25.9.22 - 48. Int. Adelholzener Hochfelln-Berglauf in Bergen

Österreichischer Doppelsieg durch Andrea Mayr und Manuel Innerhofer

Andrea Mayr feiert 12. Sieg - Jonathan Wyatt` Bestzeit nun 20 Jahre alt

von Winfried Stinn 

Den 48. Internationale Adelholzener Hochfelln-Berglauf mit dem "Großen Preis von Deutschland", der traditionell am letzten Sonntag im September in Bergen/Chiemgau ausgetragen wurde, gewannen Manuel Innerhofer und Andrea Mayr. Damit gab es einen österreichischen Doppelsieg.

 

Veranstaltet wird der älteste Berglauf Deutschlands vom SC Bergen. Hier fand viermal die Deutsche Berglaufmeisterschaft statt und 2000 wurde die Berglauf-Weltmeisterschaft ausgetragen. Viele Jahre gehörte der Hochfelln-Berglauf zum Grand-Prix bzw. Berglauf Weltpokal, war als Gründungsmitglied der damals noch attraktiven Grand-Prix-Serie mehrmals Finalort.

Banner anklicken - informieren
LR-Info zum Gornergrat Zermatt Marathon 2023 HIER

Klangvolle Namen aus der Berglaufszene wie Antonio Mollinari, Helmut Schmuck, Marco des Gasperi, Jonathan Wyatt, Svetlana Demidenko, Antonella Confortola, Izabela Zatorska, Birgit Sonntag Martina Strähl und Andrea Mayr, um nur einige zu nennen, die alle samt bei Weltmeisterschaften Titel und Medaillen errangen, zieren die Ergebnislisten.

Der 1674 Meter hohe Hochfelln. Dort ist das Ziel ... ... mit Blick zum Gipfel und Chiemsee (bei schönem Wetter)
Nichts für reine Asphalt-Cowboys:
Berglauf & Trail-Run im LaufReport HIER

Nachdem 2020 der Hochfelln-Berglauf wegen Corona ausfiel und 2021 die 47. Auflage mit Einschränkungen durchgeführt werden musste, wurde diesmal wieder das komplette Programm angeboten. So begann die zweitägige Veranstaltung am Samstagabend mit der Willkommensparty und dem traditionellen Nudelessen. Organisationschef Jürgen Schmid vom SC Bergen gab bei der Begrüßungsrede seine Freude zum Ausdruck, dass nun endlich wieder der Hochfelln Berglauf ohne Auflagen durchgeführt werden kann. Jürgen Schmid überreichte Andrea Mayr die Startnummer zwölf in Erwartung dass sie einen Tag später ihren zwölften Sieg beim Hochfelln Berglauf feiern wird.

Bergen im Chiemgau, Austragungsort des Hochfelln-Berglaufes Auch dieser Blick blieb diesmal den Läufern verwehrt: Bründlingalm mit Chiemsee

Der Start für die 8,9 km lange Strecke, die einen Höhenunterschied von 1074 Meter aufweist, war bei der Talstation der Hochfellnseilbahn. Die Strecke führte über die Mittelstation zum Ziel (welches ein wenig verlegt wurde) bei der Bergstation. Ein anspruchsvoller, landschaftlich reizvoller Lauf. Der Lohn für die Anstrengungen, ist bei guten Witterungsverhältnissen eine traumhafte Aussicht auf den Chiemsee und die Alpen. Doch diesmal verhinderten starke Wolkenbildungen die ansonsten so traumhaften Aussichten vom Hochfelln-Gipfel. Die Bedingungen für die Läuferinnen und Läufer waren aber gut, wobei es stellenweise rutschige Passagen gab. Regen setzte erst am Nachmittag ein.

Auf diesen Blick mussten die Läufer nach dem Zieleinlauf diesmal verzichten - Blick in die Alpen

Bei den Männern war der Vorjahressieger Filimon Abraham nicht am Start. Der erfolgreiche Läufer aus Eritrea, der mittlerweile die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, hat sich nach seinen Berglauf-Erfolgen in den vergangenen Jahren nun mehr auf die flachen Distanzen spezialisiert. Und das mit Erfolg. Über 10.000 Meter hatte er sich für die Europameisterschaft qualifiziert und liegt mit ausgezeichneten 28:03,39 Minuten auf Platz zwei der deutsche Jahresbestenliste.

So nahmen der Vorjahreszweite, der WM-Sechste von 2019 Manuel Innerhofer (LC Oberprinzgau) und der Slowene Timotje Becan, der 2018 sechster und 2019 dritter beim Hochfelln-Berglauf wurde, die Favoritenrolle ein. Beide lieferten sich ein spannendes Rennen. Bis einen Kilometer vor dem Ziel lag Becan leicht in Führung. Doch nach einer Tempoverschärfung übernahm Innerhofer die Führung und passierte nach 44:58,1 Minuten erstmals als Sieger das Ziel auf den Hochfelln.

