10.7.21 - 6. Ronde des Mouettes á Lauterbourg

Zum Laufen und Staunen nach Frankreich

Verlockendes Angebot rund um den Lauf

von Anette Judith Scholl 

Beim Überqueren der nicht mehr wahrnehmbaren Grenze ins Nachbarland Frankreich merkte man noch nichts davon, aber beim Erreichen des Campingplatzes am Plage des Mouettes im Elsässischen Lauterbourg wurde schlagartig klar: Hier läuft einiges ganz anders. Das Laufevent "Ronde des Mouettes", das bereits seine 6. Auflage erlebte, war "vorbehaltlich der Genehmigungen wegen der COVID 19 Pandemie" ausgeschrieben worden und konnte tatsächlich über die Bühne gehen.

Schöner Veranstaltungsort - Campingplatz des Mouettes im elsässischen Lauterbourg Gestartet wird der Lauf am begrünten Strand von Mouettes de Lauterbourg
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Beim kurzen Fußweg zur Startnummernausgabe roch es nach Bratwurst, die da in verschiedenen Varianten auf dem Grill brutzelte, und beim Passieren des reichlich gefüllten, leckeren Kuchen-Büffets musste man sich zur Ordnung rufen: man war ja nicht zum Schlemmen hierher gekommen, sondern zum Laufen. Die Angabe in der Ausschreibung: "Erfrischungen und Essen vor Ort" war nun wahrlich keine leere Versprechung gewesen.

Bratwürste brutzeln auf dem Grill Umfangreiches und leckeres Kuchenbüffet steht bereit

Spätestens beim herzhaften Duft und Anblick der Flammkuchen, die hier im eindrucksvoll befeuerten Holzofen zubereitet wurden, musste man es als Ansporn nehmen, sich beim folgenden Lauf ordentlich reinzuhängen, um einen triftigen Grund zu haben, die Energiespeicher später wieder zu füllen.

Raymond Basch vom ANA (Alsace Nord Athletisme) Lauterbourg Athletic Club war irgendwie überall gleichzeitig und hatte das Geschehen im Blick und im Griff. Bis heute selbst aktiver Läufer (In Berlin 1996 hatte übrigens bei den Deutschen Marathonmeisterschaften der TV Hatzenbühl mit Willi Urschel 2:32:58, Raymond Basch 2:33:47 und Reinhold Schindler 2:36:33 in der M40 gesiegt.) organisiert er seit vielen Jahren die Laufveranstaltungen des ANA LAC Lauterbourg. Viele kennen noch den 10km Lauf durch Lauterbourg, der früher im Februar stattfand, oder seit einigen Jahren den Crosslauf im November. Auf die Frage, ob diese Ronde des Mouettes in eine Kerwe oder ein Campingplatzfest eingebunden war, weil das Verpflegungsangebot und das Menschenaufkommen so groß war, kam prompt die Antwort: "Aber nein, das machen alles wir! Das wird eigens für den Lauf von unserem Club so aufgebaut und organisiert." Dennoch und trotz allem Bemühen um Normalität war ein Teilnehmerrückgang um ca. 10% gegenüber den früheren "Ronde des Mouettes" zu beklagen, was vermutlich auf den Einfluss der Corona Pandemie zurückzuführen war.

Flammkuchen aus dem Holzofen erfreute sich größter Beliebtheit Zahlreiche helfende Hände auch bei der Startnummernausgabe

Ferner bedauerte Raymond Basch, dass nicht deutlich mehr Läufer*innen aus Deutschland gemeldet waren. "Vor ca. 10 Jahren waren es oft 50% deutsche und 50% französische Läufer. Die Notwendigkeit, ein ärztliches Attest vorlegen zu müssen, hat uns in dieser Hinsicht wirklich geschadet. Wo ist hier Europa, wenn wir uns wegen solcher Reglements nicht auf einem Sportfest treffen können? Die Politiker müssten selbst mehr Sport machen und sich mit den Verantwortlichen der Vereine in Verbindung setzen, bevor sie manche Entscheidungen am grünen Tisch in Paris oder Berlin treffen."

Start und Ziel am Strand von Mouettes de Lauterbourg

Gestartet wurde mit den "Courses Enfants", und zwar um 19.30Uhr mit den jüngsten Schülern und poussins, was so viel heißt wie "Küken", und immerhin waren es vierzig Kinder der Geburtsjahre 2010 oder darunter, die eine 600-Meter-Runde über das Gelände und die Rasenfläche des Campingplatzes drehten, bevor ein Mädchen als Erste durch den Zielbogen lief: Maelys Theraud (Ana RAC Wissembourg) siegte in 2:21min mit einer Sekunde Vorsprung vor den Zwillingen Elisa (2:22min) und Julien Roloff (2:24min) vom gastgebenden ANA Lauterbourg AC.

