26.9.21 - 47. BMW Berlin Marathon

Zum Herbstanfang kam der Sommer zurück

von Jörg Engelhardt 

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Es ist Herbst und doch fühlte sich dieser Superwahlsonntag so an wie ein schöner Sommertag. Berlin-Marathon und Bundestagswahl, das fällt in der Bundeshauptstadt traditionell alle 4 Jahre zusammen. Denn beide Ereignisse finden in der Regel immer am letzten Sonntag im September statt. Doch diesmal kam auch noch die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus hinzu. Dieser Umstand stellte das gesamte Organisationsteam der veranstaltenden SCC Events GmbH vor eine zusätzliche Herausforderung. Alleine 30 zusätzliche Übergänge mussten geschaffen werden, um den Anwohnern den sicheren Zugang zu den Wahllokalen im Streckenverlauf zu ermöglichen. Aus langjähriger Erfahrung stellt das für die Macher dieses einzigartigen Großereignisses kein Problem dar, da man auch in dieser Hinsicht von einer langjährigen Erfahrung zehren kann.

Ähnlich wie Daniel Craig in der Rolle des Meisterspions James Bond, haben Christian und Marc aus Frankreich keine Zeit zu sterben, dafür aber jede Menge Zeit zum Marathon laufen. Beide werden deutlich vor Zielschluss ihr Rennen beendet haben. Jean Marc, der in Singapur lebt, kommt mit einer Nettozeit von 4:12:35 h ins Ziel.Sein Freund Christian kann sogar die 4 Stunden Marke knacken und ist schon nach 3:59:36 h zuhause Nicht Agenten- aber Lauffieber herrschte unter anderem vor imposanter Kulisse am Straußberger Platz
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Dass die heutige Veranstaltung, wenn auch teilnehmerreduziert, so überhaupt stattfinden konnte, lag am restart-Running-Konzept, für dessen Ausarbeitung die vereinseigene Veranstaltungsgesellschaft laut Bekunden ihres Geschäftsführers Jürgen Lock, viel Geld "in die Hand nehmen" musste.

 

Von einem sechsstelligen Euro-Betrag war da die Rede. Unter anderem beinhaltet dieses Konzept ein seitenstarkes Gutachten von renommierten Forschern über die Auswirkungen von Aerosolen außerhalb von geschlossenen Räumen. Demnach reduziert sich die Ausbreitung der Aerosole, die ja im Wesentlichen verantwortlich für den Anstieg des Infektionsgeschehens und damit auch für die Ausbreitung des Virus waren bzw. sind, in der frischen Luft schon um ein Vielfaches.

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Eines der Hauptargumente, welches für die bei Sportveranstaltungen politisch verantwortliche Senatsverwaltung für Inneres und Sport so überzeugend war, dass man die Austragung unter denen im Gesamtkonzept enthaltenen Sicherheits- und Hygienemaßnahmen genehmigen konnte.

Der Straußberger Platz im Stadtteil Friedrichshain ist einer der mittlerweile immer weniger werdenden Örtlichkeiten im Ostteil der Stadt, der noch markante architektonische Merkmale aus der untergegangenen DDR im Stadtbild aufweist. In den übrigen Teilen des früheren Ost-Berlins hat sich die Architektur mittlerweile weitgehend dem westlichen Erscheinungsbild angeglichen Auf der Lichtenberger Straße zwischen Km 12 und 13 heizen Big Band und Trommelgruppe gemeinsam sowohl dem Publikum als auch den vorbeikommen Athleten ein

Dass dabei auch Geld eine Rolle spielt, ist natürlich nicht zu verleugnen. Laut statistischer Feststellung setzt alleine der Berlin Marathon an einem Wochenende eine Wertschöpfungskette von rund 380 Millionen Euro in Gang. Ein Finanzvolumen auf das die davon profitierenden Unternehmen der Berliner Wirtschaft keinesfalls verzichten wollten bzw. unter Umständen auch nicht konnten. Auch der sportliche Stellenwert für die Stadt ist dabei nicht zu unterschätzen. Auf keiner anderen Strecke dieser Welt wurden derart oft, nämlich insgesamt 8 Mal, alte Weltrekorde gebrochen bzw. neue Weltrekorde erzielt. Was mit dem Brasilianer Ronaldo Da Costa 1998 mit einer Endzeit von 2:06:05 h begann, fand bislang sein vorläufiges Ende im Jahre 2018, als der kenianische Doppel-Olympiasieger Eliud Kipchoge mit einer Endzeit von 2:01:39 h die bis heute gültige Weltrekordmarke aufstellen konnte.

