21.8.21 - 15. Int. Zeppelinlauf in Mülheim an der Mosel

Fast gewohntes Läuferbild beim Zeppelinlauf

von Holger Teusch 

Fast nichts geändert hat Corona beim Zeppelinlauf der Spvgg. Mülheim-Brauneberg an der Mosel. Zumindest auf den ersten Blick. Für ihre Mühen belohnten die Luxemburgerin Jenny Gloden und Köln-Marathon-Gewinner Tobias Blum die Organisatoren mit neuen Streckenrekorden.

Flach präsentiert sich der zweimal zu durchlaufende 5-km-Rundkurs zwischen Mülheim und dem Bernkastel-Kueser Stadtteil Andel. Auf den Wirtschaftswegen, die auch Teil des Mosel-Radwegs sind, wurde eine Einbahnstraßen-Regelung eingeführt, damit Radfahrer und Läufer sich nicht entgegen kamen Weite Anfahrten wie der M60-Vierte Martin Stortz (36) vom Ludwigshafener Lauf-Club nahmen manche Teilnehmer des Zeppelinlaufs in Kauf, um endlich wieder einen weitgehend normalen Straßenlauf in bester Volkslauf-Tradition zu erleben
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Jenny Gloden, die Tochter des luxemburgischen Marathon-Olympia-Teilnehmers von 1988 Justin Gloden, und Tobias Blum vom LC Rehlingen belohnten sich mit Zeiten von 37:41 Minuten und 30:55 Minuten aber natürlich auch. Denn der Zeppelinlauf gehört zum in diesem Jahr wegen Corona von zehn auf (maximal) sechs Rennen à jeweils 10 km geschrumpften Bitburger-0,0%-Läufercup. Und Streckenbestzeiten werden in der Laufserie vom Titelsponsor traditionell mit 160 Euro honoriert.

Im Hintergrund die Kirche des Weinorts Lieser am linken Moselufer rannte Tobias Blum vom LC Rehlingen im Alleingang in 30:55 Minuten die beste 10-km-Zeit, die je am rechten Moselufer von Mülheim erzielt wurde Der bisherige Streckenrekordhalter Alexander Bock vom LC Rehlingen verlor nach sechs Jahren zwar seine Bestmarke (31:07), erzielte mit 31:53 Minuten aber eine fast nahezu gleichwertige Zeit Alexander Bocks Vater Andreas ist nicht klein zu kriegen. Der 58-Jährige war in 37:48 Minuten Schnellster der Altersklasse M55

Das Siegerduo des Hauptlaufs lief die Rekorde trotz Temperaturen nahe 30 Grad und Schwüle im Moseltal. Für Blum, der im vergangenen Jahr Deutschland bei der Halbmarathon-Weltmeisterschaft in Polen vertrat, waren 30:55 Minuten trotzdem kein Problem. Der Zeppelinlauf war der Abschluss einer harten Trainingswoche, erzählte der Gewinner des Köln-Marathons von 2018. Bei den auf Oktober verschobenen Deutschen Meisterschaften im 10-km- und Halbmarathonlauf möchte er noch einmal angreifen. Gerne würde er dann im Dezember bei der Crosslauf-Europameisterschaft wieder das Nationaltrikot überstreifen. Darauf arbeitet der 26-Jährige Saarländer zurzeit hin.

Der siebtplatzierte Dominik von Wirth (TG Konz) führte unter anderem Jonas Horn (Team getFit) trotz der Wärme an die 37-Minuten-Marke heran. Im Hintergrund fährt das einzige Auto, dass sich auf den Laufparcours verirrte, trotz der Möglichkeit diese zu verlassen, dem Gros der Teilnehmer entgegen Hendrik Tönjes von der LSG Saarbrücken-Sulzbachtal siegte in 38:28 Minuten in der Altersklasse M35 Günter Stabel vom 1. FC Kaiserslautern musste sich in 39:46 Minuten in der M40 nur dem überragenden Kai Merten (33:39) geschlagen geben

 

Als Streckenrekordler entthront hat Blum ausgerechnet seinen Trainingspartner und Vereinskameraden Alexander Bock. Der 28-Jährige war 2015 31:07 Minuten gelaufen und belegte diesmal in 31:53 Minuten den zweiten Platz. Zwar dauerte es mehr als eine Minute bis nach 33:39 Minuten der Drittplatzierte kam, dieser war mit Kai Merten aber gleichzeitig der Gewinner der Altersklasse M40. Der 42-Jährige von der TG Konz freute sich, erstmals bei einem Läufercup-Rennen auf dem Podium zu stehen. Dabei lief er das Rennen mit 6 km Anlauf als Warm-up. Anschließend absolvierte er noch ein 10-km-Fahrtspiel und lief noch 5 km aus. Das Programm hatte ihm der ehemalige belgische Spitzenmarathonläufer Roger Königs zur Vorbereitung auf den Berlin-Marathon mit auf den Weg gegeben.

