18.9.20 - SWT Flutlicht Meeting in Trier

Zurück zu den Wurzeln mit Meetingrekorden

von Holger Teusch 

Dreimal wurde beim 19. SWT-Flutlichtmeeting im Trierer Moselstadion so schnell gelaufen, wie noch nie zuvor bei der Veranstaltung. Der luxemburgische Meister Bob Bertemes lief 5000 Meter in 14:38,81 Minuten. Fitwi-Trainer Yannik Duppich blieb im Alleingang nur 20 Sekunden über 30 Minuten über 10.000 Meter. Ganz schnell: der weibliche Nachwuchs über zwölfeinhalb Runden.

 

Das Programm sah ein bisschen so aus wie an diesem kühlen Oktober-Abend 2002. Damals vor 18 Jahren richtete der ein knappes halbes Jahr zuvor gegründete Verein Silvesterlauf Trier erstmals einen Läuferabend aus. 62 Ausdauersportler nahmen die letzte Chance wahr, eine Leistung für die Jahresbestenlisten zu erbringen. Höhepunkt des Abends war der 10.000-Meter-Lauf, den der mehrfache DM-Medaillengewinner Guido Streit in 31:24,45 Minuten gewann.

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Abendstimmung und seit fast 20 Jahren in der Regel ideale Bedingungen, das sind die Markenzeichen des SWT-Flutlichtmeetings in Trier
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Ganz so wenige Teilnehmer wie bei der Premiere waren es bei der 19. Auflage des seit vielen Jahren nach dem Titelsponsor SWT-Flutlichtmeeting genannten Sportfest nicht. 96 Läufer erreichten das Ziel. Es hätten sehr viel mehr sein können. Aber coronabedingt wurde sowohl die Starterzahl als auch die Anzahl der Läufe limitiert. Gestrichen wurden die bisher so beliebten Rennen für den jüngeren Nachwuchs über 800 Meter, zu dem zuletzt allein rund 100 Mädchen und Jungen bis elf Jahre geströmt waren. Die Rennen waren Teil des vierteiligen sogenannten SWT-Kids-Cups. Zu dem zählten neben dem SWT-Flutlichtmeeting die Schullaufmeisterschaften, der Trierer Stadtlauf und der Silvesterlauf. 2020 macht diese einmalige Veranstaltungsreihe der Nachwuchsförderung zumindest im Realen eine Pause.

Ohne rund 40 Helfer hätte das SWT-Flutlichtmeeting trotz abgespeckter Form und nur einem Drittel der Teilnehmerzahl auch in Corona-Zeiten nicht durchgeführt werden können Die zweimalige Europameisterin und WM-Dritte Gesa Krause vom Ausrichterverein Silvesterlauf Trier übernahm im Jugendlauf über 2000 Meter die Startaufstellung

Wie groß der Bedarf an Wettkampfmöglichkeiten nach der erzwungenen Wettkampf-Abstinenz im Frühjahr und den ersten Sommermonaten ist, zeigt, dass schon am ersten Tag der Anmeldephase die Wettbewerbe der Erwachsenen ausgebucht waren. Die 2000-Meter-Jugendrennen folgten kurz danach. Es gab natürlich keine Nachmeldemöglichkeit, aber Kontakterfassung aller Sportler und Betreuer, die das umzäunte Gelände der Moselstadion-Hauptkampfbahn betraten.

Siegerehrungen, auf die man 18 Jahre lang viel Wert gelegt hatte, gab es diesmal natürlich wegen Corona nicht. Aber zumindest eine Chronik des Trierer Silvesterlaufs konnte sich jeder Lauf-Gewinner abholen. Sogar die Hoffnung, dass das Jahresabschlussrennen stattfinden könne, schürte der Mitinitiator des "deutschen Sao Paulo", Berthold Mertes. Wenn es die Möglichkeit gebe, werde man dafür arbeiten, den Silvesterlauf durchzuführen. Auch wenn dies dann in jeden Fall etwas anders aussehen werde, wie gewohnt.

Aber zurück zum Flutlichtmeeting: 5000 Meter (seit 2003) und 10.000 Meter (von Anfang an) blieben bei der 19. Auflage ebenso im Programm, wie die 2000 Meter für den U14- und U16-Nachwuchs. Der freute sich, dass die zweimalige Europameisterin Gesa Krause, die für den Verein Silvesterlauf Trier startet, überraschend auftauchte und die Startaufstellung vornahm. Um aber möglichst vielen Schülern die Gelegenheit zu geben, eine bestenlistereife Zeit zu erzielen, wurde erstmals seit 16 Jahren wieder die 3000-Meter-Distanz angeboten.

