1.5.26 - 59. Sachsenhausen-Gedenklauf in OranienburgLaufen gegen das Vergessen |
| von Jörg Engelhardt |
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Oranienburg, 35 Kilometer nördlich von der Bundeshauptstadt Berlin entfernt, ist weltweit vor allem durch das in seinem Stadtteil Sachsenhausen liegende Konzentrationslager, in dem mehr als 40.000 Menschen aus politischen oder auch rassistischen Gründen ihr Leben verloren, zu trauriger Berühmtheit gelangt. Selbst nach der Befreiung durch die sowjetische Armee wurden, als die nationalsozialistische Diktatur längst zerschlagen war, zwischen 1945 und 1950 von der sowjetischen Besatzungsmacht Menschen aufgrund ihrer oppositionellen Haltung zum sozialistischen Wirtschafts- und Gesellschaftssystem interniert und gewaltsam festgehalten. Einige dieser erst nach Ende der Nazi-Zeit Inhaftierten verloren dabei ebenfalls ihr Leben. Wie viele es genau waren, steht jedoch nicht fest, weil man sogar nach Gründung der DDR von Seiten der Partei- und Staatsführung alles unternommen hat, um diesen Umstand nicht an die Öffentlichkeit zu bringen und bestmöglich zu vertuschen. |
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| Die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers wird von den Teilnehmenden der Läufe über 7,5 km und 15 km umrundet | |
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Begründet wurde der Lauf von der staatlichen Administration der ehemaligen DDR, aber nicht nur um den Opfern der nationalsozialistischen Gewaltdiktatur zu gedenken, sondern auch um sich selbst, als den politisch besseren von zwei deutschen Staaten, darzustellen. In den Anfangsjahren wurden deshalb einige der besten Läuferinnen und Läufer der damaligen DDR in die Kreisstadt an der Havel gerufen, mit dem politischen Auftrag, dort möglichst Spitzenleistungen abzurufen, was ihnen der mündlichen Überlieferung nach meistens auch gelang. Leider gibt es hierfür keine offiziell archivierten Aufzeichnungen, so dass sich zu diesem Thema nichts Weiteres sagen lässt. |
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Bis zum Ende der DDR, im Oktober 1990, blieb der Lauf eine Anlaufstellte für die schnellsten Langstreckenläuferinnen und Läufer aus dem untergegangenen deutschen Teilstaat.
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| Der Lehnitzsee zählt zu den schönsten Natursehenswürdigkeiten der Stadt Oranienburg | Der Oranienburger Judo Club war in großer Anzahl und mit guten Ergebnissen bei den Nachwuchsläufen vertreten |
Dass es die Veranstaltung nach dem Ende der DDR immer noch gibt, ist dem Umstand zu verdanken, dass der Kreissportbund Oberhavel in Kooperation mit dem Landkreis Oberhavel und der Stadt Oranienburg diesen Lauf niemals aufgegeben hat.
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Das Gedenken an die Opfer von politisch-motivierter Gewalt an diesem Ort sollte auch der Nachwelt ins Bewusstsein gerückt werden. In der langen Geschichte dieses Laufes waren verschiedene Ausrichter mit der Durchführung dieses Volkslauffestes beauftragt. Seit nunmehr 20 Jahren ist das Team Oberhavel e.V. aus Kremmen für die organisatorische Durchführung verantwortlich. Jörg Bartz, Vorsitzender des Vereins, der in drei Wochen mit dem Kremmener Spargellauf bereits das nächste Laufereignis organisiert, zog am Ende der Veranstaltung ein positives Fazit: "Wir haben wieder mehr Teilnehmer als im vergangenen Jahr und auch sonst sind wir mit dem Ablauf wieder sehr zufrieden. Wir haben über 700 Läuferinnen und Läufer im Ziel, das ist noch mal eine große Steigerung im Vergleich zum letzten Jahr." |
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Wie in jedem Jahr gab es vor dem ersten Lauf eine Eröffnungszeremonie mit klassischer Musik, die von der Jugendmusikschule Oberhavel zu Gehör gebracht wurde. Eingebettet darin gab es kurze Grußworte von Oranienburgs Bürgermeisterin Jennifer Collin-Feeder, sowie Alexander Tönnies (Landrat des Landkreises Oberhavel), der später selbst mitlief. Als Musik und Grußbotschaften beendet waren stiegen zahlreiche Tauben in die Luft. Um den dauerhaften Willen nach Frieden und Freiheit zum Ausdruck zu bringen. Anschließend wurde gelaufen. Es standen 6 Laufwettbewerbe und eine Walking/Nordic-Walking Entscheidung auf dem Programm.
