2.8.20 - 6. Herz-Kreislauf Essen - Solo Run

Verschobene Veranstaltung fand drei Monate später doch statt

Über 800 Teilnehmer laufen für guten Zweck

Annika Vössing und Matthias Graute dominieren über 10km

von Michael Schardt 

Essen - Mülheim - Dortmund - und wieder Essen, so lauten die bisherigen Stationen der Solo-Run-Serie in diesem Sommer, die von Bunert Events im Ruhrgebiet veranstaltet wird. Beim vierten Rennen kam es dabei zu einer fruchtbaren Symbiose, denn Bunert übernahm die Organisation des sechsten Herz-Kreislaufs, der eigentlich traditionsgemäß am 1. Mai hätte stattfinden sollen. Wegen Corona aber musste der ursprüngliche Termin abgesagt und auf unbestimmte Zeit verschoben werden.

Aufstellung im vorgeschriebenen Einzelstartmodus - manchmal war aber doch recht viel los auf der Strecke
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Jetzt, am 2. August, konnte der Lauf als einer der wenigen in Coronazeiten verspätet doch durchgeführt werden. Und das mit großem Erfolg, denn trotz der Einschränkungen nahmen rund 800 Ausdauersportler daran teil und spülten der Initiative "1000 Herzen für Essen" eine beachtliche Summe in die Kasse, denn die gesamten Startgelder wurden gespendet. Ziel der Initiative ist es, möglichst viele Kinder und Jugendliche in Bewegung zu bringen. Initiator des Laufs in der Reviermetropole ist das Herz- und Gefäßzentrum Contilia. Der Veranstaltungsort hätte nicht spektakulärer sein können, denn die Strecke führte um und durch die Zeche Zollverein, eine Unesco Weltkulturerbestätte der besonderen Art.

Flache Strecke - schnelle Läuferinnen

Bisher bot der Herz-Kreislauf Strecken über fünf und zehn Kilometer sowie Kinderläufe an. Bei der nun sechsten Austragung hatte Bunert eine Runde von 3,33 Kilometer abgesteckt, die man einmal, zweimal oder dreimal durchkreuzen konnte. Einen eigenen Kinderlauf gab es diesmal nicht, aber ersatzweise einen Familienlauf über 3,3km, bei dem die jungen Läufer gerne gesehen waren. 31 Teams, die als erste an den Start gingen, stellten sich der Herausforderung - meist als Duo, aber auch als Trio oder Quartett. Gegen elf Uhr erfolgte der erste Startschuss. Nicht unerwartet konnte das Vater-Tochter-Gespann "Team Schneider Gang" mit Norbert und Celine Schneider das Rennen sicher für sich entscheiden. Die überwiegend flache und asphaltierte, aber auch begrünte Strecke durch das historische Zechengelände legten die beiden in 13:06min zurück. Es folgten die "Four Running Kellers" in 14:53min vor "ich hör nur mimimi", die 15:06min unterwegs waren.

Paarlauf in entspanntem Miteinander oder mit energischem Endspurt-Spaß

Sportlicher Höhepunkt der sich über mehrere Stunden erstreckenden Veranstaltung war zweifelsfrei der Lauf über vermessene zehn Kilometer, also drei Runden. Dass sich dabei Essener Lokalmatadoren an der Spitze sowohl bei den Frauen wie bei den Männern wiederfinden würden, hatte man am Ort des Geschehens vielleicht nicht unbedingt erwarten können, sich aber insgeheim doch erhofft.

Die Schutzmaske war Pflicht, außer beim Lauf selbst. Der einsame Bartträger unter dem Zielbogen hatte sie wohl nur kurz abgelegt

Bei den Frauen blieben insgesamt vier Läuferinnen unter vierzig Minuten. Die Nase vorn hatte Annika Vössing (W20) von den Ayyo Ladies, die nach einer sehr schnellen ersten Runde (11:35min) mit 12:10min und 12:16min zwei ausgeglichene Runden folgen ließ. Das ergab für die Siegerin, die auch schon den Solo Run von Dortmund gewonnen hatte, eine Gesamtzeit von 36:01min und eine erneute Goldmedaille. Klubkameradin Melanie Linder (W45) konnte in der ersten Runde Vössing noch auf den Fersen bleiben, musste dann aber bald abreißen lassen, kam jedoch in 36:36min zu einem ungefährdeten zweiten Platz. Auf Rang drei landete Joleen Gedwart (W20) von "Andreas + Joleen" in 37:29min. Die vierte unter vierzig Minuten war schließlich die vereinslose Stephanie Breitkreuz (W20) in 39:28min.

