweicher Sportzentrums im Verhältnis zu 2019 kleine Starterfelder rannten.

Maximilian Gebhard von der LLG Wustweiler siegte über 5 km in 16:45 Minuten Flotte Zeit über 5 km: Die U18-Dritte der Cross-DM 2020 Rebecca Bierbrauer (Silvesterlauf Trier) lief 17:58 Minuten. So schnell war in diesem Jahr noch keine Deutsche dieses Alters Der LT Schweich brachte trotz Organisationsaufgaben auch noch eine große Läufergruppe an den Start des eigenen Laufs

Dankbar für die normale Rennatmosphäre waren auch die Teilnehmer über 5 km und 10 km. Wobei der Fährturmlauf auf der kürzeren Distanz gleich zwei separate Starts anbietet: Für alle, die ohne Zeitdruck und Ergebnislisteneintrag die Strecke bewältigen wollen (als sogenannter Gesundheitslauf) und dann als normalen Wettkampf. Und da wurde direkt schnell gerannt: Werner Gebhard vom LLG Wustweiler zog den festen Untergrund auf dem Moselleinpfad dem Schlamm der am gleichen Tag in Perl ausgetragenen saarländischen Crosslauf-Landesmeisterschaften vor. Der 21-Jährige siegte in 16:45 Minuten vor Mittelstrecken-Spezialist Damian Gindorf (16:51) und André Wilhelms (17:01, beide PST Trier). Der 15-jährige Louis Decker vom TuS Fortuna Saarburg steigerte sich als Viertplatzierter auf 17:47 Minuten. Dahinter kam bereits Rebecca Bierbrauer ins Ziel. Die 17-Jährige vom Verein Silvesterlauf Trier blieb in 17:58 Minuten noch unter 18 Minuten. Schneller war in diesem Jahr in Deutschland laut leichtathletik.de-Online-Bestenliste noch keine deutsche U18-Läuferin. Auch dahinter gab es durch die gleichaltrigen Carla Lucas (Tri Post Trier/20:22) und Bierbrauers Vereinskameradin Emma Thein (20:29) gute Zeiten.

Faustcheck von Chiara Bermes mit Vereinschef Dirk Engel bei der Vorstellung der Favoriten. Auch bei der Corona-Auflage des Fährturmlaufs ließ es sich der 51-Jährige nicht nehmen, einige der besten Läufer kurz vor dem Start vorzustellen Der Start zum 10km-Rennen auf der Kunststoffbahn des Schweicher Sportzentrums mutete fast schon wieder wie vor der Corona-Pandemie an

Schon die Meldeliste versprach über 10 km ein schnelles Rennen. Chiara Bermes vom Ausrichterverein plante den Fährturmlauf als Saisonabschluss nach einem Jahr mit persönlichen Bestzeiten von 1500 Meter (4:29,87), über 3000 Meter (9:34,02) und 5000 Meter (16:23,90) bis 10 km (35:19). An den beiden vorangegangenen Wochenenden hatte die 28-Jährige die Rheinlandtitel über 10 km und - quasi im Vorbeilaufen als Trainingslauf - Halbmarathon gewonnen. Bei ihrem Heimrennen hoffte Bermes auf mehr Konkurrenz und Unterstützung als zuletzt. Sie gewann in der Streckenrekordzeit von 35:35 Minuten. Aber die mehrfache luxemburgische Meisterin Jenny Gloden (Tochter des Marathon-Olympia-Teilnehmers von 1988 in Seoul (36.) Justin Gloden) kam zwei Wochen nach ihrem zweiten Platz beim Münchener Halbmarathon in 1:17:05 Stunden noch nicht wieder richtig in Schwung. In 37:49 Minuten belegte die ebenfalls 28-Jährige den zweiten Platz. Bereits gut eine halbe Minute später kam grinsend die Überraschungs-Dritte Pia von Keutz in 38:24 Minuten ins Ziel. Die 29-Jährige, die 2019 mit Streckenrekord den Lübeck-Marathon gewonnen hatte, war lange nicht mehr in Erscheinung getreten und hatte sich mehr oder weniger spontan für einen Start in Schweich entschieden. Und der machte Lust auf mehr!

