15.9.19 - 13. EAM Kassel Marathon

Happy End trotz Handicaps: Bestes Laufwetter bringt wieder mehr Teilnehmer

von Jörg Engelhardt 

Von der Laufelite bis zum Laufbambini: Kassel bietet allen Alters- und Leistungs-gruppen Wettbewerbsmöglichkeiten, die auf ihre Bedürfnisse und Fähigkeiten zugeschnitten sind und feiert ein Laufsportvolksfest, das dem Teamgedanken breiten Raum gibt und seinen Teilnehmern außergewöhnlich hohe Erfolgschancen bietet.

"Winnie", das Maskottchen des EAM Kassel Marathon, brachte zunächst tausende Läuferbeine auf Trab und als Plüschtier im Verkauf 5000 Euro ein, die vom Titelsponsor EAM an den Kinderschutzbund überwiesen werden
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Vor einigen Wochen noch hatte Organisationsleiter Winfried Aufenanger leichte Sorgenfalten auf der Stirn, wenn er an die umfangreiche Sanierung der Großsporthalle am Auestadion dachte. Der Grund dafür war einleuchtend. Denn in dieser Sportstädte waren über Jahre hinweg die Marathonmesse sowie die Startnummernausgabe untergebracht. In diesem Jahr war eine Belegung dieser Örtlichkeit jedoch gänzlich unmöglich und so musste in einer relativ kurzen Zeit eine angemessene Ausweichmöglichkeit für diese unerlässlichen Bestandteile der Großveranstaltung gefunden werden. Die Sorgenfalten verschwanden dann wieder sehr schnell, denn im Schatten der Haupttribüne des Auestadions fand sich hierfür, teilweise in Zelten untergebracht, ein neues Quartier, das sich als Übergangslösung bestens geeignet hat. So gesehen war die Sorge des Machers und Motors dieser Veranstaltung im Nachhinein glücklicherweise unbegründet.

Die Kasseler Fuldaauen erwachen im Strahl der Morgensonne Das Auestadion bereitet sich auf den Ansturm der Läufer und des Publikums vor

Viel begründeter war jedoch die Sorge um den eigenen Gesundheitszustand. Denn kurz vor Beginn dieser Veranstaltung wurde "der Chef vom Ganzen" durch einen grippalen Infekt außer Kraft gesetzt. Also kam das, was viele Beobachter der Laufsportszene sich kaum vorstellen konnten, die Veranstaltung fand ohne die persönliche Anwesenheit ihres Initiators statt. Kassel-Marathon ohne Winfried Aufenanger. Geht das überhaupt? Der Rest des ohnehin sehr erfahrenen und hochkompetenten Organisationsteams hat die entsprechende Antwort gegeben. Ja das geht, und trotz dieser bedauerlichen Tatsache sogar ohne Qualitätseinbrüche (fast, bis auf einen kleinen Lapsus, der im Laufe dieses Berichts kurz angerissen wird, ohne ihn zu dramatisieren).

Auch an anderer Stelle gab es eine personelle Veränderung. Statt der gewohnten Zielmoderation von hr1-Radioass Kai Völcker, bekamen die Läufer und Zuschauer im Auestadion diesmal eine weibliche Stimme zu hören. Simone Reuthal ersetzte ihren abwesenden Kollegen nahtlos und zelebrierte gemeinsam mit Co-Moderator Michael Aufenanger, der auch an anderer Stelle für seinen Vater in die Bresche sprang, eine Zielmoderation, die vor allem bei der Masse der Freizeitläufer für Gänsehautatmosphäre gesorgt hat. Gerade den nahezu unbekannten Hobbysportlern zaubert die stimmliche Ankündigung ihrer Namen durch die beiden genannten Protagonisten noch einmal ein zusätzliches Lächeln ins Gesicht. Michael Aufenanger wuchs dann auch sehr schnell in die Rolle des "Frontmannes" hinein und übernahm sowohl die Moderation im Startbereich, als auch die Leitung der abschließenden Pressekonferenz.

