17.10.21 - 28. Offenbacher Mainuferlauf

Auf geht's ans Mainufer!

Ein klares "Ja!" auf die Frage: "Tun wir's oder tun wir's nicht?"

von Anette Judith Scholl 

Die Ankündigung zum 28. Offenbacher Mainuferlauf war fast schon emotional, der Entschluss, die langjährige und begehrte Laufveranstaltung durchzuführen, reiflich überlegt. Es brauchte in der Abwicklung und Organisation einige Neuerungen, denn die behördlichen Auflagen mussten erfüllt werden. Dem Wunsch, "der Laufszene einen attraktiven Wettkampf zu ermöglichen und dem Corona Virus zu trotzen", folgte die Aufforderung und Frage: "Unterstützen Sie uns dabei! (?)" Denn die Veranstaltung konnte nur durchgeführt werden, wenn einige der "Corona bedingten Zumutungen" zwischen Läufer*innen und Veranstalter aufgeteilt würden. Konkret handelte es sich hier nicht nur um die Anmeldemodalitäten und 3G Verhaltensregeln, sondern vor allem darum, dass die Startgelder leicht erhöht werden mussten, die Startnummern zugeschickt und im Falle einer Absage keine Zurückzahlung der Startgebühren, sondern ein Freistart im Folgejahr vorgesehen war. Aber die Laufsportbegeisterten ließen sich offenbar nicht abschrecken von Pandemie-bedingten Widrigkeiten. "Wir hatten 1150 Voranmeldungen und 150 Nachmeldungen. Das sind ca. 200 bis 300 weniger als in den anderen Jahren, also immer noch ganz ok.", so Diethelm Kuttich, Hauptorganisator vom Offenbacher Leichtathletik Club. Beim 27. Mainuferlauf 2019 hatte man 1463 Finisher gezählt, dieses Mal immer noch knapp tausend, 985 in Summe aller Distanzen.

Am Morgen - in herbstlicher Erwartung des Offenbacher Mainuferlaufs ... ... der auch als vorletzter Wertungslauf des Rosbacher Main-Lauf-Cup gilt
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Diese Anmeldezahlen waren so oder so beachtlich, denn im Gegensatz zum "üblichen" Mainuferlauf fiel ein wesentlicher Teilnahmegrund weg: Da der "große Bruder" abgesagt worden war, eignete sich der Mainuferlauf in diesem Jahr nicht zum Formtest für den Frankfurt Marathon. Durch die Startzeiten, beginnend mit dem 10km Lauf, hatte es immer einige Starter gegeben, die vierzehn Tage vor dem Frankfurt Marathon ihre Chance genutzt hatten, zunächst über 10km zu starten und eine Stunde später noch einen Halbmarathon dranzuhängen.

 

Aber auch ohne Marathonvorbereitung war der Mainuferlauf als vorletzter Lauf im diesjährigen "gekürzten" Main-Lauf-Cup attraktiv: Die fast durchweg flachen und größtenteils asphaltierten Strecken bieten optimale Voraussetzungen für persönliche Bestzeiten. Noch dazu sind die 5km, 10km und HM-Strecken amtlich vermessen und damit bestenlistenfähig. Aber auch Genussläufer*innen kommen auf ihre Kosten: Die Strecken führen teils durch Wiesen und Auen, der Blick auf den Fluss hat einfach was, und zeitweise ergibt sich die Gelegenheit, mit vorbeifahrenden Kähnen oder Ruderern um die Wette zu laufen.

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Engagierte Helfer am Krombacher Stand ... und wie immer - leckere Bio Bananen

Prima Klima entlang des Mains

Zum ersten Start um 9 Uhr waren die Temperaturen noch frisch, aber insgesamt herrschte Laufwetter von der Sorte, die man so nur selten hat: 8°C waren kühl aber nicht kalt, die Sonne zeigte sich den ganzen Vormittag nicht, es gab keine Niederschläge und der Untergrund war auch an den nicht asphaltierten Stellen fast trocken und befestigt. Man könnte sagen, es gab null Wind, aber bevor ein Meteorologe sich dazu aufgerufen fühlen könnte, fachkundig zu widersprechen, sagen wir mal: Es war nahezu windstill. In den 27 Mainuferlaufjahren hatte man hier durchaus schon kraftraubend gegen Wind anlaufen müssen, entweder auf dem Hin- oder Rückweg. Die Starts erfolgten auf der breiten Mainstraße, bevor es auf die Strecke am Main entlang in Richtung Mühlheim ging. Von den angebotenen Strecken waren der Halbmarathon, 5km- und 2km-Lauf Wendepunktkurse, einzig der 10km-Lauf war ein Rundkurs.

