20.7.25 - 20. Vogelsberger Südbahnlauf in BirsteinEin Lauf wie die Region: deftig - kräftig - familiär |
| von Jörg Engelhardt |
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Die Gemeinde Birstein, die kommunalpolitisch zum Main-Kinzig-Kreis gehört, befindet sich am südlichen Fuße des Vogelsberges, eines hessischen Mittelgebirges, das sich auf einer Fläche von ca. 2500 Quadratkilometern über 5 hessische Landkreise erstreckt und Teil des osthessischen Berglandes ist. Er verbindet die hessischen Landesteile Mittel- und Südhessen und geht hier im Birsteiner Stadteil Unterreichenbach über das Brachtal in das Kinzigtal über. Auch für seine Backwaren ist der Vogelsberg mittlerweile sehr bekannt. In den größten Städten des Bundeslandes findet sich kaum mehr ein Wochenmarkt, der nicht von Bäckereien aus dem Vogelsberg beschickt wird. |
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Ein Veranstaltungsort also, der wie geschaffen ist, für ein landschaftlich sehr sehenswertes, aber auch teilweise schon ziemlich anspruchsvolles Laufvergnügen in bisweilen sehr ursprünglicher und unverfälschter Natur.
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| Dort wo heute die Läufer laufen, fuhr bis vor 58 Jahren noch die Eisenbahn. Der Vogelsberger Südbahn Rad- und Wanderweg hat die alte Bahnstrecke ersetzt | |
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Ausführliche und einladend präsentierte
Laufankündigungen im LaufReport HIER
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Veranstaltet wird der Vogelsberger Südbahnlauf vom Lauftreff Unterreichenbach, der als eigenständige Abteilung für Laufsport und Walking zum ursprünglich reinen Fußballverein Dalles Kicker Unterreichenbach gehört. Im Jahre 2004 wurde der Südbahnlauf erstmals ausgetragen. Damals zog der Lauf noch wenige Teilnehmende an. Mittlerweile ist aus ihm schon ein recht großes Laufevent geworden. Heute fanden sich nach Abschluss aller sechs Wettbewerbe 389 laufende und walkende Aktive aus allen Generationen in den Ergebnissen gelistet. Das waren 82 Personen mehr, als im vergangenen Jahr. Vom Kleinkind bis zum Greis wurden bei überraschend erträglichem Sommerwetter alle Teilnehmenden in der Angebotspalette fündig.
Dass der Lauf von seinen Machern in einer ersten Presseerklärung als voller Erfolg gewertet wurde, ist kein Wunder. Denn von den ursprünglich insgesamt 400 gemeldeten Teilnehmenden, fanden sich tatsächlich 389 Aktive in den Ergebnislisten wieder. Eine außergewöhnlich hohe Finisherquote also, die man in dieser Höhe kaum mehr bei Volkslaufveranstaltungen vorfindet. Die Zufriedenheit des veranstaltenden Vereins war also berechtigt. Zumal der Veranstaltungsort Unterreichenbach, einer der 16 einstmals eigenständigen Birsteiner Gemeindeteile, selbst nur 500 der insgesamt etwas mehr als 6000 Einwohner Birsteins zählt.
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| Vogelsberger Morgenidylle | Viel Wasser, Feld, Wald und Flur, erwartet die Teilnehmenden des Vogelsberger Südbahnlaufs |
Diesen Menschenauflauf heute, zudem sich neben den Laufenden und Walkenden auch noch zahlreiche Zuschauer und Begleitpersonen gesellten, dürfte Unterreichenbach nicht allzu oft im Jahr erleben. Gefühlt waren bei dieser Veranstaltung wesentlich mehr Menschen zugegen als Unterreichenbach überhaupt Einwohner zählt. Der Südbahnlauf dürfte wohl zu einem der ganz großen Highlights im Birsteiner Veranstaltungskalender des ganzen Jahres gehören.
