18.7.20 - Bretten Night 52 Ultralauf

TV Bretten veranstaltet den seit Monaten ersten Volkslauf der Region

von Hannes Blank 

Ist das der Anfang vom Ende der Corona-bedingten Laufabsagen in Südwestdeutschland? Mit viel Engagement gelang es dem TV Bretten, seinen Night-52-Ultralauf korrekt durchzuführen. Wenn man nicht auf die kleinen Details sah, konnte man fast glauben, alles sei wieder normal. Die Teilnehmer freuten sich wie Bolle, das Wetter spielte mit.

Hygieneregel-Hinweise für die Night 52 Ultraläufer*innen Helfer legen die Medaillen für die erfolgreichen Night52-Teilnehmer bereit
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Der Night52-Lauf ist ein Ultralauf über 52km Länge, den man alleine oder in einer Dreier-Staffel laufen kann. Start und Ziel ist und war immer im kleinen Stadion des TV Bretten am Rande der Innenstadt.

 

Bretten liegt im Kraichgau - der Lauf führt also (in einer großen Runde) durch diese Hügellandschaft, durch die Orte Sprantal, Knittlingen, Großvillars, Gölshausen und Neibsheim. Normalerweise wird die Night52 zusammen mit dem City Cup durchgeführt, einem klassischen, verwinkelten Altstadtlauf über 5 und 10km. An Start und Ziel am baumbestandenen Teil der Georg-Wörner-Straße ist auch die Übergabe für die 10km-Staffelmannschaften, dort war natürlich die Stimmung immer am besten. Der City Cup war jedoch unter den gegebenen Auflagen nicht zu realisieren.

Banner anklicken - informieren
LaufReport-Info KarlsruheBaden Marathon HIER

Brettener Altstadtflair, hier mit dem Einzel-Drittplatzierten Bart Czulak Die Passage durch die Brettener Altstadt vorbei an zahlreichen Biergärten

Die Verantwortlichen des TV Bretten konzentrierten sich darauf, den Ultralauf möglich zu machen und wurden für die Mühe belohnt: Vier Wochen vor dem geplanten Start bekamen sie das Okay.

 

Die maximal hundert Startplätze waren schnell vergeben, mit 82 Einzelkämpferinnen und Einzelkämpfern und 17 gemeldeten Staffeln waren nie mehr als 100 Teilnehmer unterwegs, außerdem wurde zeitversetzt gestartet. Dass gerade ein Ultralauf in der Region die Volkslauf-Pause unterbricht, ist ein schöner Zufall. Es wird allerdings für eine ganze Weile leider der einzige Volkslauf im Südwesten Deutschlands bleiben. Die Veranstalter der Ende Juli und im August üblichen Läufe haben bereits ihre Veranstaltungen abgesagt.

Banner anklicken & informieren
LaufReport-Info Bottwartal Marathon HIER

Zurück nach Bretten, das oft das Synonym "Melanchthonstadt" bekommt, da der gleichnamige Reformator und Philosoph dort 1497 geboren wurde. Damals nur 300 Bürger stark, zählt die Stadt heute knapp 30.000 Einwohner. Die Kombination Ultralauf und City Cup ist das läuferische Highlight des Jahres in der Stadt, für den Mehrspartenverein TV Bretten ist es ein wichtiges Aushängeschild.

Einzel-Sieger Hannes Jochem (im blauen Trikot) kommt zusammen mit dem Schlussläufer der schnellsten Staffel, Tim Odenwald (rotes Trikot), ins Ziel, auf den letzten Metern von Tim Jochem begleitet Benedikt Rieker auf dem letzten Kilometer, er wird zweitschnellster Einzelkämpfer des Night52 im Jahre 2020 werden Michael Becker freut sich mit Stratnummer 4 über Platz 5 Night52-Ultralaufsieger 2020: Hannes Jochem

Und die Ultraläufer kamen auch 2020 gerne und liefen auch etwa 1 Stunde früher als sonst los. Das hieß jedoch auch, dass die Läufer mehr mit der Sommerhitze zu kämpfen hatten: "Es hat sich unmöglich angefühlt", beschrieb die Anfangsphase Hannes Jochem. Der 37-Jährige, der gerade eine Fortbildung zum Industriekaufmann macht, hatte jedoch fleißig trainiert und kam ausgeruht zum Wettkampf. Bretten bezeichnet er als sein zweites Zuhause, da dort seine Schwiegereltern wohnen. Er wohnt in Berghausen, an der Stadtgrenze zu Karlsruhe: "Das ist ein gutes Trainingsrevier für einen hügeligen Ultralauf", so Jochem. Schließlich wurde es nach 3:41:29h ein klarer Start-Ziel-Sieg für ihn vom Lauftreff "Chicken Express", der im Vorjahr gemeinsam mit Stefan Fritz als Siegerduo in fast genau derselben Zeit die Ziellinie überquert hatte.