Gudrun Bertram genießt ihre Teilnahme im Handbiker-Rennen der Frauen. Sie wird nach 2:45:57 h zwar nur Vorletzte in dieser Konkurrenz sein, hat aber sichtlich Freude an der Anfeuerung durch das nach und nach größer werdende Publikum Noch sind lediglich die Rollstuhlfahrer und Handbiker unterwegs. Doch wenn erstmal die ersten Läufer vorbeikommen, wird der Publikumszuspruch auf der anderen Seite der Straße nochmals deutlich größer sein

Zuletzt brachte der in diesem Jahr als Top-Favorit gehandelte Kenenisa Bekele diese Marke gehörig ins Wanken, als er bei der letzten Austragung des Rennens im Jahre 2019 mit einer entfesselten Schlussoffensive bis auf zwei Sekunden an die ein Jahr zuvor erzielte Bestmarke herankam. Also war es für den äthiopischen dreifach Olympiasieger auf der Bahn über 5000 bzw. 10.000 Meter, sowie insgesamt 12maligen Weltmeister wieder ein persönliches Ziel, einen neuerlichen Angriff auf die bisher schnellste je gelaufene Marathonzeit zu wagen. Doch die Voraussetzungen waren dafür an diesem sommerlich schönen Tag ausnahmsweise nicht gegeben. Zeitweise zeigte das Thermometer schon kurz nach 10 Uhr 24 Grad Celsius an. Den Berlinern, die sich nicht für das Marathonereignis in ihrer Stadt erwärmen wollten, war das Wetter jedenfalls eine wahre Freude. Vor der Kasse des Zoologischen Gartens entstanden recht schnell die ersten Besucherschlangen und auch die gastronomischen Betriebe mit Außenbereich erfuhren schon früh regen Zulauf. Es war ein Tag zum Bummeln und Draußen sitzen und so ließen es sich viele Berliner bei Kaffee und Kuchen im Freien oder kalten Getränken gerne gut gehen.

Doch was dem Sonntagsspaziergänger ein Schmaus ist, kann für den wettkampforientierten Marathonläufer mit der Zeit zu einem Graus werden. Jedenfalls sollten zumindest im Männerrennen die Siegerzeiten deutlich langsamer sein, als bei den zuletzt ausgetragenen Auflagen.

Begleitet durch Führungsfahrräder und Kameramotorrad rauscht die männliche Führungsgruppe mit ihrem späteren Sieger Guye Adola (gelbes Trikot) und dem von ihm geschlagenen Topfavoriten Kenenisa Bekele (rechts neben ihm) am Publikum vorbei Der spätere Überraschungszweite Bethwel Yegon (blaues Trikot) lässt sich von den Pacemakern der zweiten Gruppe nach und nach an die Spitze des Feldes heranführen

Der Attraktivität dieses Rennens sollte diese Tatsache allerdings keinen Schaden zufügen. Im Gegenteil: Ein spannendes Rennen mit vielen Führungswechseln zwischen dem großen Favoriten und dem späteren Tagessieger sollte für die Zuschauer vor Ort, aber auch die vielen marathonbegeisterten Fans am Bildschirm, genügend Spannungsmomente bieten, um die diesmal ausbleibende Rekordflut schnell vergessen zu lassen. Auch Fernsehkommentator Ralf Scholt, der das Ereignis gemeinsam mit Jan Fitschen als Experten kommentierte, äußerte sich euphorisch: "Endlich wieder Leichtathletik, endlich wieder ein spannendes Rennen, so muss es sein."

