31.10.20 - Wintrich Crosslauf

2. Lauf der 45. Crosslaufserie im Kreis Bernkastel-Wittlich

Sonnenschein-Mutmacher-Cross vor dem Lockdown

von Holger Teusch 

Zwei Tage, bevor außer beim großen Profi-Sport der Wettkampfbetrieb in Deutschland wieder zum Stillstand kam, fand der zweite Wertungslauf der 45. Mosel-Crosslauf-Serie in Wintrich statt.

 

Jule Prins von der LG Vulkaneifel und Giulio Ehses vom Post-Sportverein Trier feierten jeweils Doppelsiege auf Mittel- und Langstrecke.

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Viel Platz ist am Moselufer von Wintrich. Das kommt in Corona-Zeiten den Crosslauf-Organisatoren des SV Wintrich entgegen
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Nach dem Auftakt zur 45. Mosel-Crosslauf-Serie stand die Frage im Raum: Wird der zweite der drei geplanten Wertungsläufe eine Woche später, am letzten Oktobertag, zwei Tage vor dem bundesweiten Teil-Lockdown, überhaupt noch stattfinden? Drei Tage vor den Rennen in Wintrich an der Mosel beschlossen Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten einen Teil-Lockdown ab 2. November. Sollte man zwei Tage vorher noch einen Wettkampf durchführen? Argumente gab es für und wider: Eine Nichtaustragung könnte die Maßnahmen zur Infektionseindämmung schon vorab unterstützen. Eine Laufveranstaltung mit aller gebotenen Vorsicht und mit einem Hygienekonzept durchgeführt lässt den Sportlern aber auch einen Teil ihres Lebens leben, auf den sie für mindestens einen Monat wieder verzichten müssen. Das kann Kraft geben für teils einsamen und dazu noch dunklen Novembertage.

Fast ausschließlich über Wiesengelände geht es seit mehr als 20 Jahren beim Crosslauf des SV Wintrich. Bevor man 1997 ins Moseltal umzog, lag die Strecke allerdings für einen noch längeren Zeitraum auf den Hunsrückhöhen südlich des Weinorts

Der SV Wintrich entschied sich jedenfalls für eine Durchführung des Crosslaufs. Wann ab November überhaupt wieder Läufe stattfinden können ist ungewiss. Der dritte Mosel-Serien-Wertungslauf war für den 28. November in Gladbach in der Südeifel geplant. Für dieses Datum sind die Rennen schon einmal abgesagt. Man hofft es möglichst zeitnah, vermutlich aber frühestens im Januar nachholen zu können. Aufgeben wollen die vier Mosel-Serien-Vereine jedenfalls nicht. Das haben sie schon gezeigt, indem sie das Durchführungskonzept erarbeitet haben. Dessen Kern: Pro Lauf maximal 30 Starter, die im Abstand von 1,50 Meter loslaufen. Dadurch wird der Zeitplan in die Länge gezogen. Denn für Mittel- und Langstrecke werden drei bzw. zwei Zeitläufe angeboten.

Der 48-jährige (!) Uwe Trampert (LSG Saarbrücken-Sulzbachtal) machte sich auf der Langstrecke viel ums Tempo verdient, verlor die goldene Startnummer des Serien-Gesamtführenden als Viertplatzierter am Ende der 7 km aber. Giulio Ehses (73) vom Post-Sportverein Trier gewinnt auch die Langstrecke, Matthias Merk (51) von der LSG Saarbrücken-Sulzbachtal wird Zweiter Michael Forster von der Équipe Vélo Oberland aus Bayern war in 30:41 Minuten schnellster M50-Läufer über die 7-km-Langstrecke André Kohnz vom Team GetFit konnte Jule Prins (LG Vulkaneifel/ Skikeller Kaulard) zwar zum Schluss der 7 km abschütteln, die 31-Jährige feierte aber einen souveränen Mittel-/ Langstrecken-Doppelsieg in Wintrich

Wer aufgepasst hat: Von den vier Mosel-Serien-Läufen finden in der 45. Saison der wohl ältesten Crosslauf-Serie in Rheinland-Pfalz nur drei statt. In der Kreisstadt Wittlich wird diesmal nicht gerannt. Das dortige Terrain, mitten im Wald gelegen, zu wenig weitläufig, um eine Veranstaltung mit viel Abstand durchzuführen.

