27./28.7.19 - 31. Int. Schlickeralmlauf in Telfes/Stubaital

Streckenrekordler gewinnen souverän - auch ohne neue Rekorde

Deutsche Bergläufer behaupten sich gegen internationale Konkurrenz

von Axel Künkeler 

Informationen zum Lauf 2020 - siehe Ankündigung im WO LÄUFT`S WIE?

Telfes (Stubaital). Die Österreicherin Andrea Mayr und Petro Mamu aus Eritrea haben den 31. Internationalen Schlickeralmlauf gewonnen. Die beiden Streckenrekordhalter gewannen die Langdistanz über 11,5 Kilometer und 1100 Höhenmeter von Telfes auf das 2136 Meter hohe Kreuzjoch ganz souverän - auch ohne neue Bestzeiten aufstellen zu müssen. Mamu gewann in 56:06 Minuten mit über einer Minute Vorsprung vor seinem Landsmann Filmon Abraham (57:14) und dem Vorjahreszweiten Timothy Kiriu (58:03) vom österreichisch-kenianischen Team Run2gether.

Das Ski- und Wandergebiet Schlick 2000 ist das Revier des Schlickeralmlaufes: von Telfes durchs Plövener Loch zum Panoramasee, weiter über Schlicker- und Zirmachalm hoch aufs Kreuzjoch. Die Kurzstrecke führt von der Bruggeralm über den Scheibenweg und den Naturlehrweg ebenfalls hoch zur Bergstation auf 2136 Meter
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Noch unter einer Stunde blieben Manuel Innerhofer (LC Oberpinzgau/58:42) als Vierter, der Sieger der Jahre 2011, 2017 und 2018, der Kenianer Geoffrey Ndungu (Run2gether/59:24) und Thomas Roach (SK Rückenwind Innsbruck), der in 59:33 Minuten Gesamt-Sechster und gleichzeitig Tiroler Berglaufmeister wurde. Als erster jenseits der Ein-Stunden-Marke folgte der schnellste Deutsche, Benedikt Hoffmann von der TSG Heilbronn. Der 34-Jährige, der drei Wochen zuvor noch den Zermatt-Marathon gewinnen konnte und sich auf die Langdistanz-Berglauf WM vorbereitet, wurde in 1:01:24 h Gesamt-Siebter der 115 männlichen Finisher.

Für die Aktivurlauber im Stubaital, ob Runner, Hiker oder Biker, bietet die Hotellerie, wie das Sporthotel Cristall in Fulpmes, ein gutes Basislager Beliebtes Ausflugsziel für MTBler und Wanderer ist die Starkenburger Hütte auf 2236m. Die 1900 von der DAV Sektion Darmstadt-Bergstraße erbaute Hütte ist erste oder letzte Station bei einer Hüttenwanderung auf dem Stubaier Höhenweg

Neunter wurde der Vorjahres-Dritte Isaac Kosgei in 1:03:43h. Der inzwischen 38-jährige Wahl-Österreicher mit kenianischen Wurzeln, seit vielen Jahren gern gesehener Stammgast beim Schlickeralmlauf und oft für eine vordere Platzierung gut, hatte 2018 noch unter einer Stunde gefinisht. Diesmal hat Isaac Kosgei mit dem Kampf um die Podestplätze aber nichts zu tun.

Für den Chef-Organisator des Schlickeralmlaufes Andreas Stern ist das Mitlaufen Ehrensache. "Andi" kümmert sich nicht nur theoretisch drum, dass alles klappt, auch praktisch packt er mit an, ob beim Aufbau, zwischendurch und auch noch beim Abbau nach der Veranstaltung. Als wahres Energiebündel, stets gut gelaunt, läuft er schon samstags beim Benefizlauf mit für die gute Sache. Und beim Hauptlauf am Sonntag zeigt er seine sportliche Stärke am Berg: in einer sehr guten Zeit von 1:12:06 h wird Andreas Stern Gesamt-18., seine Altersklasse M55 gewinnt er damit souverän.