Start zum 48.Hochfelln Berglauf

"Ich bin taktisch auf Sieg gelaufen. Von Anfang an kam es zu dem erwarteten Duell zwischen Timotej und mir. Ich hatte zum Schluss mehr Reserven und konnte so gewinnen. Die überwiegend steile Strecke kommt mir sehr entgegen", so der zehnfache Österreicher Meister (davon sechs Titel am Berg), der bei der diesjährigen Europameisterschaft auf La Palma als Vierter nur knapp die Medaillenränge verpasste. Sein nächstes Rennen ist bereits am Sonntag der RennsteigTRAIL. Dieser gehört, wie u.a. der Zermatt Ultra-Marathon, der Zugspitz Ultra-Trail, der Chiemgau zur Golden Trail National Serie. Dort will er seine Führung verteidigen.

Noch führt Timotej Becan vor dem späteren Sieger Manuel Innerhofer Gabriel Wimmer wird 3.

Timotej Becan lief als Zweiter 45:22,9 Minuten und hatte im Ziel einen Rückstand von nur knapp 24 Sekunden. "Ich wollte gewinnen. Das war mein Ziel. Aber Manuel war einfach stärker, das muss ich anerkennen", so die faire Stellungnahme des Slowenen. Auf Platz drei kam Gabriel Wimmer aus Neubeuren der für das Lauffeuer Chiemgau startet in 46:53,6 Minuten. "Mit einem Podestplatz hatte ich nicht gerechnet. Deshalb bin ich mehr als zufrieden", so Wimmer. Vierter wurde mit dem Mountainbike-Weltmeister von 2019 Silvio Wieltschnig, der auch im Berglauf Erfolge feiert, ein weiterer Österreicher. Auf Platz fünf mit Anian Rottmüller (TuS Bad Aibling), der zweite deutsche Läufer der das Ziel erreichte. Der Italiener Antonio Tonnelli, der 2017 den Hochfelln-Berglauf gewann, wurde Achter. Zwei Plätze davor platzierte sich Ricardo Sterni als bester Italiener auf Platz sechs.

Silvio Wieltschnig läuft auf Rang 4 Anian Rottmüller folgt auf Platz 5 Der Sieger von 2017 Antonio Toninelli wird diesmal Achter

Bei den Frauen war die Favoritenfrage eindeutig, alles andere als ein Sieg von Andrea Mayr, wäre eine Riesen-Sensation gewesen. Erneut wurde sie ihrer Favoritenrolle gerecht und holte sich mit der Zeit von 49:34,6 Minuten ihren zwölften Sieg. Nur drei Männer waren schneller als die mehrfache Welt- und Europameisterin, die auch in dieser Saison, trotz ihrer fast 43 Jahre, bei internationalen Läufen überzeugen konnte. So gewann sie bei der Europameisterschaft auf La Palma die Silbermedaille. "Ich habe mich nicht speziell auf den Hochfelln-Berglauf vorbereitet, sondern mein normales Trainingsprogramm absolviert. Dass ich von 13 Starts zwölfmal gewinnen konnte, zeigt, dass mir die Strecke liegt. Mein Ziel ist es, den Hochfelln-Berglauf mit 45 Jahren, das ist in zwei Jahren, zu gewinnen. Das würde passen, denn dann feiert ja der Hochfelln-Berglauf sein 50jähriges Jubiläum. Für dieses Jahr stehen noch im November in Thailand die Berglauf-Weltmeisterschaften an."

In Erwartung auf Andrea Mayrs zwölften Sieg überreicht OK Chef Jürgen Schmid ihr die Startnummer 12 Und mit der Startnummer 12 feierte sie erwartungsgemäß ihren zwölften Sieg Sophia Schneider folgt als 2. Frau

Mit einem Rückstand von mehr als acht Minuten belegte Sophia Schneider (SV Oberteisendorf) in 58:23,8 Minuten den zweiten Platz. Sie gehört dem Biathlon-Nationalteam an und trainiert beim Stützpunkt in Ruhpolding. Erst kürzlich gewann sie bei den deutschen Biathlon-Meisterschaften in Oberhof zwei Goldmedaillen, nachdem sie schon bei den Juniorinnen Vize-Weltmeisterin wurde. Knapp dahinter erkämpfte sich Verena Bachmayer (SC Haag) in 58:37,8 Minuten den dritten Platz. Renate Forstner (TSV Rosenheim) und Lisa Wimmer (Tüßlin) belegten die Plätze vier und fünf.

Verena Bachmayer wird 3. Frau Auf Platz 4 läuft Renate Forstner Lisa Wimmer erreicht Rang 5

Die Inn- Chiemgauwertung gewann der Gesamt-Dritte Gabriel Wimmer vor Anian Rottmüller und Florian Prambs. Bei den Frauen erkämpften sich Sophia Schneider, Verena Bachmayer und Renate Forstner, die in der Gesamtwertung die Plätze zwei, der und vier belegt hatten, die Podestplätze.