Michael Aufenanger, im Gespräch mit Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle. Rechts von beiden: EAM Pressesprecher Rene Schneider Der 5-fache Deutsche Marathonmeister Ralf Salzmann freut sich auf seine Aufgabe: Er wird die Top-Athleten aus dem Begleitfahrzeug betreuen und zur erfolgreichen Jagd auf den Streckenrekord motivieren

Dass neue Besen sehr gut kehren, kann man dennoch nicht sagen, denn der Spross des Machers war schon in den letzten Jahren sehr umfangreich in die Organisationsarbeit eingebunden und als Co-Moderator im Zieleinlauf aktiv. Auf die neue Moderatorin Simone Reuthal trifft letzteres zwar nicht zu, dennoch hat der Hauptmedienpartner der Veranstaltung hr1 einmal mehr unter Beweis gestellt, dass er ein Händchen für ausgezeichnete akustische Präsentationen von Laufsportereignissen hat. Mit Marion Kuchenny und Tim Frühling beschäftigt er noch zwei weitere Moderatoren, die wissen wie man Laufsport publikums- und athletengerecht präsentieren kann. Ob ‚beim Lauf für mehr Zeit' in der Frankfurter Innenstadt oder dem Bürostadtlauf im Stadtteil Niederrad, sowie dem Apfellauf Heil im oberhessischen Laubus-Eschbach, den Marathoneinlauf in der Frankfurter Festhalle nicht zu vergessen. Das erste Hörfunkprogramm des Hessischen Rundfunks trifft immer die richtige Wahl.

Personell lief also trotz dieses Ausfalls der Führungsspitze alles rund. Gänzlich abwesend war " Aufi" aber dennoch nicht. Von Zuhause aus mit der Organisationsleitung gut vernetzt, verfolgte er die sportlichen Ereignisse des Tages via Live-Ticker und wohnte auch der abschließenden Pressekonferenz "akustisch" bei. Seine persönliche Abwesenheit, hatte dann auch eher präventiven Charakter. Nach Auskunft von Pressesprecher Michael Küppers rechnet man mit seiner baldigen Genesung.

Ohne Sie geht gar nichts. Die fleißigen Helfer*innen an den zahlreichen Verpflegungsständen Und die Redstars aus Hann. Münden heizten den Läufern musikalisch ein

Das der verbleibende Rest im Organisations- und Helferteam, welches alleine schon die stolze Zahl von 1100 Mitarbeiter*innen vorweisen kann, eine erfolgreiche Veranstaltung auf die Beine gestellt hat, belegt wieder ein Ausflug in die Welt der Zahlen. Rund 8700 Teilnehmer, ohne die fast 900 mitlaufenden Bambini, hatten für die 13. Austragung gemeldet. Das entsprach nach inoffizieller Schätzung des Veranstalters einer Zunahme von rund 200 Aktiven im Vergleich zum letzten Jahr.

Bei den Einzelwettbewerben motivierten vor allem der Halbmarathon sowie der Minimarathon viele begeisterte Freizeitläufer*innen von Jung bis Alt zum Mitmachen. Selbstverständlich haben auch die vielen Staffelkonkurrenzen zu diesem sehr guten Ergebnis beigetragen. Darüber hinaus hat sich die Veranstaltung mit ihrer ungewöhnlichen Anzahl von Sonderwertungen weit über Hessen hinaus einen Namen gemacht. Uni-Cup, Polizeicup, Hessische vhs-Meisterschaften und Raiffeisen-Azubicup und die Kirchenmeisterschaften obendrein.

Die nordhessische Metropole profiliert sich als Austragungsort für Sonderwertungen und Staffelwettbewerbe. Denn letztere werden nicht nur in den Kategorien männlich, weiblich und mixed ausgetragen, sondern beinhalten auch noch eine Familienwertung. Selbstverständlich finden auch die Walker ein umfangreiches Angebot vor. Neben der üblichen Walking/Nordic-Walking-Konkurrenz über 10-Km, fand auch noch ein Power-Walking auf der Halbmarathondistanz statt.

Großen Zuspruch erhält der Kassel Marathon durch die zahlreichen Staffeln Jens Nerkamp legt den Grundstein für den Staffelsieg des Laufteams Kassel, das seinen Start dem Stammlokal Joes Garage widmet

Wie in Kassel schon Tradition, begann die Veranstaltung aber schon am Freitag. Da standen die kleinen Läufer*innen vor der Haupttribüne im Auestadion im Mittelpunkt. Im Mini-Marathon hatte am Samstag mit Bastian Mrochen (Marianum Warburg) ein Läufer aus Nordrhein-Westfalen den Rest des Läuferfeldes unter Kontrolle. Nach 13:56 min. beendete er unter dem tosenden Beifall des Publikums den Lauf als Erster. Er hatte sich einen Vorsprung von 44 Sekunden auf Noah Heinemann von der Laufschule des TSV Niederelsungen verschaffen können. Der war nach 14:40 min. im Ziel und musste seinen 2. Platz vehement gegen Nick Föhlich (KSV Baunatal) verteidigen, der das Podium bereits zwei Sekunden später komplettieren konnte.

