20.4.26 - 130. Boston Marathon130. Boston Marathon - Marathon Monday und Medal Tuesday |
| von Florian Kaltenbach |
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Boston steht zurecht auf der Bucketlist unzähliger MarathonläuferInnen und in diesem Jahr wurden die TeilnehmerInnen mit nahezu perfekten Bedingungen mit trockenen Temperaturen zwischen 4 und 7 Grad sowie anfänglich leichtem Rückenwind verwöhnt. |
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Seit 1897 bereits wird am Patriots Day - jährlich am dritten Montag im April im Gedenken an den Ausbruch des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs im Jahre 1775 - der Boston Marathon ausgetragen; in diesem Jahr bereits zum 130. Mal und darüber hinaus dem 250jährigen Bestehen der USA gewidmet.
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| Nahezu perfekten Bedingungen beim 130. Boston Marathon | |
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Da die "Punkt-zu-Punkt"-Strecke zwischen Start und Ziel 140 Meter (offiziell 248m bergauf und 388m bergab) verliert, finden die Finisherzeiten in den offiziellen Bestenlisten keine Berücksichtigung. Gestartet wird im Städtchen Hopkinton, bei wenig Verkehr in etwa 45 Autominuten vom Zielort Boston entfernt.
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Damit die zahlreichen Marathonis - diesmal rund 30.000 LäuferInnen - auch pünktlich zur Startlinie kamen, wurde die Deadline für die Shuttlebusse jeweils großzügig auf knapp 2,5h bis gut 3h vor Startschuss angesetzt - zwischen 6:15 Uhr für die Eliteathleten (Start 9:37 Uhr), über 6:45 Uhr für die erste Startwelle (Start 10:00 Uhr), bis 9:00 Uhr für die sechste und letzte Startwelle (Start 11:21 Uhr). Das bewog nicht wenige Starter, einschließlich mir selbst (2. Startwelle um 10:15 Uhr), eine Unterkunft in Startnähe zu suchen, um erst später loszumüssen, und damit auf einen Dropbag mit Wechselklamotten - denn dieser war zwingend im Zielbereich abzugeben - zu verzichten. Dank der direkt nach Ziellinie ausgegebenen Wärmeschutzfolie und des angenehm sonnigen Wetters war dieser Tradeoff-Entscheid jedoch für mich der richtige. |
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| Sonntag: im Zielbereich noch wenig los | ... das Team Polen setzt sich schon mal in Szene |
Als sehr professionell und wirkungsvoll erwies sich in Hopkinton die Zuführung der Marathonis in die jeweiligen Startwellen - diese konnten nur über kontrollierte Schleusen aus dem Athletes Village, das sich 0,7 Meilen bzw. gut 1 Kilometer von der Startlinie auf einem großen Schulgelände befand, erreicht werden.
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Unmittelbar nach Startschuss im gutbürgerlichen Hopkinton (150m ü.M.) mit wunderschönen Einfamilienhäusern in Holzoptik ging es bis in das 6 km entfernte Städtchen Ashland (70m ü.M.), in dem Henry E. Warren 1916 die elektronische Uhr patentierte, fast durchgehend bergab. Zudem profitierten die Marathonis auf diesem Teilstück von einem leichten Rückenwind. Danach verlief die Strecke vorbei an den Städten Framingham (km 10, 60m ü.M.) und Natick (km 16, 60m ü.M.) weitgehend flach, bevor es ab Wellesley (km 21, 50m ü.M.) sehr wellig und auch sehr laut wurde. Unweit der Halbmarathonmarke passierten wir das Wellesley College, das seinem Spitznamen "Scream Tunnel" alle Ehren machte, und bei nicht wenigen zu Tinnitus führte ;-) |
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| Die LäuferInnen kommen im Athletes Village Hopkinton an | Eingang zum Athletes Village - Die Deutsche Ultra-Nationalteamläuferin Katrin Gottschalk in weißer Jacke wird in 3h 9min finishen und AK-59. |
Der Versuchung, ein Bild zu knipsen, musste ich ob meines ambitionierten, persönlichen Ziels - welches ich erfreulicherweise auch erreichte - leider widerstehen. Nach den Wellesley Hills, wo es zwischen 25m ü.M. und 60m ü.M. hoch und runter ging, passierten wir bei km 30 das drittletzte Städtchen Newton (60m ü.N.), an dessen Ende der berühmtberüchtigte Heartbreak Hill aufwartete. Dort, bei km 33, ging es auf 800m Strecke von 50m ü.M. auf 80m ü.M. bergauf. Wer sich die Kräfte gut einteilte, konnte nach diesem Anstieg auf den verbleibenden 8 Kilometern bis zum Ziel, die entweder leicht bergab oder topfeben verliefen, noch den ein oder anderen Marathoni einsammeln'.
