24.9.22 - 18. Engelberglauf in Großheubach

Zeitenwende hält auch am Engelbert Einzug

von Thomas Disser 

Informationen zum Lauf 2023 - siehe Ankündigung im WO LÄUFT`S WIE?

"Besser spät als nie" könnte das Motto für den Engelberglauf 2022 lauten. Normalerweise wird kurz nach der unterfränkischen Schneeschmelze Mitte März/April der Engelberg laufend erklommen. Aber was ist in diesen Zeiten schon normal? Nun wird nach fast zweieinhalb Jahren endlich wieder ein Countdown am Kloster Engelberg heruntergezählt. Insgesamt sogar achtmal innerhalb einer Stunde.

 

Diesmal Ende September, noch vor dem nächsten Wechsel auf Winterreifen. Veranstalter des Engelberglaufes ist die Bayerische Sportjugend Kreis 2, Miltenberg. Klingt etwas formal, aber zusammen mit den beiden ausrichtenden Vereinen, ELT und TSV Großheubach kann man schon eher etwas damit anfangen und hat Gesichter des Orga-Teams vor Augen. Ganz vorne zu nennen sind Willi Hubert, Bernhard Herbig und Elmar Zöller, die auf ein erfahrenes Helfer-Team zählen können.

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Sehr schön ist es am Engelberg Alles gut beschildert, wobei der Halbe eher für die Harten und nichts für Weiche ist
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Entgegen der Ankündigung, die Online-Anmeldung eine Woche vor dem Lauf zu schließen, bleibt diese bis 2 Tage vor dem ersten Startschuss auf. Gut so. Das erspart den Mehraufwand bei Nachmeldungen vor Ort und dem Sportler ein paar Euros. Wobei die Startgebühren für die Jugend und Erwachsenen moderat (incl. Shirt) und für die Kinderläufe und Handicap-Lauf ohnehin kostenlos sind.

Trotz allem darf auch bis auf den letzten Drücker nachgemeldet werden. Man ist um jeden Starter froh. Und sehr gespannt, wie viele den Weg nach Großheubach finden. Ja, die Teilnehmerzahlen. Sicher gibt es verschiedene Aspekte, die einen Vergleich mit früheren Engelbergläufen erschweren. Schauen wir zum Beispiel auf die Vielstarter, die ihren Stamm-Läufen mit ihren zumeist festen Terminen seit Jahren die Treue halten. Die haben durch die Terminverschiebungen das Problem überschneidender Lauf-Angebote. Bei taggleichen Läufen geht es sowieso nicht, höchstens bei Samstag/Sonntag-Kombinationen.

Allerdings kann sich nicht jeder solche Doppeldecker an einem Wochenende zumuten. Das geht schnell auf die Knochen und der Herbstmarathon scheitert, da zuvor schon alle Körner aufgebraucht wurden. Ein Punkt, der so manchen Frühjahrs-Laufveranstalter zur Komplett-Absage für das aktuelle Jahr bewogen hat. Weniger Teilnehmer heißt eben auch weniger Einnahmen oder gar ein Minusgeschäft. Umso wichtiger, den Idealismus mutiger Veranstalter zu unterstützen, die sich für die Austragung entscheiden. Auch die hiesigen Organisatoren haben sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, letztlich aber auf den Termin im September festgelegt.

Mit dem Bus zum Start Weihnachtsmarktbude als Nachmeldeschalter

155 Voranmelder stehen am Freitag auf der Anmeldeliste des Zeitnehmers Maxx-Timing, plus 20 Voranmeldungen zum Handicap-Lauf. Gegenüber 600 aus dem Jahr 2019 muss das erstmal verarbeitet werden. Die vom Bundeskanzler zwar aus anderen Gründen verkündete Zeitenwende hält wohl auch hier Einzug. Umso beeindruckender ist es, wie die Verantwortlichen des Engelberglaufes damit umgehen. Die Sportler werden herzlich empfangen, per Shuttle-Bus zum Start chauffiert und auf eine wunderschöne Laufstrecke geschickt.

Laut Veranstalter 100 Prozent Wald-Anteil mit Trail-Passagen. Höhenmeter inklusive, sonst würde es nicht Engelberglauf heißen. Moderate Steigungen, also ohne Engel um ihre Flügel bitten zu müssen. Wobei das relativ zu betrachten ist. Wer auf solchem Terrain üblicherweise trainiert, sieht das anders als der gemeine Mainufer-Flach-Läufer.

Pater Richard und seine Schwester sind gern gesehene Gäste Haben vor dem Start alles im Griff: Bernhard Herbig ... ... und Willi Hubert

Bei den Begrüßungen vor dem Start wird auch Pater Richard vom Franziskanerkloster Engelberg, sozusagen der Hausherr des Veranstaltungsgeländes, mit Applaus bedacht. Er lässt sich das Treiben vor seiner Haustür nicht entgehen und gibt den Athleten das Gefühl göttlichen Beistands. Hat dazu auch Unterstützung von seiner Schwester, die seit Jahrzehnten in Mozambique Missionsarbeit leistet. Vor diesen Menschen kann man nur den Hut ziehen.

