3.5.24 - CityLauf Aschaffenburg

Citylauf-Forum mit Carsten Eich am 09.04.2024

von Thomas Disser 

LaufReport vom CityLauf Aschaffenburg HIER

Bei dem nicht nur pandemie-bedingten Neustart des Citylaufes wurde eine Tradition in Aschaffenburg beibehalten: das Citylauf-Forum. Vortrags-Abende rund um das schönste Hobby der Welt, bei dem regionale Größen bis hin zu Athleten mit internationalem Format die Bühne betraten und das Publikum in ihren Bann zogen.

Nun haben Race Director Günter Guderley und Marco Schneider mit seinem professionell auftretenden Team des LuT Aschaffenburg erneut einen hochkarätigen Gast eingeladen: Carsten Eich. Der 1970 in Leipzig geborene Sportler lief in den 1990er Jahren unter dem langjährigen Marathon-Bundestrainer Wolfgang Heinig Zeiten, die jahrzehntelang die deutschen Bestenlisten anführten. Heute kaum vorstellbar bei noch nie dagewesener Rekord-Häufigkeit.

Carsten Eich mit Renndirektor Günter Guderley (re.) und Marco Schneider, Gesamtverantwortlicher des Aschaffenburger Citylaufs Gastgeber Marco Eisert, Geschäftsführer vom Medienhaus Main Echo, begrüßte die Gäste zum traditionellen Citylauf-Forum

Sicher kann man hier gleich die neueste Schuh-Technologie mit ins Spiel bringen. Carsten Eich präsentiert dazu seinen 90er-Jahre-Schlappen und ein aktuelles Carbon-Modell. Der Unterschied ist augenscheinlich, bei fast gleichem Gewicht der Schuhe. Gewicht ist eben nicht alles. Was auch auf den Athleten Eich passt, der zu sportlichsten Zeiten bei 1,90 Metern Größe nur 65 Kilo auf die Waage brachte. Sein aktuelles Gewicht gibt er nicht exakt preis, trotz Nachfrage einer Zuhörerin, aber der Body-Mass-Index dürfte noch auf sehr gutem Level sein. Dazu reichen 2 bis 3 lockere Läufe pro Woche, die der frühere Leistungssportler bis heute gerne absolviert.

Carsten Eich präsentierte seine 90er-Jahre-Schlappen und ein aktuelles Carbon-Modell

Seine Vortragsstunde ist abwechslungsreich aufgebaut. Zum einen die Expertise mit Grundlagen zum Trainingsaufbau und Intensität. Betont aber auch die Abwechslung zwischen Trainingsinhalten, dass eben auch Radfahren und Schwimmen erlaubt ist. Das will erfahrungsgemäß nicht jeder Läufer wahrhaben. Auch der wichtige Aspekt, dass erhöhte Leistungsfähigkeit eine erhöhte Regenerationsfähigkeit nach sich zieht, kommt bei der Zuhörerschaft an. Trainingsreize und Leistungsdiagnostik werden ebenfalls kurz beschrieben.

Zwischen der laufsportfachlichen Theorie zeigt Carsten Eich auch Lauf-Praxis: Mehrere Videosequenzen seines Köln-Marathons 1998, den er in 2:10:55 Stunden gewann.

Dazu passt die Präsentation einer typischen Wettkampf-Vorbereitungs-Trainingswoche mit rund 275 Kilometern. Das klingt schon mal imposant. Die wirklichen Belastungen werden erst auf den zweiten Blick deutlich. Wenn in zwei Trainingseinheiten am Tag 45 Kilometer gelaufen wurden, davor und danach ähnliche Umfänge im Plan sind, wird deutlich, welcher Aufwand für derartige Leistungen nötig und wie groß die Gefahr von Überlastung ist. Freilich sind Spitzenathleten top-betreut im Vergleich zu uns Hobbyläufern. Das Thema Übertraining ist aber gleichermaßen präsent. Und wird daher von Carsten in seinem Vortrag mit einem Satz beschrieben: Die Ausdauer-Pyramide gilt für alle.

Zwei deutsche Rekorde in sechs Tagen: Nach seinem Europarekord über Halbmarathon am 6. April 1993 in 60:34 min lief Carsten Eich am 10. April in Paderborn die 10 km in 27:47 min, schneller als je ein Deutscher zuvor. Seinen schnellsten Marathon ist er 1999 in Hamburg in 2:10:22 h gelaufen

Ein Ausflug in den Trainings-Alltag der 1990er Jahre sorgt für Staunen: Beim langen Lauf fährt der Trainer mit dem PKW hinterher, ruft zwischendurch die Kilometer-Zeiten zu, und am Ende des Laufes wird der Puls do-it-yourself 10 Sekunden lang am Hals gemessen. So wird mit modernen Uhren doch vieles einfacher. Allerdings ist der Sportler auch permanent überwacht und kann seinem Trainer nichts mehr vormachen.

