12.7.25 - Sidonia-Escape-Lauf in Kelberg

Laufsieg bergan, aber diesmal ohne Rucksack

von Holger Teusch 

Die DJK Kelberg organisiert seit 2024 unweit des Nürburgrings in der Eifel einen besonderen Lauf. Der Sidonia Escape Run führt über Teile eines Wanderwegs, auf dem es sonst eher gemächlich zugeht.

Tief in der Eifel während des 30-jährigen Kriegs: Das Waisenmädchen Sidonia wird als Tochter einer Naturheilerin beschuldigt, für das Unglück im Ort, Krankheiten, vergiftete Brunnen usw., verantwortlich zu sein. Schnell lautet der Vorwurf Hexerei. Wie kann die abergläubische Bevölkerung vom Gegenteil überzeugt werden? Wenn das Rätsel, das ein schweres, in Leder eingebundenes Buch enthält, das Sidonia von ihrer Mutter geerbt hat, gelöst wird, ist das Mädchen gerettet.

Mit mehr als 100 Teilnehmern war die DJK Kelberg bei der zweiten Auflage des Sidonia Escape Laufs im Rahmen des Sportfests zufrieden
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Wanderer können sich in Kelberg in der Eifel mit dem mystischen Buch im Rucksack auf den Sidonia Escape Walk und zur Rettung des Waisenmädchens machen. Auf dem Wanderweg müssen dazu, ähnlich wie in bekannten Escape Rooms, aber nur in freier Natur und mit viel Bewegung, Rätsel gelöst werden. Ganz ohne Rucksack, aber auch weitgehend über Teile des neuen Wanderwegs führt seit 2024 auch ein Lauf in der Eifel: der Sidonia Escape Run. Anglizismen sind halt in! Abgesehen von der Namensgebung kommt die Veranstaltung der DJK Kelberg grundsolide daher. Ohne Experimente, aber mit den örtlichen Verhältnissen angepassten Highlights (upps: schon wieder Anglizismus).

Triathlet Philipp Ebach vom PSV Bonn blieb über eine große Laufrunde (= 5,1 km) als Einziger unter 20 Minuten (19:55) Heiko Herrmann vom HSC Gamlen konnte sich über den zweiten Platz über 5,1 km freuen

Höhepunkte sind dabei durchaus wortwörtlich zu nehmen. Was nicht verwundert. Kelberg liegt quasi auf der Grenze von Vulkan- und Hocheifel. Der Nürburgring mit dem höchsten Berg des Mittelgebirges, der Hohen Acht, liegt nur wenige Kilometer entfernt. Wer den alten Nürburgringlauf noch kennt, wird ahnen, was das bedeutet: Höhenmeter satt! Die gibt es beim Sidonia Escape Run für geringes Startgeld. Anders als damals auf der breiten Rennstrecke aber für den Läuferkopf leichter verdaulich verpackt geht es meist über schmale Pfade durch dichten Wald (ja, dort oben gibt es noch Fichtenschonungen!). Da fallen zweistellige Prozentzahlen schon direkt leichter! Mit Harke und Schaufel und Dutzenden Schubkarren Rindenmulch hatten die Lauf-Organisatoren der DJK Kelberg Teile der Strecke 2024 gut laufbar gemacht. Ein Einsatz, der sich zumindest im Kleinen lohnte: Die Teilnehmerzahl stieg bei der zweiten Auflage um mehr als 20 Prozent auf 110 Läufer im Ziel.

Jan Gilles von der DJK Kelberg (Mitte) pustete nach dem Start noch einmal durch. Am Ende belegte der Lokalmatador den dritten Platz über 5,1 km Steffi Reimer vom HSC Gamlen gewann die Frauenwertung im 5,1-km-Lauf Helen Schmitz war über 5,1 km zweitschnellste Frau

Das lag auch an den Rennen für den Nachwuchs. Für den hatten sich die Kelberger nämlich etwas Besonderes ausgedacht. Die Steigungen, die die Jüngsten bewältigen mussten, lagen alle in Reichweite der neuen Kunststoffrundbahn. Beim sogenannten Stadioncross ging es abwechslungsreich zwar auch über den schnellen Belag, aber auch kreuz und quer, Böschungen hinauf und hinunter. Dass der Nachwuchs den Läufern der DJK Kelberg wichtig ist, zeigt sich an Ludwig Mauren und seiner Tochter Melina. Vater und Tochter, mittlerweile selbst Mutter, bieten seit vielen Jahren Übungsstunden an. Ihm gehe es nicht darum, Toptalente ausfindig zu machen, sondern die Jugend zu bewegen, betont Ludwig Mauren. Besonders bei Crossläufen in der Region im Winter sind die knallgelben Trikots aus der Hohen Eifel präsent.

Mit Mika Schürmann als schnellsten Jungen im 1,5-km-Lauf durften die Kelberger bei ihrer eigenen Laufveranstaltung einen Sieger in den Nachwuchswettbewerben feiern. Zum 100-jährigen Vereinsjubiläum im kommenden Jahr ist da wahrscheinlich noch eine Steigerung drin.