Bei den Mädchen konnte Anne Schwarz (ebenfalls Laufschule TSV Niederelsungen) einen unangefochtenen Sieg feiern. Nach 15:53 min. hatte sie ihren Erfolg unter Dach und Fach gebracht. Jolina Vaupel (TSV 1889 Geismar) lieferte sich mit Pauline Kleesiek vom Friedrichsgymnasium Kassel einen erbitterten Kampf um den 2. Platz. Mit einer Sekunde Vorsprung konnte sich Jolina durchsetzen und in 17:02 min. den zweiten Platz vor Pauline erringen. Über 3200 Kinder kamen überwiegend gut gelaunt ins Ziel.

Den sportlichen Auftakt des folgenden Sonntags bildete dann wie immer der Start zum Halbmarathon, der auch die Walker und Power-Walker mit auf die Reise nahm. Bei strahlendem Sonnenschein ließ es sich, wie auch in den letzten Jahren schon, der Kasseler Oberbürgermeister Christian Geselle nicht nehmen, die Läufer auf die überwiegend flache Strecke zu schicken. Die vielzitierten Kasseler Berge gibt es im gesamten Stadtgebiet zwar wirklich, sie werden aber so weit wie möglich aus dem Streckenverlauf herausgehalten, um den Läufern beste Bedingungen für schnelle Laufzeiten zu ermöglichen.

Philipp Stuckhardt vom Laufteam Kassel zeigte seinen Verfolgern schon früh den Rücken und macht sich zu einem ungefährdeten Sieg im Halbmarathon auf Auch die Walker im hinteren Teil des Starterfeldes gingen gut gelaunt und zuversichtlich ihrem Ziel entgegen

Philipp Stuckhardt vom Laufteam Kassel wollte keine Zweifel an seinem Gesamtsieg aufkommen lassen und stürmte von Beginn an vorneweg. Er sollte ein sehr einsames Rennen bis zu seinem Sieg erleben. Nach 1:08:20 h hatte er das Ziel im Auestadion erreicht und seine Konkurrenz förmlich deklassiert. Spannender verlief dann schon der Kampf um die restlichen beiden Plätze auf dem Podium. Mit Patric Starosta (o. V.) kam nach 1:13:41 h der nächste Läufer ins Ziel und belegte damit den 2. Platz. Der letzte freie Podestplatz ging an einen Läufer aus Thüringen. Noah Löser (LTV Obereichsfeld) war nach weiteren 15 Sekunden mit einer Endzeit von 1:13: 56 h zuhause. Angst um den Podiumsplatz brauchte er nicht zu haben, denn der ihm folgende Tom Sälzer (TSV Niederelsungen) kam erst über 2 Minuten später ins Ziel und belegte in 1:16:01 h den 4. Platz. Stephan Holesch (LG Wettenberg) landete in 1:16:28 h auf dem 5. Platz. Insgesamt war das Starterfeld bei beiden Geschlechtern in diesem Jahr nicht so stark besetzt, was erwartungsgemäß zu weniger schnellen Siegerzeiten führte. Die heutige Siegerzeit hätte im letzten Jahr nur zum 4. Platz gereicht.

Auch bei den Frauen war das Starterfeld diesmal weniger prominent besetzt. Vorjahressiegerin Sandra Morchner blieb ihrer " sportlichen" Heimatstadt fern und weilte zeitgleich in der Region um Venedig, um ihren eigenen Deutschen Rekord in der W45 von 1:17:12 h, den sie letztes Jahr in Kassel aufgestellt hatte, nochmals um 14 Sekunden zu unterbieten. Ab sofort steht die Rekordmarke bei 1:16:58 h. Zudem war auch die letztjährige Zweite und Gewinnerin des München Marathon Susanne Schreindl nicht am Start, so dass sich weniger bekannte Läuferinnen in die Siegerliste eintragen konnten. Nina Voelckel (SC Meißner Eschwege) packte die Chance beim Schopf und entschied in sehr ansprechenden 1:20:46 h den Lauf zu ihren Gunsten. Am Ende sollten über 5 Minuten zwischen ihr und der Zweitplatzierten Nora Battermann (West End Runners) liegen. Mit einer Endzeit von 1:26:28 h schuf auch sie sich einen komfortablen Vorsprung auf Sabine Stübner vom TSV Obervorschütz, die sich in 1:28:49 h den dritten Platz nicht nehmen ließ. Mit fast 2100 Zieleinläufen war diese Einzeldisziplin einmal mehr die Teilnehmerstärkste des EAM Kassel Marathon.

