17.9.21 - 20. SWT-Flutlicht Meeting in Trier

Rekorde und Weltjahresbestleistungen beim Flutlichtmeeting-Jubiläum

von Holger Teusch 

Konstanze Klosterhalfen verbessert beim 20. SWT-Flutlichtmeeting in Trier den deutschen Rekord über 2000 Meter. Doch damit nicht genug der Highlights: Beim Sieg von Gesa Krause über die gleich lange Hindernisstrecke lief Jolanda Kallabis nationalen U18-Rekord und -Weltjahresbestzeit. Der deutsche 5-km-Rekordler Samuel Fitwi meldete sich mit 10.000-Meter-Meetingrekord zurück.

Der Verein Silvesterlauf Trier versteht es seine Veranstaltungsjubiläen zu feiern. Zum 20. Silvesterlauf 2009 kam Langstrecken-Legende Haile Gebrselassie in die alte Römerstadt. Zehn Jahre später, keine drei Monate bevor Corona die Laufwelt lahm legte, wurde das 30. Jubiläum ausgelassen gefeiert.

 

Dass die 20. Auflage des kleinen Silvesterlauf-Bruders, das SWT-Flutlichtmeeting wirklich gefeiert werden könnte, daran war vor wenigen Wochen noch kaum zu denken. Wer im Juni behauptet hätte, dass Mitte September 1200 Leichtathletik-Fans zwei deutsche Rekorde, zwei Weltjahresbestleistungen und zwei Meeting-Rekorde beklatschen würden, den hätte Silvesterlauf-Vorstandssprecher Hans Tilly entweder eine blühende Fantasie oder grenzenlosen Optimismus, vielleicht auch beides, bescheinigt.

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Am Vorabend des 20. SWT-Flutlichtmeetings begutachteten Konstanze Klosterhalfen und Sonia O'Sullivan begleitet von Renndirektor Berthold Mertes (links) und Organisationsleiter Norbert Ruschel (rechts) vom Verein Silvesterlauf Trier die Verhältnisse im Trierer Moselstadion Die 10.000-Meter-Läufer wie hier Markus Fandel vom SV Oberweis (vorn) und Hendrik Haumann von der TG Konz durften sich über eine gut gefüllte Haupttribüne freuen
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Dann kam eins zum anderen: Zunächst sagte Hindernislauf-Europameisterin Gesa Felicitas Krause zu, ihren Saisonausstand beim Flutlichtmeeting zu geben. Nicht über die 3000-Meter-Meisterschaftsdistanz, sondern die 2000-Meter-Strecke, die in Deutschland für die Jugend der Standard ist. Schnell reifte bei Renndirektor Berthold Mertes die Idee, Nachwuchs-Hindernisläuferinnen die Möglichkeit zu geben, mit der Olympia-Fünften in einem Rennen zu starten. Als dann auch noch der deutsche 5km-Straßenlauf-Rekordler Samuel Fitwi als Silvesterlauf-Botschafter gewonnen und für die 10.000 Meter verpflichtet wurde, war ein würdiges Jubiläum bereits gesichert.

Flutlichtatmosphäre pur bei idealen Bedingungen hatten die Frauen bei ihrem 10.000-Meter-Rennen Die Luxemburgerin Saskia Daguenet überrundete im 10.000-Meter-Rennen alle Konkurrentinnen und lief 36:08,79 Minuten

Gut zwei Wochen vor dem Läuferabend dann die Knaller-Nachricht: Konstanze "Koko" Klosterhalfen will in Trier den deutschen 2000-Meter-Rekord knacken! 1985 lief die Leipzigerin Ulrike Bruns 5:37,62 Minuten. Fehlte nur noch, den entsprechenden Wettbewerb ins Programm einzubauen. Aber daran sollte es natürlich nicht scheitern. Auch ein neues Veranstaltungsmotto wurde gerade durch die beiden Ausnahmeläuferinnen mit Leben gefüllt: Talente treffen auf ihre Vorbilder!

