27.10.19 - 38. Mainova Frankfurt Marathon

38. Mainova Frankfurt Marathon: die große Katha-Show

von Markus Heidl & Thomas Guthmann 

Informationen zum Lauf 2022 - siehe Ankündigung im WO LÄUFT`S WIE?

Organisation ist alles. Und klappt in Frankfurt. Die Wege sind kurz, die Athleten fühlen sich wohl, das Rahmenprogramm ist straff durchgetaktet und dennoch pünktlich. Tugenden, die sich die Deutsche Bundesbahn abschauen könnte, gar müsste. Denn eigentlich ist der Frankfurt Marathon als grünster Marathon weltweit ausgezeichnet. Die Deutsche Bahn AG aber plant ihr IT-Update - was sowohl den Nah- als auch den Fernverkehr (!) beeinträchtigt - genau für das Wochenende, an dem nicht nur 26.000 Teilnehmer und 2.500 Helfer in die Mainmetropole reisen, sondern außerdem noch zehntausende Zuschauer an die Strecke kommen. Allein in der Festhalle jubeln beim Marathonfinale 7.000 Fans. Ein grüner Marathon also, zu dem in diesem Jahr viele zur Sicherheit lieber mit dem Auto anreisen. Es gibt Geschichten, die kann man sich nicht ausdenken.

Zahlreiche Zuschauer bestaunen das Renngeschehen im Innenstadtbereich Zug- und Bremsläufer sind im Läuferfeld gut erkennbar und unterstützen so die Teilnehmer beim Erreichen einer neuen Bestzeit
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Aber zurück zum Erfreulichen. Denn sportlich gesehen ist der letzte Sonntag im Oktober ein absolutes Highlight. Nicht nur hessenweit, sodass "Heimspiel extra" vom Hessischen Rundfunk zu Recht einige Stunden Sendezeit investiert, sondern auch deutschland- und teilweise weltweit. So wurde beispielsweise beim Streckenrekord, der beim Frankfurt Marathon bei 2:03:42 h steht, der Weltrekord nur um einen Hauch verpasst, auch läuft in Frankfurt regelmäßig eine große Frauengruppe in den Bereich von 2:20 h, dazu reisen viele internationale Athleten - so beispielsweise aus den USA oder Japan - an, um sich für internationale Meisterschaften zu empfehlen. Auch die Luxemburgischen Meisterschaften werden in Frankfurt ausgetragen.

Athleten im Fokus

Waren es in den letzten Jahren aus deutscher Sicht meist Arne Gabius und Katharina Steinruck (geb. Heinig), die im Fokus standen, hat "Katha" diese Bühne in diesem Jahr für sich allein. Arne Gabius startet eine Woche später beim New York City Marathon, ein Rennen, das ihn schon seit einigen Jahren reizt. Seinen männlichen Part ersetzen die "Wundertüte" Homiyu Tesfaye, der zwar in Berlin bereits einen sehr schnellen Halbmarathon zeigen konnte, wettkampftechnisch in 2019 aber noch gar nicht in Erscheinung trat, sowie die Marathonhoffnungen Tobias Blum, Frank Schauer, Dominik Notz und Tim Ramdane Cherif.

Die Spitzengruppe der Männer mit ihren Pace-Makern kurz vor KM 3 Die Spitze der Frauen, um die sich zahlreiche Männer scharen, wird kurz vor KM 3 von Abdi Uya (TSV Schott Mainz) als Pacemaker und Tim Ramdane Cherif von der LG Telis Finanz Regensburg (34. in 2:20:14 - Debüt) angeführt

Katha Steinruck ist da vergleichsweise ein anderes Kaliber. Sie hat sich mit konstant hochklassigen Leistungen in der deutschen Spitze festgesetzt und kann sich auch international behaupten (im letzten Jahr belegte sie bei der EM Rang 16). Weiterhin ist sie derzeit fit wie nie: Nachdem sie sich im letzten Jahr recht kurzfristig nach der EM in Berlin und ihrer anschließenden Hochzeit für einen weiteren Marathonstart in ihrem "Wohnzimmer" Frankfurt entschied, unterzog sie sich im Anschluss einer Fuß-OP. Ein Frühjahrsmarathon war damit ausgeschlossen und der Wiedereinstieg mit Unsicherheiten behaftet. Sie zeigte aber ein Comeback ohnegleichen und kehrte stärker zurück als je zuvor. Einem beeindruckenden Rennen bei den deutschen Meisterschaften über 10.000 m im Frühjahr folgten persönliche Bestzeiten über die Halbmarathondistanz und die 10 km (zuletzt zwei Wochen vor dem Frankfurt Marathon in Berlin). Alles war also angerichtet für eine weitere neue persönliche Bestzeit, die schon die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio bedeuten könnte.