Edwin Kosgei (vorne mitte) wird nach und nach seine Mitstreiter aus der Führungsgruppe abschütteln
Marcel Bräutigam wird im Verlauf des Rennens Abaid Ezamzami (am Ende 4.) aus der Führungsgruppe überholen und mit seiner Jagd auf Rang 3 beginnen

Höhepunkt der Veranstaltung war trotz deutlich geringerer Teilnehmerzahl die Königsdisziplin Marathon. Der letztjährige Gewinner Edwin Kosgei sorgte am Ende des Tages für den Paukenschlag. Nachdem er mit seinem kenianischen Landsmann Dickson Kurui und zwei weiteren Landsleuten, die später ausstiegen, dem Rest des Feldes längst entflohen war, bewegte sich der Wiederholungssieger zeitweilig in einem Endzeitbereich von knapp über 2:13 h. Das sein zweiter Sieg in Folge sich ungefährdet anbahnte, war spätestens ab Km 24 schon keine Frage mehr. Der Abstand zwischen ihm und seinen ärgsten Verfolgern wurde größer und größer. Aber würde es auch für einen Streckenrekord reichen?

Doch ab Km 33 nahm der als Favorit gehandelte Eliteläufer den Kampf gegen die Uhr noch einmal entschlossen auf und schaffte es gerade auf den letzten Kilometern noch einmal zu beschleunigen. Dabei fiel ihm das nicht so leicht: "Es tat mir schon ein bisschen weh, aber ich wollte unbedingt diesen Rekord. Deshalb habe ich auf die Zähne gebissen und bin so weitergelaufen." Am Ende blieb für ihn die Uhr nach 2:12:37 h stehen. Dies bedeutete eine Verbesserung seiner bisherigen Rekordmarke um 15 Sekunden. Dahinter konnte sich der Vorjahresdritte Dickson Kurui um einen Platz verbessern. Dass er dabei um exakt 10 Sekunden langsamer war als im Jahr zuvor, spielte für ihn jedoch keine Rolle. Nach einer Zeit von 2:16:46 h, war für ihn der zweite Platz gesichert.

Edwin Kosgei bejubelt seinen zweiten Sieg in Folge, in neuer Streckenrekordzeit Dickson Kurui folgt mit gebührendem Abstand auf Platz 2

Spannender schon verlief da der Kampf um den letzten freien Podestplatz. Marcel Bräutigam ging als wohl aussichtsreichster deutscher Läufer ins Rennen. Zwei Wochen zuvor erst mit Mannschaftssilber bei den 50-Km-Weltmeisterschaften in Rumänien dekoriert, wo er in 2:49:26 h Rang 4 erzielen konnte, ging der frisch gebackene Vize-Weltmeister aufgrund der recht kurzen Erholungsphase scheinbar etwas gehandicapt ins Rennen. Es sah eine sehr lange Zeit so aus, als sollte er im Kampf um das Podium aussichtslos hinterher rennen. Denn weit vor ihm befand sich lange eine recht große Anzahl nord- und ostafrikanische Athleten. Doch der Thüringer teilte sich seine Kräfte gut ein und verstand es, Zug um Zug die vor ihm liegenden Konkurrenten " einzusammeln".