Telfes, das "Sonnendorf des Stubaitales", ist Veranstaltungsort des Schlickeralmlaufes OK-Chef Andreas Stern (453) läuft für den guten Zweck beim Benefizlauf selbst mit

Das Renngeschehen des Schlickeralmlaufes diktiert dagegen Petro Mamu, der sich gleich zu Beginn an die Spitze des Feldes setzt. Lediglich sein eritreischer Laufkollege Filmon Abraham kann zunächst noch das Tempo mitgehen. Das Duo übernimmt nach dem Start um 10 Uhr auf dem Dorfplatz des Stubaier Sonnendorfes Telfes gleich die Führung.

Michael Gstrein, Pressesprecher des Stubaier Tourismusverbandes ist als Fotograf mit dem Fahrrad an der Strecke Nach den Kinderläufen und dem Benefizlauf geht's am Samstag mit dem Telfer Wiesen Run sportlich weiter

Obwohl von Sonne diesmal nicht wirklich die Rede sein konnte, da der Hitze-Sommer auch in Tirol eine Pause einlegte. Aber Petrus hatte ein Einsehen mit den Läufern, der angekündigte Dauerregen blieb zumindest während der Läufe ebenso aus. So herrschten bei Temperaturen knapp unter zwanzig Grad nahezu ideale Lauf-Bedingungen. Schon im ersten Anstieg durch die Telfer Wiesen, weiter durchs Plövener Loch und vorbei am Panoramasee zur Schlickeralm liefen die beiden Eritreer fast im Gleichschritt vorneweg.

Schon im ersten Anstieg aus den Telfer Wiesen formierte sich die Spitze mit Petro Mamu vorne weg Und bei den Frauen setzte sich hier schon Andrea Mayr von ihren Konkurrentinnen ab

"Ich laufe am liebsten mit Freunden zusammen", erklärte Mamu im Ziel. Als er jedoch merkte, dass Abraham seinem Tempo nicht folgen konnte, setzte er sich im Schlussanstieg über vier Kilometer und 500 Höhenmeter problemlos ab. An seinen Grenzen schien er selbst nach dem 30-prozentigen Zielhang nicht zu sein. Dort bestaunten zahlreiche begeisterte Zuschauer die Ankunft der Läufer am Gipfelplateau des Kreuzjoch, das seit der Berglauf-Masters WM 2014 beziehungsweise der Generalprobe im Jahr davor das Zielareal darstellt. In der wechselvollen, mehr als drei Jahrzehnte langen Geschichte war zuvor das benachbarte Sennjoch das Ziel des traditionellen Berglaufes. Bei Schlechtwetter-Einbrüchen oder Muren-Abgängen auch schon mal die Zirmachalm oder die Schlickeralm.

Bis zur Schlickeralm bildeten Petro Mamu und sein Landsmann Filmon Abraham das Führungs-Duo Hinter den beiden Läufern aus Eritrea folgt der Kenianer Timothy Kiriu als Dritter. Am Panoramasee feuerten etliche Zuschauer die Läufer an Im letzten Drittel der Strecke setzte sich Petro Mamu deutlich ab

In den letzten Jahren gab es jedoch mindestens eine weitere Konstante: wenn Andrea Mayr beim Schlickeralmlauf antritt, dann gewinnt sie die Frauen-Konkurrenz - meist mit deutlichem Vorsprung. Im Vorjahr waren es sieben Minuten vor der Zweiten Michelle Maier (Rosenheim), diesmal "nur" fünf! Wie Mamu hatte sich auch Mayr schnell von ihren 40 Konkurrentinnen abgesetzt und lief die ganze Strecke alleine Richtung Ziel. Erst auf den letzten 100 Metern war ein treuer Begleiter an ihrer Seite - ihr Hund freute sich mit "Frauchen" über den erneuten Sieg am Kreuzjoch! In 1:04:08 h erreichte Andrea Mayr als Gesamt-Zehnte (nur neun Männer waren schneller!) und als erste Frau das Ziel.