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Die mehrfache luxemburgische Meisterin Jenny Gloden war über 10 km schnellste Frau. Die Tochter des Marathon-Olympiateilnehmers von 1988 Justin Gloden lief in 37:31 Minuten sogar Streckenrekord W40-Siegerin und Gesamt-Zweite Yvonne Engel vom Lauftreff Schweich (110) blieb trotz der Wärme in 39:43 Minuten unter 40 Minuten und hatte mit ihrem Vereinskameraden Philipp Hensel (62/40:24), Manuel Becker (50/LG Rhein-Wied/40:54) und vor allem Jonas Manschel (33/SSV Trier/39.41) gute Begleitung

Jenny Gloden hatte am Ende gut drei Minuten Vorsprung auf die Zweitplatzierte. Yvonne Engel blieb in 39:43 Minuten allerdings sicher unter der 40-Minuten-Marke. Die Sportlerin vom Lauftreff Schweich gehört ebenfalls bereits der Mastersklasse an. Engel ließ ihre Vereinskameradin Michelle Bauer (41:01) klar hinter sich.

Kampf um Platz drei über 10 km: Michelle Bauer vom Lauftreff Schweich (31) setzte sich in 41:01 Minuten gegen Katharina Kaiser (42:14) durch Das Duell M30 gegen M40 entschied der 42-jährige Kai Merten von der TG Konz (rechts) als Gesamt-Dritter in 33:39 Minuten klar gegen Martin Müller (LG Meulenwald Föhren/34:07) für sich

Die Spvgg. Mülheim-Brauneberg hatten sich als erste Straßenlauf-Veranstalter der Mosel-Region unter Corona-Bedingungen getraut, ihr volles Programm inklusive aller Kinder- und Jugendläufe durchzuführen. Enttäuschend war entsprechend die schwache Resonanz beim Nachwuchs. Ob es nun am Schwimmbadwetter lag, das in diesem Sommer so rar war, den Sommerferien in Rheinland-Pfalz oder ob es schon eine Auswirkung der Schließung von Sportvereinen und -stätten während der Corona-Lockdowns waren, wird sich wohl erst später herausstellen.

Ausdauer pur: Erst war der deutsche M60-Vizemeister im 100-km-Lauf Robert Gotto von der LG HSC Gamlen-RSC Untermosel (135) in 20:38 Minuten Viertschnellster über 5 km, dann gewann er auch auf der doppelten Distanz bequem in 44:32 Minuten seine Altersklasse Wenn der Vater mit dem Sohne … beim 5 km Lauf muss Papa Matthias Jarr seinen zwölfjährigen Filius Fabian, der in 20:37 Minuten Drittschnellster auf dieser Strecke war, auch schon mal den Vortritt lassen

Über 5 km schafften es aber zwei ganz junge Läufer aufs Podium. Hinter dem ehemaligen Rheinland-Crosslauf-Meister Yannik Erz (Ausdauerteam.de Morbach), der in 16:33 Minuten siegte, und U20-Junior Finn Willars vom Tri-Team SV Gerolstein (18:21) belegte der zwölfjährige Fabian Drexler von Tri Post Trier den dritten Platz. Das Kraftpaket aus Deutschlands ältester Stadt überspurtete auf der kurzen Zielgeraden in 20:37 Minuten noch den Deutschen M60-Vizemeister im 100-km-Lauf Robert Gotto (LG HSC Gamlen-RSC Untermosel), der von seinen 20:38 Minuten aber sehr positiv überrascht war. Über 10 km gewann Gotto anschließend in 44:32 Minuten wieder in der M60.

Maria-Charlotte Willgerodt (139) konnte sich in 25:21 Minuten als schnellste 5-km-Läuferin um drei Sekunden gegen die elfjährige Maria Simon (130) vom TuS Bengel durchsetzen

Bei den Frauen konnte die vereinslose Charlotte Willgerodt in 25:21 Minuten drei Sekunden Vorsprung vor Maria Simon ins Ziel retten. Die Elfjährige vom TuS Bengel (einem kleinen Ort in einem Seitental der Mosel) lief zusammen mit Bruder Nico (23:44) und Mutter Bettina (27:49) mit. Dritte über 5 km wurde Hannah Paulus vom Trierer Lauftreff TuLux in 26:04 Minuten.

Yannik Erz vom Ausdauerteam.de Morbach (150) siegte im 5-km-Lauf in 16:33 Minuten Ungewohnt mit Brille zeigte sich 10km Sieger Tobias Blum bei der Siegerehrung (natürlich unter freiem Himmel) mit Alexander Bock und Kai Merten
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Im kommenden Jahr würde man den Zeppelinlauf gerne wieder am angestammten Termin im Frühjahr durchführen, sagte der Vereinsvorsitzende Wolfgang Thiel. Natürlich wieder gerne mit dem Doppelten der diesmal insgesamt nur 170 Teilnehmern im Ziel. Im März und April ist es im Moseltal in der Regel auch nicht so warm und es sind noch nicht die Massen an Radfahrern unterwegs. Damit sich Zweibeiner und Zweiradfahrer nicht in die Quere kommen, hatten die Organisatoren eine Einbahnstraßenregelung in den flachen Weingärten zwischen Mülheim und dem Bernkastel-Kueser Stadtteil Andel installiert. Das bedeutete zwar Mehraufwand, klappte aber hervorragend. Nur der Besitzer eines Gartengrundstücks am Streckenrand fuhr während des Hauptlaufs den Läufern entgegen und ignorierte die Möglichkeit über Querverbindungen die (Auto)-Hauptstraße zu erreichen. Der neue Streckenrekordler Tobias Blum, der sich auch an dem Auto vorbei quetschen musste, lobte die Organisatoren trotz dieses Zwischenfalls. Der Marathonmann war wie wohl alle anderen froh, dass wieder gelaufen wird.

Bericht und Fotos von Holger Teusch

Infos www.zeppelinlauf.de

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