Der Badesee mit 500 m Sandstrand Start der Jüngsten - Gabriel im Rolli bekommt Vorsprung

Zehn Minuten später starteten die "Benjamins-Minimes", also Jugendliche der Jahrgänge 2006 bis 2009, zu ihren Runden über insgesamt 1800m, und von den 18 Teilnehmer*innen siegte William Huss (ANA SGW) in 7:11min, während das erste Mädchen Lia Lengert (ANA Lauterbourg AC) nach exakt 8:00 Minuten über die Ziellinie lief.

Siegerin auf der 600-Meter-Runde wird Maelys Theraud von Ana Rac Wissembourg Der 1800 Meter Sieger William Huss (Ana Sgw) kurz nach dem Start in Führung

Zum Hauptlauf über 9km um 20 Uhr warteten 180 Läufer*innen bei angenehmen Temperaturen auf den Startschuss. Obwohl die Helfer an der Startnummernausgabe und bei den verschiedenen Essensangeboten einen Mund-Nasenschutz trugen, wurde das den Sportlern nicht abverlangt. Entweder lag es an der Moderation in Französisch oder es wurde nicht dringlich angesagt: der Start erfolgte in lockerer Aufstellung hinter der Startlinie, und es war definitiv nicht so, dass zwischen allen einzelnen Läufer*innen Einmeterfünfzig Platz war. Nettozeitnahme gab es nicht, wobei sich keiner daran zu stören schien, und im Ziel jede/r brav den Scancode auf der Startnummer abscannen ließ. Die Ergebnisse hingen übrigens umgehend aus.

Anspruchsvolle Runde mit Regenguss

Aber so weit sind wir noch nicht, denn zunächst also erfolgte der Startschuss unweit des Strandes, und das Läuferfeld setzte sich in Bewegung, diesmal in die andere Laufrichtung als bei den Kinder- und Schülerläufen. Beginnend auf dem begrünten Strand zwischen Einfahrt und Parkbereich des Campingplatzes wurde zunächst eine kleine Runde gedreht, die entlang eines sattgrünen Maisfeldes und nach zwei Kilometern wieder am Areal des Campingplatzes vorbei und schließlich in das angrenzende Waldgebiet führte.

Hier konnte man zum ersten Mal darüber ins Grübeln kommen, dass der Lauf in einigen Veranstaltungsportalen ausschließlich als "flach" beschrieben wurde, während beim Einlaufen in den Wald der erste kurze, aber starke Anstieg zu nehmen war. "Die Strecke besteht zu 60 % aus sehr gut befahrbaren Wegen und zu 40 % aus Asphalt. Es wird lange schattige Abschnitte geben.", war in einer der spärlichen Streckenbeschreibungen zu lesen, und so war es nun auch auf dem Waldweg - sehr schattig und frisch.

Aus dem Wald kommend fand man sich rasch im Wohngebiet von Lauterbourg wieder, denn am Kurplatz vorbei und durch Lauterbourgs Straßen hatte der Kurs einiges zu bieten. Laufen über Asphalt und teilweise Kopfsteinpflaster wechselten sich ab, wobei der eine oder andere ansteigende Streckenabschnitt und einzelne zackige Kurven es mit sich brachten, dass man Tempo herausnehmen musste, um auf Kurs zu bleiben.

Es gab an mindestens drei Punkten an der Strecke Wasser, das man sich entweder selbst nehmen konnte oder - wie man das kennt - von einem Helfer in Empfang nahm.

Ungefähr 25 Minuten waren seit dem Start vergangen, dann gab's noch Wasser von oben. Was mit einem leichten Nieseln begann, ging in anhaltenden Regen über. Es regnete sich ein, und auf dem Rückweg durch das Waldstück war der Untergrund bereits aufgeweicht und einige rutschige Stellen mit Vorsicht zu genießen. Der Regenguss ließ nicht nach, und im Zielbereich kamen tropfnasse Gestalten an.

"Diese Strecke hat einiges zu bieten! Sie ist ganz schön anspruchsvoll, aber abwechslungsreich! Da haben sie sich echt Mühe gegeben, eine tolle Laufstrecke anzubieten!" wie Dirk Karl (TSV 1886 Kandel) sehr treffend feststellte. Der einsetzende Regen hatte sein Übriges dazu getan, den Schwierigkeitsgrad für die Läufer*innen zu erhöhen. So war trotz des "verkürzten Zehners" bei diesem 9km Lauf keine Siegerzeit unter 30 Minuten zu erwarten. Mit deutlichem Abstand siegte Alexis Huss (ANA FC Haguenau/Iden Squad) in 30:53min, gefolgt von Francois Bauer (Endurance Shop Haguenau) in 31:37min und dreißig Sekunden später dem Dritten Alexandre Klein (Endurance Shop) in 32:04min. Vierter und erster Deutscher wurde Johannes Ullrich (TV Bad Bergzabern) in 32:07min.