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| Die Startwellen werden einzeln aufgerufen | Streckenposten am Start sorgen für Ordnung |
Vor der großen Stadt passierten wir Brookline (km 36, 30m ü.M.), den Geburtsort des charismatischen Ex-US-Präsidenten John F. Kennedy, bevor wir zwei Kilometer später Boston erreichten (15m ü.N.). Dort verliefen die letzten Kilometer auf breiten Straßen zwischen Häuserschluchten und das Rennen fand im stimmungsvollen Zielkanal mit vollbesetzter Tribüne vor der altehrwürdigen Boston Public Library einen würdigen Abschluss. Eine wirklich schöne Veranstaltung, die noch, während weitere Marathonis finishten, bei der Post-Race-Party auf dem großen Freigelände am vier Metrostationen entfernten Government Center bis weit nach Sonnenuntergang weiterklang.
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| Masashi (Nr.14815), Finisher unter 3h 20min | Emsige Helfer im Zielbereich | Stimmungsmacher im Zielbereich |
Bei den Männern bestand die Spitzengruppe bis km 25 noch aus zwei Dutzend Läufern, darunter auch die beiden deutschen Topathleten Richard Ringer und Hendrik Pfeiffer. Letztgenannter führte auf der ersten Hälfte gar das Feld an, was jedoch angesichts der guten Bedingungen als auch der noch verhältnismäßig moderaten Pace für ihn nicht zu schnell war, wie er später auch in seinem Podcast betonte. Zur Halbmarathonmarke startete der Äthiopier Lemi Berhanu einen Ausreißversuch, wurde jedoch vor km 25 wieder von der Spitzengruppe geschluckt, und stieg nach km 30 gar aus dem Rennen aus.
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| Shuttlebusse im Zielbereich als Lagerort der Dropbags | Ovationen der Dropbagvolunteers |
Ab km 25 entwickelte sich ein Steigerungslauf, den zunächst Berhanu's
Landsmann Milkesa Mengesha - der später als Zehnter in 2:05:35h finishte
- bestimmte. Noch vor dem Heartbreak Hill bei km 32 löste ihn der kenianische
Vorjahressieger John Korir an der Spitze ab, und dieser zeigte anschließend
ein fulminantes Rennfinale. Bis zum Ziel setzte er sich um fast eine Minute
von den nächsten Verfolgern ab, und siegte mit einer beeindruckenden zweiten
Hälfte von 60:02min in neuer Streckenrekordzeit von 2:01:52h.
Auch der zweite, Weltmeister Alphonce Felix Simbu (Tansania) - er schlug vergangenes
Jahr Amanal Petros im Zielsprint des WM-Marathons in Tokio - in 2:02:47h, und
der dritte, amtierender New York-Marathonsieger Benson Kipruto (Kenia) in 2:02:50h
blieben noch unter der 15 Jahre alten Bestzeit von Geoffrey Mutai (2:03:02h
am 18.04.2011).
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| Legenden des Boston Marathon ausgestellt auf der Expo | |
Phänomenal stark auch die beiden deutschen Topläufer: sowohl Richard Ringer als Achter in 2:04:47h als auch Hendrik Pfeiffer als Siebzehnter in 2:06:34h waren so schnell wie nie zuvor und ließen unter anderem auch die beiden Olympia-Marathon-Medaillengewinner Abdi Nageeye (Niederlande, 2:08:13h/ 21.) und Galen Rupp (USA, 2:08:15h/ 22.) hinter sich. Schnellste einheimische Läufer wurden Zouhair Talbi (Colorado, startet für Marokko) als Fünfter in 2:03:45h und Charles Hicks (Florida) als Siebter in 2:04:35h. Verletzungsbedingt leider nicht starten konnte der aktuelle US-Marathonrekordhalter Conner Mantz (2:04:43h in Chicago am 12.10.2025).
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| LäuferInnen vor dem Zieleinlauf | Fotograf im Zielbereich auf der Suche nach schönen Momenten |
Ähnlich, jedoch in der Spitze nicht ganz so schnell wie bei den Männern, verlief das Rennen bei den Frauen. Zehn Minuten nach den Elite-Männern gestartet lief eine große Spitzengruppe mit über ein Dutzend Läuferinnen bis km 30 zusammen, bevor sich die Vorjahressiegerin Sharon Lokedi (Kenia) entscheidend absetzen konnte. Mit sagenhaften 14:48min (!) auf den 5k zwischen km 35 und km 40 stürmte sie in 2:18:51h mit deutlichem Vorsprung als schnellste Frau ins Ziel - anderthalb Minuten langsamer als bei ihrem Vorjahressieg in Streckenrekordzeit (damals 2:17:22h), aber mit beeindruckendem Negativsplit bzw. einer um knapp 3,5 Minuten schneller gelaufenen zweiten Rennhälfte.
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| Fanfest am Government Center | Gespanntes Warten auf die kostenlos gravierte Finishermedaille |
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Das Podest vervollständigten ihre beiden Landsfrauen Loice Chemnung (2:19:35h) als Zweite und Mary Ngugy-Cooper (2:20:07h). Stärkste einheimische Läuferin wurde mit einem beherzten Rennen Jess McClain (Arizona), die bei km 30 das Feld anführte, als Fünfte in 2:20:49h; schnellste Europäerin wurde die ehemalige Skilanglauf-Junioren-Weltmeisterin Marte Mæhlum Johansen (Norwegen) als 38. Frau in 2:37:40h.
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Bericht und Fotos von Florian Kaltenbach Ergebnisse boston.r.mikatiming.com
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