5.9.20 - 3. Halber Heiner in Darmstadt

Halber Heiner - geviertelt oder halbiert

von Anette Judith Scholl 

Zunächst konnte man es nicht wirklich glauben, was auf der Startseite von "Troia Laufevents" zu lesen war: Ja, wir werden laufen! Der "3. Halber Heiner" Lauf wird stattfinden!

 

Natürlich bestand immer noch eine gewisse Unsicherheit, da niemand sagen konnte, wie die Infektionszahlen sich entwickeln und entsprechende Konsequenzen nach sich ziehen würden. Und so sagte sich manch einer: "Ich rede mir mal ein, dass der Lauf stattfindet." Das zwei DIN A 4 Seiten umfassende Hygienekonzept wurde wenige Tage vor dem Lauf an die gemeldeten Teilnehmer versandt, und tatsächlich konnte man sich nun vorstellen, wie der Wettbewerb unter Einhaltung der Corona-Bedingungen ablaufen konnte.

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Besondere Vorkehrungen zur Einhaltung der Corona-Bestimmungen Die breite Mahatma-Gandhi-Straße bot auch auf dem Weg zum ersten Wendepunkt ausreichend Platz zum Abstand halten
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Die Strecke musste den eingeschränkten Bedingungen angepasst werden, und so war ein "echter" Halber Heiner nicht zu realisieren. Ein 10km und 5km Wettbewerb sollte für dieses Mal genügen, wo in den letzten beiden Jahren ein Halbmarathon und 10,6km gelaufen worden waren.

 

Natürlich sahen die aktuellen COVID-19 Hygieneregeln unter anderem vor, dass auf dem Veranstaltungsgelände Memory Field der "Darmstadt Whippets" eine Mund- und Nasenbedeckung getragen werden musste, dass es weder Duschen noch Zuschauer gab und die Teilnehmer sich mit den üblichen Angaben registrieren mussten.

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Bereits beim Betreten des Geländes fielen die zahlreichen orange-weißen Hütchen ins Auge: die "Platzhalter" in Form von Pylonen markierten die spätere Startaufstellung in je 1,50m Abstand. Alle 5 Sekunden sollten je 5 Teilnehmer an die Startlinie vorrücken und auf ein Tonsignal starten. Mit diesen zeitversetzten Blockstarts konnte ein Massenstart sozusagen elegant umgangen werden.

Nina Troia an der Startnummernausgabe - lächeln hinter der Maske
Startnummernausgabe - natürlich mit Abstandsregelung

Ein kleiner Heiner - der 5km Lauf

Das Limit von maximal 230 Teilnehmern pro Wettkampf wurde beim 5km Lauf nicht erreicht. 104 Teilnehmer waren vorangemeldet, und am Ende liefen 89 über die Ziellinie. Die diesjährige Laufstrecke bestand in einem asphaltierten, flachen Rundkurs außerhalb des Memory Fields, wobei auf der ca. 2,5km langen Runde zwei Wendepunkte genommen werden mussten, bevor man über den Start-Ziel-Bereich in die nächste Runde lief.

 

Mit der Ankündigung, die Laufstrecke sei für Bestzeiten geeignet, hatten die Veranstalter wohl nicht zu viel versprochen: Bei sieben Männern lag die Zielzeit unter 18 Minuten. Sieger wurde in 17:06min der U20-Läufer Oliver Quintel (algemarin Team SV Traisa), gefolgt von Steffen Rupp (Babenhausen) in 17:12min. Philipp Gehrisch (Modautal) war im Jahr zuvor den ganzen Halben Heiner gelaufen, heuer wurde er in 17:29min 5km-Dritter.

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Wendepunkt mit Baustellenromantik Vom Sponsor zur Verfügung gestellt - das grüne E-Lastenrad als Führungsfahrrad - Giuseppe Troia (re) und Paolo Prati

Bei den Damen siegte in 19:51min die 15-jährige Lisa Vytrisal (TG Traisa), die beim Darmstadt-Cross im November den Kreismeistertitel in der W14 geholt hatte. Eine knappe Minute später lief Johanna Greiner (LG Region Karlsruhe) in 20:48min über die Zielmatte. Dritte wurde W55-Siegerin Marion Peters-Karbstein (TuS Griesheim) in 21:27min, die mit einem hauchdünnen Vorsprung die 15-jährige Kea Kappes (Triathlon Team DSW Darmstadt) auf Platz Vier verwies, denn auch sie trug sich mit 21:27min in die Ergebnisliste ein.