Zuerst dürfen Punkt 14 Uhr die 25 Halbmarathonläufer auf die Strecke. Bei dieser Teilnehmerzahl ist man schnell allein unterwegs. Dennoch gibt es auf der in Schleifen um den Engelberg angelegten Strecke Begegnungen mit Läufern der anderen Distanzen. Der Streckenplan sieht verwirrender aus als in der Realität. Die Beschilderung ist sehr gut und wer mit offenen Augen unterwegs ist, verläuft sich nicht.

Handicap-Lauf über 8 km seit Jahren im Programm und nicht mehr wegzudenken Nun dürfen die Kleinsten ran und 400 Meter rennen

Der zweite Start des Tages ist der Handicaplauf über 8 Kilometer. Seit Jahren im Angebot und aus dieser Veranstaltung nicht mehr wegzudenken. Etwa 20 Sportler haben sich hierfür versammelt und sind mit großer Freude dabei.

Der dritte Startcountdown ist für den Zwergenlauf über 400 Meter. Ein schönes Spektakel, bei dem die Kleinsten unter den Anfeuerungsrufen der Eltern und Zuschauer ihre gefühlt zu großen Startnummern freudestrahlend ins Ziel bringen.

Hauptlauf über 10 km

15 Minuten später wird der Zehner gestartet. Traditionell der teilnehmerstärkste beim Engelberglauf, so auch dieses Jahr. Am Ende mit 64 Finishern auf der Liste des Zeitnehmers. Auf der Strecke fühlt sich das gar nicht so wenig an, es gibt ständig Begegnungen. Leider auch eine weniger schöne. Die vor mir laufende Dame stürzt und schlägt sich heftig das Knie auf. Da zu meiner LaufReporter-Ausrüstung auch ein Mobiltelefon gehört, will ich den Notruf wählen, kann aber gleich wieder auflegen. Die Läuferin nach mir kennt sich aus und weiß, dass nur 100 Meter weiter der Rettungsdienst postiert ist. Glück im Unglück für die gestürzte Läuferin, die nach ärztlicher Versorgung sogar zu Fuß die letzten Kilometer zurücklegen kann.

Start 10 km Hauptlauf Die ersten Höhenmeter auf dem ersten Kilometer

Auf der zweiten Hälfte des Zehners geht's bergab. Sozusagen die Belohnung für die 200 Höhenmeter bergauf, die zu Beginn des Laufes den Puls gleich in Richtung Maximalwert bringen. An einer Weggabelung ruft mir der freundliche Helfer zu: "Nunnerzuhs isses immer schee". Läufer-Weisheit auf unterfränkisch. Recht hat er.

Unterwegs Begegnungen mit Läuferinnen und Läufern weiterer Distanzen, die nach uns gestartet werden. 8 km Walking und 6,5 km Hobbylauf sind ebenfalls im Angebot.
Zweihundert Meter vor dem Ziel eine Steigung, die es in sich hat. Die nochmal richtig fordert. Scharf links abbiegen und schon ist der Zielbogen zu sehen. Den Puls nochmal Richtung Anschlag treiben, aber - ganz wichtig - die Zielmatte lächelnd überlaufen. Anstrengend, wie es sich für einen Wettkampf gehört, aber mit dem guten Gefühl, einen schönen Lauf beendet zu haben.

Schüler- und Jugendlauf sowie weitere Distanzen

Nicht zu vergessen ist der Schülerlauf über 900 m, der 23 Finisher zählt. Lukas Hohm vom veranstaltenden TSV Großheubach ist der Schnellste in 3:39 Minuten, gefolgt von Samuel Breunig in 3:46 Minuten. Dritter wird Noah Kempf in 3:49 Minuten. Enie Vierneisel ist die schnellste Schülerin und benötigt nur 3:47 Minuten für die Strecke. Zweite wird Mara Krank, die ebenso wie die Siegerin für den SC Freudenberg startet, in 3:49 Minuten. Nayla Fleury (Canadians) komplettiert das Siegerpodest als Dritte in 3:54 Minuten.

6,5 km-Hobbyläufer Elke und Frank Endres Flott unterwegs beim Zwergenlauf

Den Jugendlauf über 1,8 km finishen 18 Teilnehmer. Henrik Jakob vom TV Schweinheim ist hier der Schnellste in 6:25 Minuten. Louis Kempf von TSV Kleinostheim wird Zweiter in 6:48, Yanik Fleury (Canadians) Dritter in 7:11 Minuten. Naomi Buchner vom TV Bürgstadt gewinnt die Wertung der jungen Damen in 7:12 Minuten. Katharina Nagel (TV Schweinheim) wird in 7:15 Minuten Zweite und Lara Weigel von der TSG Kleinostheim kann sich in 8:22 Minuten den dritten Platz sichern.

Bei den 24 Nordic Walkern über 8 Kilometer ist Andreas Hohm in 55:20 Minuten der Sieger. Kathrin De Guibert gewinnt die Damenwertung in 1:09:27 Stunden.