Auch kommunalpolitisch scheint sich die Veranstaltung einer hohen Wertschätzung zu erfreuen, denn Birsteins Bürgermeister Fabian Fehl mischte sich unspektakulär unter die Teilnehmer des 5-Km-Laufs und erreichte in dieser Konkurrenz immerhin eine Top-Ten-Platzierung. Ebenso war alles angerichtet, was man für einen attraktiven Volkslauf im ländlichen Raum benötigt. Ein fleißiger Organisations- und Helferstab sowie ein reichhaltiges Angebot an Backwaren. Speisen und Getränke wurden an durchweg gut besetzten Tischen und Bänken eingenommen und rundeten die Volkslaufveranstaltung zünftig und gesellig ab.
Seinen Namen hat der Lauf übrigens von der Vogelsberger Südbahn, die zwischen Wächtersbach und Birstein zwischen 1898 und 1967 verkehrte. Nachdem die Bahnstrecke aus wirtschaftlichen Gründen vom damaligen Betreiber Landkreis Gelnhausen stillgelegt wurde, konnte man die ehemalige Bahnstrecke in einen Rad- und Wanderweg umgestalten, der zu großen Teilen den Streckenverlauf der heutigen Veranstaltung darstellt. Die Südbahn gibt es also längst nicht mehr. Ebenso wenig wie den Landkreis Gelnhausen, der in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zusammen mit dem ebenfalls nicht mehr bestehenden Landkreis Hanau zum Main-Kinzig-Kreis verschmolz. Lediglich Gelnhausen hat seinen Kreisstadtstatus behalten, während das weitaus größere Hanau, nur noch eine kreisangehörige Stadt mit Sonderrechten ist.
Bei für diese Jahreszeit erfreulich erträglicher Tagestemperatur konnte Pascal Fischer vom Laufteam Kassel seiner Favoritenrolle schnell gerecht werden. Im September vergangenen Jahres belegte er in seiner Heimatstadt beim Kassel-Marathon Platz 5 und wurde damals mit einer Endzeit von 2:28:09 h zweitbester deutscher Teilnehmer hinter Marcel Bräutigam. Die hessischen Sommerferien, die noch bis Mitte August andauern, dürften hier auch ihre Rolle gespielt haben, denn andere hessische Freizeitläufer, die auf diesem Zeitlevel lange Strecken laufen können, waren wohl auch urlaubsbedingt nicht am Start. Am Ende stand für Fischer ein deutlicher Sieg in einer Endzeit von 1:16:33 h zu Buche. Streckenrekord war das zwar nicht, aber schon rund drei Minuten schneller als Felix Kern bei seinem Sieg im vorangegangenen Jahr. Peter Hoehne vom TLV-LT Eichenzell, der hier in Unterreichenbach eigentlich immer für Sieg- und Podestplätze gut ist, belegte in 1:19:26 h, den zweiten Platz. Damit war er auch schon der Einzige hinter seinem Bezwinger Pascal Fischer, der die 80-Minuten-Marke auf dieser fordernden Strecke knacken konnte.
Das letzte freie Treppchen bestieg dann Jan Schäfer vom TuS Griesheim, der sein Rennen nach 1:23:11 beenden konnte. Da alle drei der Altersklasse M30 angehören, waren die Gesamt- wie auch Altersklassenplatzierungen hier deckungsgleich.
Bei den Frauen siegte Johanna Heinbuch ziemlich deutlich und kürte sich in 1:32:12 h zur Siegerin der Jubiläumsauflage. Im vorangegangen Jahr musste sie sich der wesentlich stärkeren Kerstin Bertsch geschlagen geben und belegte hinter ihr in 1:33:49 h Platz 2. Diesmal war der Weg zum Sieg für sie frei und die erzielte Endzeit deutlich schneller als vor 12 Monaten. Wie schon ihr Vereinskamerad Peter Hoehne bei den Männern, sicherte sich Julia Franke (TLV-LT Eichenzell) den zweiten Platz bei den Frauen. Für sie wurde eine Endzeit von 1:34:32 h erfasst.