Zwei Mannheimer vom TV Rheinau in Hessen - Peter de Jong (1. M70) links und Detlev Duda (2. M70) Platzhalter für die spätere Startaufstellung in 1,50m Abstand

Begehrter 10km Lauf

Wir kennen es schon von anderen Veranstaltungen: In Corona-Zeiten sind keine Nachmeldungen möglich. Das Anmeldekontingent für den 10km Lauf war gut zwei Wochen vor der Veranstaltung ausgeschöpft, weitere Anfragen konnten nicht berücksichtigt werden. Gerade vor diesem Hintergrund war es unerfreulich, dass von den 230 vorangemeldeten Läufer*innen letztlich nur 170 zum Lauf erschienen, also damit sechzig potenziell weiteren Laufwilligen die Möglichkeit nahmen, an der Veranstaltung teilzunehmen.

Giuseppe Troia begrüßt die Starter
Geordneter Start zum 10km Lauf

Auch mit 170 Teilnehmer*innen war das Starterfeld recht groß, aber offenbar waren die Anwesenden sich der Situation bewusst. Es zeigte sich schnell, dass jede/r Einzelne bemüht war, die Abstandsregeln und weiteren Vorgaben einzuhalten. Unterstützt durch die klaren, aber dennoch erfrischenden Ansagen des Moderators Matti Merker verlief der Start bis in die hinteren Reihen in geordneten Bahnen. Was beim Betrachten des Streckenplans mit den zwei Wendepunkten pro Runde hatte nachdenklich stimmen können ("Fast die Hälfte pro Runde läuft man anderen entgegen?"), erwies sich in Anbetracht der breiten Straßen als unbedenklich. Der Aufforderung, beim Laufen den Abstand einzuhalten und nur an günstigen Stellen zu überholen, konnte man ohne Umstände nachkommen.

Schnelle Männer

Durch die zeitlich versetzten Starts zog sich das Feld rasch auseinander, und aufgrund des unterschiedlichen Leistungsniveaus im heterogenen Starterfeld war die läuferische Einschätzung der Situation etwas unübersichtlicher als in den gewohnten Laufveranstaltungen. Dennoch zeichnete sich frühzeitig ab, wer das Rennen machen würde. Der Triathlet Ruben Zillig aus Hemsbach (LG VfL/SSG Bensheim) war von Matti Merker schon als einer der Favoriten angekündigt worden, seine Bestzeit über 10km steht bei 31:32 Minuten. Ruben Zillig setzte sich vom Start weg an die Spitze des Feldes und lag nach der ersten Runde klar in Führung. Die gab er auch nicht mehr aus der Hand, lief konstant sein Tempo und siegte in 32:13min.

...auch bei versetzten Starts immer noch eine geordnete Situation Die letzten werden die Ersten sein - das galt zumindest für Michaela Süß (DSw Darmstadt Team Triathlon) W40 1.

Auch die Reihenfolge des Siegertrios kristallisierte sich bereits in der ersten Runde heraus und sollte sich bis ins Ziel halten. In 32:51min beendete David Sudowé (Team Essen 99) als Zweiter seinen Halben Heiner. Der Duathlet David Sudowé, der für seinen Heimatverein Team Essen 99 läuft, ist beruflich mit dem Rhein-Main-Gebiet verbunden und hier auch regelmäßig bei Laufevents erfolgreich. Dass er für 10km-Zeiten um und unter 33 Minuten gut ist, bewies er unter anderem beim badisch-hessisch-pfälzischen Drei-Länder-Laufcup, wo er 2019 bei der letzten Austragung des 3-LLC als Gesamtsieger auf dem Treppchen stand.