Homiyu Tesfaye (2.v.li.) von der LG Eintracht Frankfurt bei seinem Marathon-Debüt Auch Dominik Notz versucht sich das erste mal über die Marathonstrecke (mitte, rechts hinter seinem Vereinskollegen Simon Boch, der mit der blauen Nummmer 89 als Pacemaker dient)

Aus internationaler Sicht schienen vor allem Lonah Salpeter, Meskerem Assefa, Tsegaye Mekonnen und Mark Kiptoo interessant zu sein. Lonah ist die schnellste Frau, die jemals in Frankfurt am Start war. Sie tritt vor allem gegen Meskerem, die aktuelle Titelverteidigerin und Streckenrekordhalterin, an. Tsegaye ist der schnellste Mann auf der Starterliste und Mark hält gar einen Weltrekord: den der Masterklasse M40 über die Marathondistanz.

Nach Passieren des Opernplatzes unweit von KM 9 noch gelassene Gesichter Hier haben die Teilnehmer noch fast 35 km vor sich

Bei ihrer Jagd auf schnelle Zeiten vertrauen sie wie die vielen anderen Starterinnen und Starter auf die lauten Zuschauer, die sie um 80 "Hotspots" beim großen Frankfurter Straßenfest vorantreiben werden wie auch auf die Schnelligkeit derselben: Die Strecke bleibt bei der 38. Auflage des Frankfurt Marathons bis auf eine Kurvenführung in Niederrad unverändert schnell und flach. Alleinverantwortlich für die Strecke zeichnet sich seit diesem Jahr Manuel Friedrich, der im nahegelegenen Obertshausen aber für den Bürgermeisterposten kandidiert und dadurch evtl. nur kurz die Rolle des Streckenchefs innehaben wird.

Die Verfolgergruppe der Frauen kurz vor KM 3 Die Ukrainerin Nataliya Lehonkova (22. in 2:38:26) mit ihrem Pace-Maker Elias Sansar, der vor 2 Wochen den Essen Marathon "rund um den Baldeneysee" in 2:22:38 gewonnen hat. Links Simon Stützel ebenfalls in Pace-Maker Funktion

Faktor Wetter

Wie in jedem Jahr wurde auch bei der 38. Auflage des Frankfurt Marathons bei der Pressekonferenz das vorhergesagte Wetter thematisiert. Organisationschef Jo Schindler zeigte sich - ebenso wie in jedem Jahr - optimistisch. Und obwohl er sonst selten Recht behielt, 2019 waren die Bedingungen so gut wie selten in Frankfurt: Temperaturen zwischen 12 und 15 °C bei leichter Bewölkung und wenig Wind, dazu Straßen, die schnell trockneten. Frankfurt war bereit für neue Rekorde.

Wer nicht die volle Distanz laufen wollte, konnte im Rahmen der Marathonstaffel an den Start gehen. Unter die Staffeln mischt sich immer mal wieder Läuferprominenz: hier Lisa Hahner Die Marathonstaffel AGFW e.V. (599) mit Agata Strausa, Sonja Vernikow, Lena Ritzel und Christina Gerdes läuft auf Platz 1 in der Frauenwertung

Das Frauenrennen

Es waren Bedingungen, die Valary Jemeli Aiyabei (Kenia) für sich nutzen wollte. Direkt vom Startschuss weg enteilte sie den Favoritinnen und legte Weltrekordtempo vor. Begleitet wurde sie auf den ersten 10 km von ihrem Ehemann und Tempomacher Kenneth Kiplagat Tarus, der ihr wie im Vorjahr bei ihrem Sieg beim Peking Marathon (China) Tempo machte. Sehr früh schon musste er sie aber allein ziehen lassen. Scheinbar unbeeindruckt folgte dann aber ein Solo, das lange Zeit nach einer 2h17 aussah und trotz Einbruch am Ende zu einem deutlichen neuen Streckenrekord reichte: mit ihrer 2:19:10 h verbesserte sie den Streckenrekord um mehr als eine Minute und verteidigte einen Vorsprung von exakt zwei Minuten auf ihre nächste Verfolgerin ins Ziel.