Carsten Eich favorisiert auch wegen der neuen Uhren-Technik das Training nach Herzfrequenz. Am besten in Verbindung mit einer Leistungsdiagnostik. Pulswerte sind einfach zu variabel, daher macht die Diagnostik hier auch für Hobbysportler Sinn, damit jeder seine individuellen Frequenzbereiche für die Trainingseinheiten kennt. Der wichtigste Hinweis, dass häufig zu schnell trainiert wird, darf natürlich nicht fehlen.

Das gerne vernachlässigte Thema Regeneration kommt zur Sprache. Ebenso die Periodisierung zwischen Grundlagenausdauer und Wettkampfvorbereitung. Dass Tapering letztlich der Schlüssel zum Erfolg ist, wird dabei genauso deutlich gemacht.

Besprochen wird auch die Frage, warum der von Carsten Eich beim Berlin-Halbmarathon 1993 aufgestellte Europarekord von 60:34 Minuten (und Fast-Weltrekord, wenn nicht Moses Tanui diesen nur 24 Stunden zuvor verbessert hätte und als erster Mensch unter 1 Stunde lief) jahrzehntelang als nationaler Rekord Bestand hatte. Erst Amanal Petros konnte diesen auf der Deutschen Rangliste 2021 auf 60:09 Minuten verbessern. Ein Grund dafür könnte sein, dass Carsten diesen Rekord aus einem spezifischen, für 10 km und Halbmarathon entwickelten Trainingsplan lief, während die aktuellen Top-Athleten aus einem Marathontraining heraus auch den Halbmarathon absolvieren.

Was kann man für den Aschaffenburger City-Lauf jetzt noch machen? Carsten Eich räumt ein, das wird zeitlich knapp.
Nützliche Tipps und Hinweise, vor allem zur Fehlervermeidung in den letzten Tagen vor einem Lauf, gibt es aber doch

Zum Schluss gab es auch noch einige Praxis-Tipps für den nächsten Wettkampf. Es schadet nie, daran wieder mal erinnert zu werden. Zum Beispiel, die zweite Hälfte des Wettkampfes schneller zu laufen. Das setzt freilich voraus, eben von Beginn an nicht zu euphorisch zu starten, was besonders bei stimmungsvollen Wettkämpfen wie auch dem Aschaffenburger Citylauf mit tausenden Zuschauern am Streckenrand häufig passiert. Je länger die Distanz, umso wichtiger ist dieser Grundsatz. Und wenn es noch länger wird, eben auch die Etappenziele vor der Zielflagge wahrzunehmen.

Das Ende seiner Profi-Karriere läutete Carsten Eich 2007 ein. Auf die Zuhörer-Frage, wie denn das Läuferleben danach aussah, nannte Carsten eine interessante Zahl. Experten rieten ihm zu einer Reduktion seiner jährlichen Laufleistung um 20 Prozent. Was bedeutet, dass die bisherigen 10.000 Jahres-Laufkilometer "nur" auf 8.000 Kilometer reduziert werden sollten. Freilich bei geringerer Intensität. Aber dennoch wird klar, was es bedeutet, seinen Körper von einem jahrzehntelangen, auf Höchstleistung getrimmten Körper wieder auf ein gesundes, aber immer noch sportliches Level zu bringen.

Freudiges Wiedersehen beim Aschaffenburger Citylauf Forum. Reinhold Eser hatte vor 8 Jahren an einer Laufreise auf Mallorca mit Carsten Eich teilgenommen. Reinholds erster Laufwettbewerb war der Aschaffenburger Citylauf, bei dem er seither immer dabei war Ebenfalls treuer Aschaffenburger Cityläufer, aber auch auf längeren Distanzen bis 100 km unterwegs, LR-Berichterstatter Thomas Disser

Seine Lauf-Passion hat Carsten Eich zu seinem Beruf gemacht. Laufseminare und Vorträge sind im Angebot, ebenso das Buch "Dein Running Coach" mit reichlich Trainingsplänen aus erster Hand. Freilich nicht so heftige wie in seiner Profi-Zeit. Aber für Laufhelden, die sich gerne verbessern möchten, die beste Lektüre.

Die Macher des Aschaffenburger Citylaufes haben mit dem aktuellen Forum wieder einmal gutes Gespür bewiesen, was die Läuferszene in der Region interessiert. Die aufmerksamen Zuhörer verbrachten einen spannenden Abend im Saal des MAIN-ECHO-Medienhauses.

Carsten Eich im Internet https://www.carsten-eich.de

LaufReport vom 10.4.2024 - Bericht von Thomas Disser - Fotos Constanze Wagner

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Informationen unter citylauf-aschaffenburg.de

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