Ruben Zillig (LG VfLSSG Bensheim) gleich nach der ersten Runde klar in Führung David Sudowe vom Team Essen 99 folgt auf Platz 2

Nur 21 Sekunden später folgte mit dem Trierer Kai Merten (TG Konz) ein weiterer schneller Mann und komplettierte nach 33:12min das imaginäre Siegertreppchen. Der 42-jährige Kai Merten startet offenbar so richtig durch. Erst im vergangenen September lief er den Berlin-Marathon überraschend in 2:34:33std, und nur fünf Wochen später toppte er in New York seine persönliche Bestleistung um elf Sekunden auf 2:34:22 Stunden. Kein Wunder, genossen die drei Sieger den Halben Heiner. "Endlich wieder ein echter Wettkampf!" war der einstimmige Kommentar. "Da weiß man wieder, wofür man trainiert." Unisono wurde der Umstand gelobt, dass die schnellen Athleten bei der Startaufstellung mit Abstandsregel dennoch möglichst vorne stehen konnten. "Selbst die Strecke war gut zu laufen, zumal die Streckenführung beim ersten Wendepunkt weit ausholend war und als Kurve gelaufen werden konnte."

Matti Merker als gewohnt professionell-charmanter Moderator mit Thomas Zöller (Zöller media -Pfungstädter Laufcup) Die Preise mit Mini-Lastenrad aus Holz konnten sich sehen lassen

Flotte Frauen

Immerhin waren unter den 10km Startern 60 Frauen, genau genommen sogar 61. Die 2. Halber Heiner Siegerin kam nach Darmstadt, um ihren Titel zu verteidigen, wenn auch auf knapp der halben Strecke. Leonie Gieser (LCO Lorsch) hatte im Vorjahr in 1:33:36std gesiegt, obwohl die Halbmarathon-Strecke bis dahin noch kein gewohntes Terrain für sie gewesen war. Die Zeit ohne Laufveranstaltungen hatte sie nun für intensives Training genutzt, und auch Leonie vermisste die Wettkämpfe. "Beim Pfungstädter Abendsportfest konnte ich die 5km nicht laufen, denn aufgrund der Corona-bedingten Reduzierung der Läufe wurden nur Starter mit einer 5km-Zeit bis 16:20min zugelassen - also kaum Frauen."

In der ersten Rund noch im Gleichschritt Leonie Gieser (LCO Lorsch) und Verena Bröstl (23 - TSG 78 Heidelberg) Lina Bohländer (LG Odenwald) wird am Ende zweite Frau vor Marisa Friedrich (Wehrheim) Vierte Frau Gina Walter-Bausch (Triathlon Team DSW Darmstadt)

In der ersten Runde übernahm Leonie Gieser die Führung, im Gleichschritt mit Verena Beatrice Bröstl (TSG 78 Heidelberg), die nach der ersten Runde als erste Läuferin über die Matte lief. Bis zum zweiten Durchlauf änderte sich das Bild: Verena Bröstl musste aufgeben, sie war die Strecke zu schnell angegangen. Leonie Gieser spulte die zehn Kilometer kraftvoll und scheinbar leichtfüßig ab, wurde in der letzten Runde noch von Giuseppe Troia auf dem Führungsfahrrad, einem froschgrünen E-Lastenrad, begleitet und siegte wunschgemäß mit einer Zeit unter 39 Minuten (38:56min). Das könnte eine gute Motivation dafür sein, auch zum 4. Halben Heiner im nächsten Jahr wieder zu kommen, denn auch wenn Leonie Gieser seit kurzem als Gymnasiallehrerin für Sport und Mathe im Taunus arbeitet und in Taunusstein lebt, startet sie für ihren Heimatverein Lorsch und wird die Läufe im Rhein-Main-Raum im Visier behalten.