Schnellster über 9 km: Alexis Huck Zweiter wird Francois Bauer Auf Platz 3 läuft Alexandre Klein gefolgt vom 4. Johannes Ullrich vom TV Bad Bergzabern

Als erste Frau lief Aude Vollmer (Running Team Schweighouse) nach 35:49min über die Ziellinie. In beachtlichen 37:06min wurde Ruth Jaeger Manatschal (Brumath) zweite Frau, sie ist Jahrgang 1969 und ließ damit einige jüngere Frauen deutlich hinter sich. Dritte wurde in 38:37min Celine Baessler (ANA RAC Wissembourg).

Um 20.10 Uhr hatten sich noch 41 Walker*innen zu ihrer 6,5km Möwen-Runde aufgemacht, und natürlich wurden auch sie vom Regenschauer überrascht.

Aude Vollmer vom Running Team Schweighouse läuft als 1. Frau ins Ziel 2. Frau wird die W50 Siegerin Ruth Jaeger Manatschal Celine Baessler läuft auf Rang 3

Erstaunlich anders

Besonders für die Streckenposten und die zahlreichen Zuschauer waren die einsetzenden Niederschläge kein Vergnügen, während es für die Läufer*innen nicht gar so tragisch war. Auch in Lauterbourg war aufgrund der Corona-Reglements das Duschen nicht möglich, aber die Läufer*innen kamen sowieso ausnahmslos klatschnass ins Ziel. Die Toilettenanlage beim Campingplatz mit zahlreichen sauberen Umkleiden bot genug Raum, sich frisch zu machen und trockene Kleidung anzuziehen.

Susanne Ullrich TV Bad Bergzabern läuft auf Platz 2 der W50 Anette Judith Scholl (grünes Trikot) vom TSV 05 Rot gewinnt die W60. Isabelle Moosbrugger vom Ana Lauterbourg AC neben ihr wird 3. der W50

Immerhin hatte es hier im Elsass sogar Wasserstellen entlang der Strecke gegeben, was bei den Läufen auf deutschem Boden wegen der Hygienebedingungen untersagt war (warum eigentlich genau?). Während die 15 deutschen Starter*innen sich über das Vorhandensein von Getränkestellen wunderten, wunderte sich Raymond Basch darüber, dass es die im Nachbarland aktuell nicht gab. "Läuft da jemand, wenn es bei hohen Temperaturen auf der Strecke nichts zu trinken gibt? Und warum das? Es trinkt doch jeder aus seinem eigenen Becher."

Der Regenschirm als wichtigstes Utensil nach dem Zieleinlauf
Jede Menge Pokale und Preise erwarten die Sieger*innen der einzelnen Kategorien

Als es aufhörte zu regnen, waren die Helfer des ANA LAC sofort zur Stelle und wischten Tische und Bänke trocken. Die Getränke- und Essensausgaben waren stark frequentiert, die Schlange am Flammkuchen-Stand wollte nicht kürzer werden, und in der Dämmerung ließ es sich in geselliger Runde - natürlich mit Abstand - noch gut aushalten. Denn auch das war nun wiederum erstaunlich: Es gab für jede Kategorie eine Siegerehrung, und im Hauptlauf und bei den Jugendläufen wurden auch die Altersklassen geehrt und mit Preisen bedacht. Während die einen sich über einen Pokal freuen konnten, durften andere eine Flasche Wein aus dem Elsass nach Hause tragen.

Siegerehrung inklusive AK Wertung ist hier selbstverständlich Freundliche Foto-Unterstützung gab es vom TV Bad Bergzabern, der unweit der Grenze den Bad Bergzaberner Kurstadtlauf durchführt
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So haben Raymond Basch und sein Team gezeigt, dass es in Zeiten der (hoffentlich ausklingenden) Corona Pandemie auch anders gehen kann, und man Läufer*innen, sowie Freunden und Zuschauern auch unter Hygienebedingungen ein rundum schönes Event bieten kann. Trotz des etwas ungemütlichen Wetters war es offensichtlich, dass dieser Möwen-Badesee wirklich ein idyllisches Plätzchen ist, übrigens mit angeblich mehr als 500 Metern Sandstrand und einer außergewöhnlichen Wasserqualität. Hierher sollte man durchaus wiederkommen, und auf jeden Fall zum 7. Ronde des Mouettes á Lauterbourg im Juli nächsten Jahres.

Bericht von Anette Judith Scholl
Fotos von Anette Judith Scholl, Edith Gärtner, Heidi & Ernst Brauer

Infos analac.wixsite.com/ana-lauterbourg-ac
Ergebnisse www.performance67.com

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