Laufauftakt mit dem 10km Lauf ... ... fünf Minuten später starten die 5er durch

10km zuerst

Wer pünktlich zum 10km Start an der Startlinie stand, hatte die erste und vielleicht die eigentliche Herausforderung des Tages bereits erfolgreich bewältigt: die Parkplatzsuche am Sonntagmorgen in Offenbach, wo aufgrund von Baustellen und Umleitungen noch zusätzliche Schikanen eingebaut waren. Der Mundschutz sollte bis zum Startschuss noch getragen und durfte dann weggeworfen werden, leider ein mittlerweile gewohntes Bild: die weggeworfenen Masken auf dem Pflaster, aber natürlich wurden sie von fleißigen Helfern eingesammelt. Der Start erfolgte pünktlich, der Startschuss leicht verzögert, und 367 Läufer*innen setzten sich in Bewegung gen Mainufer. Die Streckenführung entlang des hessischen Wassers, mit einer kurzen Schleife durch angrenzendes Wohngebiet, führte vorbei an Schrebergärten, Wiesen und dem stellenweise bewaldeten Mainufer und war ansprechend herbstlich, mit malerischen Ansichten und dem Zieleinlauf am Main mit Blick auf die Frankfurter Skyline.

Ayele Atanaw Degen vom ASC Darmstadt gewinnt den 10 km Lauf vor ... ... Christian Bock vom Laufteam Gasser und ... ... Sören Rathgeber vom TV Alzey Laufteam Gasser

Der Sieger Ayele Atanaw Degen (ASC Darmstadt) war einer der Wenigen, die an diesem Tag eher enttäuscht ins Ziel kamen. "Ich hatte mir eine Zeit unter 30 Minuten erhofft, und das kann ich auch laufen. Aber heute habe ich von Anfang an das Feld angeführt und hatte keinen anderen Läufer an der Seite, mit dem ich im Wettbewerb ein besseres Tempo hätte machen können."

 

Einsam an der Spitze lief der Äthiopier nach 32:03min über die Zielmatte, Christian Bock vom Laufteam Gasser folgte in 32:36min auf Platz zwei. Nur sieben Sekunden mehr brauchte Sören Rathgeber (TV Alzey Laufteam Gasser), nach 32:43min war das männliche Siegerpodest gefüllt und damit noch knapp unter der Siegerzeit von 2019 (32:57min). Bei den Frauen siegte Iris Rautenberg (Spiridon Frankfurt) in starken 38:09min vor Rosali Reindl (39:25min) und Franzi Basche (40:53min), beide ohne Vereinsangabe.

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Iris Rautenberg ist die schnellste 10 km Läuferin 10km Sieger Ayele Atanaw Degen vom ASC Darmstadt mit U20 Siegerin Hanna Schmitt vom TSV Rechtenbach, die sich über eine neue persönliche Bestzeit in 42:32 freute

Fünf nach neun der 5km Start

Fünf nach neun starteten 67 5-km-Läufer*innen, und dabei fiel auf, dass ca. ein Drittel der Starter zwanzig oder jünger waren und darunter viele Jugendliche. Es war der dreizehnjährige Nico Debus (SSC Hanau-Rodenbach), der dann auch das Rennen machte: In 17:42min lief er mit deutlichem Vorsprung als Erster ins Ziel. An dieser Stelle darf einmal erwähnt werden, dass beim 5km Lauf der älteste Läufer Zweiter wurde: Michael Waraus, Jahrgang 1964, (Triathlon Team DSW Darmstadt) lief nach beachtlichen 18:10min durch den Zielbogen. Er kann als Vielstarter in der Rhein-Main-Region bezeichnet werden und ist für seine konstanten top Platzierungen bekannt. Dritter wurde Eric Jäger (Eintracht Frankfurt Triathlon) in 18:18min, und warum er mit Jahrgang 2005 in der Ergebnisliste als HK geführt wird, bleibt uns verborgen.