Die Streckenrekorde von Jonathan Wyatt (40:34 Minuten) und Andrea Mayr (47:28 Minuten) blieben unangetastet. Wyatt hat seine Bestzeit 2002 aufgestellt, also hat diese Zeit nun genau 20 Jahre lang Bestand. Jonathan Wyatt erinnert sich noch heute gerne an den Lauf von 2002 und gerät geradezu ins Schwärmen, wenn er an die Läufe in Bergen denkt. Auf das 20jährige "Jubiläum" seiner Bestzeit angesprochen, antwortet Wyatt: "Wow 20 Jahre sind eine lange Zeit und ich denke, dass der Rückblick auf den Rekord in Bergen einer meiner besten Leistungen aller Zeiten war. Der Hochfelln Berglauf war nach meinem Sieg bei der World Trophy in La Reunion mein allererster Berglauf auf dem europäischen Festland, daher bleiben für mich immer besondere Erinnerungen daran, ebenso wie die Freundschaft von Bibi Anfang über die vielen Jahre, die wir uns getroffen haben. Ich erinnere mich an den Lauf und auch daran, dass ich mit meinen Zeiten auf der Strecke eine gute Konstanz hatte. Es war immer ein hartes Rennen und ich wusste, wenn ich mich auf der Mittelstation stark fühlen könnte, würde es ein starkes Rennen werden. Es gibt so viele gute Erinnerungen an das Rennen und die Menschen, die es organisiert haben, und ihre Leidenschaft dafür. Ich erinnere mich an die Kuchen und Getränke im Ziel, und die lauteste Kanone zum Start des Rennens und natürlich die besondere Aussicht vom Zielbereich machten dieses Bergrennen zu einem meiner Lieblingsrennen."

Nur noch 200 Meter zum Ziel Stimmungsvolle Siegerehrung im Zielbereich

Dass der 48.Hochfelln-Berglauf in der Spitze und Breite nicht an die Läufe vor Corona anschließen konnte, war zu erwarten. Das trifft auf die meisten Veranstaltungen zu, wie auch kürzlich beim Schlickeralmlauf in Telfes/Österreich. So konnte zum Abschluss der Veranstaltung OK-Chef Jürgen Schmid dennoch eine positive Bilanz ziehen. "Ich denke wir sind gerade in einer Übergangszeit. Da immer noch die Unsicherheit bestand, ob der Lauf stattfinden kann, ist es für Veranstalter im Vorfeld nicht ganz so einfach. Das betrifft auch die Läufer/innen. Gerade die, die von weitem herkommen, die müssen Planungssicherheit haben. Daher bin ich sehr zufrieden. Wir hatten knapp 200 Meldungen, einige haben kurzfristig abgesagt. Im Ziel waren es dann 163, weil auch einige auf der Strecke aufgegeben haben. Wir hatten ein gutes Teilnehmerfeld und auch von der Klasse her bin ich zufrieden. Wir haben ein paar starke Leute. Vor allem freut mich, dass einige aus der Region vorne mit reingelaufen sind. Das ist schön, wenn sich auch Läuferinnen und Läufer vorne platzieren mit denen man nicht unbedingt gerechnet hat und nicht die ersten Plätze fast schon von vorne herein feststehen. Das ist eine gute Entwicklung und macht den Lauf spannender", so Schmid.

Malerische Siegerehrung im Festsaal Streckenrekordhalter seit 2002 Jonathan Wyatt (Archivfoto)
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Auf die Frage nach Zukunftsplänen antwortet der OK-Chef: "Wir wollen das Format beibehalten .Es soll diese Mischung aus Weltspitze und regionales, attraktives Angebot sein. Dadurch heben wir uns ja von anderen Läufen ab. Das wollen wir beibehalten. Wir wollen den Kontakt zu den Weltklasseläufern weiterhin pflegen und ihnen die Möglichkeit geben, hier zu starten. Auch, dass sich die regionalen Läuferinnen und Läufer mit der Weltklasse vergleichen können. Das wollte schon Bibi Anfang, da wollen wir schauen, dass wir das weiterhin bieten können. Es hat uns gefreut, dass die Trainingsgruppe vom Biathlon Stützpunkt Ruhpolding gemeldet hat. Und immerhin konnte sich die Biathletin Sophia Schneider Platz zwei erkämpfen."

Bericht und Fotos von Winfried Stinn

Ergebnisse & Infos www.hochfellnberglauf.de

Zu aktuellen Inhalten im LaufReport HIER

© copyright
Die Verwertung von Texten und Fotos, insbesondere durch Vervielfältigung oder Verbreitung auch in elektronischer Form, ist ohne Zustimmung der LaufReport.de Redaktion (Adresse im IMPRESSUM) unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urhebergesetz nichts anderes ergibt.

Datenschutzerklärung