18.10.20 - 46. Königsforst Marathon in Bergisch Gladbach

Marathonveranstaltung zwischen Hoffen und Bangen

Dominik Fabianowski bricht Uraltstreckenrekord von Helmut Urbach

Nele Alder-Baerens siegt knapp

von Michael Schardt 

"Dieses Rennen geht in die Geschichte der Veranstaltung ein", rief Orgachef Jochen Baumhof durch sein mobiles Megaphon, als Lokalmatador Dominik Fabianowski auf das Ziel zu rannte. Schon hundert Meter davor war abzusehen, dass der Athlet vom ASV Köln den Streckenrekord von Ultralauflegende Helmut Urbach unterbieten würde. Der war nämlich schon bei der Erstauflage vor 47 Jahren 2:25:49h gelaufen, eine Marke, an denen sich Generationen von Marathonläufern die Zähne ausgebissen hatten.

 

Unter ihnen auch Fabianowski, der in den letzten Jahren drei Mal im Königsforst gewinnen konnte. Jetzt aber hielt er auf der profilierten Strecke das Tempo in beiden Runden hoch und finishte in 2:24:39h. Damit war er 70 Sekunden schneller als seinerzeit Urbach, der seinen Bestwert allerdings auf einer nicht identischen, aber nicht weniger schwierigen Strecke gelaufen war. Dass Urbach die Nachricht von der neuen Bestzeit möglicherweise etwas ärgern könnte, kann man aus einem Gespräch mit ihm vor drei, vier Jahren ableiten, als er betonte, immer noch sehr stolz auf seine damalige Leistung zu sein.

Banner anklicken - informieren
LR-Info Mein Freiburg Marathon HIER

Das eigentliche Startgelände wurde in Coronazeiten zur Wartezone umfunktioniert, der Start in eine Seitenstraße verlegt. Obwohl der Lauf nicht wie geplant stattfinden konnte und die Teilnehmerzahl runtergefahren werden musste, gab es für jeden Finisher eine Medaille
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Freude über Fabianowskis Heldentat herrschte auch bei Baumhof, endlich den Urbach-Mythos gebrochen zu sehen. Fabianowski, der in diesem Herbst von einem Sieg zum anderen eilt, hatte einen neuen Streckenrekord versprochen und dieses auch eingehalten. "Das war schwer, sehr schwer", keuchte er in vor Erschöpfung gebeugten Haltung. "Ich habe alles gegeben. Besonders die letzten drei, vier Kilometer haben mir alles abverlangt." Der Königsforst ist das Trainingsgelände des 30-jährigen Rösrathers, wo er jeden Baum und Strauch kennt. Bedenkt man die 400 bis 500 Höhenmeter und den unruhigen Untergrund, kann sich Fabianowskis Zeit auch im deutschen Vergleich sehen lassen.

Bangen und Hoffen

Von der Tageszeitung, für die der Chronist dieser Zeilen über kulturelle Veranstaltungen in Köln berichtet, kam zuletzt die redaktionelle Verfügung an alle, das Wort Corona möglichst nicht mehr zu verwenden. Denn in der Tat ist der Leser müde geworden, damit konfrontiert zu werden. Gleiches dürfte auch für viele LaufReport-Leser gelten. Doch im Fall von Königsforst sei noch mal eine Ausnahme gestattet, denn die Geschichte, mit der sich Jochen Baumhof seit Monaten auseinanderzusetzen hatte, ist schon besonders und zeigt auf, welche Höhen und Tiefen man dabei durchstehen muss.

Der Blick täuscht: nur das Start-Ziel-Areal verläuft durch Siedlungen des Ortsteils Bensberg. 90 Prozent der Strecke führt durch den Wald und über feste Forstwege

 

Ursprünglich war die Veranstaltung im März angesetzt, ein Klassiker im dritten Monat, so wie Kevelaer / Wesel zum Jahresanfang und Bad Füssing im Februar. Dann aber kam Corona, und die gesamte Vorbereitung war für die Katz. Die Frage, ob Absage oder Verlegung, war für den früheren Spitzenläufer nicht wirklich eine. Man disponierte um und wollte nun im Oktober an den Start gehen. Bei rückläufigen Infektionszahlen, einem stichhaltigen Hygienekonzept und behördlichem Wohlwollen wurde der 18. Oktober genehmigt. Allerdings musste die Teilnehmerzahl begrenzt werden, weshalb der Schülerlauf und der Fünfer und Zehner aus dem Programm genommen werden mussten. Dafür waren Halbmarathon und Marathon recht bald ausgebucht. Sechs Tage vor dem Event machten die Behörden einen Rückzieher, weil die Infektionszahlen wieder stiegen.