Dass in Breit, Wintrich und Gladbach gelaufen wurde bzw. noch gelaufen werden soll, sollte und soll auch Mut machen. Und so wie die Sonne den Läufern am letzten Oktobertag strahlte, konnten die knapp 200 Aktiven sowie ihre Trainer und Betreuer mit einem schönen Abschlusserlebnis in die Zwangspause gehen. Frühlingshaft statt herbstlich präsentierten sich die Temperaturen. Die Moselweinberge leuchteten von gelb bis ins rötliche in der Sonne. Der Wiesenparcours am Moselufer war bestens belaufbar. "Ich war ja die letzten drei Tage teilweise bei Nieselregen auf der Strecke, um sie zu präparieren. Ich hätte nicht gedacht, dass die so abtrocknet", erzählte Eduard Gerten. Der pensionierte Lehrer und langjährige Mentor der Leichtathleten des SV Wintrich hatte die Laufstrecke gemulcht und auch für Abwechslung gesorgt. Denn seit wenigen Jahren wird auch ein kleines Wäldchen durchlaufen. Der Pfad durch das Gehölz ist auch jedes Jahr ein wenig anders. Aber das macht bei einem Crosslauf wenig.

Die Mosel glänzte im Hintergrund für den Hessen Rainer Beisel (Mitte). Der 58-Jährige vom SV Mörlenbach war M55-Bester über 3,5 km und Zweiter über 7 km. Der Luxemburger Gilbert Schiltz (LG Meulenwald Föhren, vorn) siegte in der M60 Zwischen Mittel- und Langstreckenstart ganz locker das Laktat aus den Beinen joggen: Doppelsiegerin Jule Prins und Ehemann Marc von der LG Vulkaneifel/ Skikeller Kaulard

Rainer Beisel fand gerade den schmalen Abschnitt mit den Sprüngen über Wurzeln genau nach seinem Geschmack. Der 58-Jährige vom SV Mörlenbach war extra wegen des Crosslaufs aus dem Hessischen an die Mosel gekommen. In seiner Heimat sei ein Crosslauf abgesagt worden, weil die Strecke zu schmal war, erzählte er. Am Moselufer gibt es Platz genug. Beisel nutzte die vorerst letzte Wettkampfgelegenheit auch weidlich aus. Er startete gleich zweimal, auf Mittel- und Langstrecke. Zu einem Doppelsieg in seiner Altersklasse M55 reichte es allerdings nicht ganz. Über 3,5 km lag Beisel zwar in 14:19 Minuten klar vorn, über vier statt zwei Runden fand er in Alwin Nolles aber seinen Meister. Der ein Jahr jüngere Senior von der LG Meulenwald Föhren lief die 7 km in 28:08 Minuten und damit fast zwei Minuten schneller als Beisel (30:06).

Ein spannendes Duell gab es auf der Mittelstrecke zwischen dem späteren Sieger Giulio Ehses mit der goldenen Nummer (Post-Sportverein Trier) und Florian Lauck (50) von der LSG Saarbrücken-Sulzbachtal. Nur eine Sekunde trennte die beiden laut Ergebnisliste nach 3,5 km. Abraham Wirtz (81) vom PST wurde Dritter Wenn es kurz die Böschung hinunter zur Mosel und wieder hoch ging, wurde der Rhythmus der Crossläufer, wie hier des 3,5-km-Vierten Matthias Merk (51), des Zweiten Florian Lauck (50, beide LSG Saarbrücken-Sulzbachtal) und Lucas Meyer (6, 1. FC Kaiserslautern, Fünfter) gehörig unterbrochen

Zwei Doppelsiege gab es trotzdem in Wintrich. Und das ganz an der Spitze. Jule Prins und Giulio Ehses waren jeweils Schnellste in beiden Hauptläufen. Die 31-Jährige von der LG Vulkaneifel/ Skikeller Kaulard hätte sich dabei etwas mehr Konkurrenz gewünscht. Auf der Mitteldistanz war eine Woche zuvor die U18-Cross-DM-Dritte Rebecca Bierbrauer (Silvesterlauf Trier) in ihrem Bereich geblieben. Die 16-Jährige musste in Wintrich aber wegen einer anstehenden Schulklausur passen. Außerdem wäre Bierbrauer im separaten Jugendrennen gestartet, dessen Ergebnisse mit denen der Erwachsenenläufe zusammengeführt werden. Auf der Langstrecke fehlte diesmal Breit-Gewinnerin Isabel Schönhofen (LT Schweich). So lief Jule Prins, die zusammen mit Ehemann Marc eine der besten Hundezugsportler Deutschlands ist, mit Abstand an der Spitze des Frauenfeldes ihre Runden. Über 7 km kämpfte sie mit Alwin Nolles, André Kohnz und Christoph Krämer (beide vom Trierer Team getFit) zumindest mit einigen Männern.