Herbstlich statt frühlingshaft mutete die Szenerie diesmal beim Lauf am Schweicher Jachthafen vorbei an Harter Endspurt: Der aus Äthiopien stammende Yonas Kinde (links) überraschte Moritz Beinlich mit seinem Antritt und wurde nur um wenige Zentimeter geschlagen

Anders als Bermes, die auch unter den Männern keine Mitläufer fand, die ihr beim Kampf gegen den bei nachlassendem Regen aufkommenden Wind hätten helfen können, musste sich Moritz Beinlich nicht über fehlende Gesellschaft beklagen. Buchstäblich bis auf die Ziellinie lag der aus Äthiopien stammenden Yonas Kinde mit dem ehemaligen deutschen Halbmarathon-Meister zusammen. Der in Luxemburg lebende 41-jährige Kinde, der 2016 im IOC-Flüchtlingsteam am Olympia-Marathon in Rio de Janeiro teilgenommen hatte, überraschte den 16 Jahre jüngeren Beinlich mit seinem harten Antritt gut 200 Meter vor dem Ziel. Als es auf die letzten 100 Meter über die Kunststoffbahn ging, sah es schon so aus, als könnte der Ältere den Jüngeren im Spurt besiegen. Mit letzter Kraft und größter Willensanstrengung schob sich Beinlich aber noch um Zentimeter an Kinde vorbei. Zeit für beide: 31:11 Minuten.

Wenn die Tochter mit der Mutter … Die neue Schweicher Streckenrekordlerin Chiara Bermes (rechts) begleitete ihre Mutter Beatrix ein paar Meter auf dem Weg zum W65-Sieg Starke Zeit für einen 55-Jährigen: Martin Koller von den Rhein-Berg-Runners siegte in der M55 in 36:16 Minuten Wenn die Führungsfahrradfahrerin selbst läuft: Karina Zenz, die schon einige Male das 10km-Feld über die Strecke geführt hatte, tauschte Rad- gegen Laufschuhe und wurde von ihrer LT-Schweich-Vereinskameradin Diane Schmidt (rechts) zu einer Zeit unter 50 Minuten begleitet

Fast zwei Minuten dahinter freute sich der wie Beinlich 25-jährige Yannik Erz (Ausdauerteam.de Morbach) über Platz drei und eine neue Bestzeit von 32:53 Minuten. Vierter wurde Kai Merten (TG Konz) in 33:29 Minuten. Dass er damit in der Altersklasse M40 hinter Kinde nur den zweiten Platz belegte, war erstaunlich. Bei der am Tag darauf ausgetragenen 10-km-DM in Uelzen wäre Merten mit seiner Schweicher Zeit locker unter die besten Zehn, mit seiner Bestzeit (32:22) sogar in die Medaillenränge gelaufen. Nach vielen erfolgreichen Rennen in den vergangenen Monaten (unter anderem Berlin-Marathon in 2:28:26 Stunden und Kölner Halbmarathon in 1:09:53 Stunden) lief es diesmal nicht ganz so rund für den zweifachen Familienvater. Starke Altersklassenzeiten gab es auch mit 36:03 Minuten in der M45 für den vereinslosen Stefan Zenzen und vor allem für M55-Sieger Martin Koller (Rhein-Berg-Runners) mit 36:16 Minuten.

Blumen für die Siegerin: Nicht groß, unter einem Vordach statt in der Halle und nur für die drei Erstplatzierten, aber immerhin, es wurde eine Siegerehrung durchgeführt Moritz Beinlich erhielt als 10km-Sieger eine handgeschmiedete Läuferfigur
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Die guten Resultate soll es in nicht einmal einem halben Jahr wieder auf der flachen Wendepunktstrecke entlang der Mosel geben. Das Fährturmlauf-Jubiläum, der Zehnte, ist für März 2022 geplant. Nach Wunsch von Dirk Engel und seinem LT-Schweich-Team gerne wieder im alten Rahmen mit komprimierten Programm und gemütlicher Siegerehrungsfeier.

Bericht und Fotos von Holger Teusch

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