5.5.24 - 41. Rhein-Ruhr-Marathon in Duisburg

Nur halb so heiß bei zweifachem Genuss

von Thomas Disser 

 

Die Garten-Duschen in den südlichen Duisburger Stadtteilen sind ein Markenzeichen des Rhein-Ruhr-Marathons. Bisher war man bei Freibad- anstatt Laufwetter unterwegs. Diesmal ist es nur halb so warm, gut 10 Grad zum Startschuss. Daher ist keine Bewässerung für Laufhelden nötig. Vorhergesagte Schauer bleiben ebenfalls aus, perfekt für die Athleten.

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41. Rhein-Ruhr-Marathon in Duisburg - Los geht's über die Kruppstraße
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Ach ja, der Startschuss. Der muss nun wegen eines Feuerwehreinsatzes im Stadtteil Homberg verschoben werden. 2022 waren es Parksünder. Duisburg ist eben kein Landschaftslauf, wie mir ein wissender Laufkamerad erklärt.

 

Orga-Chef Uwe Busch hat sein Handy griffbereit und wartet auf den erlösenden Anruf mit der Streckenfreigabe. Dies trifft zunächst die Inliner, die um 8 Uhr als Erste auf die Marathonstrecke gehen sollen. Es zieht sich um rund 40 Minuten, die die Athleten auf ihren schnellen Rollen mehr oder weniger geduldig an der Startlinie warten, um dann mit atemberaubendem Tempo zu starten.

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Ruhe vor dem Sturm in der Schauinsland-Arena, Heimstätte der "Zebras" und Marathonziel an diesem Sonntag Moderatoren umrahmen den Orga-Chef: v.l. Dominik Dieter, Uwe Busch, Andreas Menz

 

Warm-Up ist erstmals in Duisburg nötig. Die Abgabe der Kleiderbeutel wird bis zur letzten Minute hinausgezögert. Da die Startzeiten der nachfolgenden Läufe durch die Verschiebung flexibel gehandhabt werden, wärmt man sich eben laufend zwischen Startlinie und Beutel-LKW auf. Das Moderatoren-Duo mit Andreas Menz und Dominik Dieter informiert uns aber bestens, damit niemand seinen Startschuss verpasst.

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Vor dem Startschuss für die Marathonis hören wir noch einige Worte mit Gesang und göttlichem Beistand von Pfarrer Jürgen Muthmann, dann werden die gut 750 Läuferinnen und Läufer auf die Kruppstraße geschickt.

Über 750 Marathonis warten auf den Startschuss Kurz-Andacht von Pfarrer Jürgen Muthmann vor dem Marathonstart

 

Der bunte Läufer-Lindwurm zieht sich in die Länge und verlässt nach gut 5 Kilometern am Innenhafen den städtisch geprägten Bereich entlang des Ruhrdeichs. Normalerweise wäre jetzt die Karl-Lehr-Brücke zu überqueren, aber wegen Bauarbeiten ist die Strecke verlegt worden. So wird uns die Sicht auf den imposanten Binnenhafen verwehrt, aber den haben die Stammgäste schon in der Vergangenheit zur Genüge erblickt. Überhaupt sind es viele treue Anhänger in Duisburg, aber auch Marathon-Debüts werden hier erfolgreich absolviert.

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Vor dem Marathonstart traut sich nur der spätere Sieger Benno Hildebrand (3.v.l., rote Shorts) ganz nach vorne… … während sich die zweifache Siegerin Katharina Wehr (blaues Trikot) weiter hinten einsortiert

In der Stadt sowieso, und selbst weiter draußen sind jede Menge Stimmungsnester mit Zuschauern, die alles geben, um die Läuferinnen und Läufer zu unterstützen. Das Duisburg-Gefühl, dass wirklich jeder, der an der Strecke vorbeikommt, den Laufhelden Respekt zollt, ist allgegenwärtig. Nicht nur durch große Personengruppen. Jede Familie applaudiert, die Kinder wollen natürlich abgeklatscht werden. Radler klingeln und rufen zu. Senioren machen es sich am Fenster oder vor dem Haus mit ihrem Gartengestühl bequem, sitzen bei Kaffee und Kuchen und verbreiten gute Laune bei den Laufenden. Gekrönt wird das von größeren Gartenfesten mit heißem Grill und Fassbier, das zum Greifen nah gezapft wird.

Blickfang Schauspielhaus Gut gelaunt unterwegs

Aber wir sind ja nicht zum Trinken hier, sondern zum Marathon laufen. Wobei die Getränkeversorgung an über 17 Punkten bestens läuft. Dazu noch einige privat organisierte Wasserstellen, was bei den dramatisch hohen Temperaturen der letzten Jahre sehr hilfreich war. Die legendären Garten-Duschen sowieso, aber die sind dieses Jahr nicht nötig. Selbst die Feuerwehrleute in Rheinhausen brauchen keine Bewässerung aufbauen.