Der 2000-Meter-Rekord sollte der Höhepunkt des Flutlichtmeeting-Jubiläums werden. Doch auf dem Weg zu dieser Bestzeit mussten die Organisatoren einige Schwierigkeiten überwinden. Vier Tage vor dem Rennen musste die als Tempomacherin vorgesehene polnische 1500-Meter-Olympia-Halbfinalistin Martyna Galant wegen eines Trauerfalls in der Familie ihr Kommen absagen. Nun stehen Läuferinnen, die die angepeilten 65-Sekunden-Runden mindestens zweimal durchhalten, nicht unbedingt Schlange. Mertes fand mit der 1500-Meter-Olympiafinalistin Kristiina Mäki aber einen mehr als gleichwertigen Ersatz. Die in Finnland geborene Läuferin, die für Tschechien startet, lief drei Tage vor dem Trierer Flutlichtmeeting im 2000-Meter-Weltrekordrennen von Zagreb nationalen Rekord (5:36,06 Minuten). Francine Niyonsaba aus Burundi verbesserte den Weltrekord der Irin Sonia O'Sullivan (die neben Pete Jullien Konstanze Klosterhalfen im Training betreut) um 3,8 Sekunden auf 5:21,56 Minuten. Doch am Morgen vor dem geplanten deutschen Rekordrennen musste auch Mäki erkrankt absagen. Nur noch Vera Coutellier vom ASV Köln war als Tempomacherin verblieben. Und die steckte zwei Stunden vor dem Startschuss im Stau. Würde Koko die Tempohatz allein bestreiten müssen?

Im 2000-Meter-Rekordrennen von Konstanze Klosterhalfen sicherte sich die noch der U18-Jugendklasse angehörende Celine Schneider (LAZ Puma Rhein-Sieg/6:44,07) vor der dahinter laufenden Karoline Schöpfer (LAZ Birkenfeld/6:45,71) und Lokalmatadorin Judith Weber (PST Trier/7:12,54) den zweiten Platz Start zum Rekordrennen: Sonia O'Sullivan (pinke Jacke) beobachtet, wie Konstanze Klosterhalfen nach dem Start des 2000-Meter-Rennens die Spitze übernimmt und Vera Coutellier (98/ASV Köln) als Tempomacherin nachsetzt. 2000-Meter-Rekordrennen Entspannt nach dem Rekordlauf: Konstanze Klosterhalfen mit Sonia O'Sullivan. Manfred Steffny lauscht der zehnfachen deutschen Rekordlerin und der Laufnachwuchs wartet auf seine Chance ein Autogramm zu erhaschen

Erst während sich die (zu diesem Zeitpunkt) neunfache deutsche Rekordlerin (fünfmal Freiluft, viermal Halle) bereits aufwärmte, kam Coutellier doch noch rechtzeitig im Trierer Moselstadion an. Die deutsche 1500-Meter-Vizemeisterin wurde trotz der wenig optimalen Anreise ihrer großen Verantwortung gerecht: 1:04,24 Minuten nach 400 Metern, 2:10,90 Metern nach 800 Metern - exakter konnte man die angepeilten 65er-Runden kaum erreichen. Das war noch Kurs auf den Europarekord von Sonia O'Sullivan. Die irische Lauf-Ikone (Weltmeisterin von 1995) stand am Rand der Bahn, um Klosterhalfen die Zwischenzeiten durchzusagen. "Dass Sonia mir die Rundenzeiten gibt, ist etwas Besonderes", sagte die Deutsche. Zum Kontinentalrekord fehlten Klosterhalfen mit 5:34,53 Minuten am Ende aber fast zehn Sekunden. Nicht schlimm, sagt Klosterhalfen: "Sonias Rekord bleibt eine Motivation." Das Flutlichtmeeting-Motto "Talente treffen ihre Vorbilder" untermauerten die Zweitplatzierte Celine Schneider (LAZ Puma Rhein-Sieg/ 6:44,07) und Karoline Schöpfer (LAZ Birkenfeld/ 6:45,71) auf dem dritten Platz. Beide gehören noch der Jugendklasse an.