Banner anklicken - informieren
LR-Info Gornergrat Zermatt Marathon HIER

Viel Lob

Da sei er kurz schon am Boden zerstört gewesen, erklärt Baumhof. Aber man habe eine dritte Variante binnen weniger Stunden aus dem Hut gezaubert, die dann sogar erneut genehmigt wurde. Man reduzierte die Teilnehmerzahl auf zusammen 500 am 18.10. und streckte den Halbmarathon auf drei Sonntage aus (18. und 25.10. und 8.11.). Dadurch waren aber alle alten Meldungen hinfällig geworden, und alle Interessenten hatten sich neu anzumelden. Auch die Startzeiten und -blöcke mussten neu festgezurrt werden, Startgelder zurückerstattet und neue erhoben werden. Ein beinahe unzumutbarer Zusatzaufwand.

Die Startgruppen im Halbmarathon gehen alle zehn Minuten auf die Strecke; kurz nach dem Start laufen die Akteure dem hügeligen Waldgebiet Königsforst entgegen (Hintergrund), der dem Lauf seinen Namen verdankt

Gefragt, warum er sich das antue, meinte Baumhof: "Dazu muss man schon ziemlich bekloppt sein. Die letzten fünf, sechs Tage sind wirklich nicht einfach gewesen - für mich und mein Team. Und gestern war ich so weit, die Brocken hinzuwerfen. Ich dachte, ich bin am Ende." Darüber, dass das alles auch ein riesiger finanzieller Schaden nach sich ziehen wird, sprach der Macher nicht. Die Teilnehmer aber waren zufrieden und ließen keine Möglichkeit aus, das Engagement zu loben. Auch wenn die Starter mit ein paar Einschränkungen konfrontiert wurden, für die jeder Verständnis hatte.

Änderungen

Vielen das wichtigste, nämlich auf der Originalrunde laufen zu können, war gewährleistet. Nur der Start- und Zielbereich wurde von "der Kaul" in eine Nebenstraße verlegt, rund fünfzig Meter vom üblichen entfernt. Auf Siegerehrung, Unterhaltungsprogramm und Catering musste verzichtet werden. Dennoch gab es im Ziel und an der Strecke Versorgungsstände, und im Innenhof der Schule konnte man sich die Medaille abholen. Vom Wetter her, hätten kaum läuferfreundlichere Bedingungen herrschen können. 13 bis 16 Grad zeigte das Thermometer während der sechs Wettkampfstunden an. Es blieb trocken und nahezu windstill, und auch der Untergrund hätte nicht in besserem Zustand sein können.

Dominik Fabianowski läuft als erster ins Marathonziel Max Kreitner wird 2. vor ... ... Markus Mey

Für die Marathonis erfolgte der Start in Gruppen von 25 Läufern ab neun Uhr; die Halbmarathonis gingen zwischen zehn und zwölf Uhr auf die Strecke. Die Zielzeit war auf fünf bzw. drei Stunden festgelegt, doch diese Regelung wurde großzügig ausgelegt. Am Ende kamen 151 Marathonis ins Ziel, davon 22 Frauen. Bei der Halbdistanz 291, davon 102 Frauen. (Die virtuellen Läufer über diese beiden Strecken sowie den virtuellen Zehner, den die Refrather noch zusätzlich anboten, bleiben in diesem Report außen vor, weil auf anderen Strecken gelaufen wurde.)

Christian Braun vor Louis Cesbron Lavau, der 2. der M20 im Marathon wird Wolfgang Borschers gewinnt die M70 im HM Bodo Schoffers wird 3. der M65 im Marathon

442 Finisher, das sind etwa 25 Prozent der in den letzten Jahren gezählten Teilnehmer. Einige Halbmarathonläufer werden natürlich noch dazukommen an den beiden noch ausstehenden Sonntagen. Wenn hier aber jetzt auf die Ergebnisse geblickt wird, fallen diese heraus. Der 18. Oktober wird im LaufReport als Einheit verstanden und dieser Bericht nicht noch zwei Mal erweitert, selbst wenn sich die Reihenfolge im HM noch ändern würde.

Marathon

Dominik Fabianowskis Leistung ist auch insofern bemerkenswert, als dass er sie im Alleingang aufstellte, angeführt nur von seinem Vater und Trainer auf dem Fahrrad. Der Mann vom ASV Köln siegte mit fast einer Viertelstunde Vorsprung in 2:24:39h vor Max Kreitner (MHK) von Bunert. Der 26-Jährige brauchte 2:38:12h und verwies Markus Mey (M45) von Peters Sportteam in 2:43:35h auf den dritten Platz.