70 Kinder machten den sportlichen Auftakt zu dieser langlebigen Veranstaltung. Schnellster Junge wurde Tobias Kurth (SF Kladow), der den Lauf in 3:51 min. souverän gewann. Zweiter wurde Walter Roos, der seinen Lauf in 4:04 min. ins Ziel brachte. Auf Platz 3 lief Frederik Jansa in 4:11 min. Schnellstes Mädchen wurde Larena Statt (WSG 1981 Königs Wusterhausen) in 4:01 min., vor Emma Wolff (Oranienburger Judoclub) in 4:13 min. und Sarah Kurth (SF Kladow) in 4:26 min.
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| Tobias Kurth von den SF Kladow gewinnt über 1050m | Direkt nach ihm kommt das schnellste Mädchen: Larena Statt von der WSG 1981 Königs Wusterhausen |
Schnellste war hier Kamilla Bohle, die den Lauf nach 1:54 min. gewann. Lynn Lüttig vom Oranienburger Judo Club nahm nach 2:39 min. den zweiten Platz ein. Dritte wurde Miriam Rother (LG Oberhavel), die nach 2:44 min. das Podium der Mädchen komplettieren konnte. Bei den Jungs hatte Karlos Wohlrab (Judo-Club Samura Oranienburg) die schnellsten Beine und siegte in 1:55 min. Hinter ihm lief Fiete Conrad (Oranienburger Judo Club) nach 2:03 min. auf Platz 2. Albert Roos sicherte sich in 2:12 min den dritten Platz.
24 Mädchen und Jungen der jüngsten Klasse erreichten das Ziel.
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| Fur Nachwuchsathleten stehen Bambiniläufe über 400 und 800 Meter und ... | ... ein Kinderlauf über 1050 Meter auf dem Programm |
Lenian Statt (WSG 1981 Königs Wusterhausen) war bei den Jungs eine Klasse für sich und siegte in 3:05 min. souverän. Niels Härtel (SSV Hohen Neuendorf), der wurde in 3:23 min. Zweiter. Rio Schmid (SV Grün-Weiß Birkenwerder) komplettierte das Podium und kam als Dritter nach 3:28 min. ins Ziel.
Bei den Mädchen war Helen Ahr (TheraSapia Berlin) nicht zu schlagen. In 3:27 min. feierte sie einen überzeugenden Sieg. Mit Sally Marie Hain (Judo-Club Samura Oranienburg) fand sich nach 3:37 min. das zweitschnellste Mädchen im Ziel ein. Aniele Möller Alpizar (RG Oranienburg Falkensee) machte nach 3:41min. das Siegespodest komplett.
55 Mädchen und Jungen kamen bei diesem Lauf ins Ziel.
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| Der 5 x 1,2 km Staffelauf steht am Anfang des sportlichen Programms | Die Rennmäuse der LG Oberhavel sind die erste Staffel im Ziel |
Hier triumphierten die Rennmäuse der LG Oberhavel, die nach 17:26 min. das Staffelrennen souverän gewannen. Die Staffel der SG Zühlsdorf kam nach 17:32 min. zu Platz 2 vor "Die KamiKatzen", die nach 18:20 min. auf Platz 3 einliefen. Insgesamt kamen 37 Staffeln bei diesen Wettbewerb ins Ziel.
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| Die Walker / Nordic Walker über 7,5 km starten zuletzt. Im Bild: M65-Sieger und schnellster Mann Olaf Heisig | Musikalische Rhythmen am Rande der Strecke zur sportlichen Betätigung |
Kathrin Rychlik benötigte 52:02 min. und war nicht nur die schnellste Frau im Teilnehmerfeld, sondern auch schneller als alle Männer. Zweite Frau wurde Elisabeth Fobian (Team Oberhavel e.V.), die nach 59:57 min. im Ziel war. Ramona Urbschat belegte nach 1:01:33 h Rang 3. Schnellster Mann war Olaf Heisig (BSG BFW Berlin-Brandenburg) in 55:09 min. Platz 2 belegte Thomas Tamm (A3K-Berlin), der nach 57:25 min ins Ziel kam. Andreas Fabian (FA Oranienburg) wurde nach 58:01 min. Dritter.
Insgesamt walkten 48 Frauen und Männer ins Ziel.