Ioanis Papadopoulos lief sowohl Etappe 2 als auch Etappe 3 für den "Laktatexpress" Anja Karau führt die Einzelkonkurrenz bei den Frauen an, als sie ins Stadion kommt ... ... und ist auch auf der Ziellinie noch vorne

Den zweitplatzierten Benedikt Rieker (LSG Weiher) plagten schon nach 26 der 52 Kilometer Krämpfe in den Beinen, aber er hielt durch und kam nach 4:12:31h im Stadion des TV Bretten an. Dritter wurde in 4:27:42h Bart Czulak vom TriTeam der Stadtwerke Mühlacker, der sich damit erheblich verbesserte und zum echten Langstreckenläufer reifte. Der 36-Jährige war im Vorjahr Dritter beim Brettener City Cup über 10km geworden.

Bei den einzelstartenden Frauen wurde es spannender als bei den Männern, nachdem Sybille Mai von der TG Viktoria Augsburg in der Schlussphase des Rennens bis auf etwa zwei Minuten auf die Führende Anja Karau aufgelaufen war. Doch Karau hielt ihr Tempo bis ins Ziel hoch genug, um Mai auf Distanz zu halten. "Ich wollte konstant durchlaufen", so die Schwäbin vom LAV Stadtwerke Tübingen. Nach 4:36:31h blieb die Uhr für die Mutter zweier Töchter stehen, die Fränkin Mai brauchte nur 1:48min länger. Dritte wurde Diana Peukert, von der im Ziel zunächst Gerüchte herumschwirrten, es gehe ihr gar nicht gut auf der Strecke. Doch wie das so ist in einem langen Ultralauf, es kann sich vieles ändern. Peukert kam recht frisch nach 4:48:07h an, sie startete für die Triathlon-Abteilung des TV Bretten.

Die Ultralauf-Zweite Sybille Mai kam zum Schluss stark auf, aber ganz nach vorne reichte es nicht Begrüßung mit Fist Shake für die Einzel-Dritte Diana Peukert durch Armin Schulz vom Orga-Team des TV Bretten

Es war die Brettener Triathlon-Gruppe, die außerdem sowohl das schnellste Männer- als auch die schnellste Frauen-Trio in diesem Jahr stellte: Für Andy Diehlmann, Tim Odenwald und Nils Lorenz war die erfolgreiche Teilnahme ein wenig ein Ausgleich dafür, dass sie diesen Sommer keinen einzigen Triathlon bestreiten konnten. Das Trio der jungen Athleten brauchte nur 3:35:50h für die 52km, wegen der zeitversetzten Starts kam Schlussläufer Tim Odenwald fast gleichzeitig mit Hannes Jochem ins Ziel. Auch Staffel-Platz 2 ging an den TVB.

Die schnellste Staffel (v.l.n.r.): Nils Lorenz, Tim Odenwald und Andy Diehlmann, TV Bretten Triathlon Schon auf Staffelplatz 3 kam das schnellste Mixed-Trio ins Ziel (v.l.n.r.): Ralf Kohler, Christine Hauser und Erik Burkart

Die Frauen-Staffel des TV Bretten hatte sich nach ihren Angaben einiges vorgenommen, war von ihrem Sieg in 4:06:55h aber dann doch "positiv überrascht", wie es Schlussläuferin Katharina Link beschrieb. Vor ihr hatten Finnja Ernstberger und Anna-Leah Pflaum die Grundlage für den Erfolg geschaffen.

Bei zunehmend mehr Teilnehmern, Betreuern und Staffelläufern gab es im Stadionrund eine kleine Feier mit den Teilnehmern. Nach rund 7 Stunden war mit dem Frankfurter Klaus-Peter Roth der letzte Teilnehmer im Ziel. 68 Einzelkämpfer- und Einzelkämpferinnen schafften die 52 km, außerdem alle Staffeln. Wie in den Vorjahren gab es beim Einlaufen in das Stadion wieder ein kleines Feuerwerk für die beiden Einzelsieger.

Auch Platz 2 bei den Staffeln ging an den TV Bretten (v.l.n.r.): Philipp Kühnle, Helmut Emrich und Thomas Fritsche Der TV Bretten stellte mit (v.l.n.r.) Katharina Link, Finnja Ernstberger und Anna-Leah Pflaum auch die schnellste Frauen-Staffel
Ausführliche und einladend präsentierte Laufankündigungen im LaufReport HIER

Wie sehr schmerzte der Verlust des City Cups den TV Bretten. Simon Jung aus dem Organisationsteam machte Hoffnung: "Den City Cup könnte man vielleicht im Oktober nachholen".

Bericht und Fotos von Hannes Blank

Ergebnisse night52.de

Zu aktuellen Inhalten im LaufReport HIER

LaufReport ist für Leser gratis. Finanzierbar werden die Reportagen dank der eingefügten Bannerwerbung.
Hier im Überblick alle Werbeflächen dieses Beitrags im Miniaturformat direkt zum Anklicken:

© copyright
Die Verwertung von Texten und Fotos, insbesondere durch Vervielfältigung oder Verbreitung auch in elektronischer Form, ist ohne Zustimmung der LaufReport.de Redaktion (Adresse im IMPRESSUM) unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urhebergesetz nichts anderes ergibt.

Datenschutzerklärung