Dabei hatte alles, trotz der steigenden Temperatur, auch in puncto Angriff auf den Weltrekord sehr verheißungsvoll angefangen. Bis Kilometer 15/16 lag die Führungsgruppe um Guye Adola und dem späteren Dritten Kenenisa Bekele noch auf Weltrekordkurs. Kurz darauf musste Kenenisa Bekele zum ersten Mal reißen lassen. Zwischen Km 17 und 18 fiel er aus der Führungsgruppe heraus in der jetzt außer Guye Adola nur noch dessen Landsmann Tesfaye Lencho sowie die beiden Kenianer Philemon Kacheran und Abraham Kipyatich vertreten waren.

Guye Adola gewinnt den 47. BMW Berlin Marathons in 2:05:45 Kenenisa Bekele holt sich im Schlussspurt den letzten Podiumsplatz

Der bis hinter Kilometer 10 in der Gruppe befindliche Olika Adunga konnte als erster das Tempo nicht mehr halten und fiel zurück. Dann musste auch Bekele zum ersten Mal reißen lassen. Während die kleiner gewordene Führungsgruppe immer noch auf Weltrekordkurs um 2:01:30 lag, verlor Kenenisa Bekele mehr und mehr an Boden und lag mit einer glatten 61:00 min Zeit bei Km 21,1 sowohl über dem Weltrekord, als auch seiner eigenen Bestzeit. Doch auch Tesfaye Lencho und Abraham Kipyatich wurden immer langsamer und sollten schon bald keine Rolle mehr spielen. Dahin gehend gut für Guye Adola, der nunmehr alleine an der Spitze des Feldes lief, andererseits aber nunmehr ohne Unterstützung der Mitstreiter in der Gruppe selbst mehr und mehr an Tempo verlor.

Der Weltrekord geriet somit schnell außer Reichweite und es konnte für Guye Adola nur noch um den Tagessieg gehen. Nun kam aber erneut Kenenisa Bekele ins Spiel, der plötzlich wieder an Guye Adola heran lief. Denn, obwohl er nicht schneller wurde, konnte er den Rückstand auf seinen Landsmann verkürzen, weil dieser stetig langsamer wurde. Doch bei Kilometer 35 konnte sich Guye Adola, der im Jahre 2017 mit einer deutlich schnelleren Endzeit als er sie heute erreichen sollte, nur den scheinbar unbesiegbaren Eliud Kipchoge vor sich lassen musste, endgültig von Kenenisa Bekele lösen und augenscheinlich zum größten Erfolg seiner bisherigen Karriere laufen. Denn ein Sieg in Berlin öffnet jedem Läufer dieser Welt die Türen zu lukrativen Preis- und Antrittsgeldern bei anderen Rennen, etwa der World Abott Majors Serie, zu der außer Berlin, auch die Marathonläufe in New York, Chicago, Boston, London und Tokyo zählen.

Aber ganz so einfach lief es für den Äthiopier dann doch nicht. Denn der Kenianer Bethwel Yegon, der bis dato sein bestes Rennen ebenfalls 2017 in Berlin gelaufen war und damals als Achter in 2:08:35 h ins Ziel kam, wurde immer schneller. Nachdem er den geschlagenen Top-Favoriten Bekele ebenfalls überholt und auf den dritten Platz verwiesen hatte, schickte er sich an noch einmal einen Angriff auf den in Führung liegenden Adola zu wagen. Doch der ließ sich den Triumph nunmehr nicht mehr aus der Hand nehmen und gewann das Rennen nach 2:05:45 h. Nur 29 Sekunden später hatte der als Außenseiter ins Rennen gegangene Bethwel Yegon aus Kenia unter Beweis gestellt, dass es bei dieser "Hitzeschlacht" noch möglich war, seine persönliche Bestzeit zu unterbieten. Nach 2:06:14 überquerte er den Zielstrich und konnte sich neben dem zweiten Platz auch noch einen neuen Hausrekord mit einer Verbesserung von 2 Minuten und 21 Sekunden erlaufen.