In die Phalanx der Afrikaner schiebt sich der Österreicher Manuel Innerhofer Dann folgt schon wieder der nächste Kenianer, Geoffrey Ndungu Sechster wird mit Thomas Roach ein weiterer Österreicher Benedikt Hoffmann folgt als bester Deutscher auf Rang sieben

Zweite wurde Silvia Schwaiger vom SK Rückenwind Innsbruck, die sich in 1:09:17 h zudem den Titel einer Tiroler Berglaufmeisterin holte. Auf Platz drei landete die Kenianerin Purity Gitonya (1:10:26/Run2gether). Dann folgte mit der 22-jährigen Sarah Kistner (MTV Kronberg/1:12:08) schon die schnellste Deutsche vor der 2015-Siegerin Susanne Mair (1:15:54/Union Raika). Der 18-jährigen Juniorin Lina Kronschnabl (1:20:28) vom Schliersee und der zwanzigjährigen Lena Ritzel (1:20:44) vom VfL Marburg gelang als Achte und Neunte ebenfalls noch der Sprung in die TopTen. Damit behaupteten sich erneut drei deutsche Frauen gegen starke internationale und österreichische Berglauf-Konkurrenz.

Im Zielhang wird Frauen-Siegerin Andrea Mayr von ihrem Hund begleitet Erst fünf Minuten später folgt die zweite Frau: die Österreicherin Silvia Schwaiger Die Kenianerin Purity Gitonya wird dritte Frau… … vor der besten Deutschen, Sarah Kistner auf Rang vier

Auf der Kurzstrecke über 7,5 Kilometer und 786 Höhenmeter, die zum zweiten Mal von der Mittelstation Froneben bis zur Bergstation der Kreuzjochbahn führte, gelang einer deutschen Bergläuferin sogar der Sieg. In 49:42 Minuten gewann die 25-jährige Anna-Lena Stich (PTSV Rosenheim) vor den beiden Österreicherinnen Katharina Götschl (52:08 Min.) und Claudia Soratori (54:43 Min.). Bei den Männern verhinderte der Österreicher Lukas Hangl als Zweiter in 43:46 Minuten den kompletten Triumph der Schweizer Familie Näff. Noe Näff gewann in 43:31 Minuten, Dritter wurde Buolf Näff (44:22) und Vierter Isai Näff (44:37).

Fünfte wird die Siegerin von 2015, Susanne Mair Die 18-jährige Juniorin Lina Kronschnabl vom Schliersee wird Achte Mit Lena Ritzel (VfL 1860 Marburg) finisht eine weitere Deutsche in den Top Ten

Insgesamt nahmen dreißig Männer und 19 Frauen am Schlickeralmlauf-Short teil. Dazu kamen 14 Finisher der Kategorien U16, M/W75 sowie M80, für die erstmals eine eigene Kurz-Strecke von der Zirmachalm (1936m) aufs Kreuzjoch (2136m) angeboten wurde. Damit verzeichnete der 31. Schlickeralmlauf mit 208 Finishern "über alles" wieder eine erfreulich hohe Resonanz. Zudem hatten an den traditionellen Rahmenwettbewerben, den Kinderläufen und dem Telfer Wiesen Run am Tag zuvor (27. Juli) schon mehr als hundert Kinder und knapp 80 Erwachsene teilgenommen.

Auch beim Zipfer Benefizlauf wurde wieder "großartig mitgemacht", wie Michael Gstrein vom Tourismusverband Stubai feststellte. Runde für Runde wurden Spendengelder für einen guten Zweck von den fast 150 Teilnehmern erlaufen. So kamen 1050 Euro für den Sozialsprengel Stubai und den Vinzenzverein Telfes zusammen. Zuvor hatten bereits 102 Kinder in den sechs verschiedenen Altersklassen der ASVÖ-Kinderläufe auf Strecken von 300 bis 2400 Meter das Schlickeralmlauf-Wochenende eröffnet.