Birgit Zöllner gewinnt die W60 im Marathon, Thorsten Schüller die M50 im HM M60 Marathoni Christoph Etz und Anke Korgel (2. W45)

Als ausgemachte Favoritin des Frauenrennens galt Nele Alder-Baerens vom Ultra Sport Club Marburg. Die vielfache deutsche Meisterin und Rekordhalterin im Ultralauf hat eine Bestzeit im Marathon von 2:46h stehen. Ihr Sieg in Bergisch Gladbach war aber dann doch nicht so eindeutig, wie es von der Papierform zu erwarten gewesen wäre. Die promovierte Wissenschaftlerin, die stark kurzsichtig und vollkommen taub ist, finishte in 3:08:10h, womit der Vorsprung der W40erin vor der Zweitplatzierten lediglich 68 Sekunden betrug. Steffi Jansen (W35) von der PTSV Aachen kam nach 3:09:18h ins Ziel. Hinter Christina Pasche (W40, ASV Köln), die 3:37:03h brauchte, kam Carina Jochum (W45, Selbstläuferin Altenahr) in 3:42:27h auf den vierten Platz.

Conny Wiethoff gewinnt im Marathon die W50 Markus Feist wird 2. in der M45

Halbmarathon

Zum zweiten Mal konnte den Königsforst Halbmarathon Silke Schneider gewinnen. Die üblicherweise für den SSF Bonn startende Langstrecklerin und Triathletin firmierte diesmal unter Bunert - der Kölner Laufladen und siegte souverän. Nach 1:29:37h überlief sie die Ziellinie, rund vier Minuten schneller als die nachfolgende Läuferin. Doch recht erschöpft, galt der erste Blick ihrer Stoppuhr, wo sich das Ergebnis zunächst nicht zeigen wollte. Dann Erleichterung: unter 1:30h. Damit war Schneider sehr zufrieden, denn so weit von ihrer Bestzeit (1:26h) lag das nicht weg. Vom Laufen war die 44-Jährige vor einigen Jahren zum Triathlon gewechselt, startet aber trotz ihrer Klasse nicht in der Liga. In Roth sei sie im letzten Jahr gewesen und habe die Ironman-Distanz in 11:11h zurückgelegt, die Lieblingszahl der Kölner Karnevalfans ... Die weiteren Platzierten sind auf Rang zwei Katrin Ratzlaff (W35, o.V., 1:33:24h), Tessa Mertens (WHK, Original Bootcamp, 1:34:53h) und Lena Gotsche (W30, o.V., 1:35:14h).

Eine Halbmarathongruppe kurz nach dem Start Silke Schneider ist schnellste Halbmarathonfrau

Bei den Männern hatte Patric Starosta (M30) von P.S.runniv in 1:15:17h die Nase vorn. Über den Rennverlauf hier wie in den anderen Wettbewerben lässt sich leider nichts sagen, weil alle Spitzenkräfte zu unterschiedlichen Zeiten ins Rennen gingen und weder Berührungs- noch Sichtkontakt hatten. Eine halbe Minute langsamer als der Sieger war Christian Jonen (M35) von Milers Colonia in 1:15:47h, der Fabian Pieters (MHK) von TuS Köln rrh in 1:16:32h auf den Nachfolgeplatz verwies.

Die HM-Drittplatzierte Tessa Mertens Lena Gotsche läuft auf Platz 4 im HM Torsten Trems gewinnt im HM die M40 und wird gesamt 5.
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Der Königsforst Marathon war bisher der erste und einzige seit und während Corona in Nordrhein-Westfalen. Das kann man Jochen Baumhof nicht mehr nehmen.

Bericht und Fotos von Michael Schardt

Infos koenigsforst-marathon.de

Zu aktuellen Inhalten im LaufReport HIER

LaufReport ist für Leser gratis. Finanzierbar werden die Reportagen dank der eingefügten Bannerwerbung.
Hier im Überblick alle Werbeflächen dieses Beitrags im Miniaturformat direkt zum Anklicken:

© copyright
Die Verwertung von Texten und Fotos, insbesondere durch Vervielfältigung oder Verbreitung auch in elektronischer Form, ist ohne Zustimmung der LaufReport.de Redaktion (Adresse im IMPRESSUM) unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urhebergesetz nichts anderes ergibt.

Datenschutzerklärung