In dem Briten Dominic Shaw (43. in 2:18:36) hat die Kenianerin Valary Jemeli Aiyabei bei ihrem Sololauf zum Sieg für kurze Zeit einen Pacemaker gefunden
Die Äthiopierinnen Megertu Alemu Kebede und ... ... Meskerem Wondimagegn Assefa laufen auf die Plätze 2 und 3

Megertu Kebede (Äthiopien; 2:21:10 h) und deren Landsfrau und Vorjahressiegerin Meskerem Assefa (2:22:11 h) folgten auf den nächsten Plätzen, erst dann folgte die im Vorfeld favorisierte Lonah Salpeter (2:23:11 h), die lange Zeit noch auf Kurs sub2h20 lag.

Auch dahinter folgten schnelle Frauen. Die Britin Stephanie Twell verbesserte sich auf sehr gute 2:26:40 h und wurde damit nicht nur als Gesamt-achte beste Europäerin, sondern knackte auch die Olympianorm deutlich. Ein Vorhaben, das sich auch Katha Steinruck vorgenommen hatte.

Die schnellsten Frauen sind bei KM 9 gleichauf Die schnellste Deutsche Katharina Steinruck im Pulk von Männern. Ihr einen Schritt voraus ihr Pace-Maker Steffen Uliczka

Und den Marathon ihres Lebens lief. Nach vergleichsweise vorsichtigem Beginn (1:14:10 h für die erste Hälfte) konnte sie deutlich zulegen und die zweite Hälfte in 1:13:16 h laufen. So stand im Ziel eine deutliche neue Bestzeit auf der Zieluhr, mit der sie sehr beruhigt ins Olympiajahr gehen kann. Es war ein perfektes Laufjahr für Katha.

Dass sie damit auch den Titel der gleichzeitig ausgetragenen hessischen Meisterschaften errang, ist selbstredend. Mit ihr aufs Treppchen durften die ebenso hervorragend laufende Friederike Schoppe (LSG Goldener Grund, 2:52:58 h), die nicht nur zwei gleichmäßige Hälften lief sondern außerdem ihre persönliche Bestzeit um fünf Minuten steigerte, und die Frankfurterin Anna Herzberg (Spiridon Frankfurt, 2:54:00 h).

Jannik Ernst (rechts) vom TV Waldstraße Wiesbaden belegt nach Homiyu Tesfaye Rang zwei in 2:24:39 bei den Hessischen Meisterschaften. Links neben ihm Philippe Gillen, der bei den in Frankfurt ausgetragenen Luxemburgischen Meisterschaften Rang 3 in 2:25:52 erreicht Tom Ring (organges Trikot) vom Laufteam Kassel wird Dritter in 2:27:20 bei den Hessischen Meisterschaften. Die Britin Stephanie Twell läuft in 2:26:40 auf Gesamtrang 8 bei den Frauen

Das Männerrennen

Das Männerrennen lief exakt gegensätzlich zu dem der Frauen. Hier konnte niemand seinen Konkurrenten enteilen. Bis Kilometer 35 liefen sechs Männer an der Spitze, dann musste zuerst Mark Kiptoo abreißen lassen, dem in der Folge auch sein neuer Masters-Weltrekord entglitt. Er wurde schließlich 6. (2:08:09 h).

Zu viert stürmten Fikre Bekele Tefera, Dawit Arega Wolde (beide Äthiopien), Aweke Ayalew Yimer (Bahrain) und Martin Kiprugut Kosgey auf die Festhalle zu. Das spannende Finale entschied schließlich Tefera (2:07:08 h) vor Wolde (2:07:10 h) und Yimer (2:07:12 h) für sich. Der Marathon-Europameister Daniele Meucci aus Italien wurde mit einer Zeit von 2:10:52 als bester Europäer achter.

Der Fahrradtross kündigt es an: die kompakte Spitzengruppe der Männer kurz vor KM 34 auf der Mainzer Landstraße. Die vier schnellsten im bunten Nike-Trikot (von links): Martin Kiprugut Kosgey aus Kenia (4.), Aweke Ayalew Yimer aus Bahrain (3.), Dawit Arega Wolde aus Äthiopien (2.) und der Sieger Fikre Bekele Tefera aus Äthiopien

Als Wundertüte wurde der mutmaßlich schnellste Deutsche Homiyu Tesfaye im Vorfeld bezeichnet. Nach der Streckenhälfte (64'23) lag er auch deutlich auf Kurs Olympia-Norm, hatte am Ende aber muskuläre Probleme und musste gar stehen bleiben. Aufgeben war für ihn aber keine Option und so tief wie Volleyball-Olympiasieger Brink, der unterwegs noch einkaufen ging, sank er auch nicht, musste die nationale Konkurrenz aber passieren lassen.