Martin Münnich (52) von der LSG Saarbrücken-Sulzbachtal erkämpfte sich den Sieg in der M40-Altersklasse und einen Topten-Platz im Gesamteinlauf über 3,5 km Tammo Lang (49) war als M35-Dritter auf der Mitteldistanz ein weiterer der starken Läufer der LSG Saarbrücken-Sulzbachtal U18-Junior Simon Quint vom Post-Sportverein Trier dominierte in 13:02 Minuten den separaten Jugendlauf. Über 3,5 km waren nur sieben Männer schneller

Dass die Mosel-Serien-Rennen in diesem Jahr zwar zahlenmäßig geringer, an der Spitze aber besser besetzt sind, als in der Vor-Corona-Zeit, zeigt, dass die Mittelstrecken-Gewinnerin der 44. Serie, Julia Moll (Post-Sportverein Trier), über 3,5 km diesmal Zweite wurde. Dabei hatte die dreimalige W45-Rheinlandrekordlerin aber lange Zeit ihre Vereinskameradin Anne Begemann-Crezelius, Anna Meyer vom 1. FC Kaiserslautern und Christina Laubenstein (SV GO! Saar 05 Saarbrücken) im Nacken.

Die Weinberge bleiben beim Crosslauf in Wintrich im Hintergrund. Gelaufen wird auf flachen Moseluferwiesen. Julia Moll vom Post-Sportverein Trier (vorn) siegte über 3,5 km als zweitschnellste Frau in der W45

Eng zu ging es bei den Männern über 3,5 km. Lange Zeit hielt sich eine große Spitzengruppe. Anna Meyers älterer Bruder Lucas (ebenfalls 1. FC Kaiserslautern) versuchte zwar das Tempo hochzuhalten, konnte sich aber nie von der Konkurrenz absetzen. Am Ende ließ es Giulio Ehses sogar auf einen Endspurt mit Florian Lauck von der LSG Saarbrücken-Sulzbachtal angekommen. Er habe sich sehr sicher gefühlt, dass er gegen den Mittelstrecken-Spezialisten die Oberhand behalten werde, sagte der 20 Jahre Ehses, der aus dem Triathlon kommt, später. Dritter wurde sein Vereinskamerad Abraham Wirtz vom Post-Sportverein Trier.

800-Meter-Spezialistin Christina Laubenstein (SV GO! Saar 05 Saarbrücken) belegte über 3,5 km den fünften Platz Lena Müller von der LLG Hunsrück war schnellste U20-Juniorin und achtschnellste Teilnehmerin über 3,5 km Beate Horn von der LSG Saarbrücken-Sulzbachtal hatte trotz der Anstrengung des 3,5-km-Rennens noch ein Lächeln für den Fotografen übrig. Der Lohn: 3. W30 in 16:40 Minuten

Auf der Langdistanz blieben ebenfalls ein halbes Dutzend Läufer zunächst zusammen. An der Spitze bemühte sich Uwe Trampert um das Tempo. Der 48-Jährige (ebenfalls LSG Saarbrücken-Sulzbachtal) hatte in den vergangenen Jahren bereits die Gesamtwertung der Mosel-Serie gewinnen können. Am vorletzten Oktober-Samstag siegte er überraschend in Breit im Hunsrück. Deshalb ging er mit der goldenen Startnummer des Gesamtführenden ins Rennen von Wintrich. Trampert kämpfte, belegte am Ende aber den undankbaren vierten Platz. An der Spitze setzte sich wieder Giulio Ehses durch. Diesmal setzte der U23-Cross-DM-Zwölfte gegen Tramperts LSG-Kameraden Matthias Mark aber auf einen langen Spurt. Dritter wurde wieder Abraham Wirtz. Das starke LSG-Team komplettierte Thomas Weber als Fünftplatzierter.

Immer in der gleichen Reihenfolge von Anfang an liefen der älteste Teilnehmer Alfred Schinnerer (Nr. 32; LAZ Birkenfeld, Jahrgang 1939), W60-Siegerin Hiltrud Heermann (PSV Wengerohr) und Reinhold Knepper (TuS Leisel, 3. M65) Als älteste Teilnehmerin (Jahrgang 1950) absolvierte Lilo Hartenberger vom LAZ Birkenfeld die 3,5-km-Distanz in 21:36 Minuten
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Bericht und Fotos von Holger Teusch

Infos www.lg-bernkastel-wittlich.de

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