Das ihm hierbei die recht hohe Aussteigerquote in die Karten spielte, wirkte sich ebenfalls vorteilhaft für ihn aus. Doch passierte dem Führungsradfahrer für den 3. Mann noch ein kleines Missgeschick, das den Spitzenläufer aus Erfurt letztlich um die avisierte Zielzeit von 2:20 h bringen sollte. Der Radfahrer bog nicht nur zu früh ab, sondern wurde von dem dort anwesenden Streckenposten auch nicht aufgehalten, was einen Umweg von rund 600 Metern zur Folge hatte. Glücklicherweise konnte dieses Malheur noch rechtzeitig behoben werden, so dass der beste deutsche Läufer des Tages wenigstens 2 seiner 3 Ziele erreichen konnte. Den Podiumsplatz sowie den Titel des besten deutschen Teilnehmers, nur die Endzeit von 2:20 h verpasste er in 2:21:58 h aufgrund des Missgeschicks.

Marcel Bräutigam wird mit Platz 3 bester deutscher Läufer ... ... kurz hinter ihm laufen die Staffelsieger des Laufteams Kassel ins Ziel

Dabei war der Kampf um den Platz des besten deutschen Läufers alles andere als eine einfache Angelegenheit, befand sich doch mit Elias Sansar (LG Lage-Detmold-Bad Salzuflen) ein Läufer im Feld, der erst letzte Woche beim Münster Marathon einmal mehr die nationale Wertung für sich entscheiden konnte. Mit einer Endzeit von 2:24:13 h konnte er dort knapp Raoul Jankowsky distanzieren. Heute zeigte er sich schon wieder gut erholt und kam nach 2:26:15 h gerade mal 2 Minuten später ins Ziel und landete auf Platz 5. Ein Triumph über den zum Ende hin wie entfesselnd laufenden Marcel Bräutigam war trotz dessen Umwegs außer Reichweite. Wenigstens hatte er damit den im Rheinland lebenden schottischen "Vielläufer" Nikki Johnstone (LAZ Puma Rhein-Sieg) im Griff, der nach 2:27:49 h wesentlich fröhlicher den Zielstrich überquerte und damit den 6. Platz erreichte. Der Brite war vor allem von der Stadionatmosphäre sehr angetan. "Ich war auf den letzten Kilometern ein bisschen Müde, aber da habe ich schon den Lärm aus dem Stadion gehört und mich gefragt: Wo kommt das her, da musst du hin!" Auf jeden Fall habe ihn die Stadionatmosphäre gerade zum Ende hin die Kraft gegeben, das Tempo hoch zu halten.

Gerade mal vor einer Woche als bester deutscher Läufer beim Volksbank-Münster-Marathon gekürt, muss sich der Einlauffünfte Elias Sansar mit der ungewohnten Rolle des zweitbesten Deutschen zufrieden geben Nikki Johnstone wird 6. und freut sich über seine gute Zeit. Der Schotte wollte unter 2:30 h bleiben und schafft dies nach 2:27:49 h deutlich

Eine weitere gute deutsche Vorstellung lieferte Jan Kaschura (Run Artists Holzminden) ab, der mit seiner Endzeit von 2:28:59 h auf dem 8. Platz einkam. Zumindest ließ er von allen Top-Läufern im Feld seiner Freude am stärksten ihren Lauf.

Bei den Frauen war die Äthiopierin Brenda Kebeya (LG Bamberg) nach ihrem Sieg aus dem Vorjahr diesmal wieder nicht zu schlagen. Mit ihrer Endzeit von 2:38:21 h lief sie einem unangefochtenen Sieg entgegen. Auch ihr persönliches Ziel aus dem letzten Jahr, fleißig Deutsch zu lernen, hat sie mittlerweile so gut verfolgt, dass sie alle ihr auf Englisch gestellten Fragen auf Deutsch beantworten konnte. Ihre Bestmarke steht bei 2:34:29 h, aufgestellt im Frühjahr in Hannover. Dass sie jetzt langsamer war, lag ihrer Meinung nach daran, dass sie von Beginn an alleine für ihr Tempo sorgen musste. Dennoch war sie mit ihrem erneuten Triumph zufrieden, wenngleich sie hinter ihrer Zeit vom Vorjahr zurück geblieben war.

Brenda Kebeya und Prisca Kiprono bilden die Führungsspitze im Marathonlauf der Frauen Jessika Ehlers folgt auf Sichtweite

Auch Jessica Ehlers, die im letzten Jahr mit ihrer persönlichen Bestzeit von 2:42:41 h den 3. Platz belegen konnte, kam eher mit gemischten Gefühlen ins Ziel. Einerseits glücklich über die bessere Platzierung, andererseits auch ein bisschen enttäuscht über die mit 2:44:29 h langsamere Zeit. Sie ließ durchblicken, dass auch ihr eine stärkere Konkurrenzsituation im Hinblick auf eine schnellere Zeit sicher gut getan hätte. Dass die Kielerin, die für die SG Athletico Büdelsdorf ins Rennen ging, auch diesmal wieder in Kassel an der Startlinie stand, führte sie vor allem auf die schöne Erfahrung aus dem letzten Jahr zurück.