Wie schon beim Halbmarathon vor einem Monat wird Philipp Pflieger bester deutscher Läufer. Auch diesmal wird er eine neue persönliche Bestzeit verpassen und von dem in Hannover lebenden und für Hannover 96 startenden Eritreer Haftom Welday geschlagen. Dieser zeigt mit einer Zeit von 2:13:47 h ein sehr ansprechendes Marathondebüt Matt Lenehan vom Pensinsula Distance Club (17041) wird in 2:25:29 h schnellster US-Amerikaner im Feld. Auch Max Storms kommt aus den USA. Erreicht nach 2:34:54 das Ziel. Mit ca. 2000 Startern sind die Vereinigten Staaten traditionell sehr stark in Berlin vertreten. Schon in der Vergangenheit waren sie sehr oft, hinter den deutschen Aktiven, die Nation mit den meisten Teilnehmenden. Der Deutsche Timo Göhler (LAV Tübingen) dahinter läuft mit 2:25:11 noch vor diesen ins Ziel

Der geschlagene Kenenisa Bekele ließ sich aber nicht hängen und sicherte sich nach 2:06:47 h den dritten Platz. Zufrieden gab er sich damit nicht, obwohl auch er eine Covid-19-Infektion, die zum Glück nicht lebensbedrohlich war, zu überstehen hatte. In dieser Zeit konnte er nicht trainieren, was er aber nicht als Ausrede stehen lassen wollte. In der Abschluss-Pressekonferenz gab er sich dann auch sehr schnell wieder sehr entschlossen: "Trotz des schlechten Ergebnisses heute, meine Karriere geht weiter."

Bester Nicht-Afrikaner wurde der Japaner Hidekazu Hijikata, der mit einer Endzeit von 2:11:47 h als Neunter noch in der Top 10 des Gesamtklassements landen konnte. Philipp Pflieger war zwar dieses Mal nicht nur schnellster deutscher Läufer, sondern zudem auch noch schnellster Europäer. Mit seiner Endzeit von 2:15:01 h verfehlte er sein persönliches Ziel an diesem Tag aber mehr als deutlich. Dennoch zeigte er zumindest kämpferisch eine respektable Leistung. Denn schon bei Kilometer 17 hatte ihn sein letzter Tempomacher aufgrund der starken Wärme verlassen. So wurden für ihn die letzten 25 Kilometer ein einsamer Kampf gegen die Uhr, der unter den Voraussetzungen von ihm nicht zu gewinnen war. Dennoch lief er beharrlich durch und durfte sich wenigstens mit dem aufmunternden Beifall des Publikums trösten.

Auch bei den Frauen, kann die hier noch führende Hiwot Gebrekidan aus Äthiopien ihrer Favoritenstellung nicht ganz gerecht werden und muss der knapp hinter ihr liegenden Landsfrau und Debütantin Gotytom Gebreslase den Vortritt im Kampf um den Tagessieg lassen
Tempomacher Steffen Uliczka versucht Rabea Schöneborn zu einer neuen persönlichen Bestzeit zu verhelfen und gibt im Laufe des Rennens sogar noch kurze Fernsehinterviews. Dennoch ist dieses Vorhaben nicht ganz von Erfolg gekrönt. Zwar liefert Rabea Schöneborn auch heute wieder ein ansprechendes Rennen, läuft aber sowohl ihrer persönlichen Bestzeit, wie auch dem Familienrekord, den ihre Zwillingsschwester Deborah hält, deutlich hinterher

Eine ansprechende Leistung aus deutscher Sicht konnte Adrian Lehmann vom SV Langenthal zeigen. Mit einer Endzeit von 2:18:50 h konnte er immer noch deutlich unter der Marke von 2:20 h bleiben. Den Bronzeplatz in der inoffiziellen Deutschland-Wertung erlief sich Tim Schwippel vom Laufteam Braunschweig, der als 26. im Gesamtklassement nach 2:23:31 h zuhause war. Mit Lorenz Baum (LAV Stadtwerke Tübingen) blieb als 29. insgesamt noch ein weiterer deutscher Läufer unter der Grenze von 2:25 h. Seine Endzeit betrug 2:24:44 h.

