6.9.25 - 32. Jungfrau-Marathon

Deutscher Doppelsieg beim Jungfrau-Marathon

von Wilfried Raatz 
Legendär auf der Moräne Eindrucksvoller Zieleinlauf
Nichts für reine Asphalt-Cowboys:
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Sie ist die neue Queen des legendären Jungfrau-Marathon, der von geschätzten Fachkennern der Materie als der "schönste Marathon der Welt" kategorisiert wird, und sich bei der 32. Auflage der spektakulären Veranstaltung von Interlaken zum Eigergletscher nach 2021 und 2022 zum dritten Mal als Siegerin feiern lassen durfte: Laura Hottenrott vom PSV Grün-Weiß Kassel.

 

Die 33jährige Sportwissenschaftlerin rückt damit in der Geschichte zusammen mit Emebet Abossa (Äthiopien, 2003-2005) und Simona Staicu (Ungarn, 2006, 2008, 2010) an die Spitze der Siegerinnen. Sie ist nach der Auftaktsiegerin Birgit Lennartz im Jahr 1993 überhaupt erst die zweite Deutsche, die diesen renommierten Lauf gewinnen kann. Und daran sind so namhafte Siegerinnen wie Fabiola Rueda-Oppliger, Franziska Rochat-Moser, Anita Hakenstad-Evertsen, Simona Staicu, Aline Camboulives, Martina Strähl, Maude Mathys und Susanna Saapunki "Schuld" daran.

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Start der knapp Viertausend ... ... und aus der Vogel-Perspektive

"Mit diesem Rekord habe ich absolut nicht gerechnet, denn diesen lief ich praktisch ohne ein Duell wie 2022 gegen Esther Chesang, als ich mit 3:22:57 den bisherigen Rekord gelaufen war", zeigte sich Laura Hottenrott über diesen Leistungssprung auf nunmehr 3:17:35 Stunden mehr als erstaunt. "Ich bin lange Zeit mit dem Liechtensteiner Arnold Aemisegger zusammengelaufen. Er hat ein sehr gutes Tempogefühl, das kam mir heute natürlich zugute!"

Dabei ist es frappierend, in welcher dichten Folge die Kasselerin von Erfolg zu Erfolg, von Topleistung zu Topleistung, eilt: Nach ihren schnellen Straßenläufen mit Meisterschaftscharakter in Paderborn und Hannover sowie beim Düsseldorf-Marathon folgte der Umstieg ins profilierte Gelände mit spektakulären Siegen beim Rennsteiglauf, Zermatt-Marathon und Grindelwald beim E51 und einem begeisternden Rennen bei Sierre-Zinal. Und nun der Sieg beim Jungfrau-Marathon! Was kann denn noch in dieser Saison, die Laura als "absolut zufriedenstellend" bezeichnet. Wir meinen jedoch: Herausragend - und das beste Jahr ihrer Laufkarriere. Und dies trotz Olympiastart 2024.

Toller Empfang zur Halbzeit in Lauterbrunnen Beim Durchlauf in Lauterbrunnen

Dabei wollte die offenbar nimmermüde Laura Hottenrott sogar vor dem Jungfrau-Marathon noch beim OCC des weltweit größten alpinen Trailspektakels UTMB in Chamonix starten, das über 51 km und 3500 Höhenmeter ging. Doch die UTMB-Verantwortlichen lehnten ein Startgesuch mangels geeigneter Wertungspunkte (!) eines selbst unter den Athleten strittigen "Knebel-Systems" ab. Die 32. Auflage des Marathonspektakels mit dem Ziel vor dem majestätischen Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau auf 2320 m Höhe wurde zum Triumph für deutsche Langstreckenspezialisten, denn hinter Laura Hottenrott wurde die für den PTSV Rosenheim startende Kirsten de Baey-Ruszin überraschend Zweite in 3:35:38 Stunden vor der 2017 und 2019 siegreichen Ex-Europameisterin Martina Strähl.

