27.06.25 - 38. Sandhofer Straßenlauf (Mannheim-Sandhofen)Da weiß man was man hat |
| von Marcus Imbsweiler |
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Informationen zum Lauf 2026 - siehe Ankündigung im WO LÄUFT`S WIE? |
Kleine persönliche Anmerkung vorweg: In Sandhofen war ich schon ziemlich oft am Start, wohl an die zehn Mal, auch berichtet habe ich mehrfach von dort, beginnend 2010. Damals wurde noch auf einer 5 km-Runde gelaufen, wahlweise ein oder zwei Mal, und Martin Beckmann schraubte den Streckenrekord über 10 km im Alleingang auf 29:58 min.
Über 5 km siegte bei den Frauen die 17-jährige Fabienne Amrhein. Auch sie ist mittlerweile Rekordhalterin über 10 km; unter dem Namen Königstein lief sie 2024, also 14 Jahre später, eine 34:38.
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| Fast schon Kult, die letzten Meter auf Sand, auch für Schülerinnen und Schüler | Zieleinlauf bei tiefstehender Sonne | |
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Ausführliche und einladend präsentierte
Laufankündigungen im LaufReport HIER
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Insofern darf es nicht verwundern, wenn für mich der Name Sandhofen vor allem für Kontinuität steht. Ein Straßenlauf, der in diesem Jahr seine 38. Austragung feiern konnte, der mit einer reibungslosen und immer sehr persönlichen Organisation prunkt, bei dem man schlichtweg weiß, was man hat. Natürlich gab es im Lauf der Zeit einige Änderungen, an erster Stelle natürlich die Verlegung des Termins vom März in den Juni, vom Samstag auf einen Freitagabend. Und damit einhergehend die Konzeption einer neuen Strecke, die nicht mehr durch den Ort führt, sondern weiter nach Norden, über die A6 hinaus. Ausschlaggebend hierfür waren zusätzliche Auflagen seitens der Stadt sowie die Tatsache, dass es immer schwieriger wird, freiwillige Helfer und Helferinnen zu finden, wie Udo Gessel vom ausrichtenden SKV Sandhofen betont. Und der kompakte Zeitplan, vom Start des Schülerlaufs um 19:30 Uhr bis zum Ende der Siegerehrung vor 22 Uhr, hat der Veranstaltung nur gut getan.
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| Ordentlich was los in Sandhofen | Stark vertreten in Sandhofen: die Einhorn Runners von der anderen Rheinseite |
Aber nun zu den Läufen. Kontinuität auch beim Schülerlauf über 1,3 km rund um den Sportplatz Riedlach: Wie im letzten Jahr siegte Laurin Vincent Sticha von der LG Rülzheim. Mit elf Jahren immer noch einer der Jüngeren im Feld, steigerte er sich in 4:41 min. gegenüber 2024 um zwei Sekunden. Fabian Krizak und Philipp Jüttner, beide vom heimischen SKV Sandhofen, folgten fast gleichzeitig in 4:56 min. Schon auf Gesamtplatz 5 das schnellste Mädchen: Emily Lösch (TV Lampertheim), Jahrgang 2013, in 5:10 min., gefolgt von ihrer Teamkollegin Lucy Dickerhof (5:45) und Liah Thomer (SKV Sandhofen, 5:49). Exakt 50 Jungs und Mädchen verzeichnet die Ergebnisliste von br-timing im Ziel.
Um 19:45 Uhr dann der Startschuss für den 10 km-Lauf. Bei hohen Temperaturen und fordernder Schwüle, aber ohne den sonst allgegenwärtigen Wind vom Rhein her gingen deutlich über 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die Strecke (im Ziel 431, davon 167 Frauen). An der Spitze formierte sich mit David Taylor (Clapham Chasers), Norman Korff (MTG Mannheim) und Massimiliano Bezzon (TSG 78 Heidelberg) rasch eine Dreiergruppe, während mit Alicia Koßmann (SG Leutershausen) und Leonie Gieser (LCO Lorsch) auch die zwei schnellsten Frauen lange gleichauf lagen.
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| Jetzt nur noch die Stadionrunde: Jasmin Hahn (TSG Maxdorf) | Harald Benz vor Ingo Winkler | Christine Schenk-Franke vor W70-Siegerin Kopej Tokpetova |
Entschieden wurden beide Rennen kurz nach der Streckenhälfte. Vorne war es zunächst der Brite Taylor, der sich allmählich von seinen Begleitern absetzte. In 33:18 min. hatte er schließlich 10 bzw. 24 Sekunden Vorsprung auf Bezzon und Korff. Taylor stammt aus London (Clapham ist ein südlicher Stadtteil), lebt seit anderthalb Jahren in Plankstadt und arbeitet für das britische Verkehrsministerium. In jungen Jahren lief er die 800m unter zwei Minuten. Mittlerweile macht er auch Triathlon und ist mit einer deutschen Triathletin verheiratet. Sandhofen war sein erster Start bei einem Rennen in der Region - aber sicher nicht sein letzter.