Siegerin Annika Vössing gewinnt den Zehner vor ihrer Clubkameradin Melanie Linder. Stephanie Breitkreuz verpasst das Treppchen als 4. knapp, bleibt aber auch unter 40 Minuten

Gutes Wetter - flotte Läufer

Für die Läufer des Familienrennens und des Zehners hatte Wettergott Petrus überaus freundliche Bedingungen bereitgehalten. Es sei warm gewesen, berichtet eine Teilnehmerin, aber auch nicht zu warm, dabei trocken und angenehm. Erst gegen 16 Uhr, als die Mitteldisdanzler an die Startlinie gingen, kam es kurzzeitig zu heftigen Schauern, der später in Nieselregen überging. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Teilnehmer in eine Halle geflüchtet, wo die bestellten Trikots und die Startunterlagen ausgegeben wurden. Da wegen des Regens einige Läufer nicht erschienen waren, konnten die fest vorgesehenen Startzeiten gelockert werden. "Wer früher auf die Strecke gehen möchte", hieß es dann, "der kann jetzt loslaufen." Indes war die Lautsprecheranlage am Start ausgefallen, was den Moderator Andreas Menz nicht davon abhielt, auch ohne Musik die Läufer lautstark animierend ins Rennen zu schicken. Nur eins von mehreren Anzeichen, wie gut und entspannt die Atmosphäre vor Ort war.

Mit grünem Trikot vor so viel Grün ist mancher kaum zu erkennen - ein anderer setzt als "Frühaufsteher" ein farbenfrohes Zeichen

Vor allem Regen hatten knapp 450 Teilnehmer (272 Männer und 159 Frauen) ihren Zehner bereits beendet. Unter ihnen zuvörderst Matthias Graute (M35) von "3athloncoach.de", der 2011 den Marathon rund um den Baldeneysee gewinnen konnte und damit etwas gemeinsam hat mit der heutigen Damensiegerin Annika Vössing. Denn die sicherte sich den Marathonerfolg 2018.

Das Männerrennen entwickelte sich zu einem spannenden Dreikampf, der nach einer Runde den Kölner Marian Bunte (M30) in 10:24min vorne sah. Graute und Mario Teune (M30) vom Laufladen Endspurt Paderborn folgten mit vier Sekunden Abstand. Nach der zweiten Runde war Bunte überholt worden und acht Sekunden hinter seine Konkurrenten zurückgefallen. Sieger wurde schließlich Graute in guten 32:35min mit nur einer Sekunde Vorsprung vor Teune (32:36min). Marian Bunte schließlich beendete sein Rennen als Dritter in genau 33 Minuten. Rang vier belegte der erst 20-Jährige Nils Wieduwildt vom SV 13 Triathlon in 33:51min.

Matthias Graute gewinnt den Zehner vor Mario Teune. Nils Wieduwildt wird 4.

Klare Verhältnisse über 6,6 Kilometer

Mit jeweils großem Vorsprung von über drei beziehungsweise über zwei Minuten gewannen Mareike Eißmann und Andreas Sprott die neue Mitteldistanz. Und die Doppelstarter und Familienlaufgewinner Celine und Norbert Schneider wurden jeweils Vizemeister.

Andreas Sprott (M30) vom Runningteam Grafenberg konnte schon in der ersten von zwei Runden für klare Verhältnisse sorgen. Er lief diese in 10:29min und damit nur eine Sekunde langsamer als 10-km-Sieger Graute in seiner Auftaktsequenz. Damit verfügte Sprott schon nach der Hälfte der Distanz über einen komfortablen Vorsprung von achtzig Sekunden. Er wurde dann zwar auf der Finalrunde erheblich langsamer, konnte jedoch in 21:53min klar gewinnen. Schneiders (M50, TV Scheven) zweiter Platz war gleichfalls nie in Gefahr, den er in 24:09min sicherte vor Eliah Krisp. Krisp, erst fünfzehn Jahre alt und unter dem Phantasienamen "Dem Werner seine Blagen die Laufgruppe" startend, holte in 25:09min Bronze.