Laura Hottenrott und Arnold Aemisegger bei Stechelberg Roter Teppich für Laura Hottenrott

"Für mich ist das eindeutig der größte Erfolg, hinter Laura als Zweite ins Ziel einlaufen zu dürfen, das ist eine besondere Ehre", bekannte die über den Triathlonsport zum profilierten Landschaftslauf gestoßene Athletin, die nach wie vor ihre Ausdauerfähigkeit mit vielen Radeinheiten holt. Kirsten stammt aus einem flachen Landstrich nahe der holländischen Grenze und zog erst vor zwei Jahren nach Achental nahe des Chiemsees - und damit in Blickweite zu den Bergen.

Noch bei Streckenhalbzeit lag die Trail-Novizin deutlich im Hintertreffen. "Ich kann diese Pace nicht mitgehen, da ich die Strecke ja schon kenne, weiß ich natürlich, wo ich aufholen kann. Und das ist mir wirklich gelungen!" Auch wenn ihr Augenmerk (auch) auf eine Verbesserung ihrer 2:48er Bestmarke über die Marathondistanz liegt, ihr "großes Ziel" ist die Teilnahme am größten Trailspektakel, dem UTMB über allerdings "lediglich" 51 km….

Wird Zweite Kirsten de Baey-Ruszin Starker Auftritt für die Ex-Europameisterin Martina Strähl Die Frauenvierte Ivana Iozzia auf dem Weg zum W50-Sieg

Ein starkes Rennen lieferte die frühere Berglauf-Europameisterin und zweifache Jungfrau-Siegerin Martina Strähl, die lange Zeit die erste Verfolgerin von Laura Hottenrott war und letztlich als Dritte mit 38 Jahren ein feines Resultat nach ihrem Rücktritt vom Spitzensport schaffte. Die unverwüstliche Italienerin Ivana Iozzia sicherte sich nach 3:41:54 mit Rang vier der Gesamtwertung auch die F50-Wertung.

Petra Eggenschwiler läuft auf Rang 8 Aline Camboulives wird 13. Anschubhilfe für W45-Siegerin Daniela Aeschbacher Lange Zeit mit starker Vorstellung - Simone Raatz

Erst 18 Jahre alt ist die aus dem nahe Spiez stammende Nadin Wälti, mit 3:54:29 wurde sie Siebte und wusste so namhafte Läuferinnen wie Petra Egenschwiler, die vor erst drei Wochen den vielleicht härtesten Triathlon, den Inferno Triathlon vom Thuner See über Lauterbrunnen zum Piz Gloria mit 5500 Höhenmetern mit den Distanzen 3 km Schwimmen, 97 km Rad, 30 km MTB und 25 km Berglauf nach 9:59:20 Stunden gewann. Oder der Masters-Berglauf-Europameisterin Daniela Aeschbacher oder der zweifachen Jungfrau-Marathon-Siegerin Aline Camboulives als Erste der W45 bzw. F50-Zweite. Für die mehrfache Masters-Welt- und Europameisterin Simone Raatz verlief das Rennen nach einem starken Auftakt als zwischenzeitlich Zehnte bei Halbzeit in Lauterbrunnen wegen einer Adduktorenverletzung letztlich enttäuschend.

Spalier für die Führungsgruppe nach 5 km mit v.l. Richard Douma aus den Niederlanden (im Ziel 10.), dem Deutschen Erik Hille und Vitaliy Shafar aus der Ukraine Als bester Schweizer wird Jerome Furer Vierter

Bei den Männern gelang Erik Hille ein Meisterstück der besonderen Art. Der im bayerischen Nabburg nahe Regensburg lebende Langstreckler toppte seinen im Vorjahr schon überraschenden zweiten Rang hinter dem Ukrainer Vitaly Shafar mit einer exzellenten Renneinteilung und der erfolgreichen Aufholjagd von Rang vier zum Tagessieg am Eigergletscher vor Shafar, dem zweifachen britischen Sieger Robbie Simpson und dem lange Zeit auf Position zwei laufenden Mexikaner Juan Luis Barrios Nieves. "Das ist mein bislang größter Erfolg" bekannte der 37jährige, der in Braunschweig Sportmanagement studierte und nun teilzeitbeschäftigt in Nabburg arbeitet. "Die Trainingslager in St. Moritz im Juni und August haben mir den richtigen Kick gebracht, zumal ich dort die Longruns mit Richard Ringer und Nils Voigt absolvieren konnte!" Und bekannte zugleich, dass er seine bislang bei 2:13:03 Stunden fixierte Marathon-Bestmarke schon in zwei Wochen steigern möchte - beim Berlin-Marathon.