Aus deutscher Sicht ist noch der Eritreer Haftom Welday zu erwähnen. Der junge Mann lebt schon seit geraumer Zeit in Hannover und geht auch für Hannover 96 an den Start. Mittlerweile befindet er sich im Einbürgerungsverfahren und kann sich gut vorstellen in näherer Zukunft bei internationalen Großereignissen für Deutschland an den Start zu gehen. Er spricht so gut Deutsch, dass er sich auch gleich als Übersetzer für die drei schnellsten äthiopischen Frauen im heutigen Feld auf der anschließenden Pressekonferenz auszeichnen konnte. Sein heutiger Marathoneinstand in 2:13:47 h lässt jedenfalls auf Größeres in der Zukunft hoffen. Sollte er wirklich die deutsche Staatsbürgerschaft erlangen können, wäre er für die deutsche Spitze eine absolute Bereicherung.

Gotytom Gebreslase gewinnt gleich bei ihrem allerersten Marathon in einer Weltklassezeit von 2:20:09 h Die schnellste Frau dieses Jahres, Hiwot Gebrekidan läuft auf den zweiten Platz

Im Frauenrennen kam es ebenfalls zu einem Favoritensturz. Die Inhaberin der Weltjahresbestzeit, Hiwot Gebrekidan, die mit einer Empfehlung von 2:19:35 h, die sie im Frühjahr dieses Jahres im italienischen Mailand aufgestellt hatte, an die Spree kam, konnte heute ebenfalls die Erwartungen nicht ganz erfüllen. Zwar lag sie in der ersten Hälfte immer hauchdünn vor der ihr an den Fersen klebenden Marathondebütantin Gotytom Gebreslase, dennoch konnte sie sich zu keiner Zeit von ihrer ärgsten Verfolgerin entscheidend absetzen. Bei Kilometer 32 machte die unbekümmert auflaufende Neueinsteigerin auf der Marathondistanz dann ernst, distanzierte ihre als Favoritin ins Rennen gegangene Landsfrau deutlich und lief einem ungefährdeten Sieg entgegen. Zeitweise lag sie auf Kurs einer Endzeit knapp unter 2:19 h, was zu einer neuen Weltjahresbestzeit hätte führen können, doch wurde auch sie in der Wärme des späten Vormittags ein bisschen langsamer. Dennoch lief sie alleine unbeirrt ihrem ersten Sieg im allerersten Marathon entgegen. Ihre Endzeit von 2:20:09 h bedeutete nicht nur ein sehr ansprechendes Debut, sondern zugleich auch die drittschnellste Zeit in diesem Jahr.

Helen Tola, 3. Äthiopierin und 3. Platz. Sie war hier zwar früher schon am Start, konnte aber bisher nie einen Podestplatz erobern Izabela Paszkiewicz schafft die perfekte Doublette. Wie schon beim Generali Halbmarathon vor einem Monat läuft sie auf den 7. Platz, wird damit erneut schnellste Europäerin und stellt zudem einen neuen Hausrekord auf. Mit 2:27:41 h unterbietet sie ihre bisherige Bestmarke aus dem polnischen Debno um 31 Sekunden

Hiwot Gebrekidan hatte dann allerdings auch keine Mühe mehr ihren Silberrang gegen die auf sie folgende Konkurrenz zu behaupten und kam nach 2:21:23 h ins Ziel. Für sie zwar keine überragende, aber eingedenk der heutigen Bedingungen immer noch eine respektable Zeit. Auch auf der Pressekonferenz fand sie ihr Lächeln schnell wieder. Zumindest hatte sie lange Zeit durch ihre Führungsarbeit zu einem spannenden und attraktiven Frauenrennen beigetragen.

Mit Helen Tola kam eine weitere Äthiopierin zu einem Platz auf dem Siegertreppchen, zudem trug sie das schönste Lächeln mit ins Ziel. Nach 2:23:05 h war das Podium komplett. Es sollte auch in der Damenkonkurrenz auf den Rängen hinter den Podestplätzen zu bemerkenswerten Leistungen kommen. Da wäre beispielsweise die schnellste Europäerin des Tages, Izabel Paskiewicz aus Polen, zu nennen. Schon vor einem Monat beim Generali-Berliner-Halbmarathon an gleicher Stelle konnte, konnte sie als Siebte im Gesamtklassement aufhorchen lassen. Mit einer bisherigen Bestzeit von 2:28:12 h in die Bundeshauptstadt angereist, gelang es ihr trotz der nicht optimalen Temperaturen ihre Bestzeit zu steigern und ihr Rennen bereits nach 2:27:41 h zu beenden.