Thurid Gers (SSC Berlin, links) hielt lange Zeit mit Gesa Krause (Silvesterlauf Trier/6:10,89) mit und wurde am Ende Dritte in 6:22,00 Minuten über 2000 Meter Hindernis Nach der Weltjahresbestzeit über 2000 Meter Hindernis (6:10,91 Minuten): Gesa Krause im Gespräch mit Trainer Wolfgang Heinig

Über 2000 Meter Hindernis schaffte es am Ende keine Jugendläuferin aufs Podest. Aber neben Gesa Krause, die in 6:10,91 Minuten Weltjahresbestzeit über 2000 Meter Hindernis lief, gelang das als Viertplatzierter auch Jolanda Kallabis bei den U18-Juniorinnen. Die erst 16 Jahre alte Tochter von Damian Kallabis, dem Hindernislauf-Europameisters von 1998, verdrängte Fatima Aafir aus Marokko (6:32,54) von der 2021er Spitzenposition. Den zwei Jahre alten deutschen U18-Rekord von Blanka Dörfel (LC Cottbus/ 6:29,66) verbesserte die mit 2:05,75 Minuten auch über 800 Meter pfeilschnelle Teenagerin auf 6:28,78 Minuten. U20-Europameisterin Olivia Gürth (Diezer TSK Oranien/6:43,67) wurde Fünfte.

U20-Europameisterin Olivia Gürth vom Diezer TSK Oranien belegte über 2000 Meter Hindernis in 6:43,67 Minuten den fünften Platz Jolanda Kallabis (FT 1844 Freiburg) schraubte den deutschen U18-Rekord über 2000 Meter Hindernis als Viertplatzierte auf 6:28,75 Minuten und setzte sich mit dieser Zeit auf an die Spitze der Weltjahresbestenliste

Der Sieg bei ihrem ersten Hindernisrennen im Trierer Moselstadion wurde Gesa Krause aber von zwei anderen Läuferinnen schwer gemacht. Dass die 29-Jährige mit 6:10,91 Minuten Weltjahresbestzeit laufen musste sagt schon einiges. Sie sei froh über die gute Zeit zum Saisonabschluss, nachdem es beim Diamond-League-Finale in Zürich nicht so gut gelaufen war. Die Polin Kinga Krolik (6:14,20) hängte Krause mit ihrem unwiderstehlichen Endspurt in der Schlussrunde noch deutlich ab. Vorher hatte sich aber vor allem Thurid Gers (SSC Berlin/ 6:22,00) oft an der Spitze gezeigt.

Nach mehr als drei Monaten Wettkampfpause meldete sich der deutsche 5-km-Rekordler mit 10.000-Meter-Meetingrekord von 29:29,52 Minuten eindrucksvoll zurück Der Luxemburger Pol Mellina (3. im 31:28,89 Minuten) und der M45-schnellste Jens Bäss (TV Waldstraße Wiesbaden/33:58,43) vor der Moselstadion-Haupttribüne

Das Moselstadion-Flutlicht strahlte bei den Männern zwar nicht auf deutsche, aber auf Meeting-Rekorde. Samuel Fitwi schraubte die elf Jahre alte 10.000-Meter-Bestzeit des Kenianers Jonathan Koilegei (29:53,38) auf 29:29,52 Minuten. Der 25-Jährige von der LG Vulkaneifel spulte fast im Alleingang die 25 Runden sehr gleichmäßig herunter. Sein Schützling wirke sehr viel lockerer, als noch im Frühjahr, freute sich Trainer Yannik Duppich. Hinter dem gleichaltrigen Filmon Teklebrhan, der wie Fitwi aus Eritrea stammt, als Flüchtling in Deutschland lebt und für den LAC Freiburg startet, aber noch nicht die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten hat, belegte der mehrfachen luxemburgischen Meister Pol Mellina (31:28,89) den dritten Platz. Als Viertplatzierter freute sich Martin Müller von der LG Meulenwald Föhren über den Vizetitel (hinter Fitwi) bei den gleichzeitig ausgetragenen Rheinlandmeisterschaften in 31:55,11 Minuten.