Erik Hille sorgt für den ersten deutschen Sieg

Mit 3612 StarterInnen aus 66 Nationen war die 32. Auflage des Jungfrau-Marathon eine weitere Erfolgsgeschichte, zumal die Veranstaltung sonnenverwöhnt einmal mehr ideale Bedingungen an den Tag brachte, nachdem es am Vortag noch phasenweise kräftig regnete und die "Freitagsrennen" mit Minirun, Pararace, dem Jungfrau-Minimarathon und dem Harder Run Race über 4,4 km und 755 Höhenmetern, das an der Spitze mit Jonathan Schmid und Simone Troxler zwei namhafte Sieger hatte, beeinträchtigte. Exzellent organisiert waren einmal mehr die Laufwege rund um das mondäne Jungfrau Victoria Grand Hotel mit der Marathon-Village im Kurgartensaal und der Startnummern-Ausgabe im Congress Kursaal.

Begeisterung beim Laufnachwuchs beim Freitagsrennen für die Schüler Stimmungsvoller Zieleinlauf vor mondäner Kulisse

"Für mich geht die Austragung 2025 als ein Laufhighlight der Sonderklasse in unsere Geschichtsbücher ein. Wir durften mit den Deutschen Erik Hille und Laura Hottenrott zwei würdige Sieger auf dem Eigergletscher vor einer imposanten Bergkulisse empfangen. Ich bin super happy und zufrieden. Sowohl Laura als auch Erik sind zwei äußerst sympathische Läufer und ich mag ihnen die Siege von Herzen gönnen!" zog Renndirektor Patrick Wieser ein erstes Fazit, der übrigens selbst zehnmal beim Jungfrau-Marathon finishte. "Es gibt aber immer Bereiche, in welchen man sich verbessern kann. Aufgrund der zahlreichen Rennen im August und September und den später im Monat noch folgenden Berg- und Traillauf-WM in Canfranc waren unsere Elitefelder in diesem Jahr gut, aber nicht topbesetzt. Unsere Preisgelder sollten aber Anreiz schaffen, dass in Zukunft weitere Top-Athleten nach Interlaken kommen werden".

Fast alle im Berggang zum Ziel .... Verpflegung vor Traumkulisse

Eine überaus stimmungsvolle Pasta-Party mit Siegerehrung im Grindelwald Terminal mit stets präsentem Blick auf die schneebedeckten Berge rundete einen Event ab, der nicht umsonst als eine der ersten Adressen der Berg- und Trailszene gilt und schon zweimal Austragungsort von Weltmeisterschaften war und stets einige der Größen der Szene am Start weiß. Und Ehre wem Ehre gebührt, vor Beginn der Siegerpräsentation auf der Bühne im Grindelwald Terminal wurden die "Jubilare" geehrt, die 30, 25, 20 oder 10 Mal am Start in Interlaken waren. Darunter auch zwei Urgesteine aus der südhessischen Region mit Ralf Klink (Goddelau) mit 30 Starts und Hans Schweizer (Michelstadt) mit 20 Starts. Und sie bekannten freimütig nach der erholsamen Dusche: "Es wird jedes Mal steiler…" (Ralf) bzw. "Der Eigergletscher ist unnötig…" (Hans). Letzteres angesichts der 2021 veränderten Streckenführung mit dem Ziel anstelle der Kleinen Scheidegg (2061 m) zum Eigergletscher (2320 m).

Zwei Jubilare mit Ralf Klink (links) und Hans Schweizer mit 30 und 20 Starts Flower-Ceremony Top3 Frauen

Aber letztlich sind dies Marginalien angesichts der gewichtigen Eckpunkte beim "schönsten Marathon der Welt". Allesamt Gründe, weshalb die auf 4000 Starter limitierten Startplätze überaus begehrt sind und stets im frühen Vorfeld heißt es bereits: "Wir sind ausgebucht"!

Geniale Location - After-Race-Party in Grindelwald Dürfen sich feiern lassen - Top 3 Männer und Frauen
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Bericht und Fotos von Wilfried Raatz
11 Fotos von Jungfrau-Marathon/ Diego Schläppi & David Birri

Ergebnisse results.datasport.com
Infos www.jungfrau-marathon.ch/de/

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