Rabea Schöneborn wird beste Deutsche Martina Strähl ist die schnellste Läuferin aus der Schweiz und zudem drittschnellste Europäerin des heutigen Tages

Auch Rabea Schöneborn musste gemeinsam mit ihrem Pacemaker Steffen Uliczka der ansteigenden Wärme Tribut zollen und ließ nach 73:56 min auf der ersten Streckenhälfte, eine 74:53 min. folgen. Dennoch fand auch sie in der anschließenden Pressekonferenz ihren Mut schnell wieder. Auf die Frage, wie ihre Planung für die kommende Saison aussehe, hielt sich die schnellste deutsche Läuferin bedeckt. Im nächsten Jahr finden nämlich mit der nachzuholenden WM in den USA und einer Heim-EM gleich zwei Großereignisse in weniger als vier Wochen statt. Abgesehen von der Ausnahme heute, hat sie sich auf allen Distanzen in der jüngsten Zeit stetig verbessert. Nicht umsonst ist sie amtierende Deutsche Meisterin im 10.000 Meter Lauf. Auf die ihr gestellte Frage meinte sie abschließend nur: "Ich werde bei einem internationalen Großereignis dabei sein. Ihr männliches Pendant Philipp Pflieger wurde da schon präziser: "Ich werde in München dabei sein."

Die Schwedin Hanna Lindholm belegt mit dem 12. Gesamtrang in 2:33:23 zudem auch noch den 1. Platz in der Altersklasse W40
Im Gespräch mit Veranstaltungsmoderator Urs Weber zieht Renndirektor Mark Milde ein positives Fazit der Veranstaltung. Wichtig sei heute vor allem gewesen, wieder ein positives Gemeinschaftslauferlebnis für eine große Masse erlebt zu haben

Rang 3 im europäischen Ranking belegt die Schweizerin Martina Strähl. Als 10. im Gesamtklassement brachte sie eine Endzeit von 2:30:37 h ins Ziel. Mit dem Sieg in der Altersklasse W50 und einem neuen deutschen Alterskassenrekord, wusste auch Sandra Morchner vom Laufteam Kassel mit einer Endzeit von 2:39:36 h zu gefallen. Diese Leistung brachte ihr auch den Status der zweitschnellsten deutschen Läuferin ein. Für einen weiteren Leistungssprung sorgte Johanna Rellensmann (LSF Münster). Erst vor zwei Wochen bei ihrem Heimspiel in Münster mit einer Endzeit von 2:44:09 h Dritte geworden, packte sie nochmals eine Leistungssteigerung drauf und lief nach 2:42:10 h als drittbeste Deutsche auf Gesamtrang 22 mit neuem Hausrekord über den Zielstrich. Mit Victoria Brandt (LAC Olympia 88 Berlin) kam die zweitschnellste Berlinerin in 2:42:31 auf Platz 23 "nach Hause". Auch Sabine Burgdorf vom ASV Köln bewies als Mastersläuferin in der W40 einmal mehr ihre Podiumstauglichkeit. Ihre Endzeit von 2:44:11h bedeutete Rang 3 in ihrer Altersklasse und Rang 23 in der Gesamtwertung. Gewonnen hat diese leistungsstarke Altersklasse die Schwedin Hanna Lindholm, die nach 2:33.23 h auf dem 12. Gesamtplatz einkam. Zweite der W40 wurde Shalane Flanagan aus den USA (2:38:32).