Das Podest bei den Frauen füllte Tamara Schäfer, die gleichfalls wie der Dritte bei den Männern, Jan Schäfer, für TuS Griesheim an den Start gegangen ist. Für sie wurde eine Endzeit von 1:36:54 h gelistet. 32 Frauen und 91 Männer wurden hier im Zieleinlauf erfasst. Das waren insgesamt 12 Personen mehr als im vergangenen Jahr.
Das beliebteste Laufangebot des Tages sah 56 Frauen und 104 Männer im Ziel. Klarer Sieger bei den Männern wurde der vereinslose Hauptklassenläufer Dimitrii Korneev aus Eschborn, der seinen Lauf in 37:46 min. ins Ziel bringen konnte. Auf Platz 2 lief Lennard Herber vom TV Gelnhausen, der nach 38:20 min. zuhause war und damit auch in der Altersklasse MU20 nicht zu schlagen war. Dritter wurde Joachim Heitz aus Künzell, der seinen Lauf mit einer Zeit von 39:29 min. beendete und damit auch in der M30 den Sieg davon trug. Auch die 10-Km-Stecke hatte mit rund 140 Höhenmetern noch ein recht anspruchsvolles Profil vorzuweisen.
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| Dmitrii Korneev aus Eschborn (linkes Foto; 810) dominiert den 10 km Lauf souverän. Der hinter ihm laufende Lennard Herber verliert früh den Anschluss, behauptet aber seinen zweiten Platz sicher | |
Schnellste Frau wurde Antonia Best vom Ski-Club Flieden, die mit ihrer Endzeit von 44:46 min. auch in der weiblichen Hauptklasse zum Sieg kam. Die zweitplatzierte Katharina Schulz (LT Freigericht) kam nach 48:37 min. ins Ziel und war damit auch in der W40 die Nummer 1. Den letzten freien Podestplatz nahm eine Läuferin aus dem Rheinland ein. Raphaela Krapf aus Troisdorf bei Bonn erzielte eine Endzeit von 48:41 min. und kürte sich damit auch zur Siegerin in der W30.
Auch diese Strecke verlief nicht ohne Ecken und Kanten und war ebenfalls von einem sehr welligen Profil gekennzeichnet. Gesamtsieger Maximilian Evert vom TV Petersberg war der einzige im Feld, der die bei ambitionierten Freizeitläufern sehr begehrte 20-Minuten-Schallmauer durchbrechen konnte. Da er nicht nur der Schnellste, sondern auch einer der jüngsten Teilnehmer im Feld war, kam er in einer Zeit von 19:54 min. auch zum Sieg in der MU 18. Schon weit abgeschlagen sicherte sich in 20:46 Lokalmatador Heiko Müller (LT Unterreichenbach) den zweiten Platz sowie den Sieg in der MHK. Der letzte freie Podestplatz ging an Lukas Grohe, der nach 21:46 min. auch den zweiten Platz in der MHK erzielen konnte.
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| Lokalmatador Heiko Müller (vorn) vom LT Unterreichenbach wird 2. auf der 5km Strecke | Lena Enders kürt sich zur Siegerin im 5km Lauf |
Schnellste Frau wurde Hauptklassensiegerin Lena Enders aus Fulda, die ihren Gesamt- als auch Altersklassensieg nach 24:33 min. feiern durfte. Zweite wurde Claudia Lindig vom Team CH20, die ebenfalls der WHK angehört und ihr Rennen nach 26:25 min. beenden konnte. Zoe Dauber vom Wiesbadener Stadtteilclub TV Igstadt füllte das Podium in 26:32 min. und kam dadurch auch in der WJ U18 zum Sieg. 25 Frauen und 34 Männer brachten auf dieser Strecke ihr Rennen erfolgreich zu Ende.