Drei Marathon-Debütanten erobern das Podium der schnellsten Deutschen beim Frankfurt Marathon. Der Geher Karl Junghannß vom LAC Erfurt wird als 27. in 2:17:54 schnellster Deutscher
Homiyu Tesfaye von der LG Eintracht Frankfurt wird in 2:18:30 mit Platz 29 zweitbester Deutscher Dominik Notz von der LG Telis Finanz Regensburg wird 32. in 2:18:41 und drittschnellster Deutscher

Die hieß aber nicht Tobias Blum (nach einem Infekt im Vorfeld nur 2:28:06 h), Frank Schauer (Aufgabe nach dem Halbmarathon) oder Dominik Notz (mit 2:18:41 am Ende ganz knapp hinter Homiyu), sondern Karl Junghannß. Der Geher, der bei der WM in London über 50 km Rang 13 belegt hatte, hatte bereits im September 2018 beim Kassel-Marathon gezeigt, dass er auch laufen kann. Dort gewann er den Halbmarathon in Streckenrekordzeit von 65'28. In Frankfurt begann er jetzt mit 68'19 und lief schließlich nach 2:17:54 h als bester Deutscher und Gesamt-27. ins Ziel. Für Homiyu stoppte die Uhr schließlich nach 2:18:30 h. Er will sich erneut an der Olympianorm versuchen.

Schon öfter im Fernsehen hatte man bei anderen Marathons Mitku Seboka (LAC Quelle Fürth) als Tempomacher gesehen. In Frankfurt lief er auf eigene Kappe und lief mit einer Zeit von 2:17:44 h einen Rang vor Karl Junghannß ins Ziel.

Katharina Steinruck von der LG Eintracht wird mit Platz 10 schnellste Deutsche in neuer persönlicher Bestzeit von 2:27:26 und erfüllt die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Japan Thea Heim von der LG Telis Finanz Regensburg wird als 25. Frau in 2:41:14 zweitschnellste Deutsche Vereinskollegin Corinna Harrer wird als 27. drittschnellste Deutsche in 2:41:58
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Die hessischen Meisterschaften gewann Homiyu Tesfaye trotz seines Einbruchs. Auf Rang zwei folgte der in Frankfurt bereits auf Rang drei der deutschen Meisterschaften gelaufenen Jannik Ernst vom TV Waldstraße Wiesbaden (2:24:26 h), der trotz zu schnellem Beginn noch souverän finishte. Dritter wurde Tom Ring vom Laufteam Kassel (2:27:20 h). Damit waren die hessischen Meisterschaften vergleichsweise sehr stark besetzt.

Auf Wiedersehen im nächsten Jahr

Direkt mit den persönlichen Ergebnissen gab es vom Veranstalter gleich den Hinweis, dass die Anmeldung für 2020 bereits geöffnet sei. Eine schwierige Entscheidung für alle Läuferinnen und Läufer aus der Region, denn obwohl es immer seinen Reiz hat, in der Mainmetropole die Königsdistanz in Angriff zu nehmen, so eignen sich die gesperrten Straßen auch sehr gut zum Rollerfahren. Zumindest haben die E-scooter-Vermieter am Marathonsonntag guten Umsatz gemacht, waren doch sehr viele Zuschauer auf diesen Gefährten unterwegs.

Top-10-Ergebnisse 38. Mainova Frankfurt Marathon 2019

Ergebnisse Männer:

Ergebnisse Frauen:

1. Fikre Tefera ETH 2:07:08
2. Dawit Wolde ETH 2:07:10
3. Aweke Yimer BRN 2:07:12
4. Martin Kosgey KEN 2:07:20
5. Maru Teferi ISR 2:08:09
6. Mark Kiptoo KEN 2:08:09
7. Kenneth Keter KEN 2:09:29
8. Daniele Meucci ITA 2:10:52
9. Benard Kipyego KEN 2:11:38
10. Derek Hawkins GBR 2:12:49

1. Valary Aiyabei KEN 2:19:10
2. Megertu Kebede ETH 2:21:10
3. Meskerem Assefa ETH 2:22:11
4. Lonah Salpeter ISR 2:23:11
5. Caroline Rotich KEN 2:24:42
6. Askale Wegi ETH 2:25:03
7. Sylvia Kibet KEN 2:26:04
8. Stephanie Twell GBR 2:26:40
9. Hiwot Yemer ETH 2:26:40
10. Katharina SteinruckGER2:27:26

Markus Heidl
Bericht von Markus Heidl - Fotos von Thomas Guthmann
Thomas Guthmann
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Ergebnisse www.frankfurt-marathon.com
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