Andreas Heimel vom TV Waldstraße Wiesbaden bestritt sein wohl letztes 10.000-Meter-Rennen in der M45 in 36:12,34 Minuten Zurück aus der Höhe Kenias lief Manuel Viehl (TSV Schwabmünchen) die 10.000 Meter in 36:28,72 Minuten: 14. Platz Die drei Erstplatzierten über 10.000 Meter: Pol Mellina (Luxemburg/31:28,89), Sieger Samuel Fitwi (29:29,52) und Filmon Teklebrhan (LAC Freiburg/30:13,09), der wie Fitwi aus Eritrea stammt

Bei den Frauen wurde Michelle Bauer (LT Schweich/ 39:02,35) Rheinlandvizemeisterin. Den Titel sicherte sich aber Sandra Teller (DJK Ochtendung/ 38:28,12). Sie musste nur der Luxemburgerin Saskia Daguenet (36:08,79) den ersten Platz überlassen.

Noch im Sonnenschein startete das große Feld von 29 Läufern über 3000 Meter

In eindrucksvoller Weise stellte auch Benjamin Dern über 3000 Meter einen Veranstaltungsrekord auf. Der 18-Jährige vom LAZ Birkenfeld verbesserte die Bestzeit um fast eine Minute auf 8:21,34 Minuten. Die Siebeneinhalb Runden standen in 20 Jahren Flutlichtmeeting aber erst viermal (2002, 2003, 2020, 2021) auf dem Programm. Die Zeit des Deutschen 5000-Meter-Jugendmeisters ist die zweitbeste seiner Altersklasse in Deutschland in diesem Jahr.

Wie schon bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Rostock über 5000 Meter siegte Benjamin Dern vom LAZ Birkenfeld beim Trierer Flutlichtmeeting im Alleingang über 3000 Meter in 8:21,34 Minuten U18-Athlet Eliah Rieck (LAZ Puma Rhein-Sieg/8:51,84) und U20-Junior Simon Trampusch (TuS Framersheim/8:51,36) lieferten sich einen spannenden Zweikampf um den zweiten Platz über 3000 Meter

Unabhängig von allen Bestleistungen, sowohl Gesa Krause als auch Konstanze Klosterhalfen betonten, dass sie glücklich seien, mit ihrem Lauf in Trier auch etwas für die Opfer der verheerenden Flutkatastrophe in der Eifel und auch im Trierer Raum tun zu können. Denn fünf Euro Eintrittsgeld für jeden der 804 Zuschauer kommen den Geschädigten des Juli-Hochwassers zugute. Zu den zahlenden Zuschauern kommen laut Veranstalterangaben gut 200 Athleten und etwa genauso viele Betreuer. Den Großteil der Teilnehmer beim Flutlichtmeeting stellte wieder der Nachwuchs in den U12-Rennen über 800 Meter und den U16-Rennen über 2000 Meter. Diesmal wurde es für die Schüler ein langer Abend. Denn kaum jemand machte sich vorzeitig auf den Heimweg, sondern wartete die Hauptrennen ab, um anschließend bei Koko und Gesa auf Autogramm-Jagd zu gehen.

Michelle Bauer vom Lauftreff Schweich belegte über 10.000 Meter den dritten Platz in 39:02,35 Minuten und sicherte sich so den Rheinland-Vizetitel Sandra Teller (DJK Ochtendung) sicherte sich in 38:28,12 Minuten den Rheinlandtitel über 10.000 Meter
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Bericht von Holger Teusch
Fotos von Jonas & Holger Teusch

Ergebnisse www.silvesterlauf.de/event/flutlichtmeeting

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