Platz 2 war in italienischer Hand: Massimiliano Bezzon lebt für zwei Jahre in Deutschland, um seinen Master in Physik zu machen. Er stammt aus der Nähe von Padua und hat sich der TSG 78 Heidelberg angeschlossen. 2024 verpasste er den Sieg beim Hockenheimringlauf in 32:20 min. nur knapp, war danach aber lange verletzt. Der Drittplatzierte Norman Korff ist in der Region als Dauergast auf den Siegerpodesten bekannt: Kürzlich erst gewann er den Sommerlauf in Edingen-Neckarhausen, beim Team-Lauf im Rahmen des Heidelberger Halbmarathons war er Zweiter.
Hinter dem Trio tat sich eine ordentliche Lücke auf, bevor mit Robin Soppa (35:19) ein vereinsloser Läufer folgte. 36:19 min. wurde für Tobias Balthesen, den Sieger der M40, notiert; die M60 gewann wie im Vorjahr Achim Schuhmacher (LAZ Mosbach-Elztal, 43:27), die M70 Berthold Mehlmann (stimmel sports, 51:03). Und in der M80, unverwüstlich wie immer: Wolfgang Decker vom LT Karlstern in 62:17 min.
Bei den Frauen fiel die Entscheidung ebenfalls kurz nach km 5. Als die Heidelberger Dreiergruppe, an die sich Koßmann und Gieser gehängt hatten, auseinander fiel, machte sich die Nichte des Laufbekleidungsherstellers André Koßmann mit einem Begleiter auf und davon. In 37:07 min. war sie zwar deutlich langsamer als letztes Jahr, aber da gab es ja kein Vorbeikommen an Fabienne Königstein. Außerdem sparte sie auf den Schlusskilometern noch ein paar Körner, schließlich stehen am Sonntag die 5000m bei den Süddeutschen in St. Wendel an. Und wer jetzt denkt, das sei doch zu viel an Wettkämpfen für ein Wochenende, der kennt den Terminplan von Alicias Freund Jonas Uster nicht: Mittwoch Sieg beim Darmstädter Stadtlauf, Donnerstag Firmenlauf in Mannheim, Sonntag Triathlon in Trebgast. Auf die Titelverteidigung in Sandhofen verzichtete der Sieger von 2024 daher, war aber zum Anfeuern am Streckenrand.
Auch Leonie Gieser plant eine Doppelbelastung: Sie hat für den Stadtlauf in Dieburg am Samstag gemeldet. Bis gut einen Kilometer vorm Ziel blieb sie noch in Sichtweite von Koßmann und nahm dann deutlich Tempo raus. Aber auch vorher hatte sie das Gefühl, dass ihre Konkurrentin jederzeit noch zulegen könne. Während Koßmann zuletzt in Pfungstadt mit 4:29 min. über 1500m glänzte und über 5000m eine sub 17 anpeilt, liegen Giesers Stärken eher auf den längeren Strecken. Beim Heidelberger Halbmarathon wurde sie starke Fünfte, ansonsten peilt sie den Marathon in Berlin an.
Dass ihr die vereinslose Julia Sydow Platz 2 fast noch weggeschnappt hätte, zeichnete sich lange nicht ab. Die 36-Jährige aus dem Raum Stuttgart lief ein äußerst gleichmäßiges Rennen und arbeitete sich dabei Platz für Platz nach vorne. Früher Triathletin, legte sie wegen Kindern und Corona eine mehrjährige Wettkampfpause ein, hat aber mit den Halbmarathons in Karlsruhe und Dresden wieder konkrete Zukunftspläne. In 37:59 min. kam sie Gieser tatsächlich noch auf zwei Sekunden nahe.
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| Auch ihr seid Sieger: einige vom Orgateam des SKV Sandhofen, 4. von rechts Udo Gessel |
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Wie bei den Männern waren die drei auf dem Podium unangefochten; Saskia Bausch (MTG Mannheim, 41:39) und Marie Arnolds (42:17) folgten auf den Plätzen 4 und 5. Erwähnenswert auch hier wieder die Altersklassensiege: die 15-jährige Nina Neumann (43:53) in der U18, Astrid Eisenbarth (TSG Eisenberg, 44:34) in der W50, Johanna Bieneck (46:47) in der W40. Und nur 33 Sekunden hinter der W60-Siegerin Annette Winkler (DJK Käfertal-Waldhof, 57:10) lief schon die schnellste der W70 ein, Kopej Tokpetova von der Gazelle Pforzheim.
Also: nicht alles, aber vieles wie immer im Mannheimer Nordwesten. Bei der Siegerehrung wies Udo Gessel nachdrücklich darauf hin, dass es in Zeiten steigender kommunaler Auflagen und ausgefeilterer Sicherheitskonzepte für kleine Vereine keine Selbstverständlichkeit ist, einen Lauf mit einem halben Tausend Teilnehmern und noch mal so viel Publikum auf die Beine zu stellen. Sein Dank ging daher nicht nur an die vereinseigenen Helferinnen und Helfer, sondern auch an den Sponsor engelhorn sport, der die Siegerpreise in Form von Gutscheinen stellt und für die Einbettung des Laufs in den beliebten Laufcup sorgt - und zwar schon seit Jahrzehnten. Auch das sorgt für Kontinuität.
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Bericht und Fotos von Marcus Imbsweiler Ergebnisse www.br-timing.de Zu aktuellen Inhalten im LaufReport HIER |
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