Der 16-jährige Luxemburger Gasper Klückers gewann mit Meetingrekord von 9:14,31 Minuten die selten gelaufenen 3000 Meter Der 16-jährige Michael Weiland vom PST Trier sorgte zeitweise über 3000 Meter fürs Tempo für die schnellen Frauen Lotta Schlund (78, PST Trier, 10:11,17) und Sonja Vernikov (73, LAZ Puma Rhein-Sieg, 10:13,99). Deren zwölfjähriger Bruder Jan Vernikov lief 10:35,54 Minuten

Das brachte dem Ausrichterverein Silvesterlauf Trier gleich zwei neue Meetingrekorde. Der 16-jährige Gasper Klückers vom luxemburgischen Club CAE Grevenmacher setzte mit 9:14,31 Minuten eine neue Marke. Auch sein ein Jahr älterer Landsmann Sam Heuts (Celtic Diekirch/ 9:16,13) und Lorenz Bell (LG Vulkaneifel/ 9:31,09) blieben unter dem alten Meetingrekord des ehemaligen deutschen M45-Vizemeisters Wilfried Hermesdorf (TG Konz) aus dem Premierenjahr (9:38,17). Bei den Frauen blieben mit Lotta Schlund (PST Trier/ 10:11,17), U20-Juniorin Sonja Vernikov (LAZ Puma Rhein-Sieg/ 10:13,99) und Mona Reuter (PST Trier/ 11:09,98) ebenfalls drei Läuferinnen unter der alten Bestmarke.

Eine Woche nach seinem Doppelsieg bei den luxemburgischen Meisterschaften über 1500 Meter und 5000 Meter lief Bob Bertemes von Celtic Diekirch beim Flutlichtmeeting mit 14:38,81 Minuten Meetingrekord Alexander Köhler vom TV Lemberg (vorn) blieb als einer von vier Läufern über 5000 Meter unter 16 Minuten (15:53,35), während Fabian Marondel (SV Saar 05 Saarbrücken) am Ende 16:31,54 Minuten lief

Am stärksten besetzt waren aber die 5000 Meter. Der Luxemburger Bob Bertemes kam als frischgebackener Doppelmeister des Großherzogtums (über 1500 Meter und 5000 Meter) nach Trier. Dem 26-Jährigen fehlte die Konkurrenz, auch waren die Beine nach der kurzen, aber heftigen "Late Season" schwer. Doch Bertemes lief unverdrossen von Anfang an Tempo. Der Lohn: 14:48,81 Minuten. Damit verbesserte der Luxemburger nach 15 Jahren den Meetingrekord des ehemaligen deutschen Jugendmeisters Thorsten Baumeister (PST Trier) um 7,61 Sekunden. Benjamin Dern vom LAZ Birkenfeld, der wie Baumeister 2005 noch der Altersklasse U18 angehört, lief als Zweitplatzierter 15:16,20 Minuten. Der luxemburgische U20-Junior Gil Weicherding wurde in 15:34,20 Minuten Dritter.

Pol Mellina von Celtic Diekirch machte über 5000 Meter Tempo für seine jüngere Schwester Martine. Pech: In 17:01,13 Minuten verpasste die 30-Jährige den ein Jahr alten Meetingrekord von Chiara Bermes (PST Trier/16:58,67) nur knapp Die 16-jährige Rebecca Bierbrauer vom Ausrichterverein Silvesterlauf Trier (Vordergrund) und die drei Jahre ältere Luxemburgerin Lena Kieffer liefen bei ihrem 5000-Meter-Debüt 17:45,72 Minuten (Bierbrauer) und 17:50,74 Minuten Katharina Welker vom LC Rehlingen lief als viertschnellste Frau über 5000 Meter in 18:40,61 Minuten noch deutlich unter 19 Minuten

Als einzige Frau im A-Lauf hatte Martine Mellina mit ihrem Bruder Pol einen persönlichen Tempomacher. Es reichte allerdings knapp nicht, um den ein Jahr alten Meetingrekord von Chiara Bermes (PST Trier/ 16:58,67) zu knacken. In 17:01,13 Minuten blieb Martine Mellina denkbar knapp über der 17-Minuten-Schallmauer und der Bestmarke.