U14-Läufer Nico Debus vom SSC Hanau-Rodenbach gewinnt die 5 km vor ... ... Michael Waraus

Bei den Frauen hatte ebenfalls die Jugend die Nase vorn: Charlotte Weigand (ASC 1990 Breidenbach) siegte in 19:54min, Maxime Fabienne Dammeyer (TV Neu-Isenburg), ebenfalls U16-Läuferin, wurde in 19:59min Zweite vor Nell Kollmeyer Coelho (TV Preungesheim), die nach 20:21min das Mädchenpodest komplettierte.

5km Siegerin wird Charlotte Weigand vom ASC 1990 Breidenbach Maxime Fabienne Dammeyer vom TV 1861 Neu-Isenburg läuft auf Platz 2

Besonders attraktiv: der Halbmarathon

Natürlich wurden die Starterzahlen vom letzten Mainuferlauf nicht erreicht, fast 800 waren 2019 auf die HM-Distanz gegangen, aber mit heuer 538 Halbmarathonis konnte man unter den gegebenen Umständen zufrieden sein. Die 21,1km Wendepunktstrecke in Richtung Dietesheim ohne Steigungen oder nennenswerte Kurven ist sehr attraktiv, denn hier sind schnelle Zeiten möglich. Das stellten die diesjährigen Sieger auch gleich unter Beweis. Robert Unger (Spiridon Frankfurt) siegte souverän in 1:12:20std. Ob er damit seine persönliche Bestzeit erreichte, wurde nicht explizit thematisiert, ist aber nicht auszuschließen.

Start zum Halbmarathon, dem vorletzten Wettbewerb des Tages

Bei Franziska Baist (SHK Bad Homburg) lagen die Dinge anders, um nicht zu sagen, klar auf der Hand. "Meine Halbmarathon Bestzeit stand bis dato bei 1:21:37std, und ich wollte es schaffen, den HM in einszwanzig zu laufen. Heute lief es so gut, gleich von Anfang an konnte ich mit einer kleinen Gruppe laufen, und schon am Wendepunkt war mir klar, dass ich sehr gut in der Zeit lag. Ich glaube, es hat sogar noch unter 1:19std gereicht." Damit lag sie richtig, mit einer Zeit von 1:18:56std finishte sie den Mainufer-Halbmarathon.

Der aus Kolumbien stammende Luis Caro Wagner und sein Vater Óscar Caro starteten bereits bei mehreren Laufveranstaltungen in Europa. Mit ihrem Buch über ihr Leben mit dem Titel 'Los Increíbles' wollen sie den Behinderten in der Welt eine motivierende Botschaft vermitteln

Nachdem der Sieger Robert Unger schon zwei Minuten lang verschnaufen konnte, lief der zweite Mann durch den Zielbogen. Der 29-jährige Dominic Stahl (CISM Running-Team), eigentlich ein Läufer mit dem Fokus auf die Marathondistanz, nahm den Mainuferlauf eher als Trainingslauf mit. Nach 1:14:22std war das Training an diesem Sonntagmorgen abgeschlossen. CISM steht als Abkürzung für "Conseil International du Sport Militaire" (Internationaler Militärsportbund), das CISM Running-Team hat sich dem Marathon, Cross- und Straßenlauf verschrieben und ist ein Team aus aktiven Soldaten, die neben dem normalen Dienst noch den Laufsport im Leistungsbereich ausüben. "Wir sind in ganz Deutschland verteilt und treffen uns zu CISM Wettkämpfen und der Vorbereitung dazu in Form von Trainingslagern. Wenn man das ganze bildlich abstufen möchte, stehen wir zwischen den Profisportlern und den "normalen" Soldaten."