Die Gastgeber stellten naturgemäß das größte Laufteam beim Start zur langen Strecke am Sonntagmorgen am Telfer Dorfplatz

Den Abschluss des ersten Tages bildete nun schon zum fünften Mal der Telfer Wiesen Run. An dem Lauf über acht Kilometer und 180 Höhenmeter durch die Telfer Wiesen nahmen diesmal 74 Finisher teil. Von den 27 Frauen war Victoria Pranger aus dem Wipptal in 38:57 Minuten die Schnellste. Die Deutsche Maryam Mayer (41:14) vom TSV Wolfratshausen holte sich wie schon im Vorjahr Platz zwei, während 2018-Siegerin Anita Siller vom SV Telfes mit einer Zeit von 41:51 Minuten auf Platz drei kam.

Bei den Männern konnte der 33-jährige Marco Kraißer dagegen seinen Titel verteidigen. Als einziger der 47 Finisher blieb er unter 30 Minuten, gewann in 29:43 Minuten relativ klar vor dem fünf Jahre jüngeren Christoph Zulechner (30:28) und dem 39-jährigen Roman Gredler, der in 30:38 Minuten -ebenfalls wie 2018- Rang drei belegte.

Der Sieger des Telfer Wiesen Run, Marco Kraißer, bleibt als einziger unter 30 Minuten Zweiter wird Christoph Zulechner… … dicht gefolgt von Roman Gredler Bei den Frauen bleibt Victoria Pranger als einzige unter 40 Minuten und gewinnt klar… … vor der Zweiten Maryam Mayer, die sich wiederum nur knapp ... … vor der dritten Frau Anita Siller behaupten kann

Und auch schon am Samstag hatte Petrus ein Einsehen. Sowohl die Kinderläufe, Benefizlauf wie auch der beliebte Telfer Wiesen Run wurden bei trockenen Verhältnissen ausgetragen. Geregnet hat es trotzdem am Wochenende im Stubaital: vor und zwischen den Läufen und direkt danach am Samstagabend. Nach dem Schlickeralmlauf am Sonntagnachmittag setzte sogar Dauerregen ein. Die Stubaier scheinen also einen besonders guten Draht nach oben zu haben, wenn sogar Petrus sich an den Zeitplan des Schlickeralmlauf-Wochenendes hält!

So konnten denn Andreas Stern, seine zahlreichen Mitstreiter vom SV Telfes sowie Michael Gstrein vom Tourismusverband sehr zufrieden sein. Sportlich und organisatorisch lief wieder alles bestens für den ausrichtenden Verein. Und für die Touristiker war der Event erneut eine hervorragende Image-Werbung für Aktiv-Urlaub im Stubaital. Ob Skifahren im Winter oder eben Running, Hiking oder Biking im Sommer - das Tal und die Stubaier Berge bieten dafür beste Voraussetzungen.

Siegerin der Kurzstrecke wird Anna-Lena Stich vom PTSV Rosenheim Erneut stark am Berg: Chef-Organisator Andreas Stern gewinnt die M55 auf der Langstrecke Petra und Thomas Arnold aus dem unterfränkischen Hösbach "beamten" sich in 2:03 Stunden über die Langstrecke von 11,5 km mit 1100 Höhenmetern
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Und die Hotellerie, wie das Sporthotel Cristall in Fulpmes sowie zahlreiche weitere Häuser, vom Gasthof und der Pension bis zum Vier-und Fünf-Sterne-Hotel bietet gute Basislager für all diese sportlichen Aktivitäten. Schon jetzt freuen sich die Stubaier aufs nächste Jahr, wenn der SV Telfes, wie zuletzt 2014, wieder Ausrichter der Berglauf Masters WM sein wird. Dann hat allerdings der internationale Renn-Kalender Vorrang: der Schlickeralmlauf 2020 rückt vom traditionellen Termin Ende Juli ab, wird mit der Masters WM am ersten Wochenende (4.-6.) im September ausgetragen.

Bericht und Fotos von Axel Künkeler

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Ergebnisse www.stubai.at/schlickeralmlauf

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