Hier siegte U12-Läufer Julius Ruppert vom gastgebenden LT Unterreichenbach in 7:26 min. souverän. Auf Platz 2 folgte U10-Sieger Felix Arndt vom SSC Hanau-Rodenbach nach 8:13 min. Ebenfalls der U12 gehört Ben Rockensüß (TSV Kirchhain) an, der in 8:17 den dritten Platz belegte.
Bei den Schülerinnen kam U12-Läuferin Luisa Sophie Rettig vom TSV Pfungstadt nach 8:55 min. zum Tagessieg. Zweite wurde Leonie Seibt vom TV Wächtersbach, die ebenfalls der WU12 angehört und nach 9:04 min. zum Silberrang kam. Den Bronzerang sicherte sich Tara Galahn (Spiridon Frankfurt), die mit ihrer Endzeit von 9:30 min. auch den Sieg in der WU 10 mit nach Hause nahm. 11 Mädchen und 13 Jungs waren hier erfolgreich mit von der Partie.
Auch der Bambinlauf fand mit Zeit- und Platzierungswertung statt. Hier waren die Mädchen nicht nur zahlenmäßig den Jungs überlegen. Siegerin wurde Mara Herwig vom LT Unterreichenbach in 1:09 min. vor Lorena Gawal aus Birstein in 1:10 min. Das Podium komplettierte Ylva Siewerth (SV Brachtal) in 1:13 min.
Schnellster Junge war Jan Milosz Usinger vom Laufteam Gelnhausen, der nach 1:27 min. sein Rennen beenden konnte. Zweiter wurde Marlon Köstner in 2:33 min. vor seinem Bruder Leon, der nach 2:36 min. zu Hause war. An diesem Lauf nahmen 6 Mädchen und 3 Jungs erfolgreich teil.
Bei den Walkenden wurden diesmal mehr Männer als Frauen im Zieleinlauf erfasst. 5 Frauen und 9 Männer nahmen an diesem Wettbewerbsangebot teil. Ewald Schuhmacher (Rot-Weiß Altenstadt) walkte hier in 1:12:47 h als Erster durchs Ziel. Ihm folgte Uwe Gippert (Unterzent Läufer Mümlingtal) nach 1:22:23 h auf Platz 2. Den dritten Platz nahm Jürgen Rollmann (LT Unterreichenbach) ein, der mit einer Endzeit von 1:23:06 h das Ziel erreichte.
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| Beim 10 km Nordic Walking Wettbewerb hat Evelyn Schöfer gut lachen. Sie wird schnellste Frau | Sigurd Haarstark (RLT Rodgau) belegt heute bei den Männern den 5. Platz |
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Schnellste Walkerin war Evelyn Schöfer vom SV Niedernhausen, die nach 1:14:09 h den Zielstrich überqueren konnte. Susanne Kopp (TV Steinau LT) kam nach 1:32:38 h auf Platz 2 ins Ziel. Dritte wurde Regina Bleuel aus Fulda, die nach 1:40:34 h zuhause war.
Der veranstaltende LT Unterreichenbach wertete die Veranstaltung als ein Jubiläum, das mit sportlichen Spitzenleistungen, großem Gemeinschaftsgeist und vielen emotionalen Momenten gefeiert wurde, und kam in seiner ersten Presserklärung zu dem Schluss: "Die Mischung aus anspruchsvollen Strecken und familiärer Atmosphäre macht den Südbahnlauf zu einem Erlebnis für Leistungssportler, Freizeitsportler und ganze Familien."
In diesem Sinne: Auf ein Neues, beim 21. Vogelsberger Südbahnlauf im kommenden Jahr.
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Bericht und Fotos von Jörg Engelhardt Ergebnisse my.raceresult.com - Info vogelsbergersuedbahnlauf Zu aktuellen Inhalten im LaufReport HIER |
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