Bei den 21 Teilnehmern des 6,5 km langen Hobbylaufes siegt Jonathan Busch vom TV Schweinheim in 25:56 Minuten. Yannik Kügler (Hensel Recycling) wird Zweiter in 27:40 Minuten. Mathieu Fleury holt als Dritter in 30:03 Minuten einen weiteren Podestplatz für seine Familie. Wird aber nicht der letzte sein.

Annegret Zöller vom ELT ist im Ziel gelandet und gewinnt die W60 über 10 km 10 km-Sieger v.l.: Suska Fleury, Beatrice Reith, Erna Hemberger, Ingbert Reinke, Luis Dingeldein

Wie sieht es beim Hauptlauf über 10 km aus?

Den Sieg fährt eine bekannte Größe der hiesigen Laufszene ein. Ingbert Reinke, hier für Intersport Wolfstetter startend, gewinnt in 39:04 Minuten. Den zweiten Platz holt sich Benjamin Reichert vom TV Kleinwallstadt in 39:55 Minuten. Dritter wird Luis Dingeldein von der TSG Bad König in 40:25 Minuten.

Die 10 km-Damenwertung gewinnt Suska Fleury (Canadians) in 44:28 Minuten, damit ist der Familien-Erfolg komplett. Der zweite Platz geht an Beatrice Reith in 45:10 Minuten. Erna Hemberger wird Dritte Frau in 48:13 Minuten.

Start Halbmarathon: Sieger wird Joshua Müller im Wies'n-Trikot (2159). Zweiter Matthias Gall (2152) 3.+ 4. HM: Uli Amborn (2149) und Jakob Maßem (2158) vom ELT Großheubach

Wie läuft `s beim Halbmarathon?

Joshua Müller kann diesen für sich entscheiden. Der für "Drahtesel Lützelbach.de/TV Miltenberg" startende M30-Läufer siegt in 1:25:56 Minuten und bleibt als Einziger unter eineinhalb Stunden. Danach folgen Läufer des veranstaltenden ELT Großheubach. Matthias Gall wird Zweiter in 1:31:16 Stunden, Dritter Jakob Maßem in 1:34:23 Stunden. Nicht unerwähnt bleiben darf der Viertplatzierte Uli Amborn, der inzwischen in der M65 startet und nach flotten 1:37:55 Stunden finisht. Bei der Siegerehrung gibt es später noch einen Extra-Preis. Den hat er sich verdient.

Bei den Frauen gewinnt Franziska Pawlik vom TSV 02 Unterschüpf in 1:46:17 Stunden. Die Triathletin lässt derzeit die Saison ausklingen. Da kommt die Halbmarathondistanz gerade recht. Sie kann sich zu einem früheren Start beim Engelberglauf sogar um 4 Minuten steigern und ist daher mit ihrer Leistung zufrieden. Mit dem unerwarteten Sieg sowieso. Josefa Vierneisel vom SC Freudenberg wird Zweite in 1:52:09 Stunden vor der Drittplatzierten Simone Wappes, die in 1:59:37 noch unter der 2-Stunden-Marke bleibt.

Franziska Pawlik gewinnt den Halbmarathon in 1:46:17 Stunden HM-Dritte Simone Wappes in 1:59:37 Uli Amborn gibt wie immer alles bis zur Ziellinie

Gut 220 Finisher werden unter dem Zielbogen auf dem Engelberg begrüßt. Ein schönes Bild im Zielbereich beim Bier- und Tee-Plausch mit zufriedenen Gesichtern bei der Läuferschar, aber auch bei den Veranstaltern. Klar hat man sich größeren Zuspruch erhofft. Es war aber das richtige Signal nach dem Motto: wir ziehen das durch und lassen unsere Fans nicht noch ein Jahr hängen.

Wie läuft die Siegerehrung?

Perfekt. Die Guido-Kratschmer-Halle, benannt nach dem berühmtesten Sportler Großheubachs, ist der schöne Rahmen für eine Siegerehrung wie es sich gehört. Peter Hefner erledigt das mit seinen Helferinnen zügig und professionell. Auch die Altersklassen werden reichlich bedacht, was in letzter Zeit woanders auch schon eingespart wurde. Das Kuchenbuffet bekommt ein Extra-Sternchen. Einfach Lecker!

Halbmarathon-Sieger v.l.: Jakob Maßem, Matthias Gall, Joshua Müller, Josefa Vierneisel, Franziska Pawlik und Simone Wappes Welch ein König der Athleten: Zehnkämpfer Guido Kratschmer, der bekannteste Großheubacher Sportler
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"Wetten, dass…" nächstes Jahr am 1. April 2023, also zum Stamm-Termin, die 19. Ausgabe des Engelberglaufes wieder deutlich mehr Teilnehmer zählen wird? Top, die Wette gilt.

Bericht und Fotos von Thomas Disser

Ergebnisse maxx-timing.de - Infos www.engelberglauf.de

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