Brenda Kebeya hat sich von Prisca Kiprono gelöst und läuft einem ungefährdeten Sieg entgegen Auch Jessika Ehlers hat Prisca Kiprono überholt und läuft alleine auf Platz 2 Das Publikum im Auestadion fiebert gespannt dem Einlauf der ersten Marathonläufer entgegen

Zudem kam sie diesmal nicht alleine, sondern nahm auch noch ihren Lebensgefährten Benjamin Reuter mit, der als 14. im Gesamteinlauf nach 2:45:59 h zwar nach seiner Freundin ins Ziel kam, aber seine bisherige Bestzeit, die im Bereich von 2:50 h lag, um über 4 Minuten steigern konnte. Er zeigte dann auch folgerichtig neben den bereits erwähnten Protagonisten Jan Kaschura und Nikki Johnstone, die größte Siegesfreude. Außerdem lobte er die seiner Meinung nach erstklassige Verpflegung auf der Strecke. Ein derartig großes Angebot an Verpflegungsständen, sei seiner Meinung nach nicht selbstverständlich. Wenn Marathonläufe nicht nach Zeiten, sondern nach Freudenausbrüchen gewertet würden, dann hätten wohl die 3 genannten Akteure, heute den Gesamtsieg unter sich ausgemacht.

Brenda Kebeya bejubelt ihren zweiten Sieg in Folge Letztes Jahr noch 3. wird Jessika Ehlers diesmal 2. Marathonfrau Prisca Kiprono läuft sichtlich erschöpft auf den 3. Platz. Auch sie hat sich im Vergleich zum Vorjahr gesteigert

Weniger erfreut im Zielkanal zeigte sich Prisca Kiprono aus Kenia, das hatte aber eher physische Gründe als Sportliche. Denn sie hatte sich im Vergleich zum Vorjahr nicht nur um 2 Plätze verbessert und den 3. Platz errungen, auch ihre Endzeit von 2:48:08 h lag um fast 2 Minuten unter der letztjährigen Marke. Lediglich im Zielkanal schien ihr die Erschöpfung am ehesten von allen Teilnehmern ins Gesicht geschrieben zu sein.

Die Siegerin im Marathon der Frauen Brenda Kebeya im Interview mit Moderatorin Simone Reuthal Die siegreichen Männer im Marathon: v.l.n.r. Edwin Kosgei, Dickson Kurui und Marcel Bräutigam
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Ansonsten hat auch die diesjährige Ausgabe des EAM-Kassel-Marathons allen sportlich Aktiven wieder einmal alles geboten, was diesen Sport so anziehend macht. Es wurde gelaufen, gewalkt, gelacht, gejubelt, geflucht und ab und an besonders bei den allerjüngsten Teilnehmern auch mal geweint. Sämtliche Gefühlsausbrüche die dem Wesen des Menschen möglich sind, kamen auf eine angenehme und nachvollziehbare Weise zum Ausdruck. Sportliche Betätigung am Rande des eigenen Leistungsvermögens macht eben auch nicht immer Spaß, kann aber immer dann Freude bereiten, wenn man sein persönliches Ziel erreicht.

Den meisten Teilnehmern ist dies gelungen. Schon alleine deshalb freut man sich auf die nächste Auflage. Hoffentlich dann wieder mit Winfried Aufenanger, der die von ihm ins Leben gerufene Veranstaltung diesmal bei seinen Angehörigen und dem eingespielten Organisationsteam in guten Hände wusste.

Bericht und Fotos von Jörg Engelhardt

Ergebnisse www.kassel-marathon.de

Zu aktuellen Inhalten im LaufReport HIER

© copyright
Die Verwertung von Texten und Fotos, insbesondere durch Vervielfältigung oder Verbreitung auch in elektronischer Form, ist ohne Zustimmung der LaufReport.de Redaktion (Adresse im IMPRESSUM) unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urhebergesetz nichts anderes ergibt.

Datenschutzerklärung