Robert Unger gewinnt den Halbmarathon vor ... ... Dominic Stahl Als schnellste Masterin (1.W45) läuft Friederike Schoppe bei den Frauen auf den 2. Rang

Als Dritter lief Karl Hempel (Spiridon Frankfurt) nach 1:15:39std über die MAXX-TIMING Zielmatte und blieb dabei ziemlich gelassen. "Ich habe ehrlich gesagt nicht gedacht, dass ich unter die ersten Drei komme, denn so berauschend ist meine Zeit ja nicht. Noch dazu wurde mir gerade ein Weisheitszahn gezogen, ich hab diese Woche genau 8km trainiert und Freitag Nacht war es sehr spät im Casino Baden-Baden - also habe ich nicht mit einer Platzierung gerechnet."

Das Halbmarathon Podium mit dem Sieger Robert Unger von Spiridon Frankfurt in der Mitte, dem 2. Dominic Stahl (3493) vom CISM Running-Team und dem 3. Karl Hempel ebenfalls von Spiridon Frankfurt Die schnellsten Halbmarathonläuferinnnen mit Franziska Baist vom SGK Bad Homburg in der Mitte, der 2. Friederike Schoppe (rotes Trikot) von der LSG Goldener Grund Selters/Ts. und der 3. Anna Herzberg von Spiridon Frankfurt

Dass er die dritte Frau im Ziel in die Arme schloss, darf verraten werden, denn dass Karl Hempel und Anna Herzberg seit längerem ein Paar sind, war auch schon in der Rundschau zu lesen. 1:23:00 brauchte Anna Herzberg (Spiridon Frankfurt) für ihren Halbmarathon entlang des Mains, und sah danach noch richtig frisch aus. Paarsiege der beiden hatte es schon öfter gegeben, erstmals 2017 beim Hunsrück Halbmarathon in Simmern und auch vor zwei Jahren beim "Sportscheck Run" am Frankfurter Roßmarkt, da mag ein gemeinsamer dritter Platz eine gefällige Ergänzung sein.

Beim letzten Start über 2 km für Schüler/innen U10/U12 fanden sich nur 13 Nachwuchsläufer/innen an der Startlinie ein Auch eine Art ins Ziel zu kommen - Cécile Mützel von der Jonglierabteilung Turnerschaft Bischofsheim nach 5 km

Als zweite Frau über die Halbmarathonstrecke war nach 1:20:21std Friederike Schoppe (LSG Goldner Grund Selters/Ts.) ins Ziel gekommen, "…ein toller Erfolg in der neuen Altersklasse!" freute sich die 45-Jährige, die den Lauf sehr genossen hatte.

Wie jedes Jahr war für alles gesorgt Zielverpflegung mit Getränkeauswahl

Nächstes Mal bitte wieder normal

Damit war Friederike Schoppe nicht alleine, denn viele Teilnehmer*innen lobten die Organisation und überhaupt die Tatsache, dass Diethelm Kuttich und sein Orga-Team den Mut und das Engagement aufgebracht hatten, den Mainuferlauf durchzuführen. "Wir hatten Glück, denn 96% aller Voranmelder waren geimpft und das Gesundheitsamt kooperativ. Da alle Angemeldeten ihre Kontaktdaten schon hinterlegt hatten, durften wir auf eine zusätzliche Registrierung verzichten, das war immerhin eine Erleichterung."

Der 1. Vorsitzende des Offenbacher LC Diethelm Kuttich bei der Siegerehrung Schneller Dank der aerodynamischen Laufschuhe ?
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Der OLC wollte mit seiner Veranstaltung dafür werben, dem Laufsport trotz Pandemie eine Chance zu geben. Das ist mit Sicherheit gelungen, obwohl eine Laufveranstaltung wie der Mainuferlauf kaum einer Werbung bedarf. Vermutlich wird der nächste Mainuferlauf wieder den gewohnten Zuspruch mit entsprechenden Teilnehmerzahlen erfahren. "Aber dann bitte wieder normal. Diese Corona-Bedingungen und alle damit verbundenen Auflagen und zusätzlichen Vorbereitungen sind enorm, ein unglaublicher Aufwand!" Diethelm Kuttich war froh über den reibungslosen Ablauf und schaut nun optimistisch nach vorn mit Blick auf die 29. Durchführung im kommenden Jahr.

Bericht von Anette Judith Scholl
Fotos von Anette Judith Scholl & Christine Weber

Ergebnisse maxx-timing.de & Infos offenbacher-lc.de

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