Auf der 7,5 km langen Strecke, in deren Verlauf die Gedenkstätte des Lagers Sachsenhausen einmal umrundet wurde, war Stefan Grützmacher vom VFL Brandenburg jederzeit Herr der Lage und fuhr nach 26:33 min. einen ungefährdeten Sieg ein. Jakob Hildebrandt folgte ihm nach 27:20 min. auf Platz 2. Maximilian Meißner (Team Erdinger Alkoholfrei) lief nach 28:01 min. auf Platz 3.
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| Start- und Ziel Sieg für Stefan Grützmacher im 7,5 km Hauptlauf | Die drei schnellsten Männer im 7,5 km Hauptlauf: 3. Maximilian Meißner, Sieger Stefan Grützmacher (586) und 2. Jakob Hildebrandt (605) |
Katharina Basel war schnellste Frau und beendete ihr Rennen nach 32:43 min. Die zweitplatzierte Anja Schwerin (KSV Pankow 90) kam nach 33:33 min. exakt 50 Sekunden nach der Siegerin ins Ziel. Nancy Grützmacher (VFL Brandenburg) konnte nach 35:49 min. das Siegerpodest der Frauen vervollständigen.
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| Katharin Basel gewinnt bei den Frauen | .vor Anja Schwerin | und Nancy Grützmacher |
Mit 161 Frauen und 184 Männern im Ziel war der 7,5 km lange Hauptlauf der teilnahmestärkste Lauf des Tages.
Maksim Polozov (LG Oberhavel) lief nach 57:24 min. vor dem Rest des Feldes ins Ziel. Sein Mitstreiter René Latzke von der gleichen Riege hatte schon einen beträchtlichen Rückstand auf den Gewinner und blieb in 59:55 min. auch noch unterhalb der 60-Minuten-Marke. Steffen Nordwig (LC Ron Hill Berlin), hatte über wiederum 2 Minuten Rückstand auf den Gesamtzweiten und füllte das Siegerpodest als Dritter nach 1:02:10 h auf.
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| Der 15 km Ergänzungslauf wurde gemeinsam mit dem Hauptlauf getartet |
Franziska Küster (RFC Löwenberg) feierte im Frauenrennen auf dieser Distanz einen klaren Sieg. Ihre Endzeit: 1:08:53 h. Katharina Verdenhalven belegte mit schon deutlichem Rückstand auf die Siegerin in 1:11:13 h den zweiten Platz. Es sollten nochmals über 4 Minuten vergehen, ehe Katharina Hofmann nach 1:15:42 h ihren dritten Platz festmachen konnte.
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| Maksim Polozov gewinnt den 15 km Ergänzungslauf | Franziska Küster siegt über die gleiche Distanz bei den Frauen |
22 Frauen und 56 Männer konnten den längsten Lauf des Veranstaltungstages erfolgreich ins Ziel bringen.
Die 59. Auflage des Sachsenhausen-Gedenklaufs hat den Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, sowie jenen des sowjetischen Speziallagers, das sich zwischen 1945 und 1950 an gleicher Stelle befand, ein ehrendes und würdevolles Andenken bewahrt. Zwar wird die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers "laufend" nur von den Teilnehmenden der beiden Läufer über 7,5 km bzw. 15 km umrundet, doch war die kleine Gedenkfeier mit angemessener Streichmusik und dem Aufstieg der Tauben schon ein beeindruckender Moment, der sich angemessen gegen das "Vergessen" richtete.
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In der Ausschreibung des ausrichtenden Team Oberhavel e.V. heißt es: "Der Gedenklauf verbindet sportlichen Ehrgeiz mit dem wichtigen Gedenken an die Opfer des Konzentrationslagers Sachsenhausen. Es ist eine besondere Gelegenheit, Fitness mit einem Bewusstsein für Geschichte und Menschlichkeit zu verknüpfen."
Dass dies gelang, zeigt der Umstand, dass die Laufsportfreunde aus Brandenburg und Berlin nicht unter sich waren. An der Veranstaltung nahmen auch Aktive aus Polen und Tschechien, sowie Schülerinnen und Schüler aus Lauterbach im hessischen Vogelsbergkreis teil. Im kommenden Jahr darf der Gedenklauf seine 60. Jubiläumsauflage feiern. Hierzu kann man jetzt schon gratulieren und ihm wünschen, dass noch mehr laufbegeisterte Menschen aus anderen Staaten und Bundesländern den Weg an die Oberhavel finden.
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Bericht und Fotos von Jörg Engelhardt Ergebnisse www.strassenlauf.org & Infos www.team-oberhavel.de Zu aktuellen Inhalten im LaufReport HIER |
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