Mareike Eismann gewinnt die Mitteldistanz; Birte Bannert wird 3. Start für Dirk Röttchen, der über 6,6 km 6. wird.

Ebenfalls Jahrgang 2004 ist Celine Schneider vom TV Scheven. Die 15-Jährige lief zwei recht gleichmäßige Runden und kam zu Silber in 28:03min. Gegen die erfahrene Frauensiegerin Mareike Eißmann (W35) vom 1000 Herzen Team allerdings hatte sie keine Chance. Eißmann kam nach Runden von 12:21min und 12:34min nach einer Gesamtzeit von 24:55min ins Ziel und wurde damit hinter zwei Männer sogar dritte im Gesamtklassement. Dritte wurde die vereinslose Birte Bannert. Die W45erin benötigte 28:24min und lief wie die überwiegende Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen positiven Splitt. Ziel und Start lagen, wie es Corona fordert, etwas auseinander, wodurch die jeweils letzte Runde etwas kürzer gewesen sein könnte, was eigentlich für einen negativen Splitt sprechen würde.

Die Industriekultur der Zeche Zollverein bildet die Kulisse für den Wohltätigkeitslauf

Gibt es weitere Solo-Run-Veranstaltungen?

Auch wenn dieses Jahr die Voraussetzungen für den Herz Kreislauf ganz andere waren als in den fünf Jahren zuvor, so wurde mit der Veranstaltung ein weiteres Zeichen gesetzt, dass sich die Laufszene im Allgemeinen und das Laufen für einen guten Zweck im Speziellen nicht unterkriegen lassen. Jeder analoge Lauf, der stattfindet und die Coronaauflagen erfüllt, ist willkommen bei allen Läuferinnen und Läufern. Bei der Herz-Kreislauf-Aktion noch besonders, denn immer noch ist das Versagen des menschlichen Herz- und Kreislauf-Systems die häufigste Todesursache weltweit, wie Ärzte nicht müde werden hervorzuheben. Daher kann die Idee, gerade Kinder und Jugendliche früh in Bewegung zu bringen, wie sie die Initiative 1000 Herzen für Essen verfolgt, nicht genug unterstützt werden.

Dass die Teilnehmer in diesem Jahr auf die Unterstützung durch Angehörige und weitere Zuschauer leider verzichten mussten, tut der guten Sache keinen Abbruch. Immerhin waren nicht alle 800 gemeldeten Teilnehmer allein dabei, schließlich konnte gemeinsam mit der gesamten Familie bzw. mit dem Laufpartner gestartet werden. Hierzu musste die Anmeldung jedoch gemeinsam erfolgen.

Im Gruppenbild ohne Damen gibt sich die Verfolgergruppe über 6,6 km ein Stelldichein. Der jugendliche Marius Schmidt wird 4. - Paul Adler gewinnt als 15. die M60
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Um den Bedingungen der Corona-Pandemie gerecht zu werden, wurden die Startunterlagen vor dem Rennen über den Postweg den Teilnehmern zukommen gelassen. Zum Startpaket zählte neben der Startnummer unter anderem auch ein 1000-Herzen-Multifunktionstuch, mit dem auf das Projekt "1000 Herzen für Essen" aufmerksam gemacht wird. Auch Medaillen gab es für alle, die aus umweltfreundlichen (Holz)-Materialien bestanden.

Für 2021 hoffen alle Beteiligten, dass der siebte Herz Kreislauf wieder an seinem angestammten Termin am 1. Mai stattfinden kann. Ob die Solo-Run-Serie nach Essen noch an anderen weiteren Stationen Halt macht, wird kurzfristig entschieden und stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

Bericht von Michael Schardt
Fotos von Christian Uebing

Infos www.herz-kreislauf-essen.de

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