Immer wieder beeindruckend: Duisburger Innenhafen

Die Brücke der Solidarität. Sie beeindruckt mich jedes Mal aufs Neue. Heute habe ich sie für mich allein. Kein Läufer vor oder hinter mir zu sehen. Zufall? Jedenfalls regt es zum Nachdenken an, wie wichtig der Name dieser Brücke ist und wie sehr er in diesen Zeiten strapaziert wird.

Es geht Richtung der südlichen Stadtteile Duisburgs. Hier springt der Funke besonders stark über, wenn die letzten 10 Kilometer vor uns liegen und die Zuschauer mit ihren Anfeuerungen nicht mehr zu bremsen sind. Das weckt nochmal Kräfte, die zuvor nicht mehr erwartet wurden.

Hier wird getrommelt… … hier auch … … und hier nochmal

So wird der Tunnel in die Schauinsland-Reisen-Arena, wie das Stadion des MSV Duisburg heißt, genossen, ebenso wie der erste Blick in das Stadioninnere, wo Streckensprecher Andreas Menz mich herzlich begrüßt und ich mich sehr freue, ihn hier wieder zu treffen. Vor dem Lauf bat ich ihn noch wie bereits letztes Jahr, den Zielschluss flexibel zu handhaben. Das tat er auch, war aber wegen des guten Laufwetters weniger nötig als bisher. Es wurde dennoch der letzte Laufkamerad, der vom offiziellen Schlussläufer Jürgen Binias begleitet wurde, mit großem Applaus nach 5:50 Stunden empfangen.

Schöne Idee: Der helfende Verein wird angekündigt Pacemaker haben immer Gesellschaft

Wer gewinnt den Marathon?

Ein großes Fragezeichen stand hinter dem Start von Katharina Wehr, für den ASV Duisburg in der WHK startend, der sympathischen Siegerin von 2022 und 2023. Eine leichte Erkältung in den Tagen zuvor klingt doch so gut ab, dass sie heute an den Start geht. Dabei ist sie im Gedränge der vorderen Reihen erst gar nicht zu erkennen. Als weitere Kandidatin wurde Sabine Schmey aus dem Breisgau ausgemacht. Sie startete vor vier Wochen in Freiburg, musste aber das Rennen aufgeben. So hat sie sich recht spontan den Duisburger Rhein-Ruhr-Marathon ausgesucht. Was sie nicht bereuen sollte. In der ersten Rennhälfte hat Sabine Schmey die Nase vorn, bleibt aber in Sichtweite der Titelverteidigerin. Nach rund 35 Kilometern übernimmt Wehr die Führung und gewinnt die 41. Ausgabe in 2:56:49 Stunden (Bruttozeit, wie alle nachfolgenden Angaben). Sabine Schmey (W35) wird Zweite in 2:57:37 Stunden vor der Drittplatzierten Angelika Ax, ebenfalls in der W35 startend von Laufsport Bunert in 3:11:49 Stunden.

Über sieben (?) Brücken musst Du gehn - die Aakerfährbrücke ist die erste… … und führt über die Ruhr

Bei den Männern wird Benno Hildebrand, vereinsloser M35-Starter aus Bonn, zuvor als Favorit gehandelt. Dieser Rolle wird er mehr als gerecht. Zur Halbzeit nach 1:14:52 Stunden hat er sechs Minuten Vorsprung vor dem Zweitplatzierten Jakob Giesen (MHK) von der LG Aachen. Diesen Vorsprung baut er zwar nicht weiter aus, sein Sieg ist aber nicht in Gefahr. Nach 2:35:42 Stunden wird er von der Mika-Timing-Zeitmessung im Ziel erfasst. Jakob Giesen läuft zwei fast gleich schnelle Rennhälften und wird Zweiter in 2:42:01 Stunden.

Imposant: Die Brückentürme… … der Friedrich-Ebert-Brücke

Der Kampf um Platz drei ist knapper: Fünf Läufer kommen innerhalb von 83 Sekunden ins Ziel. Schaut man sich die Zwischenzeiten an, gab es durchaus Positionskämpfe, die am Ende ein schneller M40-Starter für sich entscheiden kann: Christoph Heesen vom SuS 1920 Grün-Weiß Kalkar ist nach 2:44:30 Stunden im Ziel und wird Dritter.

Am Rheinorange mündet die Ruhr in den Rhein

758 Läuferinnen und Läufer finishen den 41. Rhein-Ruhr-Marathon, 55 mehr als 2023. Auch wenn man von Veranstalterseite eine etwas größere Steigerung erwartet hatte, ist das kein Grund zur Traurigkeit.