Viel Betrieb am Ende der zweiten Runde für Horst Reichel (152 - Triathlon Team DSW Darmstadt) Vierter im Ziel und M35 Sieger Leonie Gieser (LCO Lorsch) ist in Top Form und gewinnt auch in diesem Jahr den Heinerlauf Michael Obst (Stnr. 134; TuS Griesheim) auf dem Weg zum M50 Sieg

In flottem Tempo folgten Marisa Friedrich (Wehrheim) und Lina Bohländer (LG Odenwald). Am Ende der zweiten Runde überholte die 15-jährige Lina Bohländer ihre 28-jährige Konkurrentin und baute ihren Vorsprung auf gut eine Minute aus. Lina Bohländer, hessische W15-Meisterin über 2000 Meter, zeigte eindrücklich, dass sie auch auf längeren Distanzen einen langen Atem hat: In exakt 40:00min wurde sie Zweite über die 10km Distanz. Eine 40:xx Zeit hatte Marisa Friedrich sich so sehr gewünscht, nun verfehlte sie ihr Ziel nur ganz knapp. In 41:09min lief sie als dritte Frau ins Ziel, immer noch Grund genug, sich über die eigene Leistung zu freuen.

10km Sieger Ruben Zillig von der LG VfL/SS Bensheim in der Mitte, 2. David Sudow vom Team Essen 99 rechts und 3. Kai Merten von der TG Konz Siegerinnen über 10km, v.l.n.r. Siegerin Leonie Gieser vom LCO Lorsch, Lina Bohländer von der LG Odenwald und Marisa Friedrich aus Wehrheim

Gut gelaufen - das Beispiel könnte Schule machen

Die Veranstalter, Guiseppe Troia und seine Frau Nina, ernteten viel Lob. Die Läufer*innen freuten sich über eine gelungene, regelkonforme und dennoch praktikable Laufveranstaltung. Mit der Durchführung unter den gebotenen Maßnahmen konnte ein potenzielles Infektionsrisiko weitestgehend ausgeschlossen werden. "Alle Läuferinnen und Läufer haben sich aktiv an die Regeln gehalten. Leider wollten einzelne Zuschauer nicht verstehen, dass der Zutritt auf das Gelände untersagt bleiben musste", war der einzige Punkt, den Nina Troia bemängelte. Giuseppe Troia, selbst erfolgreicher Läufer im Raum Frankfurt-Darmstadt, war geradezu überwältigt vom Engagement und der Disziplin seines Helferteams, das aufgrund der weit auseinanderliegenden Startzeiten von 12.30Uhr und 16.30Uhr gleich zweimal angetreten war.

Die 5 km Sieger Männer: in der Mitte der Sieger Oliver Quintel (algemarin Team SV Traisa), links der Zweite Steffen Rupp und rechts Philipp Gehrisch Dritter - Frauen: in der Mitte die Siegerin Lisa Vytrisal (TG Traisa), links die Zweite Johanna Greiner (LG Region Karlsruhe) und rechts die Dritte Marion Peters-Karbstein (TuS Griesheim) Oberstes Gebot für derzeitige Veranstaltungen
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Die Durchführung einer solchen Veranstaltung bringt sowieso viel Aufwand und Arbeit mit sich, aber in diesem Fall waren auch eine große Portion Mut und ein gewisses Maß an Frustrationstoleranz notwendig gewesen. Nina und Giuseppe Troia gebührt Dank, denn sie haben gezeigt, dass auch in Covid-19 Zeiten eine Laufveranstaltung machbar ist und dabei der (Lauf-)Spaß nicht auf der Strecke bleiben muss. Der 3. Darmstädter Halber Heiner Lauf war ein Exempel für Läufer*innen und Veranstalter, wie wir gemeinsam an die Gesundheit aller denken können und wie gut ein Laufwettbewerb auch unter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln funktionieren kann. "Wir hoffen insgeheim, dass sich damit vielleicht noch mehr Veranstalter trauen, mit einem geeigneten Konzept die Laufszene so langsam wieder aufleben zu lassen..." Und - um auch das nicht zu vergessen - wie Roland Ruecker so freundlich zur Begrüßung sagte: "Endlich gibt es wieder was zu schreiben!" Und zu lesen!

Bericht und Fotos von Anette Judith Scholl
Foto 5km Sieger von Nina Troia

Ergebnisse www.volkslauf.de - Infos www.troialaufevents.de

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