Die hatten Rebecca Bierbrauer und Lena Kieffer im B-Lauf als Debütantinnen über zwölfeinhalb Runden auf jeden Fall sicher. Mit dem 39 Jahre alten Abdullah Ercan (PST Trier/ Endzeit 18:11,41) auf der ersten Hälfte als Zugpferd an der Spitze des Feldes legten die jungen Läuferinnen einen Schnitt von knapp über 3:30 Minuten pro Kilometer vor. Als Ercan das Tempo nicht mehr halten konnte, übernahm Kieffer die Führungsarbeit. Die 19-jährige Luxemburgerin zog konstant ihre Kreise - die drei Jahre jüngere Bierbrauer, die für den Verein Silvesterlauf Trier startet, an ihren Hacken. Am Ende waren die jüngeren Beine etwas frischer und flotter. Nach 17:45,72 Minuten stoppte die Uhr für die U18-Crosslauf-DM-Dritte. Kieffer blieb in 17:50,74 Minuten aber auch deutlich unter 18 Minuten.

Die mittlerweile bereits 52 Jahre alte Luxemburgerin Pascale Schmoetten gewann nach 14 Jahren zum zweiten Mal die 10.000 Meter beim Flutlichtmeeting. Diesmal in 40:57,24 Minuten 25 Runden unter Flutlicht gönnten sich auch Anna Jamin (TV Waldstraße Wiesbaden/42:21,42) und Bettina Bopp (LC Rehlingen/42:14,56)

Der 10.000-Meter-Flutlichtmeeting-Rekord bleibt dagegen in kenianischer Hand. Jonathan Koilegei aus dem ostafrikanischen Land lief vor zehn Jahren 29:53,38 Minuten. Er war damals ebenso auf sich allein gestellt, wie diesmal Yannik Duppich. Der Trainer des deutschen Crosslaufmeister und EM-Sechsten Samuel Fitwi hätte gerne die Halbstunden-Schallmauer angegriffen. Doch auf den zweiten 5000 Metern wurde es trotz Windstille allein zu schwer.

Der Trainer des deutschen Crosslaufmeister Samuel Fitwi, Yannik Duppich (beide LG Vulkaneifel), rannte im Alleingang neue persönliche 10.000-Meter-Bestzeit von 30:20,64 Minuten Auch der zweitplatzierte Alexander Bock vom LC Rehlingen (gelbes Trikot/31:07,67) überrundete sogar noch den Drittplatzierten Sebastian Siebenborn (Hamburg running/32:33,95)

Der 30 Jahre alte Läufer von der LG Vulkaneifel steigerte seine persönliche Bestleistung aber auf 30:20,64 Minuten. Ursprünglich hatte er überlegt, dass sein Schützling als Edelhase Tempo machen könne. Nach einem 5000-Meter-Rennen in Heusden Anfang September beendete Fitwi aber die Saison. Und letztendlich wollte Duppich ihm die Ruhe gönnen, um erholt in die Vorbereitung auf 2021 einsteigen zu können. Denn im Hinterkopf hat das Duo natürlich die auf nächstes Jahr verschobenen Olympischen Spiele in Tokio.

Flotte Läufe unter Flutlicht gab es beim 19. SWT-Flutlichtmeeting im Trierer Moselstadion. Jens Bäss vom TV Waldstraße Wiesbaden (Mitte) beispielsweise beendete seine M40-Altersklassen-Karriere mit 33:51,59 Minuten über 10.000 Meter. 2021 startet er in der M45
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Auch ohne Tempomacher blieb nur der Zweitplatzierte Alexander Bock (LC Rehlingen/ 31:07,67) von Überrundungen verschont. Dritter wurde in 32:33,95 Minuten Martin Siebenborn (Hamburg running). Bei den Frauen feierte Pascale Schmoetten nach 14 Jahren wieder einen Flutlichtmeeting-Sieg. Die vielfache luxemburgische Meisterin lief mit nun 52 Jahren mit Trainingsrückstand nach einer Verletzung 40:57,24 Minuten.

Bericht und Fotos von Holger Teusch

Ergebnisse www.silvesterlauf.de/event/flutlichtmeeting

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