Die schnellsten drei Frauen und die beste deutsche Läuferin des Tages auf einem Bild von links nach rechts: 2. Hiwot Gebrekidan, 9. Rabea Schöneborn, Siegerin Gotytom Gebreslase sowie die Drittplatzierte Helen Tola Die schnellsten Männer des Tages auf der Pressekonferenz. Rechts außen, der 2. Bethwel Yegon aus Kenia. In der Mitte der Sieger Guye Adola, links davon der 3. Kenenisa Bekele (beide Äthiopien ), links außen der schnellste Deutsche Läufer Philipp Pflieger
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Zu guter Letzt sei erwähnt, dass der Schweizer Marcel Hug das Rollstuhlrennen der Männer in 1:24:03 h einmal mehr gewonnen hat. Ihm folgte der US-Amerikaner Daniel Romanchuk nach 1:24:47 h auf Platz 2. Dritter wurde der Kanadier Brent Lakatos, der nach 1:29:54 h über den Zielstrich fuhr. Bei den Frauen siegte Manuela Schär aus der Schweiz in 1:37:31 h zum achten Mal. Ihr folgte die US-Amerikanerin Tatyana Mcfadden (1:38:54 h) auf Platz 2. Den Bronzeplatz belegte die Brasilianerin Aline Dos Santos Rocha in 1:41.39 h.

Im Handbike-Rennen der Männer siegte der Belgier Jonas Van de Steene in 1:01:40 h vor dem Berliner Vico Merklein, der nach 1:02:26 h zuhause war. Dritter wurde Joseph Fritsch aus Frankreich (1:02:37 h). Schnellste Handbikerin war Yvonne Pijahn aus Cottbus in 1:22:03 h. Katrin Möller kam als Zweite in 1:22:06 h ins Ziel, ehe Annett Zencker-Urban mit der gleichen Endzeit die Besetzung des Podiums zu einer rein deutschen Angelegenheit machen konnte.

Wie schon beim Halbmarathon vor einem Monat siegte bei den Skatern die Belgierin Sandrine Tas vom Powerslide Matter International Team in 1:13:40 h vor der Darmstädterin Katharina Rumpus in der gleichen Zeit. Ebenfalls zeitgleich sicherte sich die Columbianerin Aura Cristina Quintana Herrera den letzten freien Podestplatz. Bei den Männern verfehlte der Belgier Bart Swings den bisherigen Streckenrekord nur um eine Sekunde und sicherte sich nach 56:50 min. den deutlichen Sieg. Der Darmstädter Felix Rijhnen, der wie sein Bezwinger für das Powerslide Matter International Team startet, belegte nach 58:04 min Rang 2. Mit ihm zeitgleich fuhr der Franzose Martin Ferrié als Letzter aufs Podium.

Die schnellsten Frauen und Männer des BMW Berlin Marathon 2021
Frauen Zeit Männer Zeit
Gebreslase, Gotytom (ETH)
2:20:09
Adola, Guye (ETH)
2:05:45
Gebrekidan, Hiwot (ETH)
2:21:23
Yegon, Bethwel (KEN)
2:06:14
Tola, Helen (ETH)
2:23:05
Bekele, Kenenisa (ETH)
2:06:47
Chelimo, Edith (KEN)
2:24:33
Abate, Tadu (ETH)
2:08:24
Demise, Shure (ETH)
2:24:43
Muteti, Cosmas (KEN)
2:08:45
Chemutai, Fancy (KEN)
2:24:58
Kacheran, Philemon (KEN)
2:09:29
Paszkiewicz, Izabela (POL)
2:27:41
Tsegay, Okbay (ERI)
2:10:37
Chebitok, Ruth (KEN)
2:28:18
Kimeli, Bernard (KEN)
2:10:50
Schöneborn, Rabea (GER) LG Nord Berlin
2:28:49
Hijikata, Hidekazu (JPN)
2:11:47
Strähl, Martina (SUI)
2:30:37
Kipkemboi, Hosea (KEN)
2:12:25
19. Morchner, Sandra (GER) W50 Laufteam Kassel
2:39:36
16. Pflieger, Philipp (GER) Haspa Marathon Hbg.
2:15:01
22. Rellensmann, Johanna (GER) LSF Münster
2:42:10
20. Lehmann, Adrian (GER) SV Langenthal
2:18:50
23. Brandt, Victoria (GER) LAC Olympia 88
2:42:31
26. Schwippel, Tim (GER) Laufteam Braunschweig
2:23:31
24. Burgdorf, Sabine (GER) ASV Köln
2:44:11
29. Baum, Lorenz (GER) LAV Stadtwerke Tübingen
2:24:44

Bericht und Fotos von Jörg Engelhardt

Infos & Ergebnisse www.bmw-berlin-marathon.com

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