Nur auf den ersten Kilometern war es ein Zweikampf zwischen dem aus Kelberg stammenden Mirco Zenzen (LG Vulkaneifel, vorn) und Benjamin Bauer-König, dann lief der Sportler des HSC Gamlen einem ungefährdeten Sieg über 10,2 km entgegen Stolz klatschte Vereinschef Rainer Hohl vom HSC Gamlen den Sieger des 10,2-km-Laufs Benjamin Bauer-König im Ziel ab Was war da Gutes in der Laufverpflegung drin? Marc Hermes von der LG Laacher See hatte sich das 10,2-km-Rennen gut eingeteilt und sicherte sich auf der zweiten Runde noch den zweiten Platz

Vielleicht auch in den Hauptrennen über 5,1 und 10,2 km. Jan Gilles war als Drittplatzierter über eine der beschriebenen Waldrunden schnellster Lokalmatador. In 21:40 Minuten musste er sich aber Heiko Herrmann vom HSC Gamlen (21:25) und Philipp Ebach geschlagen geben. Der Bonner Triathlet blieb auf der Kurzdistanz mit 19:55 Minuten als Einziger unter 20 Minuten. Bei den Frauen freute sich der HSC-Vereinschef Rainer Hohl über den Sieg von Steffi Reimer, die in 25:27 Minuten die vereinslosen Helen Schmitz (29:11) und Hannah Meyer (29:55) hinter sich ließ.

Die 10,2-km-Distanz hätte Benjamin Bauer-Königs mutmaßlich auch wie die Wanderer auf dem Sidonia Escape Walk mit Rucksack bewältigt. Wahrscheinlich nicht so schnell, in 41:47 Minuten, wie ohne, aber er komme mit Zusatzgewichten gut zurecht, verriet der 33-Jährige. Der Beweis war sein Sieg zwei Wochen vor dem Kelberger Lauf beim sogenannten Getting-Tough-Hindernislauf. Im thüringischen Oberhof siegte der Läufer des HSC Gamlen in der Sonderwertung mit zwölf Kilogramm Zusatzgewicht über 17 km in fast exakt zwei Stunden mit mehr als zehn Minuten Vorsprung.

Erst machte Markus Schmitt Tempo für die Siegerin des 10,2-km-Laufs Viola Pulvermacher, dann musste der Läufer des HSC Gamlen die ehemalige Rheinlandmeisterin vom SV Fortuna Ulmen aber ziehen lassen Martha König vom HSC Gamlen lief über 10,2 km ungefährdet auf den zweiten Platz in der Frauenwertung Lokalmatadorin Nicole Krämer aus Kelberg wurde bei einer ihren selten gewordenen Wettkampfstarts Dritte bei den Frauen über 10,2 km

Dabei verletzte er sich allerdings an den Kniekehlen. Die habe er sich beim Überklettern der Holzwände aufgescheuert, erklärte Bauer-König. Zwei Wochen lang war deshalb praktisch kein Training für ihn möglich. Erst zum Sidonia Escape Run waren die Wunden wieder halbwegs verheilt. Und zwar so, dass er Marc Hermes (LG Laacher See/43:03) und den aus Kelberg stammenden Lokalmatador Mirco Zenzen (LG Vulkaneifel/44:13) deutlich hinter sich lassen konnte. Der Drittplatzierte war bei der Kelberger Laufpremiere noch Zweiter geworden. Damals habe er noch die Form von seinem Ironman-Debüt gehabt, erzählte Zenzen. Seit dem Langdistanztriathlon läuft der ehemalige U18-DM-5. aber nur noch sporadisch. Er brauche halt Ziele, sagt er. Zwar setzte sich Zenzen zwischenzeitlich an die Spitze der 10,2-Kilometer-Läufer, musste aber dem mangelnden Training in der zweiten Runde Tribut zollen und wurde außer von Bauer-König auch noch von Hermes überholt.

Lokalmatador Dietmar Krämer aus Kelberg wusste ja, was auf der zweiten Runde des 10,2-km-Laufs auf ihn zukam und sorgte deshalb für Erfrischung Gut gelaunt ging M65-Sieger Eule Frings von den Selbstläufern Altenahr in die zweite 5,1-km-Runde des Hauptlaufs Der geteilte Zieleinlauf konnte trotz großen Markierungen auf dem Boden irritieren. Der M75-Zweite im 10,2-km-Laufs Martin Hoffmann von der TSG Nordholz bewies nicht nur Ausdauer, sondern zeigte auch seine Beweglichkeit Schnellster M70-Läufer über 10,2 km: Erwin Wagner von der Selbstläufern Altenahr
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Ganz anderes die schnellste Frau. Die 35-Jährige Viola Pulvermacher, vor 20 Jahren U18-Bronzemedaillengewinnerin bei den Deutschen Straßenlaufmeisterschaften über 10 km sparte auf der ersten Runde noch Kraft hinter Markus Schmitt laufend. Auf den zweiten 5 km ließ die zweifache Mutter ihren Tempomacher vom HSC Gamlen aber deutlich hinter sich. In 47:47 Minuten lag sie klar vor Martha König (HSC Gamlen/49:27) durch. "Mir war eigentlich klar, dass ich gegen Viola wenig Chancen habe", sagte Benjamin Bauer-Königs Frau, die trotzdem lachend ins Ziel lief und ebenso wie ihr Ehemann von einem sichtlich zufriedenen Vereinschef Rainer Hohl empfangen wurde. Der 80-Jährige verzichtete diesmal schweren Herzens auf einen Start. Er habe momentan nach solchen Belastungen immer Rücken. Zumindest bis zur eigenen Laufveranstaltung am 9. August in Gamlen nahe der Burg Elz will er deshalb die Füße stillhalten.

Bericht und Fotos von Holger Teusch

Ergebnisse & Info www.djkkelberg.de

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