Halbmarathon

Beim Halbmarathon sind die Finisherzahlen auf Vorjahresniveau. 2178 Laufhelden werden in diesem Jahr im Ziel der Schauinsland-Arena gezählt.

Halbzeit am Rheinufer Essenberg, dahinter die alte und neue Rheinbrücke Duisburg-Neuenkamp

Auch an der Spitze bleibt alles beim Alten. Will heißen, die beiden schnellsten Läufer aus 2023 gewinnen auch 2024. Sogar mit fast gleichem Abstand. Dabei kann sich Hagen Bierlich (M30) vom Bunert Laufladen Köln in 1:09:23 Stunden durchsetzen. Letztes Jahr drei, diesmal vier Sekunden später kommt Simon Bong (MHK) vom Brühler TV 1879 in 1:09:27 Stunden als Zweiter ins Ziel. Der dritte Platz geht an Kevin Kranz (M30) in 1:10:40 Stunden.

Kräftiges Grün in der Moerser Straße in Rheinhausen … … kurz vor der Brücke der Solidarität

Nach ihrem zweiten Platz 2023 gewinnt Stephanie Breitkreuz (WHK) vom ASV Duisburg diesmal in 1:18:10 Stunden die Damenwertung. Mila Primke, ebenfalls in der WHK startend, wird zweite in 1:22:37 Stunden vor der Drittplatzierten Linda Meier (W30) vom Laufsportladen Bunert Duisburg/Moers, die nach 1:24:15 von der Zeitmessung im Ziel erfasst wird.

Inline-Marathon

171 Starter sind ebenfalls auf dem Level von 2023. Der Schlagloch-Beauftragte des Orga-Teams leistete im Vorfeld ganze Arbeit und hatte 81 Löcher zu beseitigen. Full-Service für die Inliner.

Hatten wir eigentlich schon die Trommler? Sitting Ovations für die Laufhelden

Gewinnen kann auch in diesem Jahr Alexander José Bastidas Rodriguez vom SUC Berlin, diesmal sehr deutlich in einer Zeit von 1:15:44 Stunden. Rang zwei geht an Karsten Wilke von Ruhrboss 03 in 1:23:29 Stunden. Dritter wird Pierre Casaert aus Frankreich in 1:23:46 Stunden.

Die schnellste Frau auf Rädern ist heute Alina Kalisch vom Ahrensburger TSV in 1:26:24 Stunden. Zweite wird - wie bereits im letzten Jahr - Bianca Fliesenberg vom SV Heepen Skate-Team Bielefeld, die nach 1:29:08 Stunden im Ziel gewertet wird. Platz drei für Dagmar Grob vom VfR Büttgen 1912 e.V. in 1:39:21 Stunden.

Stimmungsvolles Ziel in der Schauinsland-Reisen-Arena

Handbiker, Halbmarathon-Staffeln und besonders die gut frequentierten Schülerläufe am Samstag runden das Komplett-Paket 41. Rhein-Ruhr-Marathon ab. Nach dem Zieleinlauf ein prima Finisher-Shirt und die stylische Medaille entgegennehmen, und natürlich die Bier-Insel ansteuern, das gehört in Duisburg einfach dazu. Letztes Jahr habe ich mir das Bier ehrlicherweise gespart. Die Hitze war zu groß und ich zu schwach. Dieses Jahr ist beides anders.

Der wahrscheinlich treueste Fan - nicht nur vom Rhein-Ruhr-Marathon Lieven von Berger finisht seinen ersten Marathon Das Ziel-Bier schmeckt!
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Wie geht es im nächsten Jahr weiter?

Die 42. Ausgabe des Rhein-Ruhr-Marathons, schon dieser Titel sollte für die Motivation eines Starts beim Zwei-Flüsse-Lauf sorgen. Am besten wieder im Mai. Jedenfalls fasst der Veranstalter einen ähnlich gelagerten Termin ins Auge. Gut so. Es ist einfach besser zu laufen bei kühlerem Wetter. Nach so vielen Hitze-Jahren hat dieser Lauf auch mal ein paar kühlere Ausgaben verdient. Dieses Jahr musste bekanntlich auf einen früheren Termin verschoben werden, um die Veranstaltung überhaupt in diesem Format anzubieten. Das hat vielleicht manchen Langfrist-Planer vor Probleme gestellt. Nächstes Jahr gibt es mehr Vorlaufzeit und dadurch auch mehr Teilnehmer. Ganz sicher.

Zweifacher Genuss. Erst die Duisburger Fans, dann das Köpi im Ziel.

Bericht und Fotos von Thomas Disser

Ergebnisse & Info www.rhein-ruhr-marathon.de

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